Antike griechische und römische Theaterbauten. Ein architekturhistorischer Überblick


Hausarbeit, 2019
14 Seiten, Note: 2
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die Struktur der Theaterbauten

III. Die Anfänge der Theaterarchitektur

IV. Das griechische Theater

V. Das römische Theater und die Kaiserzeit

VI. Das Theater von Sabratha

VII. Zusammenfassung

VIII. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Theater ist ein Begriff, der ein Geständnis eines festgehaltenen von Künstlern umgesetztes Ereignis impliziert und mittels Schauspieler der Öffentlichkeit vorgeführt wird. Aufgrund seiner Komplexität kann das Theater jedoch kaum einfach definiert werden: Das Theater selbst beinhaltet sowohl Theaterkunst als auch den Ort, an dem diese realisiert wird sowie den sozialen Akt der Präsenz und die Folge der Performance. Wenn das literarische Schaffen mit der Interpretation der Darsteller auf der Bühne gespielt wird, entsteht die Theaterkunst und die Veranstaltung wird in einem bestimmten Raum platziert, der als Szene bezeichnet wird. Früher wurde die Szene in offenen Theatern oder Amphitheatern umgesetzt.

Das griechische Wort theatron leitet sich vom Verb „Schauplatz“ ab und lenkt in diesem Zusammenhang zunächst die Aufmerksamkeit. Aristoteles Definition des Theaters sieht zunächst die Handlung (dromenon), aus der das Wort Drama stammt, aber wie auch die Etymologie dieses Wort zeigt, wird hier mehr in der dramatischen Handlung, in ihrer Elende gedacht, als in physischen Ereignissen auf der Bühne.

Theater oder Schauspiel ist folglich heutigen Definitionen eine komplexe Kunst, die Elemente aller anderen Kunstarten umfasst: Literatur, Musik, Malerei, Skulptur und Architektur sowie Schauspielkunst.

In dieser Arbeit werde ich mich mit der Entwicklung der Theater-Architektur beschäftigen. Abschließend soll ein wichtiger Punkt beachtet werden: der Vergleich damaliger Verhältnisse mit den gegenwärtigen. Diese Frage führt schließlich zur Schlussbetrachtung meines Themas.

II. Die Struktur der Theaterbauten

„Theaterbauten in Griechenland, Kleinasien und Sizilien besitzen einen einheitlichen Aufbau: Sie waren offen – besaßen somit kein Dach – und bestanden aus drei Hauptteilen: der Orchestra, der Cavea (dem Zuschauerraum) und der Skene (der Bühne)“.1

Zu Beginn war das Orchester in einer halbkreisförmigen Form angelegt, der Boden bestand ursprünglich aus gestampfter Erde und wurde später mit Marmor ausgelegt. Unter dem Orchester gab es einen Flur und eine sogenannte charonische Treppen, auf der Geister und Tote plötzlich auftauchen konnten.

Zwei Seitenpassagen in der Nähe des Orchesters ermöglichten den Zuschauern den Zugang. Auch der Chor benutzte sie, um sich in der Orchestra zu versammeln. Deshalb wurde der erste Auftritt des Chores als Parodos bezeichnet“2.

Das Auditorium wurde von Treppen gebildet, auf denen die Zuschauer saßen. Zuerst hatte es eine trapezförmige Form und dann eine Form eines Halbkreises, was bevorzugt wurde, weil es dadurch die Sicht und Akustik verbessert werden konnte.

In der griechischen und hellenistischen Kultur wurde das Auditorium an einem natürlichen Hang gebaut und bildete so eine harmonische Einheit mit der städtischen Situation. Das konkave Auditorium wurde von mehreren Treppen durchzogen, die es in Abschnitte teilten. Horizontal wurde es durch einen Umgang oder durch mehrere Umgänge geteilt.

Die Bühne war anfangs eine instabile Holzkonstruktion mit Vorhängen, womit die Umkleidekabinen für die Schauspieler versteckt wurden. „Wahrscheinlich wurde die Skene im 5. Jahrhundert v. Chr. von Phormio in Syrakus eingeführt und später wurde daraus eine aufwendigere architektonische Konstruktion, die in römischer Zeit Scaenae frons genannt wurde“3.

In der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts v. Chr. wurde die Skene in Stein ausgeführt, und in der Endphase der Entwicklung wurde die Skene erhöht sowie mit einem Proskenion vergrößert. Dessen Vorderseite bildete ein Säulenportikus, ergänzt durch bemalte Holztafeln, die zur Kennzeichnung des Ambientes dienten. Die beweglichen Kulissen mit Darstellungen von Landschaften oder Stadtteilen ermöglichten einen schnellen Szenenwechsel.

Im Dionysos-Theater von Athen wurde hinter der Skene ein Portikus errichtet, vielleicht ein Foyer für die Zuschauer, „dass die Römer später Porticus post scaenam nannten“4, aber hier existieren keine Hinweise auf sanitäre Einrichtungen.

III. Die Anfänge der Theaterarchitektur

Die frühesten Zeugnisse des griechischen Theaters zeigen die Treppen der minoischen Paläste auf Kreta. Zunächst sollte keines der drei Kernelemente des Theaters – Koilon, Orchester und Szene – eine bestimmte Form haben, und die Aufführungen konnten mit der bestehenden architektonischen Umgebung gemacht werden. Das Publikum hat sich am Hang niedergelassen.

„Die wichtigste Stadt für die Entwicklung des antiken Theaters war der zentrale Ort der griechischen Geschichte, in den im 6. Jahrhundert v. Chr. der Dionysoskult von Eleuthereus überführt wird: Athen“5. Da das Schauspiel seine Wurzeln in Athen hat, suchen Archäologen seit Jahrzehnten nach den ältesten Theatern in dieser Stadt, jedoch ist die Suche bis heute erfolglos geblieben. Im Gegensatz dazu existieren Erkenntnisse bezüglich des Aufbaus durch einfache Theater wie Ikaria, Rhamnus, Thorikos, Trachones, Syrakus, die folgende Merkmale aufweisen: „Die Orchestra ist nicht kreisförmig, der den Zuschauern vorbehaltene Raum ist der natürlichen Beschaffenheit des Geländes angepasst und hatte größtenteils geradlinige Stufen, schließlich fehlte eine feste Anlage für die Skene“6

Im Theater von Thorikos befinden sich die Fundamente eines Tempels und eines Altars des Dionysos. Die Anwesenheit des Altars bewies, dass das Theater offensichtlich auch als religiöser Ort diente. Gleichzeitig fanden Theaterspiele nur während religiöser Feierlichkeiten statt. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass im Altertum viele der heute zur reinen Vergnügung dienenden Aktivitäten in den religiösen Bereich fielen.

IV. Das griechische Theater

Die Gebäude des antiken griechischen Theaters bestehen aus mehreren Komponenten, dies zu unterschiedlichen Zeiten entstanden sind oder sich unterschiedlich entwickelt haben. Das Theater von Epidaurus aus dem 4. Jahrhundert eignet sich besonders zur Benennung einzelner Komponenten in seinem Grundriss.

Das Orchester ist der Ort für die Aufführungen. Schon die Etymologie dieses Begriffes macht deutlich, dass der Ursprung des Orchesters auf dem Tanzplatz liegt. Wenn man sich vergegenwärtigt, dass die dramatischen Genera aus dem Tanz und Gesang eines Chores hervorgegangen sind, dann muss man jedenfalls im Orchester dem Tanzplatz des Chores, den ältesten Bestandteil des Theaters sehen7.

Das Orchester im klassischen Theater war zuerst kreisförmig, dann mit einem runden Auditorium und später einer Form eines Halbkreises angelegt, damit allen Zuschauern eine gute Sicht und eine bessere Akustik geboten wird. Die Errichtung von Steinbauten verursachte einen größeren finanziellen Aufwand, um eine prächtige und repräsentative Architektur zu realisieren. So wurde das Theater zu einem der repräsentativen Gebäude der freien griechischen Stadt, der Polis.

Die Skene, die seit der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts v. Chr. aus Stein gebaut wurde, war ein weiterer kanonischer Bestandteil. Das größte Theater in Griechenland und in der antiken Welt ist das Theater von Megalopolis8. Bemerkenswert ist hier die enge strukturelle Verbindung zwischen dem Theater und dem Sitzungssaal namens Thersilion, der um 360 v. Chr. geschaffen und nach seinem Baumeister Thersilios benannt wurde. Die gesamte Holzszene scheint auf Rädern bewegt worden zu sein, was ein großes, angrenzendes Magazin bestätigt.

Die Szene ist in zwei Formen unterteilt: Paraskenion und Proskenion. Der erste Typus besteht aus einem langen und zwei seitlich vorstehenden Bauteilen, den Paraskenien. Der zweite Typus besteht dagegen aus einem langgestreckten Raum, vor dem eine erhöhte Bühne angeordnet ist, und wurde weiterentwickelt.

Das Konzept des Theatrons kann für zwei Teile des Theaters verwendet werden. Die erste wird aus dem Ursprung des Wortes θεãσθαι (sehen, schauen) verdeutlicht und bezeichnet den Ort der Zuschauerstände. Andererseits kann dieser Begriff auch – wie heute – die gesamte Struktur meinen. Die Tatsache, dass das Theatron eine jüngere Entwicklung haben muss als das Orchester, erklärt sich daraus, dass es für Aufführungen nicht unbedingt erforderlich ist.

Die Zuschauer haben zunächst wohl um das Orchester herum und am Berghang gestanden, später auf Holzblänken gesessen. Es verging einige Zeit, bis man daranging, in den Hand des Burgbergs hinein das eigentliche Theatron in Form einer Höhlung (cavea) zu graben9. Tatsächlich befinden sich die meisten Theater in Griechenland und Kleinasien in Hanglage, sodass Sitzreihen in den Felsen geschnitten werden konnten, die das Orchester zu zwei Dritteln umgeben.

Allgemeingültig ist jedoch die Beschreibung, dass das Theatron ab dem 4. Jahrhundert in Kreis- oder Kraterform angelegt ist und die einzelnen Sitzreihen nach oben hin stets breiter werden10. Zuvor waren die Reihen der Zuschauer einfach angelegt, was sich aus der viereckigen Form des Orchesters in seinen Ursprüngen ergibt. Zunächst wurden hölzerne Sitzreihen angefertigt, was jedoch nicht funktionierte, da die Bänke mehrmals brachen: Das Unglück ereignete sich in der 70. Olympiade (499-496 v. Chr.) als Pratinas mit Aischylos und Choirilos um den ersten Preis kämpfte. Ein zweiter Einsturz der Ikria (gemeint sind die (Holz-) Gestelle) ist für 458/456 v. Chr. überliefert, und zwar als auslösendes Moment für die Flucht des Aischylos nach Sizilien, wo er starb11.

Die Rekonstruktion des Dionysos-Theaters mit steinernen Sitzreihen erfolgte wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts v. Chr., da es unter Lykurg fertiggestellt wurde12. Zwischen dem 4. und 3. Jahrhundert v. Chr. gab es mehrere Theater mit Skenengebäude und Paraskenion, wie zum Beispiel in Eretria in Euböa, in Ege in Makedonien und in Dodona in Nordgriechenland. Wenig später entstand das erhöhte Proskenion.

„Der Begriff Proskenion bedeutet wörtlich Vorbau der Skene, der heute als Bühne bezeichnet wird und es handelt sich um einen Portikus in dorischer, seltener, ionischer Ordnung“13. Die architektonischen Stützen bestanden aus Pfeilern mit Halbsäulen. Die Öffnungen zwischen den Säulen wurden mit auswechselbaren bemalten Holztafeln geschlossen.

Aufgrund der klassischen Dramaturgie, die eine Interaktion zwischen den Protagonisten und dem Chor erforderte, als die Protagonisten auf einer zwei Meter hohen Bühne über dem Chor agierten, entstand die erhöhte Bühne, was allerdings keine architektonische Verbesserung zeigte. Neben der einfachen Art, dem Proskenion, existierten komplexere Formen wie in Priene und Delos, wo sich das Proskenion an den Seiten der Skene, mit denen es durch Türen verbunden war, ausweiterte.

Wie bereits erwähnt waren die Plätze im Zuschauerbereich mit unterschiedlichen Ehrungen verbunden. Dies zeigt wiederum den ursprünglichen religiösen Charakter der Aufführungen, weil in der vor allem architektonisch besonders aufwendigen steinernen Sitzreihen, der sogenannten Prohedrie, die wichtigsten Priester und die obersten Beamter der Stadt saßen. Zusätzlich ist eine Aufteilung des Auditoriums in horizontale Reihen und vertikale Abteilungen zu sehen.

[...]


1 Umberto Pappalardo, Antike Theater. Architektur, Kunst und Dichtung der Griechen und Römer, Petersberg 2007, S. 8-9.

2 Ebda., S. 8-9.

3 Ebda., S. 8-9.

4 Ebda., S. 9-10.

5 Enno Burmeister, Antike griechische und römische Theater, Darmstadt 2006, S. 20-21.

6 Umberto, Antike Theater, S. 10-11.

7 Vgl.: Horst-Dieter Blume, Einführung in das antike Theaterwesen, Darmstadt 1984, S. 47-48.

8 Vgl.: Enno, Antike, S. 39-40.

9 Vgl.: Horst-Dieter, Einführung, S. 47-48.

10 Vgl.: Heide Froning, Bauformen. Vom Holzgerüst zum Theater von Epidaurus, in: Susanne Moraw und Eckehart Nölle (Hg.): Die Geburt des Theaters in der griechischen Antike, Mainz 2002, S. 31-59, hier S. 54-55.

11 Vgl.: Ebda., S. 34-35.

12 Vgl.: Umberto, Antike Theater, S. 12-13.

13 Ebenda., S. 13-14.

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Details

Titel
Antike griechische und römische Theaterbauten. Ein architekturhistorischer Überblick
Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt
Note
2
Jahr
2019
Seiten
14
Katalognummer
V471037
ISBN (eBook)
9783668954793
Sprache
Deutsch
Schlagworte
antike, theaterbauten, überblick, griechisch, römisch, sabratha, architektur
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Antike griechische und römische Theaterbauten. Ein architekturhistorischer Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/471037

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