Die beiden Dedikationsmosaiken in der Martorana haben durch ihre Konzeption in der Kunstgeschichte eine besondere Rolle. Einerseits sind die ikonographischen Sujets durch die Kombination traditioneller Motive neu und für ihre Zeit einzigartig, andererseits sagen sie sehr viel über die Kultur- und Geistesgeschichte der Zeit Rogers II. aus.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Die Krönung Rogers II. durch Christus
Ikonographie
Ikonologie
Georg von Antiocheias Prostratio vor der Gottesmutter
Ikonographie
Paarweise Aufstellung
Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die beiden Dedikationsmosaiken der Kirche Santa Maria dell' Amiraglio (Martorana) in Palermo. Ziel ist es, deren ikonographische Besonderheiten sowie ihre kunsthistorische Bedeutung im Kontext der christozentrischen Monarchie unter Roger II. zu analysieren und den inneren Zusammenhang der Mosaiken als paarweise konzipiertes Programm darzulegen.
- Ikonographische Analyse der Krönung Rogers II. durch Christus
- Ikonologische Untersuchung der Herrscherdarstellung und Machtlegitimation
- Studie der Prostratio des Georg von Antiocheia vor der Gottesmutter
- Tradition und Innovation der Intercessio-Darstellung
- Analyse der paarweisen Aufstellung und des originalen Standorts
Auszug aus dem Buch
Ikonologie
Beim Betrachten dieses Mosaiks stellt sich bald die Frage, ob es sich bei der Abbildung Rogers um ein Portrait handelt. Um eine Antwort geben zu können, kann man sich auf zwei Teile der Ausstattung des Königs beschränken - nämlich Loros und Krone. Der Loros, eine Vorform der Stola, ist eine breite, reich mit Edelsteinen, Perlen und Stickerei versehene Schärpe, welche die byzantinischen Kaiser über die Schulter gelegt und um die Hüften geschlungen trugen, wobei das eine Ende vorne bis zum Saum herabfiel, während das andere locker über den linken Unterarm gelegt wurde. Doch zur Zeit Rogers II. war diese Art ihn zu tragen nicht mehr zeitgemäß. Er wurde schon im elften und zwölften Jahrhundert, wie die Mosaiken in der südlichen Galerie der Hagia Sophia in Istanbul es zeigen, gerade herunterhängend getragen.
Auch die Art der Krone in Form eines Diadems war zur Zeit Rogers nicht mehr üblich, denn um 1140 wurde sie an konstantinopolitanischen Hof durch die geschlossene Krone, das Kamelaukion, ersetzt. Aus all dem kann man schließen, daß der Mosaizist ein älteres Vorbild, wie zum Beispiel das oben genannte Elfenbeinrelief hatte, da ihm dies inhaltlich als passendere Darstellungform für den König schien. Das Portrait als byzantinischer Kaiser erschien geeigneter, da dieser die absolute Macht hatte, die auch Roger für sich beanspruchte. Ob es sich um ein wirkliche naturgetreue Abbildung des Königs handelt kann man heute nicht mehr feststellen, da gesicherte bildliche Quellen fehlen. Auffällig ist jedoch die Ähnlichkeit der Gesichtes Christi und dem Rogers II.. Der König ist hier in Christomimesis gegeben, ein Motiv, das in dieser Zeit alles andere als ungewöhnlich war. Die damals herrschende Staatsform war die christozentrische Monarchie.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik der Dedikationsmosaiken in der Martorana und deren Bedeutung für die Prestigesteigerung der normannischen Herrscher.
Die Krönung Rogers II. durch Christus: Detaillierte Beschreibung der ikonographischen Details von König Roger und Christus in der Krönungsszene.
Ikonographie: Untersuchung der Attribute, Gewänder und Gesten der dargestellten Figuren im Krönungsmosaik.
Ikonologie: Analyse des Herrscherbildes im Kontext der christozentrischen Monarchie und der Frage nach der Authentizität des Portraits.
Georg von Antiocheias Prostratio vor der Gottesmutter: Beschreibung und Kontextualisierung des Stifterbildes des Admirals Georg von Antiocheia.
Ikonographie: Detaillierte ikonographische Analyse der Prostratio-Szene und der Intercessio-Tradition.
Paarweise Aufstellung: Untersuchung des inneren Zusammenhangs zwischen den beiden Mosaiken und deren ursprünglicher Positionierung.
Zusammenfassung: Fazit zur besonderen Rolle der Martorana-Mosaiken in der Kunstgeschichte und Geistesgeschichte des 12. Jahrhunderts.
Schlüsselwörter
Martorana, Palermo, Roger II., Dedikationsmosaiken, Georg von Antiocheia, Ikonographie, Ikonologie, Christomimesis, byzantinische Kunst, Intercessio, Machtlegitimation, christozentrische Monarchie, Normannen, Mosaikkunst, Narthex.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit den zwei Dedikationsmosaiken der Martorana-Kirche in Palermo, die den normannischen König Roger II. sowie den Admiral Georg von Antiocheia in Beziehung zu Christus und der Gottesmutter setzen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die byzantinisch beeinflusste Herrscherikonographie, das Konzept der Christomimesis, die Rolle der Intercessio (Fürbitte) und die politische Instrumentalisierung von Kunst zur Machtlegitimation.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Mosaiken als ein kohärentes, paarweise konzipiertes Programm zu deuten, das den Fluss der Macht von Christus über den König hin zum Stifter Georg von Antiocheia visualisiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine kunsthistorische Analyse angewandt, die durch den Vergleich mit ikonographischen Vorgängern und die Auswertung zeitgenössischer staatsphilosophischer Traktate gestützt wird.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil behandelt die detaillierte ikonographische und ikonologische Auswertung beider Mosaikszenen sowie die Frage nach ihrer ursprünglichen Anordnung im Narthex der Kirche.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Christomimesis, Dedikationsmosaik, byzantinisches Formenrepertoire und christozentrische Monarchie.
Inwiefern spielt der Begriff der „Christomimesis“ eine Rolle für Roger II.?
Die Christomimesis beschreibt das Bemühen, den König als Nachahmer Christi darzustellen, um so die göttliche Legitimation seiner irdischen Macht und seine Rolle als Stellvertreter Gottes auf Erden zu festigen.
Warum wird die paarweise Aufstellung als so bedeutend für das Verständnis der Mosaiken angesehen?
Die paarweise Anordnung verdeutlicht eine hierarchische Ordnung: Die Macht fließt von Gott zum Herrscher und wird von diesem wiederum durch seine Untergebenen wie Georg von Antiocheia in einer sakralen Ordnung gespiegelt.
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- Matthias Rist (Author), 1997, Die Dedikationsmosaiken der Martorana in Palermo, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47354