Belastung und Burnout unter Lehrkräften. Welche Rolle spielt das Schülerverhalten?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2017

19 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Definition: Stress
2.2 Definition: Belastung
2.3 Definition: Burnout

3 Forschungsstand

4 Belastung und Burnout bei Lehrkräften
4.1 Symptome
4.2 Ursachen
4.2.1 Persönliche Ursachen
4.2.2 Gesellschaftliche Ursachen
4.2.3 Arbeitsplatzbezogene Ursachen

5 Schülerverhalten
5.1 Fachunterricht
5.2 Klassenzusammensetzung
5.3 Lärm
5.4 Zusammenfassung

6 Prävention

7 Diskussion und Ausblick

8 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Das 21. Jahrhundert ist geprägt von vielerlei Veränderungen, die uns in allen Lebensbereichen begegnet. Auch die Lehrberufe bleiben von diesen Veränderungen nicht unberührt.

Der Aufgabenumfang für Lehrkräfte hat sich in den letzten 20 Jahren massiv vergrößert. In vielen Haushalten arbeiten beide Elternteile, daher wird ein Großteil der Erziehung der Kinder von den Eltern an die Schulen abgegeben. Zudem hat sich die Anzahl der Kinder, die eine Klasse besuchen, zunehmend vergrößert. Dies kann zu einer größeren Heterogenität innerhalb der Klassen führen. Hinzu kommen die verschiedenen ethnischen Gruppen und unterschiedlichen Glaubensrichtungen, die mittlerweile als Folge der Globalisierung, in den Klassen vertreten sind. Diese gesellschaftlichen Problematiken überfordern die Schule als Institution, da oftmals die benötigten Mittel fehlen um ihnen gerecht zu werden. Doch diese Schwierigkeiten stoßen bei der Bevölkerung oftmals auf Unverständnis.

Neben dem alltäglichen Unterrichten beschäftigen sich die Lehrkräfte zudem noch mit zusätzlichen Projekten, wie zum Beispiel Schulfesten, Ausflügen oder Elternabende. All diese Dinge müssen zusätzlich geplant und durchgeführt werden. Dabei spielt das Kollegium eine wichtige Rolle, da innerhalb des Kollegiums Absprachen getroffen werden müssen und Teamarbeit ein wichtiger Bestandteil des Lehrberufs ist.

Auch Vergleichsstudien mit anderen Ländern, wie der aus dem Jahre 2001 erfolgte Pisa-Schock, erhöhen zusätzlich den Druck auf die Lehrkräfte. Damit sind nicht nur die Aufgaben an die Lehrkräfte gewachsen, sondern auch die Erwartungen, die an sie gestellt werden.

Da das Thema Belastung und Burnout bei Lehrkräften ein sehr umfangreiches Thema ist, soll in dieser Arbeit der Schwerpunkt darauf liegen, welches Schülerverhalten dafür verantwortlich sein kann.

Dafür erfolgt als erstes eine kurze Definition der Begriffe Stress, Belastung und Burnout, da diese für den weiteren Verlauf dieser Arbeit und deren Verständnis wichtig sind. Danach werde ich auf den aktuellen Forschungsstand zum Thema Belastung und Burnout bei Lehrkräften eingehen, bevor ich zum Hauptteil dieser Arbeit komme.

Im Hauptteil werde ich die Symptome und die Ursachen für einen Burnout darstellen und speziell darauf eingehen, welches Schülerverhalten ein besonders starkes Belastungsempfinden bei Lehrkräften auslöst.

Abschließend erfolgt ein kurzer Teil zu möglichen Präventionsmaßnahmen und die Diskussion mit einem kurzen Ausblick.

2 Theoretische Grundlagen

2.1 Definition: Stress

Stress ist ein Begriff, der uns alltäglich in vielerlei Situationen begegnet. Im Volksmund wird Stress oft mit Zeitdruck assoziiert. Nach Košinàr & Leineweber (2010) ist der Begriff Stress aber vielfältiger zu fassen. Ihrer Auffassung nach gehören neben dem Zeitdruck auch die Arbeitsbelastung und Konflikte zum Thema Stress.

Nach Selye (1974) ist Stress die körperliche Anpassung auf Störfaktoren, diese Anpassungen bezeichnet er als Stressoren. Diese können durch viele verschiedene Dinge ausgelöst werden, sei es Lärm, Leistungsanforderungen, Verantwortung bis hin zu ungelösten Konflikten. Diese unterschiedlichen Stressoren können verschiedene kurz- bis langfristige Auswirkungen auf die betroffene Person haben. Dabei kann es sich von Schweißausbrüchen bis zu regelmäßigen Schlafstörungen handeln.

Die Stresswahrnehmung von betroffenen Personen ist dabei sehr individuell und kann stark voneinander abweichen.

2.2 Definition: Belastung

Der Begriff der Belastung ist ein sehr vielseitiger Begriff. Nach Ulich et al. (1985) sind Belastungen „Beeinträchtigungen der individuellen Befindlichkeit und Stimmung“. Außerdem werden sie durch die „Erlebnis-, Verarbeitungs- und Handlungsmöglichkeiten einer Person in einer gegebenen Situation [...]“ hervorgerufen. Demnach ist Belastung eine Situation oder ein Zustand des „Erleidens von Beeinträchtigungen und Mangelzuständen“.

Der Beruf des Lehrers ist einer, in dem häufig Mehrfachbelastungen auftreten. Nach Hagemann, W. (2009) werden von Lehrerinnen und Lehrern dabei einige Belastungen als besonders intensiv empfunden. Hierbei handelt es sich vor allem um das „Klima im Kollegium, die Kompetenz der Führungspersonen, das Fehlen von Entlastungsstunden, der Erholungswert von Unterrichtspausen und die fehlende Supervision“ (Vereinsamung). Dabei handelt es sich allerdings um sehr allgemeine Belastungen. Mit dem Blick auf die Arbeitsbedingungen lässt sich erkennen, dass vor allem die „Klassenstärke, das Verhalten schwieriger Schülerinnen und Schüler, die Stundenanzahl, die Koordination von beruflichen und privaten Verpflichtungen und die außerunterrichtlichen Pflichten“ ein hohes Belastungsempfinden bei Lehrerinnen und Lehrern auslösen.

Demnach ist es das persönliche Empfinden von potentieller Belastung und dessen individuelle Bewertung durch die Person, was zu Stress und schlussendlich zu einem Burnout führen kann.

2.3 Definition: Burnout

Der Begriff Burnout kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie Ausbrennen. Gemeint ist damit der Zustand völliger körperlicher, geistiger und emotionaler Erschöpfung einer Person. 1974 veröffentlichte der amerikanische Psychoanalytiker Herbert Freundenberger, als einer der Ersten, einen wissenschaftlichen Aufsatz zum Thema Burnout. In ihm beschrieb er, wie sich engagierte und pflichtbewusste Mitarbeiter über Jahre zu reizbaren und sehr negativ eingestellten Menschen entwickelten.

Nach Pines, Aronson & Kafry (1985) ist Burnout ein seelischer Erschöpfungszustand, der häufig bei Menschen auftritt, die mit anderen Menschen zusammenarbeiten und mit diesen in einer engen Beziehung stehen. Dies ist durch die täglichen Schüler – Lehrer Interaktionen in der Schule häufig der Fall.

Käser & Wasch (2009) beschreiben den Begriff Burnout als eine andauernde Belastung, bei der die Kräfte der betroffenen Person aufgebraucht werden. Dadurch fühlen sich die Betroffenen körperlich, geistig und emotional erschöpft. Sie verlieren ihre Begeisterung für Aktivitäten bis hin zu ihrer gesamten Lebensfreude.

Bis heute ist es schwierig geblieben eine einheitliche und allgemeingültige Definition für Burnout zu finden. Es gibt eine Vielzahl von Definitionen, die je nach betroffener Person mal mehr und mal weniger zutreffen. Burisch (2010) stellt fest, dass auf Grund der Vielzahl an Definitionen, dass Burnout alles und fast nichts ist.

3 Forschungsstand

Schon seit 1980 beobachten Forscher eine deutliche Zunahme von Lehrkräften die von Burnout betroffenen sind. Allerdings wurden dazu bisher keine Längsschnittstudien, sondern lediglich Querschnittsstudien durchgeführt.

Im Jahre 2003 hat der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) eine Studie mit 3566 Lehrerinnen und Lehrern durchgeführt. Nach dieser Studie empfinden 28,0% ihre Arbeitsbelastung als „sehr stark“ und 54,3% der untersuchten Personen empfinden die Belastung als „stark“. Lediglich 15% als etwas und nur 2,7% die Arbeitsbelastung als gering.

Nach einer Studie von Hübner (1995) in Berlin, ist die Belastung von Haupt- und Realschullehrkräften am geringsten. Geschlechter spezifisch betrachtet fühlen sich Grundschullehrer (11,4%) am geringsten, hingegen Gesamtschullehrerinnen mit 52,7% am stärksten belastet.

Problematisch ist außerdem, dass die Folgen dieser Belastungen nur schwer erfassbar sind und sich auch nur schwer diagnostizieren lassen. Außerdem ist es nicht erfasst wie viele Lehrkräfte wirklich an Burnout leiden, da Burnout in den Krankheitsstatistiken oft nicht aufgeführt wird. Daher lässt sich nur schwer sagen, wie viele Lehrkräfte wirklich davon betroffen sind.

Barth (1992) verweist hierbei auf eine Statistik aus den USA, nach der nur knapp über 50% der Lehrkräfte nach 5 Jahren noch weiterhin im Schuldienst beschäftigt waren. Allerdings ist hierbei zu beachten, dass Lehrkräfte in den USA oftmals noch einen zweiten Beruf ausüben, da der Lehrerberuf nicht ausreichend vergütet wird. Nach der Studie von Holtappels (1999) arbeiten Lehrerinnen und Lehrer durchschnittlich zwischen 47 und 51 Stunden in der Woche. Dabei wurden neben den Präsenzzeiten in der Schule die zusätzlichen Tätigkeiten, welche außerhalb der Schule durchgeführt werden, mit einberechnet. Diese umfassen unter anderem die Korrektur von Hausaufgaben und Klassenarbeiten, die Vorbereitung von Unterricht, das Planen von Schulfeste und vieles mehr.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es zwar eine Vielzahl von Studien gibt, allerdings kommen diese oft zu unterschiedlichen Ergebnissen oder erfassen nicht dieselben Attribute. Auch das Fehlen von Längsschnittstudien macht einen Vergleich der Forschungsergebnisse schwierig. Hinzu kommen noch die internationalen Unterschiede im Lehrberuf, die vor allem anhand der Strukturen innerhalb der Schule deutlich werden. Dies macht es zum Beispiel sehr schwierig eine Lehrkraft aus den USA, die zusätzlich zu ihrem Lehrberuf noch einem zweiten Berufs ausüben muss um monatlich genügend Geld zu verdienen, mit einer deutschen Lehrkraft zu vergleichen.

4 Belastung und Burnout bei Lehrkräften

4.1 Symptome

Die häufigsten beobachtbaren Symptome bei betroffenen Menschen sind die emotionale, geistige und körperliche Erschöpfung, sowie die Leistungsunzufriedenheit. Weiterhin können noch eine Vielzahl von weiteren Symptomen, wie z.B. ständige Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Herz- Kreislauf-Probleme, auftreten. Oftmals sind die Symptome zusätzlich mit einem Verlust der Lebensfreude, Schuldgefühlen und einer depressiven Lebenseinstellung verbunden.

Bardo (1979) beschreibt außerdem, dass betroffene Personen oft eine hohe Abwesenheitsrate haben, sich nur noch wenig für ihren Beruf einsetzen und ein großes Bedürfnis nach Ferien vorliegt. Außerdem haben betroffene Lehrkräfte eine geringe Selbsteinschätzung und seien unfähig die Schule ernst zu nehmen. Wichtig ist, dass dies keine Liste von Symptomen ist, die bei jeder betroffenen Person auftreten, sondern das Vorhandensein mehrerer dieser Symptome lediglich die Wahrscheinlichkeit auf einen Burnout erhöht. Außerdem lässt sich eine Reihenfolge oder Intensität in der die Symptome auftreten nicht festlegen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Belastung und Burnout unter Lehrkräften. Welche Rolle spielt das Schülerverhalten?
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal  (Institut für Bildungsforschung)
Veranstaltung
Psychische Belastungen im Unterricht
Note
1,3
Jahr
2017
Seiten
19
Katalognummer
V470767
ISBN (eBook)
9783668952294
ISBN (Buch)
9783668952300
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Burnout, Belastun, Schule, Schüler, Lehrkaft, Lehrkraft, Lehrkräfte, Belastungen, Schülerverhalten, Psychisch, Unterricht, Schulfornschung
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Belastung und Burnout unter Lehrkräften. Welche Rolle spielt das Schülerverhalten?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/470767

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