Die zentrale Frage in P.F. Strawsons Werk „Einzelding und logisches Subjekt“ (individuals) ist, wie der Mensch über die Begriffe von Dingen seiner Umwelt verfügt und wie es möglich ist, dass er darüber verfügen kann (d.h. die Struktur dieser Begriffe und unser Denken über Einzeldinge).
Zunächst geht er davon aus, dass oft in einem Dialog von Dingen gesprochen wird (S.18) und es dabei darauf ankommt, dass der Hörer genau weiß von welchem Einzelding der Sprecher redet. Wenn das der Fall ist, so ist der Hörer in der Lage das betreffende Einzelding zu „identifizieren“. Nun ist es aber fraglich, wann man sich sicher sein kann, dass diese Identifikation funktioniert. Um eine Beantwortung zu finden, unterscheidet Strawson zwei Arten der Identifikation. Eine Form ist die „demonstrative Identifikation“. In diesem Fall ist der Hörer genau dann in der Lage ein Einzelding zu identifizieren, wenn er es im Moment der Erwähnung visuell und taktil wahrnehmen kann oder es kurz vorher konnte. Der Sprecher nimmt dabei demonstrativen Bezug (z.B. durch passende Demonstrativpronomina) auf das betreffende Ding, d.h. er weißt explizit auf das sichtbare oder kurz vorher sichtbar gewesene Objekt hin. Durch diesen Bezug wird ein bestimmter Bereich („Ausschnitt aus dem Universum“ S.23), das dem visuellen Blickfeld des Hörers und Sprechers entspricht, eingeschränkt, in dem die Identifikation stattfindet. Dadurch kann der Hörer das Einzelding lokalisieren und somit identifizieren.
Die andere Form der Identifikation ist die „nicht-demonstrative Identifikation“ von Einzeldingen. Sie trifft immer dann zu, wenn ein demonstrativer Bezug auf ein Ding nicht möglich ist, weil zum Beispiel die Szene, mit den zu identifizierenden Elementen, unübersichtlich oder verschiedene Abschnitte dieser Szene täuschend ähnlich sind und man Fehler bei der Beschreibung des betreffenden Objekts machen kann; aber auch wenn dieses Einzelding gegenwärtig nicht wahrnehmbar ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Essay 1
1.1. Zwei Formen der Identifikation von Einzeldingen: demonstrativ und nicht-demonstrativ
1.2. Das Problem der nicht-demonstrativen Identifikation und Strawsons Lösung
1.3. Das System von Raum und Zeit: grundlegend für die Möglichkeit Einzeldinge zu identifizieren.
1.4. Zwei Kategorien von Einzeldingen bei denen eine Identifizierbarkeits-Abhängigkeit eines Typs von Einzeldingen besteht.
2. Essay 2
2.1. Materielle Körper: die grundlegenden Einzeldinge für die Identifikation von Einzeldingen
2.2. Universalität der Behauptung, materielle Körper seien die grundlegenden Einzeldinge – das Gedankenexperiment einer rein auditiven Welt.
2.3. Zusammenhang zwischen der Idee eines nicht-solipsistischen Bewusstseins und der Idee der Identifikation objektiver Einzeldinge.
2.4. Gareth Evans Kritik an Strawsons Nachweis, dass Identifikation von Einzeldingen in einer rein auditiven Welt möglich ist.
3. Essay 3
3.1. Zuschreibung von Bewusstseinszuständen zu einem Subjekt: Strawsons Kritik an der „Cartesianischen Auffassung“ und der Theorie des „Nicht-Besitzen“.
3.2. Der Begriff der Person – ein primitiver Begriff.
3.3. Abhängigkeit von Selbstzuschreibung und Fremdzuschreibung von Bewusstseinszuständen
3.4. Verwendungsweise und Referenz des Wortes „ich“.
3.5. Unterschiedliche Basis der Selbstzuschreibung und der Fremdzuschreibung von Bewusstseinszuständen und der daraus folgende Denkfehler des Skeptikers.
3.6. Die logische Rolle des Begriffs „materieller Körper“ und des Begriffs „Person“ in unserem Begriffssystem und deren Zusammenhang.
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die philosophischen Grundlagen von P.F. Strawsons Werk "Einzelding und logisches Subjekt" mit dem Ziel zu klären, wie der Mensch Einzeldinge in seiner Umwelt identifiziert, wie Bewusstseinszustände zugeschrieben werden und welche Rolle materielle Körper für unser Begriffssystem spielen.
- Methoden der demonstrativen und nicht-demonstrativen Identifikation von Einzeldingen
- Die Bedeutung eines raum-zeitlichen Begriffssystems für die Objektivitätskonstitution
- Kritische Auseinandersetzung mit der Möglichkeit einer Identifikation in einer rein auditiven Welt
- Die Analyse des Personenbegriffs als primitive Einheit von Körper und Bewusstsein
- Widerlegung skeptischer Positionen zur Zuschreibung von Bewusstseinszuständen
Auszug aus dem Buch
Die andere Form der Identifikation ist die „nicht-demonstrative Identifikation“ von Einzeldingen.
Sie trifft immer dann zu, wenn ein demonstrativer Bezug auf ein Ding nicht möglich ist, weil zum Beispiel die Szene, mit den zu identifizierenden Elementen, unübersichtlich oder verschiedene Abschnitte dieser Szene täuschend ähnlich sind und man Fehler bei der Beschreibung des betreffenden Objekts machen kann; aber auch wenn dieses Einzelding gegenwärtig nicht wahrnehmbar ist.
Um diese Einzeldinge trotzdem identifizieren zu können bzw. sich identifizierenden auf diese zu beziehen, sind andere sprachliche Mittel notwendig. Dies wäre zum Beispiel die Verwendung von Namen und bestimmten Beschreibungen. Namen deklariert Strawson jedoch für unbrauchbar, da sie nicht individuell und ausschließlich für ein einziges Ding zutreffend sind. Daher muss sich diese Art der Identifikation auf die Beschreibung von Einzeldingen mit Hilfe von allgemeinen Begriffen stützen (S.24). Dabei tritt jedoch das Problem auf, dass man nicht hundertprozentig sicher sein kann, dass das Einzelding, über das man spricht, in irgendeinem Abschnitt des Universums, von dem man keine Kenntnisse hat, in der gleichen Form ein zweites Mal existiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Essay 1: Dieses Kapitel erläutert die von Strawson unterschiedenen Identifikationsarten, demonstrativ und nicht-demonstrativ, und begründet die Notwendigkeit eines allgemeinen raum-zeitlichen Systems zur eindeutigen Bestimmung von Einzeldingen.
2. Essay 2: Hier wird untersucht, ob materielle Körper für die Identifikation zwingend sind, indem Strawson ein Gedankenexperiment einer auditiven Welt konstruiert, wobei Gareth Evans kritische Gegenposition dazu dargelegt wird.
3. Essay 3: Dieser Abschnitt behandelt die Zuschreibung von Bewusstseinszuständen, kritisiert den Cartesianismus sowie die Theorie des Nicht-Besitzens und führt den Personenbegriff als primitive Einheit ein, um das Verhältnis von Körper und Geist zu klären.
Schlüsselwörter
Strawson, Identifikation, Einzelding, materielle Körper, raum-zeitliches System, Bewusstseinszustände, Person, Cartesianismus, Nicht-Besitzen, Selbstzuschreibung, Fremdzuschreibung, Skeptizismus, Objektivität, Prädikate, Anschauung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die philosophische Argumentation von P.F. Strawson in seinem Werk „Einzelding und logisches Subjekt“ bezüglich der Identifikation von Dingen und der Konstitution des Subjekts.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Identifikation von Einzeldingen, die Rolle des Raums und der Zeit, die Natur von Bewusstseinszuständen sowie das Verhältnis von materiellen Körpern und Personen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Struktur unserer Begriffe von Einzeldingen zu verstehen und zu klären, wie wir als handelnde und denkende Wesen innerhalb eines gemeinsamen Begriffssystems existieren und kommunizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine philosophische Textanalyse von Strawsons Primärwerk, ergänzt durch logische Argumentationsprüfungen und den Einbezug fachwissenschaftlicher Sekundärliteratur zur kritischen Einordnung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in drei Essays, die zunächst die Identifikation von Einzeldingen, dann die Bedeutung der Materialität in einer auditiven Welt und schließlich die logische Einheit des Personenbegriffs diskutieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Identifikation, Person, materieller Körper, Bewusstseinszustand, raum-zeitliches System, Objektivität und die Widerlegung skeptischer Einwände.
Inwiefern ist das Konzept der "auditiven Welt" für Strawson relevant?
Das Konzept dient als Gedankenexperiment, um zu prüfen, ob ein raum-zeitliches Begriffssystem zwingend auf materielle Körper angewiesen ist, was für die Begründung objektiver Identifikation zentral ist.
Was bedeutet es, dass der Begriff der Person als "primitiv" gilt?
Es bedeutet, dass der Personenbegriff nicht weiter zerlegt werden kann, da er die analytische Einheit von Bewusstsein und Körperlichkeit bereits voraussetzt, die für die Zuschreibung von Prädikaten notwendig ist.
Wie reagiert der Autor auf das Argument des Skeptikers?
Der Autor zeigt, dass der Skeptiker die Einheit des Bewusstseins missversteht und ignoriert, dass Eigen- und Fremdzuschreibung von Bewusstseinszuständen nur innerhalb einer Anerkennung des Personenbegriffs funktionieren können.
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- Christine Porath (Author), 2005, Zu: P.F. Strawson - Einzelding und logisches Subjekt - Essay 1 - 3, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47064