Jugendsubkulturen der Arbeiterklasse - Die 50er, 60er und 70er Jahre


Seminararbeit, 2004

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition der Begriffe „Kultur“ und „Subkultur“

3. Gesellschaftliche Veränderungen in der Arbeiterklasse in Großbritannien nach dem zweiten Weltkrieg

4. Das Centre of Contemporary Cultural Studies

5. Subkulturen der 50er, 60er und 70er Jahre
5.1. Teddy Boys
5.2. Rocker
5.3. Mods
5.4. Skinheads
5.5. Punks

6. Zusammenfassung und Wirkungsanalyse

7. Literatur

1. Einleitung

Diese Hausarbeit soll einen Überblick über die nach dem zweiten Weltkrieg entstandenen Subkulturen der britischen Arbeiterjugend liefern. Im Wesentlichen umfasst die Arbeit fünf Teile. Der erste Teil definiert zunächst die Begriffe „Kultur“ und „Subkultur“ und schafft damit zunächst die Basis der Überlegungen. Teil zwei versucht, die wirtschaftliche Umstrukturierung Großbritanniens und die Lebenssituation der Arbeiterklasse möglichst knapp und akkurat wiederzugeben. Dies ist wichtig, um ein die Entstehungshintergründe der verschiedenen Bewegungen besser begreifen zu können. Der dritte Teil befasst sich mit dem Centre of Contemporary Cultural Studies (CCCS), deren Autoren sich erstmals in den 60er Jahren mit dem Phänomen der jugendlichen Subkulturen auseinandergesetzt haben. Ihre Arbeiten gelten als die ersten und unmittelbarsten und dienten nahezu allen späteren Wissenschaftlern als Ausgangsgrundlage für weitere Untersuchungen. Teil vier stellt gleichzeitig auch den Hauptteil der Arbeit. Er baut auf die nun vorhandenen Grundlagen auf und gibt ein konzentriertes Bild der verschiedenen Jugendsubkulturen der Arbeiterklasse wieder. Dabei soll das Hauptaugenmerk auf die wesentlichen Stilmerkmale der einzelnen Bewegungen gelegt werden. Der fünfte und letzte Teil analysiert den kommerziell bedingten Niedergang der Kulturen, umreißt die Problematik des eigentlichen Konzeptes und fasst die Ergebnisse zusammen.

2. Definition der Begriffe „Kultur“ und „Subkultur“

Der Begriff „Kultur“ umfasst ein sehr weites Spektrum der unterschiedlichsten menschlichen Aktivitäten und Verhaltensweisen. Dieses Spektrum nimmt seinen Ausgangspunkt beim Ackerbau und erstreckt sich über Bildung und Verfeinerung der individuellen Lebensweise bis hin zu der Gesamtheit der geistigen und künstlerischen Lebensäußerungen. Letztere werden zumeist als die Kultur eines sich als zugesammengehörig empfindenden Volkes verstanden.[1] Aus diesen ideologisch breit gefächerten Kulturkonzeptionen entwickelten sich zwei prinzipielle Definitionen von Kultur. Der erste und bekanntere ist der geisteswissenschaftliche Kulturbegriff. Er definiert Kultur als einen Maßstab ästhetischer Qualität in Theater, Oper, Literatur etc. Der zweite und weniger geläufige ist der anthropologisch-soziologische Kulturbegriff. Er fasst Kultur als eine bestimmte Lebensweise auf, die sich nicht nur in Bildung und Kunst artikuliert, sonder sich auch in alltäglichen Lebensmustern äußert.[2] In der Soziologie ist man bemüht, vor allem der zweiten Auffassung zu folgen. Kultur wird von ihr als ein System von kognitiven und expressiven Wertsymbolen verstanden, die als Grundlage verschiedener Normen, Positionen und Rollen dienen. Diese wiederum sind als Gesamtheit von kollektiven Vorstellungen und Traditionen aufzufassen, die die Sozialisation des Einzelnen garantieren.[3] Die wissenschaftliche Verwendung des Terminus impliziert einerseits den Prozess und andererseits das Produkt.[4]

Als „Subkultur“ wird eine Kultur innerhalb einer solchen sie umfassenden Kultur verstanden. Sie entwickelt eigene Verhaltensnormen, die auf von der Gesamtkultur abweichenden Überzeugungen, Werthaltungen oder Ideologien beruhen. Die Subkultur findet sich entweder mit ihrer Duldung durch die Gesellschaft ab oder begreift sich selbst als Gegenkultur.[5] Ein besonderes Kennzeichen der in dieser Arbeit behandelten Jugendsubkulturen ist die Neointerpretation bestehender Gegenstände. Aus einem eigenwilligen Sammelsurium von Alltagsobjekten entwickeln die Jugendlichen einen materiellen Kontext kulturellen Verhaltens, der stabil genug ist, um auch jene Bedeutung und Werte daran festzumachen, die die Musik für sie verkörpert.[6]

3. Gesellschaftliche Veränderungen in der Arbeiterklasse in Großbritannien nach dem zweiten Weltkrieg

Nach Ende des zweiten Weltkrieges wurde die Arbeiterschaft von verschiedenen staatlichen Maßnahmen stark beeinflusst. Eine davon war die Neugestaltung der Wohnraumpolitik. In ihrer ersten Phase wurden Teile der Bevölkerung der heruntergekommenen Stadtteile in neue Wohnanlagen außerhalb der Großstädte umgesiedelt;[7] in der zweiten Phase wurden die neuen Wohnanlagen direkt im Stadtteil gebaut.[8] Sie waren jedoch nicht auf die bereits dort ansässigen Arbeitergroßfamilien, sondern auf Kleinfamilien aus der Mittelschicht zugeschnitten.[9] Dadurch änderte sich in den traditionellen Arbeitervierteln die Bevölkerungszusammensetzung. In die durch die erste Phase der Umsiedelungspolitik leer gewordenen Häuser zogen entweder noch ärmere Bevölkerungsteile aus den ehemaligen Kolonien oder aber Studenten, Yuppies, Intellektuelle und Künstler, die den besonderen Flair alter Stadtviertel suchten. In der zweiten Phase kamen junge Familien aus der Mittelschicht hinzu.[10] Die engen Beziehungen in der Nachbarschaft und in der Verwandtschaft wurden dadurch zerstört. Man war nicht mehr „unter sich“ und betrachtete die neu hinzugezogenen schlicht als „Eindringlinge“.[11]

4. Das Centre of Contemporary Cultural Studies

Diese gesellschaftlichen Veränderungen wurden von den Forschern des “Centre of Contemporary Cultural Studies (CCCS) in Birmingham als Ausgangspunkt für ihre Arbeiten genommen. Um zunächst die Beziehungen der verschiedenen Kulturen der Klassen zu verdeutlichen, verwendeten sie eine Art Schichtenmodell. Das Dach dieses Modells stellte die Kultur der Herrschenden dar, wie sie durch offizielle Medien und staatliche Bildungs- und Erziehungsinstitutionen vermittelt wird. Darunter befanden sich die Kulturen der einzelnen Klassen: Arbeiterklasse, Bürgertum und so weiter. Diese Kulturen bezeichneten sie als „parent cultures“. Darunter befanden sich wieder eine Vielzahl von Subkulturen[12], die jeweils nicht als gänzlich voneinander abgeschlossen anzunehmen sind.[13] Zwischen den einzelnen Kulturen gibt es vielmehr hierarchisch-vertikale Beziehungen.[14] „Jugendsubkulturen“ wurden ganz allgemein als Reaktion der Jugendliche aus der Arbeiterklasse verstanden, um den Problemen zu begegnen, die ihnen die Institutionen der Mittelklasse bereiteten.[15] Die Autoren des CCCS betrachteten die Arbeiterklasse mehrheitlich mit Wohlwollen und konzentrierten sich in ihren Arbeiten großteils auf die positiven Aspekte der Subkulturen.[16] Dies ist unter anderem auch dadurch zu erklären, dass viele von ihnen selbst Angehörige eines jugendkulturellen Stils gewesen waren.[17]

5. Subkulturen der 50er, 60er und 70er Jahre

So unterschiedlich sie auch sind: den in diesem Abschnitt behandelten Subkulturen ist einiges gemeinsam.[18] Sie alle kamen zu Zeiten der Arbeitslosigkeit und sozialer Spannung auf. Sie lehnten bürgerliche Wertvorstellungen ab und stellten sich gegen den Materialismus und Konsumwahn. Dies versuchten sie durch ihr äußeres Erscheinungsbild auszudrücken. Dabei machten sie sich ein System zunutze, dass heute allgemein hin „Bricolage“ genannt wird. Das zugehörige Modell wurde von Levi-Strauss erarbeitet. Es zeichnete sich dadurch aus, dass aus der Gesamtheit der zur Verfügung stehenden Objekte und Zeichen einige herausgenommen und miteinander kombiniert wurden. Dabei war es unerheblich, ob die Objekte und Zeichen schon vorher eine symbolische Aussage innerhalb einer Gesellschaft hatten, denn in ihrer (neuen) Kombination mit anderen Objekten war es durchaus möglich, diese Symbolik abzuändern (- das Tragen des Hakenkreuzes der Nationalsozialisten kann auf die Identifikation des Trägers mit eben jener Ideologie hinweisen, aber auf der zerfetzten Lederjacke eines Punks kann diese Bedeutung fraglich sein). Letztendlich war die spezielle Kombination der Objekte, das Gesamtensemble, ausschlaggebend für die neue Bedeutung der Zeichen.[19] Doch indem die verwendeten Materialien immer auch an den Kontext ihrer Herkunft erinnerten, verlor die prinzipiell unendliche Zahl von Kombinationsmöglichkeiten der „Bricolage“ an Substanz. Die „Stilbasteleien“ waren also nicht ewig manipulierbar, sondern verschwammen nach und nach immer mehr gemäß ihres natürlichen Prozesses.[20]

[...]


[1] Eckart Müller-Bachmann: Jugendkulturen Revisited. Münster, 2002. S. 22

[2] M. José Ragué Arias: Pop. Kunst und Kultur der Jugend. Reinbek bei Hamburg, 1978. S. 30

[3] Günter Hartfiel/Karl-Heinz Hilmann: Wörterbuch der Soziologie. Stuttgart, 1982. S.415

[4] Müller Bachmann (2002) S. 22

[5] Definition von „Subkultur“ des Online-Nachschlagewerks Wissen.de

[6] Peter Wi>Zur Ästhetik und Soziologie eines Massenmediums. Leipzig, 1987.

[7] Phil Cohen: Subcultural Conflict and working-class Community. Birmingham, 1972. S. 14

[8] ebd. S. 13

[9] ebd. S. 16

[10] John Clarke: Skinheads and the Study of Youth-Culture. Birmingham, 1973. S. 4

[11] Cohen (1972) S. 15

[12] John Clarke/Stuart Hall/Tony Jefferson/Brian Robert: Subcultures, Cultures and Class, in: Stuart Hall/Tony Jefferson (Hrsg.): Resistance through Rituals. Youth-Subculturs in post-war Britain. Birmingham, 1976. S. 13

[13] ebd. S. 10

[14] ebd. S. 13

[15] Paul Corrigan/Simon Frith: The Policy of Youth-Culture, in: In: Stuart Hall/Tony Jefferson (Hrsg.): Resistance through Rituals. Youth-Subculturs in post-war Britain. Birmingham, 1976. S. 236

[16] vgl. Dick Hebdige: Subcultures. The Meaning of Style. London, 1995. S. 55, Cohen (1972) S. 24

[17] Dick Hebdige: “Heute geht es um eine anti-essentialistische Kulturproduktion vom Mischpult.“ Ein Gespräch mit Christian Höller. In: Paolo Bianchi: Cool Club Cultures. Kunstforum International 1996. S. 162

[18] Um Wiederholungen zu vermeiden und die Länge der Arbeit so gut wie möglich zu begrenzen werden diese gemeinsamen Merkmale hier einmal zusammengefasst und nicht jedes Mal einzeln aufgeführt.

[19] Hebdige (1995) S. 103f

[20] Dieter Baacke/Wilfried Ferchhoff: Jugend, Kultur und Freizeit. In: Heinz-Hermann Krüger: Handbuch der Jugendforschung. Opladen, 1993: S. 427

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Details

Titel
Jugendsubkulturen der Arbeiterklasse - Die 50er, 60er und 70er Jahre
Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
15
Katalognummer
V47290
ISBN (eBook)
9783638442688
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jugendsubkulturen, Arbeiterklasse, Jahre
Arbeit zitieren
Christiane Rohr (Autor:in), 2004, Jugendsubkulturen der Arbeiterklasse - Die 50er, 60er und 70er Jahre, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47290

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