Das Theodizeeproblem. Warum Gott das Leid auf der Welt nicht verhindert


Hausarbeit, 2017

11 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Definition der Theodizee

3 Lösungen des Theodizee-Problems
3.1 Die Sündentheodizee
3.2 Naturgesetzte und Theodizee
3.2.1 Das Argument der Willensfreiheit
3.2.2 Leidvolle Naturgesetzte
3.2.3 keine-bessere-Welt-Hypothese
3.3 Irenäische Theodizee

4 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Umweltverschmutzung tötet Millionen Kinder“1

„Babyleichen in irischem Mutter-Kind-Heim gefunden“2

„Münchner stirbt bei Lawinenunglück in Italien“3

Nicht nur in Zeitungsartikeln häuft sich die Anzahl schlimmer Ereignisse, sondern überall auf der Erde. Auch die Graphik vermittelt stellvertretend das traurige Elend, welches Alltag in armen Ländern oder Krisengebieten ist. wirdutert, danach die Sündentheodizee erläutert, igionen, 105ff.hungsweise sich frei entwickel. ie Welt eingreifen würde, wäreEs gibt ein gewaltiges Ausmaß an Leid auf dieser Welt. Kriege, Naturkatastrophen, Verbrechen und Krankheiten verursachen sehr viel Schaden. Warum aber gibt es so viel Leid und warum kann es nicht verhindert werden? Folglich kommt die Frage auf, weshalb Gott dieses Leid nicht verhindert, obwohl er allmächtig ist und aus diesem Grund dazu im Stande wäre. Aus diesem Gedanken ergibt sich das Theodizee-Problem. In dieser Arbeit werde ich drei Lösungsansätze des Theodizee-Problems vorstellen. Der erste Lösungsansatz bezieht sich auf die Sündentheodizee. Diese besagt, dass Gott zu Beginn der Zeit eine einwandfreie, heile Welt geschaffen hat in der es keine Form von Leid gab, nämlich das Paradies. Durch den Sündenfall wurde die harmonische Schöpfung zerstört. Ab diesem Zeitpunkt war das Leben der Menschen mit Leid belastet. Auch auf die nachfolgenden Generationen ging diese selbstverschuldete Strafe als Erbschuld über. Gott überlässt dem Menschen aber nicht seinem Verhängnis, denn nach seinem Tod findet jedes Individuum wieder seine Vollendung im Paradies. In der Sündentheodizee wird demnach das Leid als Strafe, Sühne und Prüfung angesehen. Dieser Lösungsweg des Theodizee-Problems ist nicht zufriedenstellend, da es nicht gerecht sein kann die Nachkommen aufgrund einer Sünde der Vorfahren zu bestrafen. Niemand hat es verdient an einer Krankheit zu leiden, zu verhungern oder ermordet zu werden.4 Der zweite Lösungsweg erscheint deutlich plausibler. In diesem geht es um die natürlichen Übel und warum diese so beschaffen sind, dass sie Leid verursachen können. Eine Antwort darauf ist, dass es Naturgesetzte geben muss, um die menschliche Willensfreiheit zu sichern. Wenn Gott ständig in die Welt eingreifen würde, wäre sie nicht mehr frei. Daraus folgt, dass der Mensch sich nicht frei entwickeln könnte beziehungsweise nicht frei entstehen könnte.5 Im letzten Lösungsansatz der auch plausibel erscheint, wird das Leid als eine Möglichkeit betrachtet über sich selbst hinauszuwachsen und religiöse, ethnische und humane Werte zu entwickeln, die grundsätzlich wünschenswert und positiv sind. Die Problematik dabei ist, dass nicht aus jedem Leid ein resultierendes Gut dabei entsteht, dass miteinander aufwiegbar ist.6

In dieser Arbeit wird der Frage warum es das Leid auf der Welt gibt, beziehungsweise warum Gott es nicht verhindert nachgegangen. Als erstes wird die Theodizee genau definiert, danach die Sündentheodizee erläutert, nachkommend werden die Naturgesetze in Verbindung mit dem Theodizeeproblem interpretiert. Danach wird auf die Irenäische Theodizee eingegangen.

2 Die Definition der Theodizee

Theodizee setzt sich nach Röm 3,5 aus den griechischen Wörtern Theos (Gott) und Dikae (Gerechtigkeit) zusammen. Die Problematik der Theodizee war schon äußerst früh bekannt. Das Problem wurde aus der heidnischen Philosophie in die christliche Theologie überliefert. Die Theodizee beschäftigt sich mit den Fragen, wie ein allwissender und allmächtiger Gott angesichts des Übels in der Welt gerechtfertigt werden kann und weshalb ein allmächtiger Gott kein Leid verhindern kann, wenn er doch gütig ist.7 Um diese Frage zu klären gibt es mehrere Lösungsansätze wie beispielsweise die Sünden-Theodizee.

3 Lösungen des Theodizee-Problems

Im Folgenden werden verschiedene Lösungsansätze des Theodizee-Problems erläutert.

3.1 Die Sündentheodizee

Gott hat zu Beginn der Zeit eine heile Welt geschaffen. In diesem Paradies gab es keine Schuld, kein Hass, kein Verbrechen, keine Krankheiten oder Naturkatastrophen. Im Garten Eden lebten die Menschen in Harmonie mit sich selbst, mit ihrer Umwelt und mit Gott. Durch den Sündenfall wurde diese Ausgeglichenheit zerstört wodurch der Mensch das harmonische Verhältnis zu seiner Umgebung und zu seinen Mitmenschen verlor. Von da an wurde das Leben der Individuen mit Leid belastet. Krankheit, Zerstörung und den Verlust des ewigen Lebens belastet fortan das Leben der Menschen. An alle nachfolgenden Generationen ging dieses Schicksal als Erbschuld über. Jedoch hat nicht die Sünde und der Tod das letzte Wort, sondern die Liebe Gottes. Gott überlässt den Erdenbewohnern nicht ihrem Schicksal, sondern er entsendet den Erlöser Jesus Christus. Die Toten werden genauso auferstehen wie Christus auferweckt worden ist. Das Leben wird bis zum Tod als Pilgerweg gedeutet, der erst im ewigen Gottesreich seinen Abschluss findet. Dieses stellt dann das Paradies dar, welches auf der Erde verloren war.

Das Leid wird in der Sünden-Theodizee als Strafe, Prüfung oder Sühne verstanden. Der Mensch ist selbst für das Leid verantwortlich und nicht Gott, darum ist das Übel und das Leid in Form von Krieg, Hass oder beispielsweise Gier die eigenverschuldete Strafe für das menschliche Vergehen. Auch die Schöpfung wurde nicht mit Leid verschont, natürliche Übel wie Erdbeben, Krankheiten, Tsunamis oder Vulkanausbrüche sind die Folge von dem sündigen Handeln der Menschen.

Es kommt bei der Sündentheodizee jedoch die Frage auf, warum Gott den Sündenfall des Menschen überhaupt zugelassen hat, beziehungsweise warum Gott das Paradies nicht besser schützte. Auf dieses Problem kann entgegnet werden, dass Jesus der Erlöser, die Gnade der Menschheit erst durch die Sünde des Menschen gebracht wurde. Das traditionelle Dogmatische Argument dazu lautet, dass Gott den Sündenfall also zu lies, um sich den Menschen als gnädiger Erlöser und Retter zu offenbaren. Das Paradies wird durch die Auferstehung Christi also wieder hervorgebracht.

Die Begründung der Sündentheodizee hängt aber allein von der Voraussetzung ab, dass am Anfang der Schöpfung das Paradies stand. Diese Prämisse ist aber durch das neue und fortschrittliche Weltbild nicht belegbar, da es noch nie eine heile und leidfreie Welt gab. Die Erde war schon immer von Krankheiten, Naturkatastrophen oder Tod geprägt. Aus diesem Argument folgt, dass der menschliche Sündenfall nicht für das Leid auf der Welt verantwortlich gemacht werden kann! Die Sündentheodizee hat in der modernen Welt ihre Plausibilität überwiegend verloren.8

Eine deutlich überzeugendere Lösung des Theodizee-Problems stellt der Weg der Naturgesetzte in Verbindung mit der Theodizee dar.

3.2 Naturgesetzte und Theodizee

„Das natürliche Übel in der Welt entsteht durch dieselben Naturgesetzte, die auch die Evolution zum Menschen hin ermöglichen. Es lässt sich dafür argumentieren, dass diese Naturgesetzte nicht verändert werden konnten, wenn der auf den Menschen hin zulaufende Evolutionsprozess möglich bleiben sollte. Von daher kann man das natürliche Übel als Nebenfolge der Gesetzmäßigkeiten verstehen, die menschliches Leben ermöglichen. Unabhängig von der nicht beantwortbaren Frage, ob sich eine bessere Welt als unsere Welt denken lässt, wird so die Unlösbarkeit von Leben und Leid in dieser Welt deutlich, die eine Bejahung des Lebens ohne Akzeptanz des Leidens unmöglich macht.“9

Aus diesem Zitat geht hervor, dass die Entstehung und Existenz von Leben und Verstand möglich wurden, weil alle physikalischen Strukturen, alle Parameter und Konstanten, sowie die Naturgesetze aufeinander abgestimmt sind. Nur eine minimale Veränderung hätte die Entstehung von Leben verhindern können. Leider ist die Natur nicht nur atemberaubend schön und wunderbar, sondern sie verursacht auch Übel in Form von Erdbeben, Krankheiten, Vulkanausbrüchen, Tsunamis oder Waldbränden welche grauenerregend und erschreckend sind. Es stellt sich die Frage, warum Gott die Natur so beschaffen hat, dass sie Krankheiten hervorbringen kann und somit Mensch und Tier Leid zufügen kann. Warum hat Gott Naturkatastrophen auf der Erde zuglassen? Eine Antwort auf diese Fragen ist, dass natürliche Übel Bestandteile von der Erde sind und die Welt einfach so beschaffen ist das unheilvolle Dinge passieren können. Eine traditionelle Erklärung lautet, dass Gott zu Beginn der Zeit eine andere Welt erschaffen hatte, nämlich das Paradies ohne Leid und Übel. Wie bereits im vorherigen Gliederungspunkt erwähnt, kamen die Übel erst durch den Sündenfall ins Paradies, die Sünde der Menschen zerstörte dann die heile Welt. Das Problem der natürlichen Übel besteht in zwei Teilproblemen.

3.2.1 Das Argument der Willensfreiheit

Das erste Teilproblem besteht darin, dass die Frage aufkommt warum Gott die Erde mit Naturgesetzten erschaffen hat. Vulkanausbrüche, Epidemien, oder Tsunamis nehmen keine Rücksicht auf ihre Opfer, egal ob diese Gerechte oder Sünder sind. Gott bewahrt die Menschen nicht vor diesem Unheil, warum greift er nicht in die Erde ein und wendet alles zum Guten? Einen Lösungsansatz bietet das Argument der Willensfreiheit, welcher klarstellt, dass Moralität und Willensfreiheit nur auf einer Erde möglich sind, die nach Naturgesetzen funktioniert. Die Individuen können nur in dieser Welt die Konsequenzen ihres Handelns erkennen und sich dafür verantworten. Naturgesetzte sind also eine Voraussetzung für die Moralität der Menschen.10 Aus den Naturgesetzten resultieren außerdem Regelmäßigkeiten, ohne die ein rationales Handeln nicht möglich wäre. Menschen könnten ohne diese Regelmäßigkeiten keine rationalen Erwartungen entwickeln, keine Wahrscheinlichkeiten balancieren oder schlaue Voraussichten treffen, zudem könnten sie keine Voraussagen treffen.11

3.2.2 Leidvolle Naturgesetzte

Das zweite Teilproblem behandelt die Frage, warum auf unserer Erde keine Naturgesetze gelten, die weniger Übel erzeugen. Ein Lösungsansatz besteht darin zu sagen, dass es die beste aller Welten nicht gibt, aus diesem Grund ist es nicht Gottes Aufgabe diese zu erschaffen. Das Problem bei dieser Aussage ist, dass es sehr einfach ist, sich eine bessere Erde als unsere vorzustellen. Ein Lebensort ohne Krankheiten beispielsweise, denn diese würden der Menschheit immenses Übel ersparen. Eigentlich sollte es für einen allmächtigen Gott kein Problem darstellen eine kleine Optimierung der Naturgesetzte durchzuführen um den Menschen Leid zu ersparen. Dieser Meinung sind jedenfalls Atheisten, die mit dem Bestand von Leid auf der Welt die Existenz Gottes anzweifeln. Ein Lösungsweg ist es den Zusammenhang vom Aufbau der Naturgesetze zu verstehen. Es wäre für Gott, der allmächtig ist sicher möglich gewesen eine andere Erde zu erschaffen, jedoch ist es fraglich, ob er eine bessere Welt als unsere hätte machen können. Wenn die Naturgesetze verändert worden wären, hätte es alle Dinge verändert, nämlich ihr Verhalten oder ihre Existenz. Denn alle Gegenstände wurden durch die Naturgesetze festgelegt.12 Womöglich wäre eine Verbesserung physikalischer Art der Naturgesetze ohne massive Veränderungen sogar ohne Aufhebung humanitärer Freiheit nicht erzielbar. Es ist anzunehmen, dass genau diese Naturgesetzte die Entstehung des Menschen beziehungsweise die Entwicklung von Freiheit möglich gemacht haben.13

3.2.3 keine-bessere-Welt-Hypothese

Eine andere These über die Verteidigung der Naturgesetzte ist die keine-bessere-Welt-Hypothese. Bei dieser ist der Mensch dazu gezwungen zu glauben in der besten aller denkbaren Welten zu leben, da er sonst die Güte Gottes in Frage stellen würde. Man könnte davon ausgehen, dass die Gesetze der Natur bereits bestmöglich aufeinander abgestimmt sind und bereits die geringste Summe an Leid und die größte mögliche Summe an Gutem auf der Erde besteht. Im Gesamtkontext, auch wenn es für das einzelne Individuum negativ erscheint, ist alles bestmöglich und gut gestaltet. Diese Argumentation setzt den Glauben an Gott voraus und ist deshalb nur in diesem Fall eine anerkennbare Rechtfertigung für Leid auf der Welt.14 Zudem wird das Übel in diesem Fall funktionalisiert, was vom Menschen nicht nachvollzogen oder verstanden werden kann.

[...]


1 N.N., Umweltverschmutzung tötet Millionen Kinder, in Memminger Zeitung 2017/55 (07.03.2017) 4.

2 N.N., Babyleichen in irischem Mutter-Kind-Heim gefunden, in Memminger Zeitung 2017/53 (04.03.2017) 21.

3 N.N., Münchner stirbt bei Lawinenunglück in Italien, in Memminger Zeitung 2017/53 (04.03.2017) 22.

4 Für den vorherigen Abschnitt, vgl. LOICHINGER, Alexander / KREINER, Armin, Theodizee in den Weltreligionen: Ein Studienbuch, Paderborn 2010, 28-32.

5 Für den vorherigen Abschnitt, vgl. Loichinger / Kreiner, Theodizee in den Weltreligionen, 105-108.

6 Für den vorherigen Abschnitt, vgl. Loichinger / Kreiner, Theodizee in den Weltreligionen, 28-32.

7 BAUM, Wolfgang / FRANZ, Albert / KREUTZER, Karsten, Lexikon: philosophischer Grundbegriffe der Theologie, Freiburg im Breisgau2 2007.

8 Für den vorherigen Abschnitt, vgl. Loichinger / Kreiner, Theodizee in den Weltreligionen, 28-32.

9 STOSCH, Klaus, Theodizee, Paderborn 2013, 56.

10 Für den vorherigen Abschnitt, vgl. Loichinger / Kreiner, Theodizee in den Weltreligionen, 105-108.

11 Vgl. Stosch, Theodizee, 60.

12 Für den vorherigen Abschnitt, vgl. Loichinger / Kreiner, Theodizee in den Weltreligionen, 105-108.

13 Vgl. Stosch, Theodizee, 61.

14 Für den vorherigen Abschnitt, vgl. Stosch, Theodizee, 57f.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Das Theodizeeproblem. Warum Gott das Leid auf der Welt nicht verhindert
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
11
Katalognummer
V470647
ISBN (eBook)
9783668951648
ISBN (Buch)
9783668951655
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Theodizee, Problem, Lösung, Sündentheodizee, Willensfreiheit, leidvoll, Naturgesetzt, keine bessere Welt Hypothese, Hypothese, Irenäisch, Gott, Glaube, gnädig, böse, guter Gott, Fundamentaltheologie, Infragestellung
Arbeit zitieren
Annalena Keller (Autor), 2017, Das Theodizeeproblem. Warum Gott das Leid auf der Welt nicht verhindert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/470647

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