Die vorliegende Arbeit zeigt größtenteils die institutionalisierte Herrschaft und manifestierte Macht innerhalb eines kolonialen Kontextes auf. Konkret geht es dabei um das frühere, sogenannte Deutsch-Ostafrika.
Wie häufig in kolonialen Kontexten ist der herkömmliche Herrschaftsbegriff, welcher ein Maß von Legitimität beinhaltet, hier nicht gegeben. Das zeigt die Unrechtmäßigkeit des indirekten Arbeitszwangs und die Willkür, mit der Gesetze geändert wurden sobald erneut ein tiefgreifender Arbeitermangel auftrat.
In der relativ kurzen Zeitspanne von 30 Jahren, die das Kolonialreich Deutschlands andauerte, standen vor allem ökonomische Gewinne im Mittelpunkt. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich daher mit der Verstrickung der wirtschaftlichen Interessen sowie der Ausbeutung und Unterdrückung der afrikanischen Gesellschaft. Institutionalisierte Macht spielt dabei eine wichtige Rolle. Diese Arbeit stellt die Kolonialbevölkerung nicht als hilflose Objekte institutionalisierter Gewalt dar, sondern verdeutlicht die Willkür der Verwaltung und die makaberen Auffassungen der deutschen Kolonialherren über das kostbarste Gut dieser Kolonie, den schwarzen Körper als Produktionskraft. Des Weiteren wird die Kehrtwende aufgezeigt, in der ein Teil der afrikanischen Bevölkerung sich dem homogenen Machtgefüge teilweise entzieht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hinführung zu Foto Nr. 30
3. Einbettung des Fotos
3.1 Die Polizeitruppe
3.2 Koloniale Wirtschaftspolitik
3.2.1 Das System der Zwangsarbeit
3.2.2 Die Prügelstrafe
3.2.3 Die reformistische Phase unter Dernburg und Rechenberg
4. Bezug zum Portfolio
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert ein spezifisches Foto (Nr. 30) aus einem historischen Konvolut über Deutsch-Ostafrika, um die Mechanismen von kolonialer Herrschaft, Macht und physischer Gewalt greifbar zu machen. Dabei wird untersucht, wie institutionalisierte Strukturen, wie das System der Zwangsarbeit und die Prügelstrafe, den Alltag und die Ausbeutung der lokalen Bevölkerung prägten und welche Rolle die Askari als Intermediäre in diesem Machtgefüge einnahmen.
- Analyse kolonialer Machtstrukturen anhand historischer Fotografie
- Wirtschaftliche Ausbeutung und System der Zwangsarbeit
- Die Rolle und Funktion der Askari in der Polizeitruppe
- Instrumentalisierung von Gewalt durch die Prügelstrafe
- Reformbestrebungen in der deutschen Kolonialverwaltung
Auszug aus dem Buch
3.2.2 Die Prügelstrafe
Das System der Zwangsarbeit ging nicht ohne Gewalt einher. Die Abhängigkeit der Deutschen von der Arbeitskraft der Schwarzen und deren Unterdrückung bedingten einander. Die Erziehung der schwarzen Bevölkerung wurde sich zum Ziel gesetzt, weshalb das Züchtigungsrecht und die Prügelstrafe nicht grundsätzlich infrage gestellt wurden, sondern nur das Maß der Ausübung von Gewalt zum Diskurs stand.18
Anfangs gab es in Deutsch-Ostafrika keine verbindlichen Vorschriften zum Vollzug der Prügelstrafe. Diese wurden 1896 mit der Verfügung des Reichskanzlers wegen Ausübung der Strafgerichtsbarkeit und der Disziplinargewalt gegenüber den Eingeborenen in den deutschen Schutzgebieten Ostafrika, Kamerun und Togo erstmals eingeführt. Demnach entscheidet der jeweilige Gouverneur über das Züchtigungsinstrument. Für Deutsch-Ostafrika wurde zehn Jahre später vom Gouverneur die sogenannte Kiboko als Züchtigungsinstrument festgelegt. Die Kiboko ist eine Nilpferdpeitsche, sie war etwa 80 bis 100 cm lang und der Umfang des Schlagendes betrug 1 cm, welches rund und glatt sein musste. Das Schlagende dürfe keine Knoten oder andere Vorsprünge aufweisen.19 Das vorliegende Foto zeigt die Kiboko in den Händen der Askari. Außerdem legte die Verfügung die Zuständigkeit, die Strafarten, die Maximalhöhe der Strafen und die Straffähigkeit von Personen fest. Für welches Vergehen eine Strafe jedoch angewandt werden sollte, lag noch immer in den Händen der Beamten.20 Im Hinblick auf die Strafhöhe legte die Verordnung unter anderem fest, dass bei der Prügelstrafe ein Vollzug von 25 Hieben nicht überschritten werden darf. Straffähig waren nur Männer mit mindestens 16 Jahren; Männer unter 16 Jahren und Frauen durften nicht geschlagen werden. Vor der Prügelstrafe, musste der Bestrafte auf seinen körperlichen Zustand untersucht werden. Darüber hinaus wurde eine Anwendung gegenüber Arabern und Indern ausgeschlossen.21
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Analyse eines Fotokonvoluts aus Deutsch-Ostafrika ein und fokussiert dabei auf die Themenkomplexe Herrschaft, Macht und Gewalt.
2. Hinführung zu Foto Nr. 30: Dieses Kapitel beschreibt das ausgewählte Foto, das eine Gruppe gefesselter Männer unter Bewachung zeigt, und identifiziert es als Dokument kolonialer Zwangsarbeit.
3. Einbettung des Fotos: Das Kapitel verortet das Bild historisch zwischen 1906 und 1914 und analysiert die sozioökonomischen Rahmenbedingungen der deutschen Kolonialherrschaft.
3.1 Die Polizeitruppe: Hier wird die Rolle der Askari als schwarze Kolonialsoldaten beleuchtet, die als wichtiges Intermediär zwischen der deutschen Verwaltung und der afrikanischen Bevölkerung fungierten.
3.2 Koloniale Wirtschaftspolitik: Dieses Kapitel thematisiert die wirtschaftlichen Motive der Kolonialexpansion und den entstandenen Arbeitskräftemangel.
3.2.1 Das System der Zwangsarbeit: Der Text erläutert, wie durch Steuersysteme und neue Verordnungen ein indirekter Zwang zur Arbeitsleistung für koloniale Infrastrukturprojekte erzeugt wurde.
3.2.2 Die Prügelstrafe: Hier wird die Etablierung und Ausübung der körperlichen Züchtigung als Mittel der Disziplinierung und Unterdrückung sowie deren rechtliche Grundlagen analysiert.
3.2.3 Die reformistische Phase unter Dernburg und Rechenberg: Das Kapitel diskutiert die Versuche der Kolonialverwaltung, durch utilitaristische Reformen die Arbeitsbedingungen und die Gewaltanwendung zu regulieren.
4. Bezug zum Portfolio: Die Arbeit verknüpft die Analyse des Einzelbildes mit dem Kontext eines größeren, in einem vorangegangenen Seminar erstellten Portfolios.
5. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass das Foto die institutionalisierte Gewalt und die ungleiche Machtverteilung in Deutsch-Ostafrika eindrücklich manifestiert.
Schlüsselwörter
Deutsch-Ostafrika, Kolonialismus, Herrschaft, Macht, Gewalt, Zwangsarbeit, Askari, Prügelstrafe, Kiboko, Ausbeutung, Kolonialverwaltung, Fotokonvolut, Wirtschaftsinteressen, Disziplinierung, Imperialismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse eines historischen Fotos aus der deutschen Kolonialzeit in Deutsch-Ostafrika, um die dort herrschenden Macht- und Gewaltverhältnisse kritisch zu untersuchen.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die koloniale Wirtschaftspolitik, die Institutionalisierung von Zwangsarbeit, die Rolle der Askari als Mittler der Kolonialmacht sowie die Anwendung der Prügelstrafe.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die Kontextualisierung des historischen Bildmaterials, um die manifestierte Macht, Herrschaft und physische Gewalt der deutschen Kolonisation aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Es wird eine Fotoanalyse angewandt, die durch die Auswertung zeitgenössischer Verwaltungsberichte, Gesetzesverordnungen und weiterführender Fachliteratur historisch fundiert wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Einbettung der Askari-Truppen, die wirtschaftlichen Hintergründe des Arbeitskräftemangels, die Mechanismen der Zwangsarbeit und eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Prügelstrafe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Deutsch-Ostafrika, Kolonialismus, Zwangsarbeit, Askari, Prügelstrafe und institutionalisierte Gewalt charakterisiert.
Welche Bedeutung kommt der "Kiboko" in der Arbeit zu?
Die Kiboko (Nilpferdpeitsche) wird als zentrales, systematisches Instrument physischer Gewalt und Disziplinierung analysiert, das auf dem Foto deutlich erkennbar ist.
Welche Rolle spielten die Askari laut der Arbeit?
Die Askari werden als ein ambivalentes Intermediär dargestellt: Sie waren einerseits schwarze Kolonialsoldaten im Dienst der Deutschen, unterlagen aber andererseits selbst der Unterdrückung und disziplinarischen Bestrafung.
Wie bewertet der Autor die Reformversuche unter Dernburg und Rechenberg?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass diese Reformen zwar zu einem statistischen Rückgang der Prügelstrafen führten, jedoch oft von Siedlern ignoriert wurden und nachfolgend teilweise wieder rückgängig gemacht wurden.
- Citar trabajo
- Anonym (Autor), 2019, Herrschaft, Macht und Gewalt im früheren Deutsch-Ostafrika, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/471298