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DER KALKULIERTE RUIN - Soziale und politische Hintergründe der deutschen Inflation 1914-1923

Title: DER KALKULIERTE RUIN - Soziale und politische Hintergründe der deutschen Inflation 1914-1923

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 13 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Eduard Luft (Author)

History of Germany - World War I, Weimar Republic
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Die Frage nach den Gründen für die Instabilität und das letztliche Scheitern des in der Zwischenkriegszeit konstruierten wirtschaftlichen und politischen Systems der Weimarer Republik hat den Blick stets auch auf die Folgewirkungen der großen deutschen Inflation gelenkt. Dabei wurde der Gegenstand von der älteren Forschung eher als Nebenphänomen betrachtet und eher deskriptiv denn analytisch angegangen. Vor allem über die Wirkungsweise der Inflation auf die Masse der lohnabhängigen Bevölkerung sowie auf das allgemeine Wirtschaftsleben ist ausführlich geschrieben worden, während ihre Hintergründe, sei es politischer, wirtschaftlicher oder sozialer Art, weitgehend unbeachtet geblieben sind. Erst seit dem Ende der achtziger Jahre hat sich hier mit einer Reihe von Veröffentlichungen eine Veränderung angebahnt, die bis heute nicht abgeschlossen ist. Sicherlich ist das Gesamtphänomen der deutschen Inflation, zumal vor dem Hintergrund der in vielerlei Hinsicht krisenhaften Nachkriegszeit, nicht monokausal zu erklären, vielmehr haben neben den Defiziten der öffentlichen Haushalte offensichtlich zu verschiedenen Zeiten eine ganze Reihe von anderen endogenen und exogenen Faktoren eine Rolle gespielt. Unbestritten entzogen sich einige dieser Faktoren, deren komplexe Wirkungszusammenhänge im Folgenden nur angeschnitten werden können, dem Zugriff der Weimarer Regierungen und können deshalb durchaus als Sachzwänge deklariert werden. Den Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit bildet jedoch gerade die Hypothese, dass die Inflation zu einem wesentlichen Teil das Ergebnis eines politischen Konsensus war, von denjenigen Akteuren in Politik und Wirtschaft gesteuert und in zunehmendem Maße instrumentalisiert, denen sie bis zuletzt enorme Vorteile versprach.
Dabei ist es nicht die Intention dieser Arbeit, die Inflation als ein von Beginn an planmäßiges politisches Unternehmen erscheinen zu lassen. Marxistische Historiker haben in diesem Sinne von der „größte(n) Umverteilung des Nationaleinkommens in der bisherigen Geschichte des Kapitalismus“ gesprochen, durchgeführt von gemeinsam agierenden Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft. Jedoch legt diese Argumentation nicht nur gewissermaßen ex post die Wirkungsweise der Inflation als Deutungsmaß an, sie bleibt auch ausschließlich ihrer sozialen und innenpolitischen Dimension verhaftet.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Problembeschreibung, Forschungslage, Konzeption

2. Kriegsfinanzierung über Schulden: Die schleichende Inflation 1914-1918

3. Innenpolitische Krise und Wiederaufbau: Die kalkulierte Inflation 1918/1919

4. Finanzreform unter Vorbehalt: Die reparationsstrategische Inflation 1919/1920

5. Revision und Restauration: Die instrumentalisierte Inflation 1920-1923

5.1. Die Revisionsstrategie in der Reparationsfrage

5.2. Die soziale und politische Restauration

6. Abschließende Bemerkungen: Ende und Bilanz der Inflationsstrategie

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht die Hypothese, dass die deutsche Inflation zwischen 1914 und 1923 nicht als reiner Zufall oder wirtschaftlicher Sachzwang zu betrachten ist, sondern maßgeblich als politisches Instrument von Akteuren aus Politik und Wirtschaft zur Erreichung restauratorischer und revisionistischer Ziele instrumentalisiert wurde.

  • Kriegsfinanzierung und schleichende Inflation (1914-1918)
  • Politische Instrumentalisierung der Inflation in der frühen Weimarer Republik
  • Wechselwirkungen zwischen Geldentwertung und Reparationsstrategie
  • Soziale Folgen und Umverteilungsprozesse innerhalb der Gesellschaft
  • Die Rolle der Industrie und der Finanzeliten im Inflationsprozess

Auszug aus dem Buch

3. Innenpolitische Krise und Wiederaufbau: Die kalkulierte Inflation 1918/1919

Das Kabinett Scheidemann behielt die umrissene Finanzierungspolitik im Wesentlichen bei. Zwar wurden in die Nationalversammlung wiederholt Stufenpläne zur Finanzreform eingebracht, jedoch trugen diese mehrheitlich aktionistischen Charakter und wurden bestenfalls halbherzig durchgeführt. Eine grundlegende Neuregelung des gesamten Steuersystems, der einzig Erfolg versprechende Weg aus dem Schuldenkreis, blieb weiterhin aus. Während die einsetzenden Reparationszahlungen, der Schuldendienst und die sozialen Folgelasten des Krieges immer höhere Kosten verursachten, finanzierte sich das Reich weiterhin durch die Begehung von Schatzanweisungen. Weil der Markt diese Titel jedoch längst nicht mehr absorbieren konnte, wurde die Menge des umlaufenden Geldes nicht abgeschöpft, sondern nahm – durch den Notendruck – im Gegenteil stetig zu.

Bei näherer Betrachtung deutet einiges darauf hin, dass die inflationäre Entwicklung dieser Jahre bereits mit den politischen Absichten der Reichsregierung in Zusammenhang zu bringen ist. Zu nennen wären hier vor allem die Bestrebungen, angesichts der explosiven sozialen und politischen Konstellation der Nachrevolutionszeit den Status quo zu erhalten. In scharfem Gegensatz zur radikalen Linken, deren Sozialisierungspläne im Kontext der Revolution an Boden gewonnen hatten, lobbyierten die einflussreichen Vertreter des Wirtschaftsliberalismus für den Erhalt der Privatwirtschaft. Sie argumentierten, dass die ins Auge gefassten Steuererhöhungen linken Kräften mehr Zulauf verschaffen würden – sich dessen wohlbewusst, dass eine inflationsrelevante Reform nicht nur das kleine, sondern vor allem auch das große Vermögen betreffen musste.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Problembeschreibung, Forschungslage, Konzeption: Einleitung in die Fragestellung und Präsentation der Hypothese, dass die Inflation als politisch gesteuertes Instrument diente.

2. Kriegsfinanzierung über Schulden: Die schleichende Inflation 1914-1918: Analyse der kriegsbedingten Erblasten durch die Finanzierung über Anleihen und die Vernachlässigung einer soliden Steuerbasis.

3. Innenpolitische Krise und Wiederaufbau: Die kalkulierte Inflation 1918/1919: Darstellung der Kontinuität der Finanzpolitik unter dem Kabinett Scheidemann zur Vermeidung radikaler sozialer Umstrukturierungen.

4. Finanzreform unter Vorbehalt: Die reparationsstrategische Inflation 1919/1920: Erläuterung der Strategie, die Finanzreform zu verzögern, um die Verhandlungsposition bei Reparationsfragen zu stärken.

5. Revision und Restauration: Die instrumentalisierte Inflation 1920-1923: Untersuchung der aktiven Nutzung der Inflation als außen- und innenpolitisches Druckmittel durch bürgerliche Regierungen.

6. Abschließende Bemerkungen: Ende und Bilanz der Inflationsstrategie: Resümee über das Scheitern der Strategie, den Staatsbankrott als Instrument zu nutzen, und die sozioökonomischen Folgen für die Bevölkerung.

Schlüsselwörter

Inflation, Weimarer Republik, Reichsbank, Reparationen, Währungspolitik, Kriegsfinanzierung, Geldentwertung, Notenpresse, Wirtschaftsliberalismus, Staatsbankrott, Sozialpolitik, Reparationskommission, Revisionsstrategie, Kaufkraft, Vermögensabgabe

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?

Die Arbeit analysiert die sozioökonomischen und politischen Hintergründe der deutschen Inflation zwischen 1914 und 1923 und hinterfragt die These, dass diese gezielt als politisches Instrument eingesetzt wurde.

Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?

Die Themen umfassen die Kriegsfinanzierung des Ersten Weltkriegs, die Finanzpolitik der Weimarer Regierungen, die Reparationsverhandlungen und die sozialen Folgen der Geldentwertung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es aufzuzeigen, dass die Inflation im Verlauf als bewusstes politisches Instrument diente, um restauratorische und revisionistische Ziele der Eliten zu erreichen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die Forschungsstand und historische Prozesse kritisch bewertet und auf eine neue politische Hypothese hin untersucht.

Welche inhaltlichen Aspekte werden im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in chronologische Phasen, von der schleichenden Inflation der Kriegsjahre bis hin zur Instrumentalisierung der Währungskrise in der Endphase bis 1923.

Welche Schlüsselbegriffe definieren den Kern der Arbeit?

Begriffe wie Inflation, Instrumentalisierung, Reparationsstrategie, Staatsbankrott und gesellschaftspolitische Restauration sind für das Verständnis der Arbeit zentral.

Warum wird der Staat als "Hauptprofiteur" der Inflation bezeichnet?

Weil der Staat durch die Entwertung seiner Verbindlichkeiten, inklusive der Kriegsanleihen, eine massive Entschuldung auf Kosten der Sparer und der lohnabhängigen Bevölkerung erreichen konnte.

Welche Rolle spielte die "Zahlungsbilanztheorie" in der Argumentation der Reichsregierung?

Sie diente als taktisches Argument, um die Inflation als Folge der Reparationslasten und nicht als Resultat der eigenen defizitären Haushaltspolitik darzustellen.

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Details

Title
DER KALKULIERTE RUIN - Soziale und politische Hintergründe der deutschen Inflation 1914-1923
College
University of Leipzig  (Historisches Institut)
Course
Vom Versailler Vertrag zur Weltwirtschaftskrise: Gesellschaft und Wirtschaft im Deutschen Reich 1918-1933
Grade
1,5
Author
Eduard Luft (Author)
Publication Year
2005
Pages
13
Catalog Number
V47234
ISBN (eBook)
9783638442299
ISBN (Book)
9783656611042
Language
German
Tags
Inflation Weltwirtschaftskrise Gesellschaft Wirtschaft Versailler Vertrag Versaille Ruin Hyperinflation Deutsches Reich Reparationen Erster Weltkrieg Restauration Revisionismus Weimarer Republik Wirtschaftsleben Nachkriegszeit Geldentwertung galoppierende Inflation Deflation Wirtschaftsgeschichte Preissteigerung Währung Nationalsozialismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Eduard Luft (Author), 2005, DER KALKULIERTE RUIN - Soziale und politische Hintergründe der deutschen Inflation 1914-1923, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47234
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