Die Hausarbeit beschäftigt sich mit der Verfilmung des Klassikers "Fräulein Else" von Arthur Schnitzler aus den 70er Jahren von Ernst Hausman.
Der Film wird hinsichtlich seiner Kameraführung und Vertonung wissenschaftlich hinterfragt. Hierbei rückt vor allem die Wahrnehmung für den Betrachter des Films in den Vordergrund und wie diese durch filmstilistische Mittel beeinflusst wird.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Fräulein Else - ein Gesellschaftsdrama der Wiener Moderne
2.1 Das Grand Hotel - Grenzort und Filmkulisse
2.2 "Durch die Augen des Protagonisten" - die Zuschauerwahrnehmung
3 Das kooperierende Wechselspiel zwischen Bild & Tonebene
3.1. Szene 1 : Perspektivenwechsel
3.2. Szene 2: Perspektivwechsel und Tonspurüberschneidung
3.3. Szene 3: Negativbild und Vogelperspektive
3.4. Schumanns "Carnaval" als musikalisches Leitmotiv
4. Resümee
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, wie der Regisseur Ernst Hausman in seiner 1974er Verfilmung von Arthur Schnitzlers „Fräulein Else“ filmästhetische Mittel einsetzt, um die subjektive Wahrnehmungswelt der Protagonistin für den Zuschauer erlebbar zu machen. Im Zentrum steht dabei die Analyse des Zusammenspiels von Kameraführung und Tonebene sowie deren Einfluss auf die Identifikation und Empathie des Publikums.
- Analyse der subjektiven vs. objektiven Kameraperspektive
- Die Funktion von Tonüberschneidungen und Off-Stimme
- Einsatz von Slow-Motion und Negativbildern zur Darstellung des psychischen Zustands
- Die Bedeutung von Robert Schumanns „Carnaval“ als musikalisches Leitmotiv
- Untersuchung der Wirkung der Vogelperspektive im finalen Handlungsverlauf
Auszug aus dem Buch
3.1. Szene 1: Perspektivwechsel
„Wie kann man bei dem wundervollen Wetter in der Halle sitzen? Unbegreiflich.“( Fräulein Else, 1975,[0:03:34]), lautet Elses erster Satz, Ihres inneren Monologs, bei Betreten des Hotels. Während Sie anschließend den Blick durch die Empfangshalle des Hotels schweifen lässt, kommentiert Sie die Angewohnheiten und Tätigkeiten der sich darin befindenden Personen. Auf der großen Hoteltreppe sieht Sie plötzlich einen Mann auf sich zu kommen. Einen „Filou“ wie er sowohl in der Novelle, als auch im Film betitelt wird. Während Elses Blick auf ihm ruht, verharrt die Kamera in Slow Motion. Gleichzeitig verlangsamt sich auch Elses Monolog „Der könnte mir schon eher gefallen“ ( Fräulein Else, 1975,[0:04:55]). Nachdem Else den unbekannten Mann betrachtet und seine Begrüßung in Ihre Richtung erwidert hat, steuert Sie auf den Empfangstresen des Hotels zu. Bis zu diesem Zeitpunkt, sieht der Zuschauer das Geschehen durch Elses Augen, aus der subjektiven Kameraperspektive. Das ständige leicht verwackelte Bild und der langsame schweifende Blick durch den Raum, vermittelt schon zu Beginn des Films das Gefühl, dass man als Zuschauer tatsächlich selber Teil des Filmes ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Fragestellung nach der Beeinflussung der Zuschauerwahrnehmung durch filmische Mittel in Ernst Hausmans Adaption von „Fräulein Else“ vor.
2 Fräulein Else - ein Gesellschaftsdrama der Wiener Moderne: Dieses Kapitel erläutert den sozio-kulturellen Kontext des Grand Hotels als Handlungsort und die psychologische Ebene der Protagonistin im Hinblick auf ihre gesellschaftliche Ausweglosigkeit.
3 Das kooperierende Wechselspiel zwischen Bild & Tonebene: Hier wird detailliert analysiert, wie die Verzahnung von Bildmitteln (Perspektiven, Negativbilder) und Toneffekten (Musik, innere Monologe) zur Konstruktion einer subjektiven Filmerfahrung eingesetzt wird.
4. Resümee: Die Schlussbetrachtung fasst zusammen, dass die filmischen Mittel effektiv zur Identifikation mit der Protagonistin beitragen und dass der Einsatz von Kamera und Musik eine innovative filmästhetische Umsetzung des literarischen inneren Monologs darstellt.
Schlüsselwörter
Fräulein Else, Ernst Hausman, Arthur Schnitzler, Filmwissenschaft, Subjektive Kamera, Perspektivwechsel, Tonspur, Negativbild, Schumann, Carnaval, Empathie, Zuschauerwahrnehmung, Wiener Moderne, Gesellschaftsdrama, Kameraführung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit untersucht die filmästhetische Gestaltung der Verfilmung „Fräulein Else“ von 1974 und wie diese dem Zuschauer den Zugang zur Gedankenwelt der Hauptfigur ermöglicht.
Welche filmstilistischen Mittel stehen dabei im Fokus?
Im Zentrum stehen der Wechsel zwischen subjektiven und objektiven Kameraperspektiven, die Tonverarbeitung, der Einsatz von Slow-Motion sowie die Verwendung von Negativbildern.
Was ist das Ziel der Forschungsfrage?
Es soll geklärt werden, inwieweit diese Mittel das Empathieempfinden und das Verständnis des Zuschauers für die Handlung und den psychischen Wahn der Protagonistin beeinflussen.
Welche Rolle spielt die Musik in der Analyse?
Robert Schumanns „Carnaval“ fungiert als musikalisches Leitmotiv, das den emotionalen Gemütszustand der Protagonistin unterstreicht und durch wechselnde Tonstärken die Handlung dramatisiert.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil analysiert drei spezifische Szenen, um die technologische und ästhetische Umsetzung von Schnitzlers Novelle durch den Regisseur Ernst Hausman zu veranschaulichen.
Welche fachlichen Keywords charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „Subjektive Kamera“, „Perspektivwechsel“, „Wiener Moderne“ und „Filmästhetik“ bestimmt.
Warum wird im Finale die Vogelperspektive eingesetzt?
Die Vogelperspektive dient dazu, den Zuschauer erstmals in eine distanzierte Beobachterrolle zu versetzen, nachdem er zuvor eng mit der subjektiven Wahrnehmung der Figur identifiziert wurde.
Wie unterscheidet sich die Filmfassung von der literarischen Vorlage?
Während die Novelle auf dem inneren Monolog basiert, übersetzt Hausman diesen in filmische Mittel wie Tonspurüberschneidungen und Kameraeinstellungen, um eine vergleichbare Wirkung zu erzielen.
- Citar trabajo
- Anonym (Autor), 2019, Wie Perspektive und Ton im Film die Wahrnehmung des Zuschauers beeinflussen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/470637