Titel und Herrschaft der Zähringer beschäftigten bereits den staufischen Geschichtsschreiber Bischof Otto von Freising in der Mitte des 12. Jahrhunderts. In seinen 1157/58 vollendeten Gesta Frederici, die eine staufische Sicht der Geschehnisse wiedergeben, hinterfragte Otto die Grundlage für den zähringischen Herzogstitel. Seine Bemerkungen über dendux-Titel der Zähringer rückten die Zähringertitulatur dabei auch für die moderne Geschichtsforschung in den Mittelpunkt des Interesses. Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Zähringertitulatur in Eigen- und Fremdaussage. Es soll untersucht werden, inwieweit die verschiedenen Herzogsämter, die die Zähringer im Laufe ihrer Geschichte bekleidet haben, in die Titelführung Einzug fanden. Auf die Bezugspunkte der zähringischen Herzogsherrschaft und „Zähringen“ als Element der Titulatur soll ebenfalls eingegangen werden (jeweils in Selbstaussagen und im Fremdverständnis der Zeitgenossen). Im weiteren stellt sich die Frage, ob ein Zusammenhang zwischen Herrschaftsdurchsetzung und Titelführung im Eigenverständnis der Zähringer erkennbar ist. Der Schwerpunkt wird auf die staufischen Bezeichnungen der Zähringer gesetzt, da hier gemeinsame Interessenskonflikte (unter anderem in Burgund) deutlich werden.
Die Untersuchung der Fremdaussagen zur Zähringertitulatur wird in dem Sinne durchgeführt, dass eine Eingrenzung auf Königsurkunden erfolgt. Vereinzelt werden die „Gesta Frederici“ von Otto von Freising hinzugezogen.
Literatur, die sich auf die oben erwähnte Thematik bezieht, ist in ausreichender Menge vorhanden. Es gibt einige Abhandlungen, die sich mit der Zähringertitulatur beschäftigen (zu erwähnen ist hier der Aufsatz „Dux de Zaringen - dux Zaringiae. Zum zeitgenössischen Verständnis eines neuen Herzogtums im 12. Jahrhundert“ von Thomas Zotz). Das Thema ist bisher befriedigend erforscht worden. Die Quellenlage ist gut.
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung
II Herkunft und Vorfahren der Zähringer
III Die Zähringertitulatur in Eigen- und Fremdaussage
1. Der Kärntner Herzogstitel
2. Der schwäbische Herzogstitel
3. Der burgundische Rektoratsauftag in der Zähringertitulatur
4. Die Auswirkungen der eigenständigen Burgund- Politik Friedrich Barbarossas auf die Zähringertitulatur
5. Die Zähringertitulatur seit 1185
IV Ergebnisse
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Zähringertitulatur in Eigen- und Fremdaussage, um zu analysieren, inwieweit verschiedene, im Laufe der Geschichte bekleidete Herzogsämter in die Titelführung einflossen und ob ein Zusammenhang zwischen der Durchsetzung ihrer Herrschaftsansprüche und ihrer Titulatur im Eigenverständnis erkennbar ist.
- Entwicklung des Zähringer-Herzogstitels
- Die Rolle des "Titelherzogtums"
- Einfluss der burgundischen Rektoratsstellung
- Staufische Einflüsse und Fremdwahrnehmung
- Territoriale Identitätsbildung durch Zähringen
Auszug aus dem Buch
3. Der burgundische Rektoratsauftag in der Zähringertitulatur
Seit 1100 kann Berthold ebenso wie sein Sohn Berthold III. (1111- 1122) als Unterstützer der spätsalischen Herrscher angesehen werden43. Den Zähringern gelang seit dem frühen 12. Jahrhundert über Vogteien (Bamberg, St. Peter, St. Georgen, St. Blasien) und unter Einsatz ministerialer Gefolgsleute die innere Konsolidierung ihres Herrschaftsgebietes im Südwesten Schwabens, das nun nicht mehr in der Zuständigkeit des schwäbischen Herzogs lag44. Nach dem Tod seines Bruders Berthold III. übernahm Konrad den Dukat (1122- 1152) 45.
1125 wurde der Sachse Lothar von Supplinburg als Gegenkandidat gegen den staufischen Schwabenherzog Friedrich zum König gewählt. 1127 erhoben die Staufer mit Konrad III. einen der Ihren zum Gegenkönig.46 Um die Zähringer als Verbündete in seinem Kampf mit den Staufern zu gewinnen, gestand Lothar diesen das Rektorat Burgund zu47. Dieses Amt hatte es zuvor in Burgund nicht gegeben und gab es auch andernorts nicht48. Als rector über den principatus Burgundiae sollte Herzog Konrad in Vertretung des Königs die Reichsrechte im ganzen ehemaligen Königrech Burgund wahrnehmen, die reale Nutzung des Rektorats blieb jedoch auf Ostburgund beschränkt49. Der Reichsauftrag wurde bald in die zähringische Titulatur aufgenommen. Seit 1140 auf ihrem Siegel, seit 1155 in ihren Urkunden benutzten die Zähringer bis in die 80er Jahre selbst die Formulierung dux et rector Burgundiae beziehungsweise dux Burgundiae50. Die Zähringer beließen also ihre Herzogswürde in ihrem Selbstverständnis ohne Referenz oder verbanden sie mit Burgund51. Die von den Zähringern bevorzugte Lösung „Herzog und Rektor von Burgund“ konnte sich jedoch außerhalb ihres engeren Umkreises nicht behaupten52.
Zusammenfassung der Kapitel
I Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Zähringer-Herzogstitel ein und umreißt das Ziel der Arbeit, die Titelführung in Eigen- und Fremdaussage kritisch zu hinterfragen.
II Herkunft und Vorfahren der Zähringer: Das Kapitel beleuchtet die genealogischen Wurzeln der Familie und die Etablierung ihrer Machtbasis um die Jahrtausendwende im Breisgau und Thurgau.
III Die Zähringertitulatur in Eigen- und Fremdaussage: Hier wird detailliert analysiert, wie die Zähringer durch Kärntner und schwäbische Titel, das burgundische Rektorat und politische Anpassungen an die Staufer ihre Titulatur entwickelten.
IV Ergebnisse: Das abschließende Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse über die Entwicklung des zähringischen Herzogtitels und die Verbindung von politischer Herrschaftsdurchsetzung und urkundlicher Selbstdarstellung zusammen.
Schlüsselwörter
Zähringer, Herzogstitel, Titulatur, Rektorat, Burgund, Berthold, Eigenverständnis, Fremdaussage, Staufer, Reichspolitik, Herrschaft, Urkunden, Titelherzogtum, Adel, Mittelalter
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Entwicklung und Bedeutung der Herzogstitel der Zähringer im Hochmittelalter und wie diese Titel sowohl in Selbstaussagen der Zähringer als auch in zeitgenössischen Fremdaussagen verwendet wurden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Verleihung von Titelherzogtümern, die politische Rolle der Zähringer im Raum Burgund und Schwaben sowie der Einfluss staufischer Politik auf die herrschaftliche Legitimation der Familie.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Ziel ist es zu klären, inwieweit die verschiedenen Herzogsämter in die Titelführung einflossen und ob ein direkter Zusammenhang zwischen der tatsächlichen Herrschaftsdurchsetzung und der gewählten Titulatur besteht.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Untersuchung basiert primär auf einer Analyse von Urkunden, Siegeln und zeitgenössischen Chroniken, ergänzt durch eine Auswertung der relevanten Fachliteratur zum zähringischen Herrschaftsverständnis.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Kärntner und schwäbischen Titel, den Einfluss des burgundischen Rektorats sowie die Auswirkungen der Politik Friedrich Barbarossas auf die zähringische Titularpraxis.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Forschung?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Zähringertitulatur, Herzogtum, Rektorat, staufische Rivalität und territoriale Herrschaftsbildung beschreiben.
Wie wirkte sich die Verleihung des Kärntner Herzogtitels auf die Zähringer aus?
Der Titel ermöglichte den Zähringern den Aufstieg in den dukalen Rang, blieb jedoch weitgehend ein "Titelherzogtum" ohne reale Kontrolle über das Gebiet, was für ihre spätere unabhängige Herrschaftsbildung bedeutend war.
Warum änderte sich die Titulatur der Zähringer ab dem Jahr 1185?
Ab 1185 integrierten die Zähringer unter Berthold IV. und Berthold V. den Namen "Zähringen" verstärkt in ihre Selbstbezeichnung, was als Zeichen für eine territoriale Konnotation und ein gewandeltes Selbstverständnis gedeutet werden kann.
- Citation du texte
- Matthias Storm (Auteur), 2005, Die Zähringertitulatur in Eigen- und Fremdaussage, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47043