Die folgende Arbeit befasst sich mit der Darstellung der Liebe, besonders dem Frauenbild, in der Malerei des Rokokko.
Die Darstellungen der Frauen und des Weiblichen veränderten sich in der Kunst derJahrhunderte immer wieder und schwankten parallel zu der gesellschaftlichen Stellung der Frau zwischen positivem und negativem Extrem. Auf der einen Seite steht das negative Extrem der Misogynie, die durch religiöse Ansichten und Restriktionen definiert wurde. Auf der anderen Seite der Skala steht das ausschließlich positive Bild der Frau als Heilige und Mutter Gottes, die das Ideal der christlichen Kirche, der Keuschheit und des Gehorsams verkörpert. Zwischen diesen beiden entgegen gesetzten Geisteshaltungen wechselte und änderte sich das gesellschaftliche Bild sowie die künstlerische Ausgestaltung weiblicher Darstellung.
Mit dem gesellschaftlichen Stand der Frau änderte sich auch die Sichtweise auf Sexualität und Erotik. Die Verbindung der Aburteilung der Frau als von Natur aus sündhaftes Wesen ging einher mit einer Tabuisierung von Erotik und Lust, während die positive Wahrnehmung der Frau - als dem Mann in ihrer Andersartigkeit ebenbürtig - mit einem freieren Umgang mit Sinnlichkeit und Erotik verknüpft werden kann. Im 18. Jahrhundert zeigten sich nun verschiedene Ausrichtungen der Wahrnehmung der Frau, die auf der positiveren Seite zu verzeichnen sind. Dies führt zur ersten Forschungsfrage: Wie schlug sich das Frauenbild in der Kunst des Rokoko nieder und wie lässt es sich zu den vorangegangenen und nachfolgenden Darstellungen abgrenzen? In diesem Zusammenhang soll ebenso die zweite Forschungsfrage behandelt werden: Wie wirkt sich diese Betrachtungsweise auf die Liebesdarstellungen des Rokoko aus?
Die Kunst einer Zeit ist immer ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Entwicklungen, der politischen und historischen Gegebenheiten, der philosophischen Diskurse und der humanitären Werte. Sie kann Ausdruck dieser sein oder ihr schärfster Kritiker. Kunst kann im Rekurs auf den zeitgenössischen Diskurs betrachtet, kontextualisiert und interpretiert werden oder gänzlich von diesem losgelöst sein. Diese Masterarbeit will Kunst im Kontext ihrer Zeit sowie im Zusammenhang zu den vorangegangenen und auch den folgenden Entwicklungen betrachten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Aufbau und Methodik
2 Das Zeitalter des Rokoko
2.1 Epochale Eingrenzung
2.2 Frauenbild und Darstellung des Weiblichen in der Kunst
2.3 Liebesdarstellung in Kunst und Literatur
2.3.1 Liebesdarstellungen im Sinne der Philia
2.3.2 Liebesdarstellungen im Bereich des Eros
3 Pittonis Werke
3.1 Bacchus und Ariadne
3.1.1 Mythologischer Hintergrund
3.1.2 Frauenbild und Liebesdarstellung
3.2 Die Opferung der Polyxena
3.2.1 Mythologischer Hintergrund
3.2.2 Frauenbild und Liebesdarstellung
3.3 Vergleich der beiden Werke
3.4 Vergleich zu Darstellungen des Weiblichen in den Werken anderer Künstler
4 Conclusio
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Frauenbild sowie die Darstellung von Liebe in der Kunst des Rokoko und analysiert, wie diese Aspekte in ausgewählten Werken von Giovanni Battista Pittoni zum Ausdruck kommen. Dabei wird der sozio-historische Kontext der Epoche betrachtet, um die künstlerische Entwicklung im Verhältnis zu vorangegangenen und nachfolgenden Strömungen einzuordnen.
- Wandel des Frauenbildes zwischen gesellschaftlicher Marginalisierung und Idealisierung.
- Differenzierung der Liebesdarstellungen in Philia und Eros.
- Mythologische Hintergründe und deren Interpretation in der Rokoko-Malerei.
- Systematischer Vergleich von Pittonis Werken mit anderen zeitgenössischen Darstellungen.
- Einfluss der Aufklärung und des französischen Rokoko auf die italienische Kunst.
Auszug aus dem Buch
Die Opferung der Polyxena
Das Opfer der Polyxena zeigt die totale Unterordnung der Frau unter den Willen des Mannes einerseits und die Opferbereitschaft und Selbstaufgabe der Frau andererseits. Polyxena reiht sich ein in die Liste antiker mythologischer Frauen, die beinahe oder tatsächlich geopfert wurden – sei es aus Rachsucht der Götter (wie es bei Iphigenie der Fall war) oder als Opfer an die Götter bzw. Gott, wie es auch in der biblischen Geschichte vorkommt. Die antike Literatur nennt verschiedene Gründe für das Verlangen des Achill, Polyxena zu töten. Bei Euripides stellt Achill aus Rachsucht diese Forderung, da Polyxenas Bruder Hektor ihn auf dem Schlachtfeld getötet hat. Andere Quellen mutmaßen, dass sich hinter der Forderung das sexuelle Verlangen von Achill verbirgt, das Mädchen besitzen zu wollen. In jedem Fall wirft das Opfer ein barbarisches Licht auf die im weiteren geschichtlichen Verlauf verehrten Griechen, wie dies auch Pausanius im 2. Jahrhundert feststellte, indem er Homer lobte, diese Szene nicht in seiner Ilias erwähnt zu haben.
Auch im späteren Verlauf, vor allem während der Renaissance, in der die antiken Epen und mythologischen Gestalten so beliebt waren und verehrt wurden, war die Haltung gegenüber dieses antiken Stoffes ambivalent. In der Kunst der Spätantike und des Mittelalters wird Polyxena als furchtlos dargestellt, eine Frau, die Mut beweist und weibliche Tapferkeit zeigt, indem sie sich dem Willen der Griechen beugt.
Pittonis Interpretation des antiken Stoffes ist stark an Senecas Tragödie der Troades angelehnt sowie an die im europäischen Mittelalter verbreiteten Sagen von Dares und Dictys, fiktiver Soldaten während des Trojanischen Krieges. In dieser Version der Geschichte forderte Achill den Tod Polyxenas, weil er sie hatte zur Frau nehmen wollen, bevor er getötet wurde, und dieser Wunsch auch nach dem Tod fortbesteht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der Frauendarstellung in der Kunst ein und umreißt die methodische Herangehensweise der Arbeit.
2 Das Zeitalter des Rokoko: Dieses Kapitel erläutert die epochalen Merkmale des Rokoko, den sozio-historischen Kontext des Frauenbildes und die verschiedenen Formen der Liebesdarstellung.
3 Pittonis Werke: Hier werden die Gemälde „Bacchus und Ariadne“ und „Die Opferung der Polyxena“ sowie deren mythologische Hintergründe und Frauenbilder detailliert analysiert und verglichen.
4 Conclusio: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und ordnet die Werke Pittonis in den kunsthistorischen Kontext der Rokoko-Epoche ein.
Schlüsselwörter
Rokoko, Frauenbild, Liebesdarstellung, Mythologie, Malerei, Giovanni Battista Pittoni, Philia, Eros, Ikonographie, Aufklärung, Sinnlichkeit, Verführung, Geschlechterrollen, Arkadien, Kunstgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Darstellung von Frauen und Liebe in der Kunst des Rokoko, unter besonderer Berücksichtigung der gesellschaftlichen Stellung der Frau in dieser Epoche.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den zentralen Themen gehören das sich wandelnde Frauenbild, die Unterscheidung zwischen Philia und Eros als Liebeskonzepte sowie die Interpretation mythologischer Stoffe.
Welches Ziel verfolgt die Autorin mit dieser Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich das Frauenbild in der Kunst des Rokoko widerspiegelt und inwiefern dies eine Abgrenzung zu anderen Epochen ermöglicht.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Die Arbeit nutzt einen systematischen kunsthistorischen Ansatz, der sozio-historische Hintergründe mit der ikonographischen Analyse von Gemälden verbindet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit dem Zeitalter des Rokoko, den theoretischen Grundlagen der Liebesdarstellung und der praktischen Analyse zweier zentraler Werke von Giovanni Battista Pittoni.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Rokoko, Frauenbild, Liebesdarstellung, Mythologie sowie die Konzepte der philischen und erotischen Liebe.
Warum spielt das Gemälde "Die Opferung der Polyxena" eine zentrale Rolle?
Es dient als Fallbeispiel, um die unterschiedliche künstlerische Interpretation von Unterordnung, Tugend und dem Schicksal der Frau im 18. Jahrhundert aufzuzeigen.
Inwiefern unterscheiden sich die Darstellungen des italienischen und französischen Rokoko?
Während im französischen Rokoko oft eine explizite Frivolität und das Schäferidyll im Vordergrund standen, blieb die italienische Malerei der Zeit stärker dem Pathos der mythologischen Antike verhaftet.
- Arbeit zitieren
- Larissa Ferro (Autor:in), 2018, Die Liebe in der Kunst des Rokoko. Frauendarstellungen als Zeichen gesellschaftlicher und sexueller Veränderungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/470977