Im Rahmen dieser Arbeit ist es nicht möglich, eine umfassende Analyse und Bewertung der gesamten Wirtschaftsförderung für die neuen Länder zu leisten. Gleichwohl sollen exemplarisch einige der wichtigsten Förderprogramme vorgestellt, analysiert und bewertet werden. Das geschieht im fünften Kapitel. Besonderes Augenmerk verdienen dabei die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ und die Investitionszulage nach dem Investitionszulagengesetz. Daneben wird auf Programme zur Innovations- und Mittelstandsförderung eingegangen. Eine gesonderte Untersuchung des Förderinstrumentariums der Europäischen Union, das für die neuen Bundesländer Anwendung findet, würde den Umfang der Arbeit sprengen und erfolgt deswegen nicht. Für die Analyse der Förderinstrumente muss zuvor das theoretische Fundament gelegt werden, das als Beurteilungskriterium dienen soll. Dies geschieht im vierten Kapitel. Dazu werden die wichtigsten regionalwirtschaftspolitischen Ansätze mit ihren praktischen Implikationen vorgestellt und, soweit Studien dazu vorhanden sind, empirisch auf ihre Gültigkeit für die neuen Bundesländer hin überprüft. In diesem Zusammenhang wird auf die Neue Wachstumstheorie, die Neue Ökonomische Geografie, die Exportbasistheorie und die Wachstumspoltheorie eingegangen. Im sechsten Kapitel soll schließlich die grundsätzliche Problematik direkter Wirtschaftsförderung, vor allem wenn sie selektiv ist, verdeutlicht werden. Ordnungspolitische Bedenken werden ebenso geäußert wie Kritikpunkte, die sich aus Sicht der Public-Choice-Theorie ergeben. Alternative marktkonforme Strategien für den weiteren „Aufbau-Ost“ werden vorgeschlagen. Es soll in diesem Rahmen auch auf die Chancen eines Wettbewerbs der Regionen eingegangen werden, der sich aus einer Veränderung des institutionellen Designs ergeben könnte. Im siebenten Kapitel werden die aus den vorausgegangenen Analysen resultierenden wirtschaftspolitischen Schlussfolgerungen verdichtet und Perspektiven für die Zukunft aufgezeigt. Erwähnung findet in diesem Zusammenhang auch der internationale Rahmen, in dem sich der „Aufbau-Ost“ bewegt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Ausgangssituation der neuen Bundesländer
2.1 Das Ende der DDR
2.1.1 Politische und wirtschaftliche Ursachen des Zusammenbruchs
2.1.2 Zusammenfassung
2.1.3 Wiedervereinigung und Anpassungsschock
2.2 Die Arbeit der Treuhandanstalt
2.2.1 Anfängliches Primat der schnellen Privatisierung
2.2.2 Späteres Primat der aktiven Sanierung
2.2.3 Zusammenfassung
3 Die ostdeutsche Wirtschaft im Transformationsprozess
3.1 Sektorale Produktions- und Beschäftigungsentwicklung
3.2 Strukturelle Gründe für den Produktivitätsrückstand
3.2.1 Mangel an überdurchschnittlich produktiven Wirtschaftszweigen
3.2.2 ungünstige Betriebsgrößenstruktur
3.2.3 Mangel an innovativen Wirtschaftszweigen
3.2.4 Mangel an exportintensiven Wirtschaftszweigen
3.2.5 Zusammenfassung
3.3 Weitere Gründe für den Produktivitätsrückstand
3.3.1 geringere Kapitalausstattung der Arbeitsplätze
3.3.2 schlechtere Infrastrukturkapitalausstattung
3.4 Überprüfung der Konvergenzhypothese im Lichte der neoklassischen Wachstumstheorie
4 Überprüfung von Strategien der regionalen Wirtschaftspolitik in den neuen Bundesländern
4.1 Neue Wachstumstheorie
4.1.1 Grundaussage
4.1.2 Wirtschaftspolitische Empfehlungen
4.1.3 Empirische Überprüfung
4.2 Neue Ökonomische Geografie
4.2.1 Grundaussage
4.2.2 Wirtschaftspolitische Empfehlungen
4.2.3 Empirische Überprüfung
4.3 Exportbasistheorie
4.3.1 Grundaussage
4.3.2 Wirtschaftspolitische Empfehlungen
4.3.3 Empirische Überprüfung
4.4 Wachstumspoltheorie
4.4.1 Grundaussage
4.4.2 Wirtschaftspolitische Empfehlungen
4.4.3 Empirische Überprüfung
5 Überprüfung ausgewählter Instrumente der regionalen Wirtschafts- und Strukturförderung Ost
5.1 Programme zur Investitionsförderung
5.1.1 GA „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“
5.1.2 Investitionszulage
5.2 Programme zur Innovationsförderung
5.2.1 Direkte FuE-Projektförderung (Fachprogramme)
5.2.2 Netzwerkprogramm „InnoRegio“
5.2.3 Beratungsprogramm „InnoMan“
5.3 Programme zur Mittelstandsförderung
5.3.1 ERP-Existenzgründungsprogramm
5.3.2 ERP-Exportfinanzierungsprogramm
6 Zur Problematik direkter Wirtschaftsförderung – Alternativen
6.1 Ordnungstheoretische Bedenken
6.1.1 mangelndes wirtschaftpolitisches Lenkungswissen
6.1.2 Notwendigkeit von Interventionsregeln
6.1.3 politische Rahmenbedingungen
6.2 Bedenken aus Sicht der Public–Choice–Theorie
6.2.1 Die Rolle politischer Unternehmer
6.2.2 Lobbyismus
6.3 Marktkonforme Strategien
6.3.1 verbesserter Kapitalmarktzugang
6.3.2 wachstumsorientierte Steuerpolitik
6.3.3 Bildungsinvestitionen
6.3.4 Infrastrukturinvestitionen
6.3.5 produktivitätsorientierte Lohnpolitik
6.3.6 Wettbewerb der Regionen
7 Resümee
7.1 Bestandsaufnahme
7.2 Perspektiven
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert kritisch den Transformationsprozess und die regionalwirtschaftspolitischen Ansätze beim Wiederaufbau der neuen Bundesländer nach der Wiedervereinigung, um die Gründe für die anhaltende Produktivitätslücke gegenüber Westdeutschland zu identifizieren und die Effektivität staatlicher Förderinstrumente zu bewerten.
- Transformation der Planwirtschaft zur Sozialen Marktwirtschaft
- Strukturelle Defizite und Produktivitätsrückstand Ost
- Regionalwirtschaftspolitische Wachstumstheorien und deren Gültigkeit
- Analyse und Bewertung spezifischer Förderinstrumente (GA, Investitionszulage, Innovation, Mittelstand)
- Ordnungstheoretische und Public-Choice-Perspektiven auf staatliche Wirtschaftsförderung
- Entwicklung marktkonformer Alternativstrategien für den weiteren "Aufbau-Ost"
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Anfängliches Primat der schnellen Privatisierung
Anfänglich sah die Geschäftspolitik der THA die schnellstmögliche Privatisierung und Liquidierung der staatlichen Betriebe vor (so auch Fier, 1998, S. 34). Die Privatisierung wurde als das beste Mittel zur Sanierung verstanden (siehe Schmid-Schönbein, 1991, S. 243). Insgesamt setzte die Wirtschaftspolitik also primär nicht auf die Erhaltung bestehender industrieller Strukturen durch eine industriepolitische Strategie (Strukturerhaltungspolitik), sondern auf die Schaffung neuer, moderner Unternehmen in zukunftsträchtigen Branchen durch den Markt (Strukturanpassungspolitik) (so auch Heise/Ziegler, 1992, S. 551).16 Überleben sollten nur diejenigen Unternehmen, die in der Beurteilung privater Investoren kurz- bis mittelfristig als wettbewerbsfähig angesehen wurden (siehe Danwerth, 1998, S. 127). Aussagen von Birgit Breuel, Präsidentin der Treuhandanstalt, geben allerdings Hinweise darauf, dass sich die THA beim Verkauf keineswegs nur am betriebswirtschaftlichen, sondern auch am struktur- und beschäftigungspolitischen Kalkül orientierte: „Vorrang haben in jeden Fall solche Konzepte, die Arbeitsplätze sichern und neue schaffen. Der Kaufpreis ist dabei nur ein Aspekt neben Investitionen und unternehmerischem Engagement“ (Breuel, 1991, S. 164).
Die ausgehandelten Zusagen sowie die beachtliche Kreditschuldquote für die Passiva im Zuge der Übernahme (ökologischer) Altlasten (siehe Hankel, 1991, S. 41) drückten dabei in den meisten Fällen den Kaufpreis, so dass dieser oftmals unter dem tatsächlichen Marktwert lag (siehe Zuk, 1998, S. 94).17 Auch wenn durch diese Politik die konkreten Arbeitsplätze am bestehenden Standort kurzfristig sicherer waren, kann bezweifelt werden, ob diese Strategie auch langfristig die meisten Arbeitsplätze sicherte. Oft wurden unwirtschaftliche Unternehmensteile trotz der anfallenden Vertragsstrafen stillgelegt (siehe Danwerth, 1998, S. 134), oder die Zahl der Interessenten wurde durch übermäßige Auflagen oder das Schnüren von Unternehmenspaketen, die nur im Verbund erworben werden konnten, verringert (siehe ebd., S. 135).18 Der Treuhand wurde weiterhin vorgeworfen, dass es unter dem Zeitdruck der schnellstmöglichen Privatisierung kaum zu Ausschreibungen oder Auktionen gekommen sei, und ausländische Bewerber benachteiligt worden wären (siehe Schmid, 2004, S. 27, anders aber Zuk, 1998, S. 95). Fakt ist jedenfalls, dass nur rund 10% der ehemaligen VEB in Treuhandbesitz in ausländischen Besitz übergingen (siehe ebd., S. 97).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit gibt einen Überblick über den Stand der Transformation in Ostdeutschland, identifiziert die Produktivitätslücke und stellt die Notwendigkeit einer kritischen Bestandsaufnahme der Fördermaßnahmen dar.
2 Ausgangssituation der neuen Bundesländer: Das Kapitel beleuchtet die politischen und wirtschaftlichen Ursachen des DDR-Zusammenbruchs sowie die Rolle der Treuhandanstalt bei der Transformation des Wirtschaftssystems.
3 Die ostdeutsche Wirtschaft im Transformationsprozess: Hier werden die sektoralen Entwicklungen analysiert und strukturelle sowie komplementäre Gründe für den Produktivitätsrückstand, wie Kapital- und Infrastrukturausstattung, untersucht.
4 Überprüfung von Strategien der regionalen Wirtschaftspolitik in den neuen Bundesländern: Es erfolgt eine theoretische Einordnung und empirische Überprüfung regionalwirtschaftspolitischer Ansätze wie der neuen Wachstumstheorie, Geografie, Exportbasis- und Wachstumspoltheorie.
5 Überprüfung ausgewählter Instrumente der regionalen Wirtschafts- und Strukturförderung Ost: Dieses Kapitel analysiert exemplarisch Förderprogramme zur Investition, Innovation und Mittelstandsförderung hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und Mitnahmeeffekte.
6 Zur Problematik direkter Wirtschaftsförderung – Alternativen: Das Kapitel diskutiert ordnungstheoretische und Public-Choice-Bedenken gegen selektive Förderung und schlägt marktkonforme Alternativen vor.
7 Resümee: Die Arbeit schließt mit einer Bilanz der bisherigen Politik und skizziert Perspektiven für den weiteren wirtschaftlichen Angleichungsprozess in den neuen Bundesländern.
Schlüsselwörter
Aufbau-Ost, Transformation, Treuhandanstalt, Produktivitätslücke, Wirtschaftsförderung, Strukturwandel, Neue Wachstumstheorie, Investitionszulage, Clusterförderung, Soziale Marktwirtschaft, Standortpolitik, Regionale Entwicklung, KMU, Wettbewerb, Kapitalstock.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Analyse des Transformationsprozesses in den neuen Bundesländern nach der Wiedervereinigung und der Wirksamkeit der angewandten regionalwirtschaftspolitischen Förderstrategien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Systemwechsel von der Plan- zur Marktwirtschaft, die Ursachen der ostdeutschen Produktivitätslücke sowie die ökonomische Bewertung von staatlichen Förderprogrammen für Unternehmen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, zu untersuchen, ob die bisherigen wirtschaftspolitischen Strategien und Förderinstrumente den Produktivitätsrückstand erfolgreich abbauen konnten und welche alternativen Ansätze im Sinne einer marktkonformen Ordnungspolitik sinnvoll wären.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine theoretische Analyse regionalwirtschaftlicher Modelle (Wachstumstheorien, Public-Choice-Ansatz) und wertet empirische Daten der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung sowie bestehende Studien aus.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme der ostdeutschen Wirtschaft, eine wissenschaftliche Überprüfung verschiedener Wachstumstheorien, eine detaillierte Analyse der Förderinstrumente und eine ordnungspolitische Diskussion über Alternativen zur direkten Förderung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Aufbau-Ost", Produktivitätslücke, Treuhandanstalt, Transformation, Investitionsförderung und Standortpolitik charakterisiert.
Warum wird die Arbeit der Treuhandanstalt als "historisch einzigartig" bezeichnet?
Da die Aufgabe darin bestand, eine gesamte zentralwirtschaftlich organisierte Struktur in ein marktwirtschaftliches System der Bundesrepublik zu transformieren, was einen massiven Privatisierungs- und Sanierungsprozess unter enormem Zeitdruck erforderte.
Welche ordnungspolitische Kritik wird an der direkten Wirtschaftsförderung geäußert?
Die Kritik beruht primär auf dem selektiven Charakter dieser Förderung, der zu Marktverzerrungen, Mitnahmeeffekten und einer ineffizienten Ressourcenallokation führt, anstatt auf marktwirtschaftliche Anreize und Standortverbesserungen zu setzen.
- Arbeit zitieren
- Marcus Ritschel (Autor:in), 2005, Strukturwandel in den neuen Bundesländern - Eine Analyse regionalwirtschaftspolitischer Ansätze im Transformationsprozess, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47414