„Sich verwirrt zu fühlen, ist der Anfang wahren Wissens“ (Khalil Gibran). Zu meiner Linken, ein leerer, felsgrauer Bildschirm, auf dem bald meine Hausarbeit zu lesen sein sollte. Zu meiner Rechten, ein Berg an Blättern und Büchern. Auf seiner Spitze, ein Schatz an Wissen. Mittendrin eine tiefe Schlucht - in meinem Kopf – geschaffen von tausenden von Fragen, Verwirrung und leichten Anflügen von Selbstzweifeln. Nun gilt es eine Brücke zu schlagen, zwischen einem felsgrauen Flimmerkasten und einem Berg an Literatur, um den Schatz möglichst wohlbehalten und unbeschadet auf die andere Seite zu schaffen. Während meinen ersten Recherchen zur Einteilung der Sprechakte, stieß ich zufällig auf obiges Zitat Gibrans und merkte, dass ich mit meiner Verwirrung wohl nicht alleine dastand. Denn so schien es zwar vor Searle schon einige Überlegungen zur Einteilung von Sprechakten (z.B.Frege, Austin) zu geben, doch fehlte allen eine klare Linie. So könnte man etwas wohlwollend und mit einem Augenzwinkern sagen, dass sich Searle bei seinem Versuch, eine Taxonomie für unzählige illokutionärer Akte zu schaffen, vor dem gleichen „Brückenbauproblem“ befand, wie ich. Er hat es, auch wenn es hier und dort natürlich berechtigte Einwürfe zu seinen Theorien gibt, vorerst geschafft seine Aufgabe zu meistern und den Schatz zu bergen. Für mich gilt es, den Bauplan meiner Brücke erst noch auf de n folgenden Seiten vorzulegen und ich wünsche mir, dass sich der zweite Teil von Gibrans Zitat bewahrheitet und mein Brückenbau nicht im Turmbau zu Babel endet.
Inhaltsverzeichnis
1. „Sich verwirrt zu fühlen, ist der Anfang allen Wissens“ (Khalil Gibran)
2. Die Hauptkriterien der Sprechaktklassifikation nach Searle
2.1. Der illokutionäre Witz
2.2. Die Ausrichtung
2.3. Die Aufrichtigkeitsbedingung
2.4. Die verbleibenden neun Klassifikationskriterien
3. Die Sprechaktklassifikation nach Searle mit Beispielen
3.1. Assertive / Repräsentative
3.2. Direktive
3.3. Kommissive
3.4. Expressive
3.5. Deklarative / Deklarationen
3.6. Die Ergebnisse im Überblick
4. Ein Vergleich von Searles Klassifikation mit den Zeichenfunktionen des Organonmodells Bühlers
4.1. Direktive / Kommissive ≅ Appell
4.2. Expressive ≅ Ausdruck
4.3. Assertive ≅ Darstellung
4.4. Sonderfall Deklarative
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, die von John Searle entwickelte Taxonomie illokutionärer Akte detailliert darzustellen, ihre zentralen Klassifikationskriterien zu erläutern und diese anschließend mit den Zeichenfunktionen des Organonmodells von Karl Bühler zu vergleichen.
- Grundlegende Kriterien der Sprechaktklassifikation nach Searle (illokutionärer Witz, Ausrichtung, Aufrichtigkeitsbedingung)
- Systematische Einteilung und exemplarische Analyse der fünf Sprechaktklassen
- Symbolische Darstellung der Sprechaktklassen
- Vergleichende Untersuchung der Sprechaktklassen mit den Funktionen des Organonmodells nach Bühler
Auszug aus dem Buch
2.1. Der illokutionäre Witz
J. Searle versteht unter dem illokutionären Witz oder Zweck eines Aktes, beispielweise bei einem Befehl, einen Versuch eines Sprechers S, einen Hörer H zu einer bestimmten Handlung zu bekommen.
Beispiel: „Ich befehle dir, dein Zimmer aufzuräumen!“ Bei einer Beschreibung wäre es der Versuch etwas wiederzugeben, wie es in der Realität ist. Bei einem Versprechen, die Tatsache eine Verpflichtung zu übernehmen.
Im obigen Beispiel ist der illokutionäre Witz, wie Searle dieses Kriterium endgültig bezeichnet, H dazu zu bewegen sein Zimmer aufzuräumen. (Inwieweit diese, für mich subjektiv schlechtere Begriffswahl zur Charakterisierung dieses Kriteriums eine Übersetzungsschwäche ist, kann ich nicht beurteilen.)
Es scheint nahezu unmöglich zu sein, den illokutionären Witz allgemein zu beschreiben. Vielmehr gibt es fünf Grundmöglichkeiten, wie er aussehen könnte, welche aber erst mit der Vorstellung der fünf Klassen expliziert werden. Hier sollen zunächst, zum allgemeinen Grundverständnis dieses Begriffes, das Beispiel und die oben genannten Feststellungen ausreichen, nicht zuletzt, weil Searle selbst nicht in der Lage war eine allgemeine Definition zu geben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. „Sich verwirrt zu fühlen, ist der Anfang allen Wissens“ (Khalil Gibran): Einleitende Reflexion über die Herausforderung, eine systematische Ordnung in die Vielfalt illokutionärer Akte zu bringen.
2. Die Hauptkriterien der Sprechaktklassifikation nach Searle: Vorstellung der fundamentalen Dimensionen der Sprechaktklassifikation, insbesondere des illokutionären Witzes, der Ausrichtung und der Aufrichtigkeitsbedingung.
3. Die Sprechaktklassifikation nach Searle mit Beispielen: Detaillierte Erläuterung der fünf Sprechaktklassen (Assertive, Direktive, Kommissive, Expressive, Deklarative) anhand von Beispielen und symbolischer Darstellung.
4. Ein Vergleich von Searles Klassifikation mit den Zeichenfunktionen des Organonmodells Bühlers: Gegenüberstellung der Searleschen Sprechaktklassen mit den Funktionen des Organonmodells nach Bühler zur Untersuchung von Parallelen in der Sprachbetrachtung.
Schlüsselwörter
Sprechakte, John Searle, illokutionärer Witz, Taxonomie, Ausrichtung, Aufrichtigkeitsbedingung, Sprechaktklassen, Assertive, Direktive, Kommissive, Expressive, Deklarative, Organonmodell, Karl Bühler, Sprachfunktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Systematisierung von Sprechakten nach der von John Searle entwickelten Taxonomie sowie deren Vergleich mit klassischen sprachwissenschaftlichen Modellen.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Felder sind die Kriterien der Sprechaktklassifikation, die Differenzierung der fünf Hauptklassen von Illokutionen und deren theoretische Einordnung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist eine verständliche Aufarbeitung der Searle-Taxonomie und die kritische Gegenüberstellung zu Bühlers Organonmodell.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse, die auf den Werken von John Searle und Heinrich Weber basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Klassifikationsdimensionen (Witz, Ausrichtung, Aufrichtigkeit) definiert und die fünf Sprechaktklassen im Detail analysiert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie illokutionärer Witz, Sprechaktklassen, Ausrichtung und Sprachfunktionen charakterisiert.
Warum spielt der "illokutionäre Witz" eine zentrale Rolle bei Searle?
Laut Searle ist der illokutionäre Witz das wichtigste Kriterium, da von ihm aus andere Dimensionen wie Ausrichtung und Aufrichtigkeitsbedingung definiert werden.
Welcher Unterschied besteht zwischen assertiven und deklarativen Sprechakten nach Searle?
Während Assertive eine Proposition als wahr oder falsch beurteilen, verändern Deklarative durch den Akt selbst den sozialen Status oder die Lage eines Gegenstandes.
- Quote paper
- Dominic Hand (Author), 2005, Die Einteilung der Sprechakte nach Searle, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47283