Die vorliegende Hausarbeit konzentriert sich auf die Entwicklung, Herkunft und Funktion des Plural-s im Deutschen. Beschäftigt man sich mit der diachronen Entwicklung des Plural-s, wird schnell deutlich, dass man sich auf dem Gebiet der Sprachwissenschaften sehr kontrovers mit dessen Ursprung auseinandergesetzt hat und diverse anfechtbare Theorien zur Herkunft dieses sprachwissenschaftlichen Phänomens aufgestellt wurden.
Um dies zu zeigen, werde ich im Folgenden die wichtigsten Theorien kurz vorstellen, im Anschluss daran ausführlich auf den tatsächlichen Ursprung des Plural-s zu sprechen kommen und außerdem (s)eine Sonderform vorstellen, um die Logik dieser Theorie noch deutlicher unter Beweis zu stellen. Schließlich werde ich in dem Zusammenhang die Funktion des Plural-s untersuchen, indem ich die verschiedenen Wortformen, an die er sich anhängt, genauer betrachte, vergleiche und unterscheide.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Der Ursprung des Plural-s
1.1. Entlehnung
1.2. Oder einheimisches Suffix?
2. Die Reanalyse des Plural-s aus dem Genitiv-Singular-s
2.1. Vom Allomorph zum überstabilen Marker
2.2. Die Reanalyse zum Pluralmarker
3. Besondere Formen - Elliptische Genitivkonstruktionen
4. Die heutige Funktion des Plural-s
4.1. Allgemein
4.2 Übergangs- bzw. Transparenzplural
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die diachrone Entwicklung des s-Plurals im Deutschen, um die kontrovers diskutierte Frage nach dessen Herkunft und Funktion zu klären. Das primäre Ziel ist es, die Hypothese einer Entlehnung kritisch zu hinterfragen und die Entstehung des Plural-s als Ergebnis einer sprachinternen Reanalyse des Genitiv-Singular-s zu belegen.
- Diachrone Untersuchung der Herkunftshypothesen des s-Plurals.
- Analyse der Reanalyse vom Genitiv-Singular zum Pluralmarker.
- Untersuchung elliptischer Genitivkonstruktionen als Beleg für den Sprachwandel.
- Darstellung der heutigen Funktion als Transparenzplural zur Wahrung der Wortgestalt.
Auszug aus dem Buch
2.2. Die Reanalyse zum Pluralmarker
STECHE bringt die Reanalyse kurz und prägnant auf den Punkt: “Bei der Bildung der Mz [Plural] nehmen die Familiennamen eine Sonderstellung unter den Eigennamen ein. Die Mehrzahlform bezeichnet die Familie in ihrer Gesamtheit. Sie wird durch Anhängen der Endung -s gebildet. Dies ist hier nicht dieselbe wie die Mehrzahlendung -s der Fremdwörter, sondern eine Übertragung der Endung des Uf.s [Genitivs] der Ez. [Singular]: die Fügung hier wohnen Müllers ist aus der Fügung hier wohnen Müllers Leute oder Angehörige unter Weglassung des übergeordneten Hauptworts entstanden, wo bei die Form Müllers der Uf. [Genitiv] des Namens des Familienoberhauptes war.” [NÜBLING/SCHMUCK (2010:155)]
Bei der Reanalyse vom Genitiv zum Plural gibt es zwei Szenarien: Einmal geht man davon aus, dass man von dem Plural des einstigen Kopfnomen (des Müllers Angehörige) ausgeht. Auf der anderen Seite steht die Annahme, dass der Ursprung im Kollektivum der grammatischen Singularform besteht (des Müllers Familie). Man einigte sich darauf, dass es sich um eine grammatisch singularische, aber semantisch kollektive Konstruktion handelt.
Ursprünglich wurde der s-Plural nur genutzt, um Angehörige einer Familie zusammenzufassen, heute erfährt er eine erweiterte Nutzung. Man kann, wenn man von Meiers spricht, zwar alle Meiers einer Familie meinen, aber auch von allen Meiers im Telefonbuch oder aus Deutschland sprechen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung führt in die weite Verbreitung des s-Plurals im Deutschen ein und skizziert die wissenschaftliche Kontroverse um seinen Ursprung.
1. Der Ursprung des Plural-s: Das Kapitel diskutiert und verwirft verschiedene Entlehnungstheorien sowie Thesen zur einheimischen Herkunft aus anderen germanischen Dialekten.
2. Die Reanalyse des Plural-s aus dem Genitiv-Singular-s: Es wird dargelegt, wie sich das Genitiv-s über ein Allomorph zu einem überstabilen Marker und schließlich zum Pluralmarker entwickelt hat.
3. Besondere Formen - Elliptische Genitivkonstruktionen: Anhand regionaler Sonderformen im Südwesten wird die Reanalyse des Genitiv-s zum Plural-s praxisnah illustriert.
4. Die heutige Funktion des Plural-s: Dieses Kapitel beleuchtet die pragmatische Funktion des s-Plurals als Transparenzplural, der die Wiedererkennbarkeit von Eigennamen und Wortformen sichert.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass der s-Plural kein Sprachimport ist, sondern das Resultat einer innerdeutschen Umdeutung von Genitiv zu Plural.
Schlüsselwörter
s-Plural, Sprachwandel, Reanalyse, Genitiv, Pluralmarker, Sprachgeschichte, Transparenzplural, Familiennamen, Flexionsmorphologie, Eigennamen, Diachronie, Sprachwissenschaft, Elliptische Genitivkonstruktionen, Morphologie, Sprachbund.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung und diachronen Entwicklung des s-Plurals im Deutschen und untersucht, ob es sich dabei um eine Entlehnung aus anderen Sprachen oder eine sprachinterne Entwicklung handelt.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die morphologische Herkunft des s-Plurals, der Prozess der Reanalyse von Genitiv zu Plural sowie die funktionale Rolle des s-Plurals als Mittel zur Bewahrung der Wortform.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist der Nachweis, dass der s-Plural eine rein deutsche Entwicklung ist, die durch die Umdeutung des Genitiv-Singulars zu einem Pluralmarker entstanden ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine diachrone sprachwissenschaftliche Analyse, vergleicht historische Theorien und zieht Belege aus der Dialektologie und Familiennamengeographie heran.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Widerlegung von Entlehnungshypothesen, die Erklärung der Reanalyse vom Genitiv-s zum Plural-s, die Analyse elliptischer Konstruktionen und die heutige Funktion des s-Plurals als Transparenzplural.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Reanalyse, s-Plural, Sprachwandel, Transparenzplural und Morphologie geprägt.
Wie unterscheidet sich der s-Plural von anderen Pluralformen?
Der s-Plural zeichnet sich dadurch aus, dass er die ursprüngliche Wortgestalt kaum verändert, was ihn besonders für Eigennamen und Onomatopoetika zur Wahrung der Wiedererkennbarkeit geeignet macht.
Was ist unter der "Präposition-Artikel-Enklise" in diesem Kontext zu verstehen?
Es ist ein Phänomen, bei dem der Genitiv-Artikel mit einer Präposition verschmilzt (z.B. "zus Müllers"), was im Südwesten belegt, wie Sprecher das ehemalige Genitiv-s nun ausschließlich als Pluralmerkmal interpretieren.
Warum wird der Begriff "Transparenzplural" verwendet?
Er wird verwendet, weil der s-Plural die ursprüngliche Wortform durch seine Anhängung fast unverändert lässt und so die morphologische Transparenz für den Sprecher bewahrt.
- Arbeit zitieren
- Anna Engel (Autor:in), 2017, Der s-Plural bei Appellativen und Eigennamen. Herkunft und Funktion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/470863