Zunächst soll Voegelins Konzeption des Begriffs „Religion“ untersucht werden. Im Gegensatz zum Staat verwendet er für die Neudefinition dieses Begriffs deutlich mehr Zeichen und liefert dennoch auch hier eine eher vage Idee von dem was er sich darunter vorstellen möchte. Dennoch oder vielleicht gerade deswegen bietet ebendiese Idee einen guten Einstieg in die weiteren Kapitel, da ein Verständnis dieser Vorstellungen den Zugang zu Voegelins weiteren Ausführungen deutlich erleichtert.
Im Anschluss daran soll in zwei Unterkapiteln der neue Begriff der politischen Religionen erläutert werden. Hierbei soll es zunächst darum gehen Voegelins ideengeschichtliche Konzeption dieses Begriffs nachzuverfolgen und zu analysieren, welche Verbindungen des religiösen mit dem politischen Voegelin über die Zeit darzulegen versucht. Auf eine der vermeintlich frühesten politischen Religionen im Denken Voegelins soll hierbei am Bespiel des Sonnenglaubens der Ägypter kurz eingegangen werden. Anschließend soll vor allem die Verbindung von Säkularisierung und politischen Religionen, sowie deren
Entwicklung in der Moderne, beleuchtet werden.
So soll in dieser Hausarbeit zunächst geklärt werden, welche Eigenschaften die Massenbewegungen des 20. Jahrhunderts im Denken Eric Voegelins zu politischen Religionen machen und ob ihre Entstehung und ihr gesamtgesellschaftlicher Erfolg nach Voegelin logische Konsequenzen eines langandauernden Säkularisierungsprozesses sind. Diese Fragestellung soll mit Hilfe der vorgestellten Gliederung möglichst präzise und adäquat beantwortet werden. Eine abschließende Beurteilung dieser Frage wird dann im Fazit erfolgen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Religion
3. Politische Religionen
3.1 Religiöse Symbole und Rationalisierung
3.2 Eine neue politisch-religiöse Ordnung?
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, die von Eric Voegelin entwickelten Konzepte zu politischen Religionen und Säkularisierung zu analysieren, um zu verstehen, wie moderne ideologische Massenbewegungen als Folge tiefgreifender gesellschaftlicher Transformationsprozesse entstehen konnten. Die Forschungsfrage untersucht dabei, ob die Entstehung und der Erfolg dieser Bewegungen als logische Konsequenz eines langandauernden Säkularisierungsprozesses verstanden werden können.
- Die Neudefinition der Begriffe Staat und Religion bei Eric Voegelin
- Ideengeschichtliche Rekonstruktion der politischen Religionen
- Die Rolle von Symbolen bei der Verbindung von Politik und Göttlichem
- Säkularisierungsprozesse und die Entstehung des Totalitarismus
Auszug aus dem Buch
Religiöse Symbole und Rationalisierung
Nachdem zu Beginn die Begriffsdefinitionen zu Staat und Religion von Voegelin betrachtet wurden, soll es nun um seine Ideengeschichtliche Rekonstruktion der Säkularisierung gehen. Mit dieser Rekonstruktion versucht Voegelin einen langen historischen Weg der Genese politischer Religionen aufzuzeigen. So möchte er erklären wie eine solche Verbindung des Menschlichen mit dem Göttlichen entstanden ist und welchen Anteil der Prozess der Säkularisierung daran hat.
Voegelins Überlegungen hierzu beginnen zunächst mit der Betrachtung des Sonnenglaubens der Ägypter, welchen er als gutes Beispiel zur Verdeutlichung seines Anliegens sieht. Dieser Sonnenglaube stelle die älteste politische Religion dar, die wir kennen. Auch wenn die Anfänge des Kultes noch historisch unklar seien, so ließe „[…] aber seine Entwicklung, […] die Umrisse des Problems fast deutlicher hervortreten als die späteren und genauer bekannten Fälle des mediterranen und europäischen Kulturkreises.“ (Voegelin 2007: 19).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in Voegelins Werk "Die politischen Religionen" ein und legt das Ziel fest, Massenbewegungen als säkularisierte Religionen im historischen Kontext zu untersuchen.
2. Religion: Hier wird Voegelins weites Verständnis von Religiosität erläutert, das als existenzielles Urbedürfnis verstanden wird und bei entsprechender Kanalisierung zur Bildung von Sinnordnungen führt.
3. Politische Religionen: Dieses Kapitel analysiert mittels historischer Exkurse, wie politische Ordnungen religiöse Symbole säkularisieren, um sich selbst sakral zu legitimieren.
3.1 Religiöse Symbole und Rationalisierung: Der Abschnitt verdeutlicht anhand ägyptischer Beispiele und der Theorie des Symbolismus, wie die Verbindung zwischen Politik und dem Göttlichen rationalisiert wird.
3.2 Eine neue politisch-religiöse Ordnung?: Hier wird untersucht, wie staatliche Gebilde wie der Hobbes’sche Leviathan im Zuge der Säkularisierung zur innerweltlichen Ersatzreligion werden.
4. Fazit: Das Fazit bestätigt, dass Voegelin den Totalitarismus als logische Endform eines Säkularisierungsprozesses betrachtet, in dem der Staat zum Allerheiligsten wird.
Schlüsselwörter
Eric Voegelin, politische Religionen, Säkularisierung, Gnostizismus, Massenbewegungen, Totalitarismus, Ekklesia, religiöse Symbole, Moderne, Staat, Transzendenz, Ideengeschichte, Rationalisierung, Volksgeist, Gnostische Zivilisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit Eric Voegelins politischer Theorie und seiner Analyse von politischen Religionen als Begleiterscheinung der Moderne.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit konzentriert sich auf die Begriffe der Säkularisierung, die Bedeutung von Symbolen in der Politik sowie die Entwicklung von Massenbewegungen zu totalitären Systemen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob der Erfolg totalitärer Bewegungen des 20. Jahrhunderts als logische Konsequenz der Säkularisierung nach Voegelin gedeutet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Hausarbeit verwendet?
Es handelt sich um eine ideengeschichtliche Untersuchung, die Voegelins theoretische Konzepte anhand seiner Schriften rekonstruiert und analysiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Im Hauptteil werden Voegelins Religionsbegriff, seine Typologie der politischen Symbole (Hierarchie, Ekklesia, etc.) und die historische Genese der "politischen Religion" untersucht.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Zentrale Begriffe sind Säkularisierung, politische Religion, Gnostizismus, Totalitarismus und das Symbol der Ekklesia.
Wie unterscheidet Voegelin zwischen überweltlichen und innerweltlichen Religionen?
Voegelin unterscheidet diese anhand ihres Realissimums: Überweltliche Religionen beziehen sich auf den "Weltgrund", während innerweltliche Religionen ihre Sinnstiftung aus Teilinhalten der Welt ziehen.
Warum spielt der Sonnenglaube der Ägypter eine wichtige Rolle in der Argumentation?
Voegelin nutzt den Sonnenglauben als frühes historisches Beispiel, um zu zeigen, wie eine politische Ordnung durch die Verbindung von Herrschaft und Göttlichkeit legitimiert wird.
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- Anonym (Author), 2019, Säkularisierung und Politik bei Eric Voegelin. Gott ist tot (?), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/471249