Kulturelle Identität im Migrationsprozess in C. N. Adichie‘s "The Arrangers of Marriage"


Hausarbeit, 2018
13 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die literarische Auseinandersetzung mit kulturellem Selbstbewusstsein
2.1 Der neue Blick auf Identität durch zeitgenössische afrikanische Migrationsliteratur
2.2. Die Gestaltung kultureller Identitäten in Adichie‘s „The Arrangers of Marriage“

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„In her compelling American Stories, Adichie portrays immigrant women living in- between two cultures, and narrates their impressions of the world. (…) The author creates a range of confused female characters, displaced subaltern Others who face culture shock and make necessary, if not inevitable, adjustments that threaten their cultural identity.“ (Duboin 2014: 190)

Die politische und wirtschaftliche Frage nach dem Einfluss von Migranten auf die Gesellschaft der Herkunfts- und Zielländer ist seit jeher eine internationale Debatte. Was bislang weniger im Fokus der Öffentlichkeit stand, sind Einwirkungen und Konsequenzen von Migration auf individueller Ebene. Das hat sich vor allem durch die literarische Auseinandersetzung von Migranten mit dieser Thematik geändert. Während sich „postkoloniale“ Schriftsteller, wie der nigerianische Autor Chinua Achebe, mit der kulturellen Entfremdung durch radikale Trennung von Heimat und Zielland beschäftigten, haben wir es Heute mit einer neuen Schreibergeneration aus Afrika zu tun, die, beeinflusst von Globalisierung und der transkulturalistischen Idee1, das Hauptaugenmerk auf die komplexe Subjektivität von Migrationsprozessen legt.

C. N. Adichie‘s 2009 veröffentlichter Erzählband mit dem Titel „The Thing Around Your Neck“, ist eine Sammlung von (Kurz)Geschichten, die sich, unter anderem, mit der Problematik kulturellen Identitätsverständnisses von Migrantinnen auseinandersetzt:

Eine davon, „The Arrangers of Marriage“, ist die fiktive Aufzeichnung einer gebildeten Frau aus Nigeria, die sich, nach der Ankunft in den USA, mit dem unablässigen Versuch ihres Ehemanns auseinandersetzen muss, sie vollständig zu „amerikanisieren“.

Ziel dieser Arbeit ist es, herauszuarbeiten, wie C. N. Adichie hier essentialistische Entwürfe kultureller Identität in Frage stellt und, anhand der oppositären Darstellung des sich wandelnden Charakters der Protagonistin und der ihres Ehemanns, an kulturelle Emanzipation im Migrationsprozess appelliert.

Vor der expliziten Textanalyse wird der Blick auf den Wandel von Produktion und wissenschaftlichen Rezeption „afrikanischer“2 Migrationsliteratur gerichtet, um herauszuarbeiten, welche Faktoren Identität im Migrationsprozess ausmachen und beeinflussen können, um diese anschließend an der Geschichte zu besprechen.

Kulturelle Selbstbestimmung stellt jedoch nur eine von diversen Beschäftigungsmöglichkeiten mit der Kurzgeschichte „The Arrangers of Marriage“ dar. Fragen zu Verwandtschaftsverhältnissen, Stereotypen, Zerrbildern, Exklusion und Feminismus, etc., sind ebenso in ihr verhandelt und zusätzlich miteinander verwoben, stehen aber nicht im thematischen Fokus dieser Arbeit.

2. Die literarische Auseinandersetzung mit kulturellem Selbstbewusstsein

2.1 Der neue Blick auf Identität durch zeitgenössische afrikanische Migrationsliteratur

„These are no longer the narratives of alienation and return, the „Ambiguous Adventures“ of the early post-colonial period: the sense of radical seperation between the native land and the foreign metropolis.“ (Miller, Onyeoziri, 2014: 198)

Während es bislang wenige Leitfäden gibt, die sich mit afrikanischen Autoren befassen, die in die USA immigriert sind3, hat deren Diskussion trotzdem verstärkt Einzug in die wissenschaftliche Auseinandersetzung gefunden. „Transculturalism, Otherness, Exile, and Identity in Chimamanda Ngozi Adichie‘s Americanah“4, oder „The Postcolonial Subject in Transit: Migration, Borders and Subectivity in Contemporary African Diaspora Literature5 “ sind nur wenige Titel wissenschaftlicher Arbeiten, die davon zeugen, dass es eine neue Beschäftigung mit dem Migrationsprozess in den literarischen Werken von Autoren aus Afrika gibt. Die Schriftstellergeneration von Chinua Achebe, dem oft als Vater der afrikanischen Literatur bezeichneten Autor, befasste sich noch mit der Aufgabe, westlich geformte Stereotype und Vorurteile, entstanden durch die politische und wirtschaftliche Agenda von Sklavenhandel und Kolonialismus, entgegenzuwirken. Zeitgenössische Autoren sind in ihrer Arbeit geprägt von der Idee des Transkulturalismus und Globalisierungsprozessen. Diesen Schriftstellern wird nachgesagt, dass sie neue Perspektiven auf die Mythen und Lebensrealitäten von Afrika und Nordamerika bieten, indem sie die schwierigen Fragen von „race“ und nationaler Identität adressieren. (Duboin, 2014: 181) Miller und Onyeoziri weisen darauf hin, dass das Thema der Entfremdung von den eigenen Wurzeln hier mehr zu einem Verhandlungsprozess wird, einem Spiel von Frustration, Täuschung und Missverständnissen, als (wie bei früheren Migrantengenerationen) zu einem absoluten existenziellen Bruch. (Miller, Onyeoziri, 2014: 198) Sie gehen weiterhin darauf ein, dass diese Migrationsprozesse an Komplexität und Facettenreichtum gewonnen haben, beispielsweise weil die Ablehnung oft nicht nur von der neuen Umgebung kommt, sondern auch von Menschen, von denen man erwartet/geglaubt/gehofft hat, sie seien „the closest representatives of one‘s origin.“ (Ebd. 198).

Man ist sich einig, dass ein Wandel stattgefunden hat. Die neue Schreibergeneration lässt mit ihren Werken ein globaleres Verständnis von „afrikanischer Literatur“ entstehen.

Es sind unter anderem folgende Aspekte, die in der Beschäftigung mit kulturellem Selbstbewusstsein und Identität immer wieder Einzug in zeitgenössische literarische Produktionen finden:

1. Der Wunsch und (Aber)Glaube, bessere Umstände und eine hoffnungsvollere Zukunft in Amerika zu finden, der nach der Ankunft in Amerika zerfällt oder überdacht werden muss. (Friedman, 2015: 15) Ojaruega bringt diese erwartungsvolle naive Haltung vor allem mit Filmen und anderen Medienformaten in Verbindung, die Amerika als ein „land of abundance“ darstellen und den Rezipienten kein realistisches Portrait von Amerika bieten. (Ojaruega, 2014: 27)

2. Sackeyfio bezieht sich in ihrer Arbeit explizit auf den Migrationsprozess von afrikanischen Frauen, der geprägt ist von sozialen und wirtschaftlichen Faktoren, zusätzlich zu familiären Problemen und Barrieren wie dem Patriarchat und traditionellen Werten und Sitten, die im Kontrast stehen zu solchen des Zuzugslands. (Sackeyfio, 2013: 102) Im Bezug auf den zuletzt erwähnten Punkt sei an dieser Stelle auf Adichie’s Essay mit dem Titel „We Should All Be Feminists“ aus dem Jahr 2014 hingewiesen, in dem sie vor allem mit der Rolle der Frau im Zusammenhang mit dem Patriarchat und damit einhergehenden Traditionen und Sitten abrechnet und das für die Lektüre ihrer Kurzgeschichten, deren Hauptfiguren stets weiblich sind, somit durchaus relevant ist.

3. Ernährung und Sprache spielen eine zentrale Rolle, wenn es um Zugehörigkeit, Adaption und Toleranz im Migrationsprozess geht. Die Untersuchung dieser Identitätselemente nehmen einen signifikanten Stellenwert in der literarischen Auseinandersetzung mit Migrationsprozessen ein. (Tunca, 2010: 296)

Vor allem in Adichie‘s Roman „Americanah“6, wird die Frage nach Identität unerschrocken gestellt und ausführlich behandelt; die Protagonistin der Geschichte schreibt sogar einen Blog mit dem Titel "Raceteenth or Curious Observations by a Non-American Black on the Subject of Blackness in America". Sprache spielt auch in dieser Geschichte eine wichtige Rolle: Die Protagonistin versucht zuerst, den amerikanischen Akzent zu perfektionieren, fühlt sich damit jedoch nicht wohl und spricht bald wieder mit nigerianischem Akzent. Außerdem setzt Adichie sich sowohl in „The Arrangers of Marriage“, als auch in „Americanah“ mit problematischen ökonomischen Aspekten des Migrationsprozesses auseinander: In beiden Erzählung tauchen Figuren auf, die ihre Green Card (nur) durch eine Scheinehe erhalten haben.

Es gilt nun zu untersuchen, wie die genannten Aspekte konkret in der Kurzgeschichte „The Arrangers of Marriage“ verarbeitet werden.

[...]


1 Vgl. Welsch, 1999: „Cultures today are extremely interconnected and entangled with each other. (...) Henceforward there is no longer anything absolutely foreign. (...) We are cultural hybrids. (…).“

2 Gemeint sind hier schlicht Schriftsteller, die in Afrika geboren und im Laufe ihres Lebens nach Europa oder die USA immigriert sind. Es geht nicht um eine Einteilung von Literatur nach Kontinenten; um das Genre „Afrikanische Literatur“. Vgl. Taiye Selasi, 2013: internationales literaturfestival berlin.

3 Hamilton, Geoff & Brian Jones, 2010: Encyclopedia of Contemporary Writers and Their Works. New York: Infobase Publishing.

4 Nwanyanwu, Augustine Uka Matatu, 2017: Journal for African Culture & Society. Vol. 49 Issue 2, p386-399.

5 Fongang, Delphine, 2018: The Postcolonial Subject in Transit: Migration, Borders and Subjectivity in Contemporary African Diaspora Literature. Lanham, Maryland : Lexington Books.

6 Hier sei auf die thematischen Arbeiten von Okolocha, H. Oby und Nwanyanwu, Augustine Uka verwiesen.

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Details

Titel
Kulturelle Identität im Migrationsprozess in C. N. Adichie‘s "The Arrangers of Marriage"
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
13
Katalognummer
V470864
ISBN (eBook)
9783668936546
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kulturelle, identität, migrationsprozess, adichie‘s, arrangers, marriage
Arbeit zitieren
Anna Engel (Autor), 2018, Kulturelle Identität im Migrationsprozess in C. N. Adichie‘s "The Arrangers of Marriage", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/470864

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