Die vorliegende Untersuchung hat das Thema „historische Objektivität“ zum Gegenstand. Mit diesem Begriff soll zunächst dargelegt werden, welche weitgehend problematische Relevanz dieser Begriff innerhalb der Geschichtswissenschaft besitzt und welche Ursachen dafür zu analysieren sind. Dabei wird auch zu bestimmen sein, inwiefern dieses Thema allgemeinen wissenschaftstheoretischen Problemcharakter aufweist und die Frage nach der Wissenschaftlichkeit von historischer Forschungsarbeit überhaupt berührt. Konkret bedeutet dies einerseits, eine Möglichkeit der Legitimation von allgemeinen historischen Bezugsrahmen aufzuzeigen. Andererseits sind die angewendeten Methoden, d. h. empirische Forschung, Quellenauswertung und Konstruktion von Sinn- und Wirkungszusammenhängen innerhalb der Erkenntnisarbeit hinsichtlich ihrer Geltungsansprüche zu hinterfragen sowie allgemeine historische Erkenntniszwecke und Konzeptionen zur Diskussion zu stellen mit dem Ziel, akzeptable Gültigkeitskriterien herauszuarbeiten. Anhand einer „historischen Objektivität“ soll demnach ein solches Kriterium möglich sein in dem Sinne, (geschichts-)wissenschaftliche Forschungsarbeit reflexiv-theoretisch zu begründen und gleichzeitig wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt zu gewährleisten. Doch wie ist dies genau zu verstehen? Der Fokus dieser Arbeit liegt dabei auf der besonderen Struktur der Probleme bezüglich der scheinbar notwendigen Gewährleistung, wobei diese Probleme zugleich hinsichtlich ihrer Adäquatheit sowie ihrer Konsequenzen analysiert werden. Am Abschluss soll ein Verständnis des herausgearbeiteten Begriffs „historische Objektivität“ stehen, welches hinsichtlich der Bedeutung sowohl für die Geschichtswissenschaft selbst als auch innerhalb des wissenschaftlichen Forschungsalltags unter allgemeinen Gesichtspunkten als tragfähig angesehen werden kann.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Das Problemfeld „historische Objektivität“
Der Problemcharakter der historischen Objektivität
Die Analyse der Intentionen von „historischer Objektivität“
Resümee
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Begriff und die wissenschaftstheoretische Relevanz der „historischen Objektivität“ innerhalb der Geschichtswissenschaft, um deren Rolle als Kriterium für wissenschaftliche Forschungsarbeit zu bestimmen und von konstruktivistischen Herausforderungen abzugrenzen.
- Grundlagen und wissenschaftstheoretischer Problemcharakter der historischen Objektivität
- Verhältnis zwischen subjektiven Wertungen des Historikers und wissenschaftlicher Forschungspraxis
- Wahrheitsansprüche und narrative Strukturen in historischen Darstellungen
- Legitimation der Geschichtswissenschaft gegenüber dem Präsentismus
Auszug aus dem Buch
Der Problemcharakter der historischen Objektivität
Die verschiedenen Perspektiven der Bedeutung von geschichtswissenschaftlicher Objektivität fordern aufgrund der an ihr gemessenen Ansprüche (Wissenschaftlichkeit, Unparteilichkeit u.a.) und von ihr zu leistenden Aufgaben (konsistente theoretische Grundlage von historischer Forschungsarbeit, methodischer Maßstab u.a.) eine eingehendere Betrachtung, will man dieser Bedeutung gerecht werden. Das dieses Problemfeld ins Zentrum von innerem theoretischem Begründungszusammenhang der Historiker selbst zielt, nicht zuletzt die Legitimation und der Anspruch an die eigene wissenschaftliche Forschungsarbeit selbst gerät auf den Prüfstand, verschärft die Notwendigkeit einer intensiveren Analyse von historischer Objektivität, die damit sowohl allgemein-wissenschaftlichen als auch subjektiv-legitimierenden Problemcharakter trägt.
Es scheint zunächst notwendig, für eine genauere Untersuchung eine begriffliche Trennung zwischen „historisch“ und „Objektivität“ vorzunehmen und die Begriffe gesondert zu hinterfragen, um die verschiedenen Verwendungsweisen, welche in unserer Umgangsprache aller Erfahrung nach meist undifferenziert auftreten und demzufolge mit unterschiedlichen Intentionen versehen und geäußert werden können, zu präzisieren. Verwiesen sei hier nur auf die Tatsache einer „Geschichtlichkeit von Begriffen“ , d.h. die mit ihrer Verwendung und Prägung verknüpften Intentionen und Inhalte haben sich, beispielsweise durch kritische Diskussionen und Auseinandersetzungen oder gesellschaftlich-normative Veränderungen, im Laufe der Zeit selbst verändert und bereits dadurch verschiedene Erwartungen und Inhalte den Begriffen zugeordnet.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Hier wird der Untersuchungsgegenstand „historische Objektivität“ eingeführt und deren Relevanz als wissenschaftstheoretisches Kriterium für historische Forschung begründet.
Das Problemfeld „historische Objektivität“: Dieses Kapitel erläutert die praktische Relevanz des Themas im Kontext wissenschaftlicher Traditionen sowie die Notwendigkeit einer theoretischen Selbstvergewisserung in Zeiten des Wandels.
Der Problemcharakter der historischen Objektivität: Es erfolgt eine Analyse der Begrifflichkeiten und der Problematik des Spannungsverhältnisses zwischen subjektivem Erkenntnisinteresse und objektivitätsorientierter Forschung.
Die Analyse der Intentionen von „historischer Objektivität“: Der Hauptteil untersucht, wie historische Objektivität als Kriterium der Wissenschaftlichkeit fungieren kann und ob eine Trennung von subjektiven Werturteilen und wissenschaftlichen Befunden möglich ist.
Resümee: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung der historischen Objektivität als regulative Idee für die Geschichtswissenschaft und verweist auf die verbleibende Abhängigkeit vom innerwissenschaftlichen Konsens.
Schlüsselwörter
Historische Objektivität, Geschichtswissenschaft, Wissenschaftstheorie, Forschungspraxis, Wertfreiheit, Intersubjektivität, Historismus, Erkenntnisfortschritt, Präsentismus, Werturteile, narrative Struktur, Wissenschaftlichkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit setzt sich mit dem theoretischen Anspruch und der methodischen Bedeutung der „historischen Objektivität“ als Grundlage für wissenschaftliche Geschichtsschreibung auseinander.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Fragen nach der Wissenschaftlichkeit von Historik, der Rolle von Quellen, dem Umgang mit subjektiven Wertungen und der Abgrenzung gegenüber relativistischen Positionen wie dem Präsentismus.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Das Ziel ist es, Gültigkeitskriterien für historische Interpretationen herauszuarbeiten und zu prüfen, wie eine reflexive Begründung wissenschaftlicher Forschung trotz notwendiger subjektiver Elemente möglich bleibt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit nutzt eine wissenschaftstheoretische Analyse des geschichtswissenschaftlichen Fundaments und zieht dabei philosophische Positionen sowie fachgeschichtliche Debatten heran.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der begrifflichen Trennung von „historisch“ und „Objektivität“, der Analyse des Verhältnisses zwischen Forscher und Gegenstand sowie der Rolle von Narrativen und Werturteilen in der Forschung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wesentliche Begriffe sind unter anderem historische Objektivität, Intersubjektivität, Wertfreiheit, Wissenschaftlichkeit und Erkenntnisfortschritt.
Wie unterscheidet sich die Arbeit von einem rein präsentistischen Ansatz?
Während der Präsentismus historische Darstellung als rein subjektive Spiegelung der Gegenwart sieht, sucht diese Arbeit nach objektivierbaren Kriterien, die den wissenschaftlichen Anspruch der Historik gegen die Gefahr der reinen Beliebigkeit absichern.
Welche Rolle spielt der Konsens innerhalb der Geschichtswissenschaft?
Der Autor zeigt auf, dass der Konsens eine tragende, aber auch problematische Rolle spielt, da eine Legitimation durch die Wissenschaft selbst die Gefahr einer zirkulären Selbstrechtfertigung birgt.
- Quote paper
- Kai Lehmann (Author), 2001, Historische Objektivität und deren Relevanz innerhalb der Geschichtwissenschaft , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47267