Der Autor gibt in dieser Arbeit einen Überblick über über das Konzept der Inneren Verteidigung und der internen Sicherheit in der DDR (mit Wehrerziehung, vormilitärischer Ausbildung und bewaffneten Organen).
Zunächst wird das Feindbild der DDR erklärt, dann die Grundlagen der Wehrerziehung und der vormilitärischen Ausbildung mit den Anfängen und der Entstehung der militärisch organisierten Ausbildung (GSSD und Zivilverteidigung).
Eine besondere Erwähnung erfährt auch der Parteitag der SED im Mai 1976. Punkt 6 ist der Wehrerziehung im staatlichen Bildungswesen und in Massenorganisationen gewidmet.
Punkt 7 handelt von der Wehrerziehung und der Zivilverteidigung. Punkt 8 erkärt die bewaffneten Organe und die paramilitärischen Organisationen.
In den beiden letzten Punkten erläutert der Autor die Wehrerziehung in der Weimarer Republik und im Dritten Reich.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Feindbild der DDR
3. Grundlagen der Wehrerziehung und vormilitärischen Ausbildung
4. Anfänge und Entstehung der militärisch organisierten Wehrerziehung
4.1 GSSD
4.2 Zivilverteidigung
5. IX.. Parteitag der SED im Mai 1976
6. Wehrerziehung im staatlichen Bildungswesen und in Massenorganisationen
6.1. Staatliches Bildungswesen
6.1.1 Kindergarten
6.1.2 Schule
6.2. Massenorganisationen
6.2.1 Die Pionierorganisation „Ernst Thälmann“
6.2.2 Die Freie Deutsche Jugend (FDJ)
6.2.3 Die Gesellschaft für Sport und Technik (GST)
6.3 NVA und Wehrerziehung
6.4 Grenztruppen (bis 1974 Grenzpolizei)
7. Wehrerziehung und Zivilverteidigung
8. Bewaffnete Organe und paramilitärische Organisation
8.1 Bewaffnete Organe – Machtsicherung nach innen und nach außen
8.2 Paramilitärische Organisationen
9. Wehrerziehung in der Weimarer Republik
10. Wehrerziehung im Dritten Reich
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das System der Wehrerziehung und inneren Verteidigung in der DDR als Instrument zur Machtsicherung und ideologischen Disziplinierung der Bevölkerung. Dabei wird insbesondere analysiert, wie die SED durch ein umfassendes Netzwerk aus staatlichen Bildungseinrichtungen, Massenorganisationen und bewaffneten Organen versuchte, ein Feindbild zu festigen und die Verteidigungsbereitschaft zu erhöhen.
- Die ideologische Funktion des Feindbildes in der DDR-Militärpolitik
- Strukturen der vormilitärischen Ausbildung in Kindergarten und Schule
- Die Rolle der FDJ und GST als sozialistische Sozialisationsinstanzen
- Die Integration bewaffneter Organe und der Zivilverteidigung in das System
- Historische Kontinuitäten und Brüche in der Wehrerziehung
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Zum Thema der Wehrerziehung und inneren Verteidigung in der DDR waren bis 1990 wissenschaftliche Arbeiten wegen strengster Geheimhaltungsvorschriften und der Verweigerung jeglicher Akteneinsicht für westliche Historiker kaum möglich. Als Katalysator für die Intensivierung der Bemühungen zur Schaffung eines einheitlichen internen Sicherheitssystems ist die Entwicklung des Militärwesens in den „sog. westlich-imperialistischen Staaten“ zu sehen, die entgegen ihrer Mitwirkungsabsicht an der aktiven Entspannung, ihren Kurs der verstärkten Neuausrüstung ihres Militärs mit modernen Waffen und der weiteren Erhöhung ihrer Kampf- und Einsatzbereitschaft fortführen.
Sog. militärische und paramilitärische Organisationen und ein vor allem zur Machtsicherung nach innen bestimmter Apparat aus verschiedenen anderen bewaffneten Organen besaßen seit Gründung der DDR einen bedeutenden Stellenwert. Dieses extreme Sicherheitsbedürfnis der politischen Führung der DDR findet seinen Ausdruck in der Vielzahl der militärischen und paramilitärischen Organisationen, die zum Schutze und zur Sicherung des Staates und der Gesellschaftsordnung in der SBZ/DDR aufgebaut und zu einem umfassenden „System“ ausgebaut wurden.
Ca. zehn Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung, d.h. eine dreiviertel Million Menschen, waren in irgendeiner Form freiwillig oder dienstverpflichtet in den diversen Organen der Landesverteidigung beschäftigt. Unter Landesverteidigung eines Staates versteht man alle Maßnahmen zu seiner äußeren und inneren Sicherheit. Der Aufbau und die Entwicklung der Landesverteidigung werden in der Regel durch die geostrategische Lage, durch das strategische Konzept, durch wirtschaftliche Kraft und die politischen und verfassungsrechtlichen Bedingungen des Landes bestimmt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beleuchtet die Schwierigkeiten der historischen Aufarbeitung der DDR-Wehrerziehung und skizziert das Ausmaß des internen Sicherheitssystems.
2. Das Feindbild der DDR: Analysiert die ideologische Konstruktion des Klassenfeindes, um die interne Machtsicherung und den "Schutz des Sozialismus" zu legitimieren.
3. Grundlagen der Wehrerziehung und vormilitärischen Ausbildung: Definiert die zentralen Begriffe und beschreibt die pädagogische Strategie der SED zur Erzeugung von Wehrbereitschaft.
4. Anfänge und Entstehung der militärisch organisierten Wehrerziehung: Untersucht die Rolle der GSSD und die frühen Phasen des Zivil- und Innenschutzaufbaus nach 1945.
5. IX.. Parteitag der SED im Mai 1976: Beschreibt die reorganisatorische Weichenstellung zur Verstärkung der Zivilverteidigung.
6. Wehrerziehung im staatlichen Bildungswesen und in Massenorganisationen: Dokumentiert den Einfluss der Erziehung ab dem Kindergarten über die FDJ bis hin zur GST als "Schule der Soldaten".
7. Wehrerziehung und Zivilverteidigung: Erläutert die Integration der Ausbildung in das zivile Leben durch Wehrunterricht und gesetzliche Rahmenbedingungen.
8. Bewaffnete Organe und paramilitärische Organisation: Gibt einen Überblick über die Vielzahl der bewaffneten Institutionen und ihre Funktion als stählernes Korsett des Staates.
9. Wehrerziehung in der Weimarer Republik: Setzt die Kampfgruppen der DDR in den Kontext historischer Traditionen.
10. Wehrerziehung im Dritten Reich: Vergleicht die Wehrerziehung der DDR mit nationalsozialistischen Ansätzen anhand zeitgenössischer Zitate.
Schlüsselwörter
DDR, Wehrerziehung, Sozialistische Militärpolitik, NVA, FDJ, GST, Zivilverteidigung, Landesverteidigung, Machtsicherung, Sozialisation, bewaffnete Organe, Klassenfeind, Wehrpropaganda, SED, Militärgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das komplexe System der Wehrerziehung in der DDR und wie dieses dazu genutzt wurde, die Bevölkerung ideologisch zu formen und die Machtsicherung des SED-Staates nach innen und außen zu gewährleisten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Konstruktion des Feindbildes, die institutionelle Verankerung in Bildung und Massenorganisationen sowie die Einbindung der Zivilverteidigung und bewaffneter Organe.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Bedürfnis der politischen Führung nach Sicherheit und Kontrolle zur Schaffung eines flächendeckenden Systems der Wehrerziehung führte, das den Einzelnen schon im Kindesalter erfasste.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historisch-dokumentarischen Analyse, die primär auf zeitgenössischen Dokumenten, Parteibeschlüssen, Gesetzen und militärhistorischer Fachliteratur beruht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der ideologischen Grundlagen, die historische Entstehung der Sicherheitsstrukturen sowie die detaillierte Beschreibung der Einwirkung auf verschiedene Gesellschaftsgruppen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sozialistische Wehrerziehung, NVA, Zivilverteidigung, SED-Ideologie, Klassenfeind und staatliche Machtsicherung.
Welche Bedeutung hatte der 17. Juni 1953 für die Sicherheitsarchitektur?
Der Aufstand wirkte traumatisch auf die SED-Führung und führte zur systematischen Herausbildung eines inneren Sicherheitssystems und zur Institutionalisierung von Einsatzleitungen.
Inwiefern spielte die FDJ eine Rolle bei der Wehrerziehung?
Die FDJ fungierte als "Kaderreserve" und steuerte die wehrpolitische Erziehung der Jugend durch die Kontrolle der Schul- und Betriebsgruppen sowie durch die Lenkung der Pionierorganisation.
Wie unterschied sich die Zivilverteidigung von den bewaffneten Organen?
Die Zivilverteidigung war als breit angelegtes System zur Sicherung des Inneren konzipiert und diente nicht primär militärischen Kampfeinsätzen, wurde jedoch zunehmend in den Apparat der Landesverteidigung unterstellt.
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- Robert Tanania (Author), 2005, Innere Verteidigung und innere Sicherheit in der DDR, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47418