Intertextualität in der Deutschdidaktik. Der Bruderkonflikt in Friedrich Maximilian Klingers Drama "Die Zwillinge"


Seminararbeit, 2019
20 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Einführung

2) Definition des Begriffs .Intertextualität‘
2.1) Der Bruderkonflikt im Alten Testament und antiker Quelle

3) Intertextualität als Thema im Deutschunterricht
3.1) Intertextuelle Bezüge in Klingers „Die Zwillinge“ – Hauptmotive und Unterschiede

4) Darstellung einer Schulstunde zum Thema „Intertextuelle Bezüge und Textreferenzen in F. M. Klingers Drama ,Die Zwillinge‘“

5) Abschlussreflexion

Literaturverzeichnis:

„[...] Bin ich Hüter Deines Bräutigams, schönes Mädchen?

Bin ich Hüter Deines Sohns?“

(Friedrich Maximilian Klinger: Die Zwillinge, 4.Aufzug, 4.Auftritt)

1) Einführung

Ausgehend vom Bruderkonflikt und Brudermord, der sich im Streit um das Erstgeburtsrecht und einer privilegierten Stellung äußert, soll diese Arbeit den intertextuellen Bezügen innerhalb Friedrich Maximilian Klingers Drama ,Die Zwillinge‘ nachspüren und sie durch eine didaktische Aufbereitung für den Deutschunterricht in der Oberstufe ergänzen. Dazu sollen sowohl die biblische Geschichte von Kain und Abel und Jakob und Esau, als auch der Mythos von Romulus und Remus als Beispiele für intertextuelle Bezüge im Drama herangezogen und auf ihre Referenzbezüge innerhalb der Dramenhandlung geprüft werden.

Nach der literaturwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem gewählten Themenschwerpunkt erfolgt anschließend die exemplarische Umsetzung als Stundenthema im Fach Deutsch. Hierbei wird die didaktische Vorgehensweise erläutert und in Bezug zu den Vorgaben der Rahmenlehrpläne für die SEK I in Berlin/Brandenburg gesetzt. Ebenso erfolgt dabei eine Erläuterung der Zielsetzungen für den Unterricht, des Kompetenzgewinns anhand der curricularen Vorgaben und ein exemplarischer Ablauf einer Unterrichtsstunde zum Thema Intertextualität in „Die Zwillinge“.

Zudem wird die Option einer fächerübergreifenden Auseinandersetzung mit dem Thema ,Bruderkonflikt‘ durch thematische Überschneidungen in den Fächern Ethik und Religionslehre eröffnet und anhand von Beispielen erläutert.

Zuletzt wird das Stundenthema in einer Abschlussreflexion noch einmal aufgegriffen und auf positive und negative Aspekte hinsichtlich der Umsetzbarkeit im Unterricht untersucht.

2) Definition des Begriffs .Intertextualität‘

Der Begriff ,Intertextualität‘ wurde von der französischen Literaturtheoretikerin und Psychoanalytikerin Julia Kristeva geprägt und bezeichnet, auf komprimierter und stark verkürzter Weise dargestellt, den Bezug eines Textes auf einen anderen.1 Bei den Texten kann es sich dabei sowohl um literarische als auch um nichtliterarische Texte handeln.2 Konzeptionell steht für das Prinzip der Intertextualität die traditionelle Übernahme eines anderen Textes im Vordergrund. D.h., dass weder die vollständige ,Imitatio‘ eines anderen Werkes, noch die Übernahme des tradierten Inhalts im Vordergrund steht, sondern die Gestaltung eines neuen Textes unter Bezugnahme auf einen Prätext.3 Entscheidend dabei ist, dass die literaturhistorisch verankerte Beziehung zwischen Prätext und Rezeptionstext bzw. Posttext deutlich hervorgeht.4

2.1) Der Bruderkonflikt im Alten Testament und antiker Quelle

2.2 Bruderzwist und Brudermord – Kain und Abel

Eine der wohl berühmtesten Erzählungen, in denen der Brudermord thematisiert wird, ist die biblische Geschichte von Kain und Abel (Gen 4,1-16).

Im Mittelpunkt der Handlung steht Kain, der erstgeborene Sohn der Erzeltern Adam und Eva, der sich von Gott gestraft fühlt, da dieser seinen jüngeren Bruder Abel zu bevorzugen scheint.5 Aus eifersüchtiger Rache für den Vorzug des Bruders, führt Kain Abel auf ein Feld und erschlägt ihn hinterrücks.6

Gott straft Kain wegen des begangenen Brudermordes, indem er ihn zum steten Nomadentum verurteilt und ihn mit dem ,Kainsmal‘ das Zeichen seiner Schuld sichtbar tragen lässt.7

Im Rahmen der intertextuellen Auseinandersetzung mit Friedrich Maximilians Drama ,Die Zwillinge‘ lässt sich festhalten, dass gerade dieser biblische Stoff durch eine Vielzahl von Zitaten und anderen Referenzbezügen mit dem Dramengeschehen verwoben wurde.

So wird bereits im ersten Aufzug explizit auf den Brudermord durch den Verweis auf Kains Tat und die dafür erhaltene göttliche Strafe eingegangen.8

2.3 Der Streit um das Erstgeburtsrecht - Jakob und Esau

Eine andere oft rezipierte biblische Erzählung eines Brüderstreits ist jene von Jakob und Esau (Gen 25,29-34; 27,1 – 40). Hierbei ist die Frage nach dem Erstgeburtsrecht von zentraler Bedeutung, da der zweitgeborene Jakob u.a. mit Hilfe seiner Mutter Rebekka, seinen Bruder Esau mit einer List um seinen Erstgeburtssegen und den damit verbundenen Privilegien betrügt.9 Anders als in der Erzählung von Kain und Abel ist also kein Brudermord die Konsequenz des Bruderzwists, sondern der Betrug des älteren Bruders um seine Rechte.

Diese Erzählung spiegelt sich auch in Klingers Dramenhandlung wider, indem Guelfo direkt Bezug auf die Figur des betrogenen Bruders Esau nimmt und sich mit jenem vergleicht.10

2.4 Romulus und Remus

Unter der Vielzahl antiker Texte zum Thema Brüderzwist und Brudermord ist der Konflikt von Romulus und Remus einer der populärsten, insbesondere hinsichtlich seines rezeptionsgeschichtlichen Aspekts. In der Erzählung des Schriftstellers Quintus Ennius (239 – 169 v. Chr.) und des Livius erschlägt Romulus seinen Bruder Remus aus Zorn darüber, dass dieser über die im Bau befindliche Stadtmauer seines Bruders springt, wodurch sich Romulus der Lächerlichkeit preisgegeben sieht.11 Von Bedeutung für den Einfluss auf Klingers Trauerspiel dabei ist, dass es sich um Zwillinge handelt, die einander aufgrund von machtpolitischen und privilegierten Rechten verfeindet gegenüberstehen.

2.5) Der Bruderkonflikt und seine motivische Bedeutung bei Friedrich Maximilian Klinger

Das Motiv des Bruderkonflikts, gesteigert noch durch den Konflikt zwischen Zwillingen, ist auch in der Epoche des Sturm und Drang ein oft genutztes.

So ist der Bruderzwist bereits in dem wenige Jahre vor ,Die Zwillinge‘12 erschienen Drama ,Otto‘13 von Friedrich Maximilian Klinger im Mittelpunkt des Handlungsgeschehens angesiedelt und wird von diesem auch für seine Dramen ,Stilpo und seine Kinder‘ und dem Lustspiel ,Die falschen Spieler‘ benutzt.14

Auch steht nicht allein das Erstgeburtsrecht im Zentrum der Handlung von Klingers Drama „Die Zwillinge“,15 macht aber den Dreh- und Angelpunkt des Stückes aus. Das Motiv des Zwillings ist dabei ein pejoratives, was sich aus einer langen literaturgeschichtlichen Tradition ableitet.16

3) Intertextualität als Thema im Deutschunterricht

Intertextualität ist ein wichtiges Konzept im Deutschunterricht, insbesondere im Literaturunterricht, da es die SuS dazu anleitet, ein „literaturhistorisches Bewusstsein zu entwickeln“17 und sich aktiv mit der dort be- und verhandelten Literaturgeschichte auseinanderzusetzen. Dabei ist es möglich, bereits SuS der Primarstufe mit dem Prinzip der Textreferenzen vertraut zu machen, indem als Rezeptionstexte klassische Kinderliteratur genutzt wird, anhand derer Prätexte nachgewiesen werden können.18 Allerdings ist dieses Konzept in der Literaturdidaktik nicht unumstritten, da es hinsichtlich der zuvor gemachten Literatur- und Texterfahrungen der SuS ein größeres Bezugsfeld für das Erkennen von intertextuellen Bezügen geben muss, als es bis zur Oberstufe, darüber hinaus in literaturfernen Familien, der Fall sein kann.19

3.1) Intertextuelle Bezüge in Klingers „Die Zwillinge“ – Hauptmotive und Unterschiede

Wie bereits in den Punkten 2.1 bis 2.5 erläutert, sind in Klingers Drama „Die Zwillinge“ viele Bezüge zu biblischen wie auch antiken Prätexten vorzufinden. Die übernommenen Hauptmotive sind dabei das Erstgeburtsrecht, das im Vordergrund der Dramenhandlung steht. Besonders die Privilegien, darunter die Landgüter und die Besitztümer sowie die Ehe mit der Gräfin Kamilla sind der Grund für die Wut Guelfos auf seinen Bruder und seine Eltern. Als inhaltliche Abweichung von der Jakob und Esau-Erzählung lässt sich hierbei jedoch anmerken, dass das erregende Moment v.a. in der Ungewissheit Guelfos wie auch der des Lesers liegt, ob nun Ferdinando oder in Wahrheit sein Bruder Guelfo Träger des Erstgeburtsrechts ist, da die genauen Umstände der Geburtenfolge ungeklärt sind.20 Zudem ist die unerwiderte Liebe Guelfos zu Kamilla, der Frau seines Bruders, eine Ebene des Dramas, die sich von dem biblischen Bezugstext unterscheidet.21

Der Brudermord, der sowohl in der Erzählung von Kain und Abel, als auch bei ,Die Zwillinge‘ die Konsequenz einer bis ins manische gesteigerten Eifersucht ist, enthält ebenfalls unterschiedliche Aspekte, die in den Fokus genommen werden können. Besonders die Figur des (von Gott bzw. von den Eltern) bevorzugten Bruders ist es, die in beiden Handlungen durch das seltene in Erscheinung treten blass wirkt. Abel wird nur der Berufsgruppe der Schäfer zugewiesen, das Eifersuchtsmoment wird beleuchtet und, durch die Tat des Brudermords, verschwindet er aus der Erzählung.

Auf ähnlicher Weise wird über Ferdinando mehr berichtet als dass er selbst agierender Teil der Handlung werden würde.22

4) Darstellung einer Schulstunde zum Thema „Intertextuelle Bezüge und Textreferenzen in F. M. Klingers Drama ,Die Zwillinge‘“

4 a) Für die folgende didaktische Unterrichtskonzeption wird von einer Klasse der Klassenstufe 9, eventuell am Übergang zur Klassenstufe 10 ausgegangen.

Die Klassenstufe ist so gewählt, um bereits auf die Epoche des Sturm und Drang vorzubereiten, die der Rahmenlehrplan für die Bundesländer Berlin/Brandenburg ab Klassenstufe 11/12 vorsieht.23 Aus diesem Grund ist es möglich, alle spezifischen Merkmale, die mit dem Epochenbegriff zusammenhängen und in den folgenden Klassenstufen thematisiert werden, zunächst nur oberflächlich zu behandeln, wohingegen der vorliegende Unterrichtsgegenstand, die Intertextualität, in den Fokus des didaktischen Geschehens gerückt werden kann. Zentrales Anliegen der Unterrichtsplanung ist es, den SuS neben dem Kennenlernen und konzeptionellen Begreifen eines literaturwissenschaftlichen Terminus, auch ein literaturgeschichtliches Verständnis begreifbar zu machen, auf das sie im weiteren Verlauf ihrer Schullaufbahn zurückgreifen können. Zudem stellt sich die Klassenstufe 9 auch deshalb als geeignet dar, damit der Unterrichtsgegenstand bereits vor den Vorbereitungen auf den Mittleren Schulabschluss in der Klassenstufe 10 einzuführen. So ist sowohl ein größerer zeitlicher Spielraum für die Thematik gewonnen, als auch die Möglichkeit gegeben, das intertextuelle Verständnis bereits vor den zentralen Prüfungen des MSA und des Abiturs zu schulen.

Zu den Zielsetzungen der Unterrichtsausarbeitung gehört neben dem vertiefteren Verständnis der Funktionen eines literaturwissenschaftlichen Konzepts, das dabei erworben werden soll, auch ein bewussterer Umgang mit literarischen Texten. Dazu soll die Fähigkeit geschult werden, Bezugstexte, die durch noch nicht ausreichende literarische Kenntnisse Unverständnis hervorrufen, wahrzunehmen und im nächsten Schritt selbstständig nach entsprechenden Quellen zu recherchieren. Grundsätzlich gehört dazu auch das Ziel den SuS24 literaturhistorische Zusammenhänge erkennbar und erfahrbar zu machen, sodass sie die Einordnung in bestimmte zeitliche Epochen leichter handhaben können.

4 b) In der in Punkt 4 c) genauer erläuterten Unterrichtsstunde sollen die SuS zuvorderst ihre literarästhetischen Kompetenzen im Hinblick auf das literarturhistorische Phänomen der Prä- und Posttext-Beziehung erweitern.25 Dazu erfolgt die Bekanntmachung mit dem Terminus, mit dem Konzept und seiner Funktion, welche sich dahinter verbergen. Entsprechend gefördert wird somit die Lesekompetenz im Bereich des Erkennens von (literaturhistorischen) Textzusammenhängen und Motiven. Zudem trägt das Wissen um Intertextualität und entsprechende Bezüge zu einer gesteigerten Kompetenz bei der Erschließung von literarischen Texten bei.

4 c) Exemplarische Unterrichtsstunde

Zu Beginn der Unterrichtsstunde erhalten die SuS eine Materialsammlung zum Thema Intertextualität (s. Anhang). Diese besteht neben einem Übersichtsblatt über Begriffsdefinitionen der Intertextualität auch aus einem Arbeitsblatt zum Drama „Die Zwillinge“ und einen Text mit biblischen Referenzstellen.

Zunächst sollen sich die SuS mit dem Begriff der Intertextualität durch das Lesen des Einführungstextes vertraut machen. Nach der Leseeinheit soll dann ein Plenumsgespräch in der Klasse erfolgen, in dem die SuS anhand einer Mindmap als Tafelbild, in der die zentralen Punkte des soeben gelesenen Textes aufgeführt werden, eine Übersicht aller thematischen Kernpunkte anfertigen. Zur Sicherung der Arbeitsergebnisse sollen diese Begriffe anschließend von jedem SuS ins Heft übertragen werden.

Im Anschluss an die Diskussion des Intertextualitätsbegriffs soll ein Verweis auf das der Klasse bereits als bekannt vorausgesetzte Drama „Die Zwillinge“ erfolgen. Dies kann mit dem Hinweis geschehen, dass sich intertextuelle Bezüge auch dort finden lassen, wobei das in der Materialsammlung beigefügte Arbeitsblatt vorgestellt und die Aufgabenstellung erläutert werden kann. Da es sich bei der Aufgabenstellung um das Auffinden von parallelen Textstellen im Dramen- und Bibeltext handelt, wäre im Voraus abzuklären, inwieweit sich die SuS bereits mit dem biblischen Referenztext/Prätext auskennen bzw. ob die Erzählungen im Vorfeld erläutert werden müssen, da der Kontext für das Lösen der Aufgaben gegeben sein muss.

[...]


1 Vgl. „Der Terminus Intertextualität bezeichnet eine solche Transposition eines Zeichensystems (oder mehrerer) in ein anderes; [...] In: Kristeva, Julia: Die Revolution der poetischen Sprache. Frankfurt a. M.: Suhrkamp Verlag, S. 69.

2 Unter nichtliterarischen Texten versteht man sogenannte Prätexte, bei denen nicht der Bezug auf dieselben im Vordergrund steht, sondern ihr konkretes imitieren. Vgl.: Intertextualität. Metzler Lexikon Literatur. Begriffe und Definitionen. Stuttgart: Metzler 2007, S.357.

3 Ebd.

4 „Abgesicherter, weil an den Texten selbst untersuchbar, ist die Wirkung von Literatur auf kulturelle Praxis, also z.B. auf andere Literaturproduzenten. In solcher „produktiver Rezeption“ wird der literaturgeschichtliche Text zum Prätext für ein neues literarisches Werk, an dem formale und inhaltliche Veränderungen und Konstanten „ablesbar“ sind.“ In: Heckt, Dietlinde H./Neumann, Karl: Deutschunterricht von A bis Z. Braunschweig: Westermann Schulbuchverlag 2001, S.216.

5 „Es begab sich aber nach etlicher Zeit, daß Kain dem HERRN Opfer brachte von den Früchten des Feldes. / Und auch Abel brachte von den Erstlingen seiner Herde und von ihrem Fett. Und der HERR sah gnädig an Abel und sein Opfer; / aber Kain und sein Opfer sah er nicht gnädig an.

Da ergrimmte Kain sehr, und senkte finster seinen Blick.“ (Gen 4,3-5)

6 „Da sprach Kain zu seinem Bruder Abel: Laß uns aufs Feld gehen! Und es begab sich, als sie auf dem Felde waren, erhob sich Kain wider seinen Bruder Abel und schlug ihn tot.“ (Gen 4,8).

7 Allerdings handelt es sich beim ,Kainsmal‘ auch um das Zeichen, das den für vogelfrei Erklärten vor der Blutrache rettet. Vgl.: „So wird mir’s gehen, daß mich totschlägt, wer mich findet. / Aber der HERR sprach zu ihm: Nein, sondern wer Kain totschlägt, das soll siebenfältig gerächt werden. Und der HERR machte ein Zeichen an Kain, daß ihn niemand erschlüge, der ihn fände.“

8 „Herausgeben sollst du mir die Erstgeburt, herausgeben sollst du mir Vater und Mutter, herausgeben sollst du mir alles; oder ich will dich würgen, wie Kain, und verflucht, den Mord auf der Stirne, herumirren.“ In: Klinger, Friedrich Maximilian: Die Zwillinge. Ein Trauerspiel in fünf Aufzügen. Reclams Universal-Bibliothek, 438.Stuttgart 2013, S.13.

9 „Und Jakob kochte ein Gericht. Da kam Esau vom Feld und war müde / und er sprach zu Jakob: Laß mich essen das rote Gericht; [...] Aber Jakob sprach: Verkaufe mir heute deine Erstgeburt. [...] Und er schwor ihm und verkaufte so Jakob seine Erstgeburt. / Da gab ihm Jakob Brot und das Linsengericht, und er aß und trank und stand auf und ging davon. So verachtete Esau seine Erstgeburt.“ (Gen 25,29-34).

10 „Mit mir Esaus Geschichte zu spielen, noch eh‘ er stammeln konnte!“ Vgl: Klinger, Friedrich Maximilian: Die Zwillinge, S.13.

11 „Seinem Bruder zum Spotte sei Remus über die angefangene Mauer gesprungen. Der erzürnte Romulus habe ihn erschlagen, und diesen Fluch ihm nachgerufen: «So fahre jeder, der nach dir über meine Mauer setzt!»“ In: Livius, Titus: Römische Geschichte – XXXI - XXXIV. Bd. 7, München [u.a.]: Artemis & Winkler Verlag 1991, S.8.

12 Erschienen 1776.

13 Erschienen 1775.

14 Das Drama ,Stilpo und seine Kinder‘ erschien 1780. Das Lustspiel ,Die falschen Spieler‘ im Jahre 1782. In: Frenzel, Elisabeth: Motive der Weltliteratur. Ein Lexikon dichtungsgeschichtlicher Längsschnitte. Stuttgart5 1999, S. 89.

15 „Freilich mußte es schwer fallen, auf die dualistische Struktur des Dramas, auf die sein Titel weist, aufmerksam zu werden, denn von den Zwillingen tritt Ferdinando kaum in Erscheinung. Man glaubte hieraus schließen zu müssen, daß „weniger der Gegensatz als die Erstgeburt thematisch ist“, verstand dann allerdings das ganze Stück nicht mehr.“ Mattenklott versucht damit deutlich zu machen, dass das Stück nicht nur ,Die Zwillinge‘ im eigentlichen Wortsinne thematisiert, sondern das Mit- und Gegeneinander zweier konträrer, jedoch wesensgleicher, Stimmungslagen, nämlich des Optimismus und des Pessimismus. In: Mattenklott, Gert: Melancholie in der Dramatik des Sturm und Drang. Erw. und durges. Aufl., Königstein/Taunus: Athenäum, 1985, S.60.

16 „Nachsichtig beurteilt zeigt sich in frühen Literaturen auch eine Feindschaft zwischen Zwillingen, die vielfach als schlechtes Omen und als augenscheinlich gewordene Untreue einer Ehefrau galten.“ Lemma: Brüder, die verfeindeten. Frenzel, Elisabeth: Motive der Weltliteratur. Ein Lexikon dichtungsgeschichtlicher Längsschnitte. Stuttgart5 1999, S. 80f.

17 In: Spinner, Kaspar H.: Literarisches Lernen. In: Praxis Deutsch. Sonderheft Lesen nach Pisa. 2007, S. 4-14.

18 So lassen sich Beispiele für didaktische Vorgehensweisen für den Unterrichtsgegenstand Intertextualität in der Primarstufe auf der Website der Universität Bremen finden: Universität Bremen (Hrsg.): Kinderundjugendmedien. Wissenschaftliches Internetportal für Kinder- und Jugendmedien, URL: www.kinderundjugendmedien.de/index.php/begriffe-und-termini/152-fachlexikon/fachdidaktik/2633-intertextualitaet-im-literaturunterricht (Stand: 20.03.2019).

19 Auf diesen Umstand weist auch Elisabeth Paefgen hin: „Das Konzept der Intertextualität konnte tatsächlich keine große didaktische Bedeutung gewinnen, weil es den kundigen Leser voraussetzt bzw. den erfahrenen und kontinuierlich praktizierenden: das können Lernende im Jugendalter nicht sein. " In: Kliewer, Heinz-Jürgen/Pohl, Inge (Hrsg.): Lexikon Deutschdidaktik. Band 1: A-L. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren 2006, S. 279.

20 Guelfo: Nun Mutter! Woran erkennet Ihr, daß Ferdinando der Erstgeborne ist. / Amalia: Ich weiß nicht – Dein Vater sagts. Als ich zu mir kam, hielt ich Euch beyde, und vergaß alles. Guelfo der starke muß der zweyte seyn, ich litt mehr.“ Vgl.: Klinger, Friedrich Maximilian: Die Zwillinge, S.50.

21 So auch Eva Merwald: „In der Tragödie ist die Eifersucht und der Kampf um Kamilla einer der Hauptgründe für den Brudermord. Im biblischen Textmodell hingegen fehlt das erotische Moment völlig.“ In: Merwald, Eva: Die Wiederaufnahme des biblischen Kain-Abel-Mythos in der Tragödie „Die Zwillinge“ von F. M. Klinger.

22 Die Ausnahme bildet das kurze und von Ferdinandos Seite her versöhnliche Gespräch zwischen den Brüdern im 2.Aufzug, 6. Auftritt.

23 Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft (Hrsg.): Rahmenlehrplan für den Unterricht in der gymnasialen Oberstufe. Gymnasien, Integrierte Sekundarschulen, Berufliche Gymnasien, Kollegs, Abendgymnasien. Deutsch. Berlin: Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft, 2014, S. 24.

24 Das Akronym ,SuS‘, das für Schülerinnen und Schüler steht, soll im weiteren Verlauf der Arbeit für die bessere Lesbarkeit und zur Gewährleistung der Genderneutralität verwendet werden.

25 Bezugnehmend auf den Bildungsstandards im Fach Deutsch zur Vermittlung der grundlegenden Kompetenzen für die Auseinandersetzung mit Texten. In: Bildungsstandards im Fach Deutsch für die Allgemeine Hochschulreife. Hg. v. Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland. Köln: Link 2014, S.18f..

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Intertextualität in der Deutschdidaktik. Der Bruderkonflikt in Friedrich Maximilian Klingers Drama "Die Zwillinge"
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
2,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
20
Katalognummer
V471243
ISBN (eBook)
9783668956926
ISBN (Buch)
9783668956933
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Intertextualität, Didaktik, Literaturwissenschaft, Religionsdidaktik
Arbeit zitieren
Bianca Weihrauch (Autor), 2019, Intertextualität in der Deutschdidaktik. Der Bruderkonflikt in Friedrich Maximilian Klingers Drama "Die Zwillinge", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/471243

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Intertextualität in der Deutschdidaktik. Der Bruderkonflikt in Friedrich Maximilian Klingers Drama "Die Zwillinge"


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden