Wie die SBZ kommunistisch wurde und im Westen zur kommoden Diktatur geriet


Seminararbeit, 2005
87 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

I. Vorbemerkung

II. Rückblickende Vorsicht

III. Von der Schwierigkeit, Wohlstandsbürgern eine Diktatur zu erklären

IV. Der Kaiser war nackt, doch wen interessierte das schon?

V. Wie sah die Ausgangslage aus?

VI. Die so genannte Justizreform

VII. Die so genannte Bildungsreform

VIII. Die unterschätzte Ideologie

IX. Es muss demokratisch aussehen

X. Die Neugründung der Parteien

XI. Halb zog sie ihn, halb sank sie hin: die SPD zur KPD

XII. Ja, mach nur einen Plan

XIII. „Volkspolizei“ und geheime Mitarbeiter

XIV. VEB Kunstkombinat

XV. Hinein in die falschen Fünfziger

XVI. Resümee?

XVII. Literaturverzeichnis

I. Vorbemerkung

Unmittelbar nach dem II. Weltkrieg glaubten die Alliierten offensichtlich, auf deutschem Bo­den ei­nen rechtsfreien Raum betreten zu haben, denn anders lassen sich die zum Teil irrwitzi­gen Befehle, die sie erließen, nicht deuten. Während die deutschen Männer in der französi­schen Be­satzungszone ange­wiesen wurden, vor den Besatzern „ehrerbietig“ den Hut zum Gruße abzu­nehmen, mussten die Men­schen in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) vor­erst nach Moskauer Ortszeit arbeiten; und die US-Amerikaner ließen Stadträte in ihrer Zone Leichen mit bloßen Händen umbetten. An den feuchten Ufern der Rheinniederung und seiner Neben­flüsse, zwischen Rheinberg und Bad Kreuznach, pferchten die US-Sieger mehr als eine halbe Million deutsche Soldaten auf Äckern und Wiesen zu­sammen. Wahrscheinlich kennt die Weltgeschichte keine größere Ballung von Gefangenen auf so wenigen Quadratkilome­tern. Der Soldat und spätere Hochschulpfarrer Hermann Kiefer (geb. 1921) hat in einem die­ser Rheinwiesenlager unterm Sternenzelt „gehaust“, das 10 km von seinem Heimatort Speyer entfernt auf dem Acker­boden von Böhl errichtet wurde, wo im Frühjahr 1945 von den 70.000 bis 80.000 Einge­pferchten täglich 30 bis 40 vor Hunger und Kälte umkamen: Das eigentliche Thema ist der Hunger. Er wird zum treuesten Begleiter bei Tag und Nacht. Es gibt keine Ge­wöhnung an ihn. Im Gegenteil: je länger er andauert, desto reißender wird er, desto mehr be­schlagnahmt er das ganze Bewusstsein. Und er wird umso intensiver empfunden, als es keine Abwechslung durch Arbeit gibt, andererseits aber der Kalorienverbrauch sehr hoch ist, denn Stehen bei Tag und Nacht ist anstrengend und un­gemein kraftraubend. Nach wenigen Tagen beginnt es überdies zu regnen, und teilweise ist der Re­gen noch mit Schnee gemischt. Die Kleidung ist bald durchnässt…[1] Am tiefsten jedoch prägte sich diesem sensiblen und begnade­ten Überlebenden ein, dass es unter physischen Extrembedingungen Einsichten und innere Erlebnisse geben kann, die die Gewissheit verleihen, dass es eine geistige Dimension der Wirklichkeit gibt, welche die natürliche Abhängigkeit des Geistes von seinen materiellen Bedingungen weit übersteigt.[2]

Schon nach dem I. Weltkrieg schienen die demokratischen Siegermächte von allen guten Geistern verlassen gewesen zu sein. Wo war denn, fragt heute der Philosoph Günter Rohr­mo­ser (geb.1927), im Versailler Vertrag Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zu finden? Was hat der Westen hier im Namen der Zi­vilisation getan? Er hat einen „Friedensver­trag“ ge­schlossen, der den Keim für Hitler in sich getragen hat. Das war damals die große „Leis­tung“ der westlichen Zi­vilisation gegen die Bar­baren.[3] Und nach dem II. Welt­krieg, der nun eindeutig von Hitler (1989-1945) und seinen Helfershelfern ausging, ohne eine gewisse sow­jetische und polnische Mit­schuld unter­schlagen zu wollen, zeigte es sich wieder, wie die Macht der Rache, der Rausch des Sieges, die Gier nach Eroberungen, die Trieb zur Verge­waltigung, der Schock über die Konzentrati­onslager des Natio­nalsozialismus erst einmal alle christlichen und völker­rechtli­chen Grund­sätze der westlichen und abendländi­schen Zivilisa­tion über den Haufen war­fen: Viehwaggons für die De­portation, die Beschlagnahmungs- und Ausweisungskom­mandos, er­reichte Grenzen und Übergangsstellen, die Evakuierungsschiffe, die Marschko­lonnen die Fluchtbrücken, die Bru­talität des Deporta­tionsvor­gangs, die Selek­tion und die Ausgren­zungsmechanismen, die Zeichnung durch Arm­binden, die Flüchtlings­trecks vor al­lem, die Ba­rackenlager und Zelt­städte; auch Orte der Greuel und Schocks. Sol­che Bilder sind Bestand­teile des traumatisier­ten nationalen Gedächt­nisses: die Trecks auf dem Eis des Fri­schen Haffs, die Deportations­züge nach Kasachstan, die Friedhöfe der katho­lischen Li­tauer bei Igarka usf.[4]

Der wackere Kardinal Clemens August Graf von Galen (1878-1946), der schon die National­sozialisten zur Weißglut gebracht hatte, was ihn bald als „Löwen von Münster“ bekannt wer­den ließ, erlaubte sich nach dem Krieg, ebenso unerschrocken gegen völkerrechtswidrige Übergriffe der Besatzungsmächte, gegen die Kollektivschuldthese und die rücksichtslose Vertreibung Deutscher aus den Ostgebieten zu protestieren. Er warnte, weil er wusste, dass dadurch der Siegeszug der bolschewistischen Ideen weit über die Grenzen der russischen Be­satzungszone hinaus seinen Lauf nehmen wird. Unerhört ging dann trotzdem, nach einem Wirtschafts­wunder-Zwischenspiel, die westdeutsche Geschichte ihren sozialistischen Gang: Wenn Du ir­gendwann mal in den Westen kommst, wirst Du entsetzt sein, wie unglaublich links die Bun­desrepublik Deutschland ist.[5] Das sagte in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts bei einem Tref­fen unter Brüdern in einer Prager Schwarzbierkneipe der eine, der schon im Westen wohnte, dem anderen, der nach dem Westen wollte. Da regierte noch ein Herr Dr. Kohl. Spä­ter konnte ein deutscher Außenminister, der jahrelang zum beliebtesten Politiker gekürt wurde, sogar sagen: Ich entdecke immer mehr, wie sehr ich doch Marxist geblieben bin.[6] In der gleichen Deutlichkeit ist auch der politische, soziale, kulturelle und wirtschaftli­che Ab­stieg Deutschlands erkennbar geworden. Doch kaum jemand kann oder will sich die hintergrün­digen Ursachen erklären. Der Lektor, Übersetzer, Verlagsleiter und Hochschulleh­rer Profes­sor Hans Joachim Störig (geb. 1915) schrieb in seiner erfolgreichen „Kleinen Welt­geschichte der Philosophie“ unüberbietbar deutlich: Die anderthalb Jahrhunderte, die seit dem Erschei­nen des „Kommunistischen Manifests“ verstrichen sind, haben zwar nicht den endgültigen Sieg des Kommunismus gebracht; gleichwohl sind sie in hohem Maß durch das Wirken Mar­xens und seiner Nachfolger geprägt. Nicht nur, dass in den Sozialwissenschaften (und dem breiten Spektrum philosophischer Theorien, die sich, von Marx angeregt, im demo­kratischen und „kapitalistischen“ Westen ausgebildet haben) Marx überall gegenwärtig ist – im geisti­gen Klima, im allgemeinen Bewusstsein dieser Zeit sind Marxsche Gedanken so stark wirk­sam, dass auch das Weltbild von Denkern (und Normalbürgern) vom Marxismus einge­färbt ist, die es empört zurückweisen würden, als Marxisten zu gelten.[7]

Nun, es gibt durchaus institutsleitende Wissenschaftler, die wie der Bremer Wirtschaftswis­senschaftler Rudolf Hickel ein privilegiertes bürgerliches Leben führen und Marx noch heute solche entzauberten „Revoluzzer“ offensiv verteidigen. Sie setzten sich im Umfeld der 68er Bewegung in­tensiv mit Marx und anderen Marxisten auseinander und haben leider so gut wie nichts dazu gelernt. Woher auch? Dem Verstehen geht, das erkannte schon der Philosoph Wilhelm Dil­they[8] im 19. Jahrhundert, bekanntlich das Erleben voraus. Man kann schon froh sein, wenn an­dere Wissenschaftler, die von den 68ern geprägt wurden, dann wie der Histori­ker Paul Nolte (geb. 1963) wenigstens ihre Vorbehalte gegen Marx noch zu formulieren in der Lage sind: „Die Art seines Denkens und Schreibens, wie er sich mit anderen auseinander setzt, empfinde ich als menschenverachtend, da sind die Fundamente der Missachtung von Anders­denkenden angelegt.“[9] Immerhin – dem „Spiegel“ sei Dank, dass hier etwas auf naive Weise zur Sprache kommt, was der Politikwissenschaftler und Jurist Konrad Löw[10] schon Jahre zuvor auf profunde Weise verbreitete, aber in jenen Kreisen, die sich für die tonange­benden Intel­lektuellen halten, mit Hohn und Häme überschüttet wurde.

„Die meisten 68er, die damals schon in völliger Verkennung aller Realitäten und heute viele noch immer sowohl als Wissenschaftler oder als Regierende gar nichts anderes konnten, als an jeder Stelle zu versagen, bildeten um sich eine Gesell­schaft, die sich „rhetorisch qualifi­ziert hat als besonders scharfe Betrach­terin von politischen Unrechtssystemen und Ent­wickle­rin von Maßstäben des ‚Nie wieder!’ und ‚Niemals verges­sen!’.“[11] Doch die 2. Diktatur auf deutschem Boden übersahen sie ebenso geflissentlich wie alle anderen kommunistischen Ter­ror-Territorien dieser Welt. Es war aus ihrer perversen Sicht freilich logisch, alle Opfer deut­scher emanzipatorischer Bewegungen im 20. Jahr­hun­dert klein zu rechnen, weil diese Gene­ration in unverschämter Weise für sich beansprucht, die erste zu sein, in Deutschland die wahre „Freiheit und Demo­kratie“ eingeführt zu haben. Jeder, der aus einer Diktatur in die Bundesrepublik kam, glaubte anfangs, es würde sich hier „trotz aller Hindernisse am Ende doch die Vernunft durchsetzen“, denn das sei ja die „zwingende Logik der Demokra­tie“, wie der ebenfalls in der DDR sozialisierte Publizist Thorsten Hinz in seiner Dankrede nach der Verleihung des Gerhard-Löwenthal-Preises es ausdrückte, um ent­täuscht festzustellen, dass „beide deutschen Staaten eine verdorbene Mit­gift in die ungleiche Ehe eingebracht haben“. Der seit 1997 in Schweden lebende Schriftsteller Ulrich Schacht, geboren 1951 im sächsi­schen Frauenzuchthaus Hoheneck, wo seine Mutter als „Po­litische“ einsaß, obwohl sie nur wegen ihrer Liebe zu einem russischen Offizier hinter Gittern verschwinden musste, charakte­risierte die 68er Neomarxisten klipp und klar: „Das einzige, was sie zu feiern in der Lage sind, sind ihre Feiertage aus den 60er Jahren, die vom Angriff auf die De­mokratie geprägt waren. Das sind ihre großen Jahre. Da sind sie Opfer gewesen. Wovon, von wem, von was? Mit diesen My­then und Legenden gehen sie nicht nur hausieren und spekulie­ren auf eine Ge­ne­ration, die von kapitalistisch-profitorientierten, geisteskranken Privatsen­dern so­zusagen tie­fenstrukturell verdummt wurde, sondern sie lügen auch dreist und frech, wenn Im Bundestag beispielsweise die Diskussion darum geht. Das sind dieselben Leute, die den Arbeitern des 17. Juni zeitweilig die Würde rauben wollten, dass das Freiheitskämpfer waren. Das sind die­selben Leute, die zeit­weilig den Widerstandskämpfern des 20. Juli die Würde nehmen woll­ten, weil sie nicht für das bundesrepublikanische Modell à la ‚Joschka’ Fischer gekämpft ha­ben. Soweit geht ja der Größenwahn dieser Leute.“[12]

Schlimmer ist fast, dass es keine echte politische Opposition dazu gibt, denn alle Parteien „sind beherrscht von solch hochprofessionellen Berufspolitikern“, schrieb Hans Heckel, „die ihr Handwerk von der Pike auf gelernt haben. Mit 14, 15 oder 16 treten sie in die Jugendor­ganisation einer Partei ein und betreiben von da an gezielt ihren Aufstieg. Noch bevor sie zum Erwachsenen haben reifen können, verinnerlichen sie die Regeln des Apparatschiks, der nach oben will. Das heißt: Keine Positionen einnehmen, die gefährlich werden können, nicht an Meinungen festhalten, die in die Minderheit geraten sind, sondern eine feine Nase entwickeln für die aktuelle Windrichtung, und: die richtigen Freunde gewinnen – und fallen lassen, wenn sie im Wege sind.“[13]

Es ist zwar bedauerlich, aber nicht verwunderlich, dass sich einige westliche Besatzer anfangs oft nicht weniger bar­ba­risch aufführten als die marxistische, leninistische und stalinistisch er­zogene Soldateska der Sowjets. Zum Glück und zur Ehrenrettung der Zivilisation folgte der Phase der Willkür, des Übermuts und der Gleichgültigkeit jedoch bald die Phase der Rückbe­sinnung darauf, we­nigstens in den West-Zonen, dass man ja ausgezogen war, um Hitler zu besiegen und eine verbrecherische Ideologie zu vernich­ten, nicht aber Menschen, die von ihr befallen waren. Doch kein Siegerstaat war an­getreten, die Deutschen etwa befreien zu wollen, wie das heute so halsbrecherisch umgedeutet wird. Der fortgeführte Krieg im Frie­den mit Millionen von Toten war eine Katastrophe, der sich internationale Wissenschaftler des großen linksliberalen Lagers erst in letzter Zeit zu nä­hern wagen. Doch wahrscheinlich ist der Ab­stand nötig, damit Generationen von Geisteswis­senschaftlern und Philosophen, die sel­ber nicht zu den Betroffe­nen gehören, diesem emotio­nal aufgeladenen Thema mit kühlem Kopf, aber sanftmütig der historischen Wahrheit ihre Würde zu geben vermögen.

Der im Westen Deutschlands aufgewachsene Karl Müller, der im Geiste der 68er seinen Va­ter zu Lebzeiten mit engen und strengen Maßstäben gemessen – und verurteilt hatte, fand erst nach dessen Tod Schritte hin zum Verstehen und zu einer gerechten Würdigung. In ihm reifte die Erkenntnis: In den letzten Jahren kommen immer mehr ‚Zeitzeugen’ zu Wort. Brücken zwischen den Menschen und Generationen wachsen, wenn Überheblichkeit, Besserwisserei, kaltes Urteilen und Guckkastenforschung unterbleiben. Wer den Menschen zum Objekt seiner Betrachtung und Forschung macht, wird Geschichte nicht verstehen. Es ist gut, wenn ich er­kenne, dass auch ich in der Geschichte stehe und mich selbst nur dann verstehe, wenn ich auch den anderen verstehen – die Generation meiner Eltern, meiner Großeltern, meiner Ur­großeltern.[14]

Nur das kann der Gerechtigkeit und dem Frieden in Zukunft eine Chance verheißen, wenn bedingungslos alle Archive geöffnet werden, um tabulo­ses Forschen und Streiten zu ermögli­chen; wenn alle verfestigten Vor­läufigkeiten infrage gestellt und die Berichte der Zeitzeugen aus der Opfer-Perspektive ernst genommen werden, denn die Geschichte als das Vergangene verlangt, um gekannt zu sein, so Martin Heidegger (1889-1976), doch eine be­stimmte Weise des Erfahrens, des Erfassens, abgesehen von jeder wissenschaftlichen Ver­an­staltung.[15]

II. Rückblickende Vorsicht

Vom Ende der „DDR“ her lässt sich mit dem in Rostock lehrenden Professor Werner Müller (geb.1948) durchaus sagen, dass sie weder eine längerfristige und in sich stabile „deutsche Mög­lich­keit“ noch (…) eine eigenständige und legitime Antwort auf die Katastrophe von 1933 bis 1945[16] dar­stellte. Ja, sie war, genau besehen, die Fortführung dieser Katastrophe in eine der längsten Frie­denspe­riode hinein, die es bisher in Europa gab. Etwa vier Millionen Menschen flüchteten in die­sem Frie­den, oft unter Einsatz des Lebens und unter Aufgabe allen Besitzes, in den Westen. Über 1.000 zu­meist junge Menschen verloren ihr Leben bei einem der verschie­de­nen Fluchtversuche zu Land, zu Luft und zu Wasser. Viele Städte oder historische Stadt­teile, die einigermaßen heil den Krieg über­standen hatten, zer­fie­len trotz großer Wohnungsnot derma­ßen rasant, so dass der dort aufgekommene Spruch „Ruinen schaffen ohne Waffen“ die Situa­tion mit nur geringer Zuspitzung beschrieb. Neben brutalem Raub­bau und einhergehender Na­turzerstörung wurden auch Kulturdenkmale wie die Dresdner Sophienkirche, die Leip­ziger Universi­tätskir­che, die Potsdamer Garnisonskirche oder das Berliner Stadtschloss aus ideologi­schen Gründen ge­sprengt.

Zuvor bleibt jedoch zu untersuchen, worauf die „DDR“ sich gründete und welchen Weg sie ein­schlug und welche verheerende Rolle die westlichen „Brüder und Schwestern“ in ihrem „Wan­del durch Anbiederung“ spielten. Maßstab kann freilich nicht die theoretische Grundlage des Selbstverständnisses derer sein, die im kommunistischen SED-Staat das Sagen hatten, so wie das in den siebziger Jahren der einflussreiche „DDR“-Forscher Peter C. Lutz (1031-1979) mit seiner verhängnis­vollen „systemimmanente Methode“ propagierte, sondern hier sollte in jeder Bezie­hung der ideologiefreie Vergleich mit der Entwicklung in den Westzonen Deutschlands heran­gezogen werden, denn es gibt kei­nen gebührlicheren Maßstab. Da sich nichts Wesentli­ches aus sich selber her­aus erkennen lässt, son­dern immer nur im Vergleich zu etwas anderem, böte sich hier eine weitere Möglich­keit an: die Gegenüberstellung der angeblich antifaschisti­schen „DDR“ mit dem NS-Regime[17]. Dieser Vergleich war seit der Zeit der 68er Revolten vom Westen aus immer mehr – zur Freude und mit Hilfe der Kommunisten – nicht nur ta­buisiert, sondern regelrecht vereitelt und der Jugend vorenthalten worden.

Der Berliner Gymnasiallehrer Karl-Heinz Schmick (geb. 1949), um nur ein Beispiel zu nennen, hatte es sich im Jahre 2003 vor seinen Schülern erlaubt, Hitler mit Stalin zu vergleichen, und damit, so der Sprecher des Berliner Verwaltungsgerichts, leichtfertig den Verdacht erweckt, er sei ein Rechtsextremist. Selbstverständlich zog das in diesem unserem Land eine der typischen Hetzjagden und Rufmordkampagnen gegen diesen Lehrer nach sich; allen voran die Oberan­ständigen Wolfgang Thierse und Johannes Rau in trautem Verein mit der BILD-Zeitung, An­tifa-Aktivisten, Elterninitiativen und Fernsehübergrößen wie Günter Jauch. Diese Republik ist so absurd und verdorben, dass sie nur noch zu einem fähig zu sein scheint: unter zu ge­hen.

Der als profilierter Vordenker einer weltweiten libertären Bewegung herumreisende So­ziologie- und Ökonomie-Professor Hans-Hermann Hoppe (geb. 1949), der als Deutschamerika­ner die deutschen Zustände genau beobachtet, stellt sogar das Modell „Demokratie“ in Frage: Demo­kratie hat eben nichts mit Freiheit zu tun. Demokratie ist eine von Demagogen angereizte und unsicher gesteuerte Herrschaft des Mobs. Insbesondere die deutsche Demokratie trägt Züge ei­nes weichen, durch weitgehende und als solche oft kaum mehr wahrgenommene Selbst­zensur gekennzeichneten Totalitarismus.[18] Ein weiteres signifikantes Zeichen der Unfreiheit ist der mit wahnwitzigster Bürokratie überzogene Wirtschaftsstandort Deutschland. Der Mittelstand befin­det sich im Würgegriff eines parasitären Verordnungsstaates, der zum Ergebnis der Arbeitslo­sigkeit auf der einen Seite und zur wuchernden Bürokratie auf der anderen Seite führt. Stets wurde dem Wähler vorgegaukelt, die Bürokratie abbauen zu wollen. 2004 wurden immerhin 35 Gesetze und 129 Verordnungen aufgehoben. Doch 195 Gesetze und 473 Verordnungen kamen hinzu. Jeder kreative Mensch wird gezwungen, hauptsächlich sein eigener Sekretär zu sein, also sein Talent, seine Kraft und Zeit an minderwertige und unnütze Büroarbeit zu vergeuden. Jeder kreative Mensch und innovative Betrieb könnte zur Umsetzung seiner Ideen viele Hilfskräfte verschiedenster Qualifikation einstellen, aber erstens wird er vom Umsetzen seiner und am Verdienen an seinen Kreationen abgehalten und zweitens kann er die überzogenen Lohnneben­kosten nicht bezahlten. Also verschwinden seine produktiven Ideen wie seine Steuern in einem Fass ohne Boden. Was wird bleiben von 1968? Das fragt sich einer, der einst zu den Steigbü­gelhaltern der 68er zählte: Dr. Klaus Rainer Röhl (geb.1928)[19]: 40.000 festangestellte und nicht mehr kündbare Frauenbeauftragte (…) in Ländern, Kommunen, Fabriken und Betrieben. Hun­derttausende unkündbare und pensionsberechtigte Funktionäre vom Ministerium bis zum Ort­samt. Eine Unmenge Gesetzesschrott, der erst in Jahren mühsam abgebaut werden kann, vom unseligen Ausstieg aus der in aller Welt wachsenden (sauberen) Atomenergie bis zum Fla­schenpfand und Krötenwanderweg und anderen Firlefanz, über den sich die übrige Welt lustig machte. Eine ganze Generation von Schülern, die auf unserem er­bärmlichen Pisa-Niveau erzo­gen wurden und in der übrigen Welt vergeblich auf Jobsuche ge­hen würden, dazu die geduldete und sogar ermutigte illegale Einwanderung von noch weniger qualifizierten Ausländern – offi­ziell sechs, mit den Illegalen acht Millionen. Schröder und Fi­scher hätten gern noch vier Milli­onen Türken ins Land geholt, durch eine EU-Mitgliedschaft des nicht-europäischen Staates.[20]

Was der Publizist Konrad Adam (geb. 1942) dazu schrieb, soll diesen Gedanken nur ab­runden: Der Beitrag der 68er und de­rer, die ihnen die Stichworte lieferten, bestand nicht im Erkennen und Entdecken, sondern in allerlei Verbo­ten: Vergleichsverboten, Relativierungsver­boten, Auf­rech­nungsverboten, Entsor­gungsverboten und so weiter. Sie etablierten eine Gesin­nungspolizei, die jede Aussage über diese Zeit zu einem un­kal­kulierbaren Risiko gemacht hat.[21]

Doch auch „alte Hasen“ der Politik wie Herbert Wehner (1906-1990) oder Egon Bahr (geb. 1922) haben sich nach Ansicht Oppositioneller der „DDR“ zum Instrument der sowjetischen Großmachtpolitik machen lassen. Als zum Beispiel der „Spiegel“ 1978 das Aufsehen erregende so genannte „Spiegel-Manifest“ veröffentlicht hatte, in dem das kommunistische System der „DDR“ von Innen entlarvt und zudem die deutsche Wiedervereinigung gefordert wurde, ge­schah folgen­des: Die Staatspartei Ost, die SED, und die größte Regierungspartei West, die SPD, gaben sich alle Mühe, den vom SPIEGEL in der vergangenen Woche veröffentlichten ersten Teil des Ma­nifests des „Bundes Demokratischer Kommunisten Deutschlands“, der ers­ten organisierten Oppositi­onsgruppe in der DDR, als du­bioses Machwerk abzutun.[22]

Das führte zum Beispiel dazu, das selbst unverzagte Histo­riker, die wie Pierre Rigoulot[23] und sein Kollege Joel Kotek, Professor für Zeitgeschichte in Brüssel, in ihrem gemeinsamen Buch „Das Jahrhundert der Lager“ versichern müssen, dass ihnen der Gedanke fern liege, die stali­nistischen Verbrechen mit denen der Nationalsozialisten gleichzusetzen[24]. Diese Standardfor­mel meint ja nicht, dass angesichts der zehnmal größeren Anzahl kommunistischer Opfer sich ein Vergleich nicht schicke, sondern umgekehrt: die Opferlobby der Opfer des Nationalsozia­lismus möchte keinesfalls „ihre“ Opfer mit den Opfern des Kommunismus in einen Topf ge­worfen sehen. Sie beanspruchen Exklusivität. Die beiden Autoren sind jedoch schlitzohrig ge­nug, ihre Prämisse im weiteren Text zu konterkarieren. Zwar wurden, so argumentieren sie, im Archipel GULag auch wie am Fließband Menschen ermordet[25], aber angeblich nicht alle Män­ner, Frauen und Kinder eines Volkes. Hoppla! Sah die Endlösung im Lande Stalins anders aus? Oder was war dann die bewusst erzeugte Hungersnot in der Ukraine 1932/1933 mit 7 bis 11 Millionen Toten? Wurden da etwa die Kinder verschont? Und was war mit den Letten, Esten und Litauern unter Stalin? Von 1944 an sollen 479.000 Tschetschenen, und Inguschen den kol­lektiven Deportationen und der Zwangsarbeit in der Verbannung in Zentralasien sowie in Sibi­rien zum Opfer gefallen sein. Und wer redet heute noch von den Krimtataren? 44 % dieses Volkes wurde durch die Deportation ausgerottet. Und wer redet noch über das Schicksal der Kalmücken, Karatschaier und Balkaren? Völkermord charakterisierte also beide Sozialismen des 20. Jahrhunderts. Rigoulot und Kotek unterscheiden deshalb die Konzentrationslager in sol­che, die sie als „koloniales Erfordernis“ definieren, und solche, deren Logik sich aus „ideologi­scher Investition“ bestimme. Sie bestreiten nicht, dass beide sozialistischen Systeme totalitär waren, deshalb betonten sie auch, dass man von einem KZ-System nur bei totalitären Regimes reden kann.[26]

Auch der britische Historiker Donald Rayfield (geb. 1942) bedient sich einer gewissen Akroba­tik. Erst behauptet er: Eine parallele Studie zu Stalin und Hitler führt in vielen Punkten in die Irre. Doch anschließend heißt es: Die Unterschiede sind ebenso auffällig wie die Gemeinsam­keiten.[27] Genau davon will das Publikum unterrichtet werden, hingegen der erste Satz nichts sa­gend in die Irre führt wie alle Denkverbote und Tabus.

Abgesehen von dem Krieg gegen Finnland, schreckte Stalin nach Meinung Rayfields davor zu­rück, Krieg gegen seine Nachbarn zu führen, und ermordete stattdessen die eigenen Generäle, die akademische Elite, sogar die eigene Familie – Menschen, von denen sein wirtschaftliches und politisches Überleben abhing. So abscheulich Hitlers Spiel war, es barg eine gewisse Kon­sequenz, sogar Logik: Der Völkermord und die Blitzkriege vereinten ein Volk und gaben ihm Ziele. Stalins Politik trieb andere tief in seine eigene Paranoia. Auch Rayfield kommt wie sein Landsmann Lord Acton (1834-1902) schließlich zu dem bekannten Diktum: Macht führt zur Korruption, absolute Macht korrumpiert absolut. Wenn dem so ist, woran ich nicht zweifle, dann ist es geradezu würdelos, die Opfer totalitärer Regime in Opfer erster und zweiter Klasse aufzuteilen, wie das die herrschende Schicht der Bundesrepublik Deutschland praktiziert. Der Sozialdemokrat Hans Marquardt (geb. 1927), der von 1953 an sechs Jahre als politischer Ge­fangener in den Zuchthäusern Zwickaus, Waldheims und Torgaus gequält wurde, schrieb im Juni 2005 dem Verfasser: Wer das Gedenken an die Opfer davon abhängig macht, in welcher Diktatur sie verfolgt, gepeinigt ermordet worden sind, urteilt selektiv und ungerecht über die Opfer. Beim Gedenken an die Toten verbietet sich eine Rangordnung. „Alle Toten sind gleich. Es gibt keine Hierarchie der Toten“, schrieb ich an die Oberbürgermeisterin von Halle. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Das gilt für die Lebenden wie für die Toten. Und die To­tenruhe darf nicht gestört werden. Das entspricht unserer Gedenktradition. Das Leben des Menschen kommt aus der Ewigkeit und geht nach dem Erdendasein zurück in die Ewigkeit.

Nicht nur die Unfähigkeit zu trauern, son­dern auch eine brutale Mitleidslosigkeit großer Teile der gebildeten und privilegierten Gesell­schaft gegenüber den Widerständlern des Kommunis­mus und Opfern des totalitären Systems haben dieses Land in Zeiten großen Wohlstandes an den Abgrund geführt, der in we­nigen Jahren auch den fanatischsten Utopisten die Augen öffnen wird. Weder den Wi­derstandleistenden, noch den Opfern dieser Diktatur, die zum gro­ßen Teil „wie Men­schen­fleisch im innerdeutschen Handel“ (Wolf Bier­mann, geb.1936) frei­ge­kauft wur­den, brachten sie Ver­ständnis entgegen. Den Op­fern wird bis heute, obwohl die meisten von ih­nen wegen ihrer zerstörten Le­benspläne und posttraumatischen Haftschäden an der Ar­muts­grenze dahinve­getieren, eine Opferpension verwei­gert, während den Akteuren und Profi­teu­ren des „DDR“-Un­rechtsstaates auch im vereinten Deutsch­land die Pri­vilegien, die sie sich in ihrer Selbst­herr­lich­keit gönnten, auf Kosten der Steuer­zahler weiter gewährt werden. Im Zweifels­falle wird Erbarmen mit den Tätern gepredigt, damit es nicht zu Mord und Tot­schlag komme, wie der musikalische Oberchrist und Ministerpräsident a. D. Lothar de Mai­zière (geb. 1940) be­fürch­tete, wenn die ehemals Gepeinigten gar noch in die über sie geführten Stasi-Akten bli­cken dürften. Freilich ge­schah nichts dergleichen; es kam nur bald heraus, dass auch er als IM „Czerny seinen Pakt mit der Stasi unterschrieben hatte.

Fast scheint es, als wäre das eu­ropäi­sche Abendland in Form der Europäischen Union zu einer einzigen Täter­schutz­gemeinschaft verkommen, das folge­rich­tig in seiner Präam­bel je­den Bezug zu Gott getilgt wis­sen will. Dabei gibt es, wie Günter Rohrmoser schrieb, keine Nationalkultur in Europa, die nicht aus dem christlichen Ursprung heraus, wenn auch in vielfältigen Aufklä­rungsprozessen verwandelt und transformiert, entstanden wäre. Streicht man die christliche Herkunft, lösen sich die Nationalkulturen in ihrer Eigenart und Besonderheit auf, d.h. das ein­zige geistige Band, das bei voller Anerkennung der Unterschiedenheit und Vielfalt der Kulturen Europa gemeinsam hat, ist in dieser sich verändernden Situation nicht, wie der Bundeskanzler sagt, die Aufklärung, sondern das Christentum. Ohne das Christentum gibt es keine nationalen Kulturen, ohne die nationalen Kulturen gibt es kein Europa, gibt es keine europäische Identität. Da kann man ganz einfach sagen, dieses Europa das wir wollen, muss Europa sein. Und zu die­sem Europa gehören eben die vielen Nationen mit ihren nationalen Kulturen. Es wird das Eu­ropa der Vaterländer sein oder es wird kein geeintes Europa geben.[28]

Ulrich Schacht schrieb dazu treffend: Die anhaltend zahlreichen Opfer des SED-Staates waren es den Entspannungs­ideologen West-Deutschlands wie seinen zeithistorischen, sozialwissen­schaftlichen und journa­listischen Apolo­geten oder kalkülgetriebe­nen Duldern jedenfalls kaum wert, die Existenzbe­rechtigung dieses zweiten deutschen Staates in Frage zu stellen, sofern sie die Opfer überhaupt wahrnahmen als Ir­ritationsfaktor gegenüber der eigenen Theorie vom Wandel durch Annähe­rung. Sie rechneten mit ihm wie mit einem Ak­tivposten der deutschen Ge­schichte, empfingen seine Emissäre zunehmend von gleich zu gleich und hielten diese ‚inner­deutschen Beziehungen’ für eine Form zivilisatori­schen Fortschritts. Als rückschrittlich dage­gen galten in der Regel die Kritiker dieses Prozesses, zumindest aber als anachronistisch.[29] Wer den Kommunismus nicht verurteilen will, sollte gefälligst zu Ausch­witz schweigen.

Es waren ja nicht Naivlinge oder Dummköpfe, die eine solche verheerende Politik in der Nach­kriegsgeschichte gegenüber den Erkenntnissen des Godesberger Programms und der Erfahrun­gen Kurt Schumachers einleiteten; es waren solche „alten Hasen“ der Politik wie Herbert Weh­ner (1906-1990) oder Egon Bahr (geb. 1922), die sich nach Ansicht Oppositioneller der „DDR“ zum Instrument der sowjetischen Großmachtpolitik haben machen lassen. Als zum Beispiel der „Spiegel“ 1978 das Aufsehen erregende so genannte „Spiegel-Manifest“ veröffentlicht hatte, in dem das kommunistische System der „DDR“ von Innen entlarvt und zudem die deutsche Wie­dervereinigung gefordert wurde, ge­schah folgen­des: Die Staatspartei Ost, die SED, und die größte Regierungspartei West, die SPD, gaben sich alle Mühe, den vom SPIEGEL in der ver­gangenen Woche veröffentlichten ersten Teil des Ma­nifests des „Bundes Demokratischer Kom­munisten Deutschlands“, der ers­ten organisierten Oppositi­onsgruppe in der DDR, als du­bioses Machwerk abzutun.[30] Die Rolle des Günter Gaus (1929-2004) wäre besonders zu untersuchen.

Hermann von Berg (geb. 1933) war der führende Kopf dieser Gruppe von Wissenschaftlern, die allesamt der SED angehörten. Zudem war Berg einmal der Sonderbeauftragte der Partei- und Staatsführung während der Vorbereitung der Passierscheinabkommens, des Grundlagenvertra­ges und des Redneraustausches zwischen SPD und SED in Kassel und Erfurt. In einem Vortrag in Berlin berichtete er: Wie sind wir eigentlich dazu gekommen, uns damals zu organisieren? Wir waren ja alles gläubige Marxisten, als wir angefangen haben. Wir waren zum Ende des Krieges 12-, 13-, 14-jährig, haben uns dann alle wieder getroffen nach dem Studium, und wenn einer etwas gegen Marx und Engels gesagt hätte, den hätten wir gesteinigt. Das war eben der Weisheit letzter Schluss. Was sollten wir als Minderjährige gegen die Neulehrer und später ge­gen die Professoren auch einsetzen an Gedanken? Wir konnten überhaupt nix. Das war eben so, die größten Söhne des deutschen Volkes – und jetzt waren sie himmlische Generalsekretäre und haben auf Erden regiert. Also, das konnte ja nicht gut gehen.[31]

Von Berg hat als ehemaliger Wirtschafts- und Marxismus-Professor der Humboldt-Universität neben dem Juristen und Politikwissenschaftler Konrad Löw (geb. 1931) mit am wirkungsvolls­ten dazu beigetragen, den „Mythos Marx“ zu entzaubern. Nicht weil sie gerne beschwören, sondern weil sie die richtigen Fragen stell­ten und Karl Marx gründlich studierten. Obwohl der eine im katholischen Bayern und der andere in der SBZ und „DDR“ sozialisiert wurden und beide grundverschiedener Natur sind, kamen sie zu gleichen Schlussfolgerungen. Und beide werden deshalb auch von den öffentli­chen Meinungsmachern „geschnitten“, der Eine wird in sich für maßgebend haltenden Kreisen als Irrer abgestempelt und der Andere im Internet-Lexi­kon des Rechtsextremismus vorgeführt. So funktioniert auch im Westen die „Poli­tical Correct­ness“ als Gesinnungsstasi. Nichtsdestotrotz werden Kundige einmal entde­cken, dass beide Wis­sen­schaftler mit ihren Erkenntnissen ihrer Zeit zwar nicht voraus, aber dicht auf der Spur wa­ren.

Es mag unseriös und schockie­rend klingen, als Hermann von Berg locker berichtete: Wenn ich das zusammen­fas­sen sollte, was bei mir innerlich zerbrochen ist nach diesen ökonomischen historischen Stu­dien, dann müsste ich sagen: die erste große Lüge, die einem klar wird, wenn man den ökono­mischen Tat­sachen folgt, ist, dass das volkswirtschaftliche System des Marxis­mus keine Theorie ist, son­dern Ideo­logie. Es gibt keine Ökonomie, es gibt da nur eine Antiöko­nomie – Marx ist Murks. Dann analy­sierte er das politische System und kam zu dem Schluss, dass es weder einen demo­krati­schen noch einen anderen funktionierenden Sozialismus gibt: Es gibt nur die Thesen: Dik­tatur der Partei, Diktatur des Staates, Diktatur der Wirtschaft. Das deutet er als das 2000 Jahre alte Steinzeit­konzept des Kommunismus, auch wenn er sich noch so wissenschaftlich gibt. Als sie erstmals Marxens Theorie in Russland umsetzen wollten, was machten sie? Die haben das Geld abge­schafft in der Revolution von 1917, die ja keine Revolu­tion war, sondern ein konterrevolu­tionä­rer Putsch, denn die Revolution war der Reihe nach ja schon im Februar. Die Russen wa­ren also Jahrhunderte von der europäischen Kultur abge­schnitten. Die Völker Europas haben in den letzten 500 Jahren um ein politisches Ziel ge­kämpft: Brechung der Dik­tatur des Absolu­tis­mus. Weg mit den absoluten Fürsten! Das hat Jahrhunderte gedauert bis die pluralistische Kultur in der Politik Einzug gehalten hat. Doch nach der Februar-Revolution sei Russland das freieste Land der Erde gewesen, was die Bol­schewiki selber zugegeben haben. Doch ein halbes Jahr später kamen Leute, die von Marx in­spiriert gewesen seien und nur wuss­ten: Die Dik­tatur des Proletariats ist die höchste Form der Demokratie. Es begann die Zeit der großen Zerstö­rung und die Zeit des Aufbaus des Sozialis­mus mit einigen imposanten Ergebnis­sen bis hin zum ersten Weltraumflug. Doch zuvor wurden die Sozialdemokraten abgeschlach­tet, dann die bür­gerliche Opposition, bis hin zum Stalinkult. Wobei ganz klar ist, wenn Sie das theoretische Konzept ken­nen, das politi­sche Konzept und die Administration: Marx war der erste Stalinist, und Stalin war der erste Marxist.[32]

Freilich, damit kann man sich in diesem Land, das Marx zum drittgröß­ten Deutschen wählte und dem fast alle Philosophiegeschichtsbü­cher große Ach­tung als Wirt­schaftstheoreti­ker, Philo­soph und Humanisten entgegenbringen, nur unbeliebt ma­chen. Ledig­lich der Philoso­phiepro­fessor Ernst R. Sandvoss (geb. 1929) stutzte Marx vorsichtig auf sein eigentliches Maß zurecht, indem unter dem Kapitel „Die Hegelsche Schule“[33] schrieb: Von den „Linken“ – die Be­zeich­nung hatte David Friedrich Strauß (1808-1874) eingeführt – war philo­sophisch eigent­lich nur Ludwig Feuerbach von Bedeutung. Strauß war Theologe, Karl Marx (1818-1883), Friedrich Engels (1820-1895) und Ferdinand Lassalle (1825-1864) waren Politi­ker, Revolutio­näre oder Ideologen. Drei Unterkapitel weiter wirft Sandvoss trotz­dem noch einmal die Frage auf: War Marx ein Philosoph? Und unbestechlich kommt er zu dem Urteil, dass weder Einfluss noch Wirkung über die Wahrheit einer Theorie entscheiden können. Am sokratischen Maßstab ge­messen ist der, der die Wahrheit zu besitzen glaubt, kein Philo­soph. Das ist das Verhängnis, denn dieses Massenmorden im 20. Jahrhundert ist eine Folge solch absolutistischen Denkens, das von den wesentlichen Denkern des 18. und 19. Jahrhun­derts längst überwunden war. Denn wer glaubte, die Geschichtsgesetze erkannt zu haben, der konnte nicht mehr tolerant gegenüber anderen Gedanken und Geschichtsentwürfen sein. Und wer unter dem edel klingenden, religi­onskritischen Bedürfnis, dass der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei,[34] antrat, die Menschen aus ihrem irdischen Elend zu be­freien, der scheute im Namen solcher großen Ange­legenheit keine Mittel, um alle Verhältnisse umzuwer­fen und alles aus dem Weg zu räu­men, was da zauderte oder gar im Weg stand.

Vorsichtig listet Sandvoss Marxens falschen Prog­nosen auf: Die von Marx prognostizierte Ver­elendung fand nicht statt, und die klassenlose Ge­sellschaft erwies sich als Fehlkonstruktion. Die marxistische Ideologie ist ökonomisch, politisch und soziologisch widerlegt. Und dennoch glaubt Sandvoss, Marx noch ein „humanes Grundan­liegen“ unterstellen zu müssen, was aber bei gründlicher Lektüre der Marxschen Polemiken, die in ätzendem Zynismus sein gesamtes Werk durchzie­hen, durch nichts bewiesen werden kann, was besonders die Bücher Konrad Löws ausführlich beweisen. Wer also den Ursachen dieses „europäischen Bürgerkrieges“, von dem auch Ernst Nolte (geb. 1929) schrieb, auf die Spur kommen will, wird an einem gründli­chen Studium der verkorksten Werke der Freunde Marx & Engels nicht vorbei kommen.

Erst nach langem Anlauf im Jahre 2003 wagten sich Wissenschaftler, das Thema der Ver­gleichbarkeit von braunem und rotem Sozialismus äußerst vorsich­tig, jedoch recht ausführlich zu behandeln.[35] Aus der „DDR“ geflüchtete oder aus den Zuchthäusern freige­kaufte Zeitzeugen wur­den von der Mehrheit der westdeutschen Wissen­schaftler seit den 70er Jahren kaum noch zur Kennt­nis genommen, weil sie ihre theoretischen Konstrukte, die auf eine Aner­kennung des „anderen deut­schen Staates“ hinausliefen, nur stör­ten. Wer dennoch zu seinen durch Er­fahrun­gen gewonnenen Er­kenntnissen hielt, wurde schnell in die „rechte Ecke“ gedrängt, als Entspan­nungsgegner abgestem­pelt und damit zumeist, war er öffentlich wirksam, in seiner be­ruflichen Lauf­bahn behindert.

Die Totalitarismustheorien (etwa von Hannah Arendt, Dietrich Bracher, Zbigniew Brzezinski, Carl J. Friedrich, Karl R. Popper bis Eric Voege­lin) wurden besonders von den sich als fort­schrittlich einstufenden Friedensfreunden ver­un­glimpft. Ein ty­pischer 68er auf einem Lehrstuhl der Freien Universität Berlin, der schon in seiner Promotion den Deutschen Ordenstaat als Ideologie entlarvte, blieb seinem wenig origi­nellen Thema treu und sieht, wie es Ideologen halt so ergeht, auch in dem Totalitaris­musmodell mehr eine „Ideologie“ als eine „Theorie“[36]. Doch denjenigen, die einer solchen totalitären Dikta­tur entkamen, ver­half die Totalitarismustheo­rie, die Dinge, die sie erlebt, durchlebt und überlebt hatten, zu ver­sachli­chen und ein­zuordnen, um sich dann überhaupt in die Kompliziertheit einer pluralistischen De­mo­kratie einfügen zu kön­nen.

Abgesehen von The­orien bewegte besonders neben dem Roman „Sonnenfinsternis“[37] des In­siders Arthur Koestler (1905-1983) das Buch eines „Westmenschen“ die Hirne und Herzen de­rer, die ihre Lebensverhältnisse in dem strikt verbo­tenen und bereits 1948 ge­schrie­benen Ro­man George Orwells „1984“ widergespiegelt sahen. In einer Stasi-Expertise heißt es dazu: Das Buch „1984“ ist weit mehr als ein utopischer Roman. Es ist das Phanta­sie­gebilde eines Schrift­stel­lers, der den Kalten Krieg zum System erhebt und seinen Hass gegen die Sow­jetunion, ge­gen die Partei der Arbeiterklasse zum Ausdruck bringt, um mit Hilfe von Hirnge­spinsten jedes Bestreben, den Frieden zu erhalten und die Koexistenz zu unterstützen, zu ver­nichten. Das Buch ist nicht nur staatsgefährdend, sondern stellt in der Hand seines Lesers staatsfeindliches Hetz­material dar. Die Verbreitung und jeder Vertrieb sollten unter allen Um­ständen beobachtet und mit allen staatlichen Mitteln verhindert wer­den.

Das Verständnis dieses Buches im Westen mündete schließlich in der Angst vor den Resultaten der ei­genen Gesellschaft. Vom „latenten Faschismus“ oder „Polizeistaat“ war ebenso die Rede wie vom „Konsumterror“ oder vom angeblichen Sinnverlust im Computer- und Internet-Zeit­alter, und wohl nicht zufällig lautete der Titel eines der einschlägigen Bestseller „Wir amüsie­ren uns zu Tode“[38]. Kamen über Zeitzeugen oder bedeutende Schriftsteller wie Alexander Sol­schenizyn Nachrichten aus dem Os­ten in den Westen, dann wurden sofort Gleichheitszeichen bemüht, um darauf hinzuweisen, dass es im Westen faktisch genau so schlimm sei, nur nicht so offen, sondern raffinierter, versteckter. Der junge Autor Marko Martin (geb. 1970), der eben­falls in der „DDR“ aufwuchs, schrieb dazu treffend: Dass, historisch und geographisch be­trachtet, in der Mehrzahl aller Länder die Menschen keineswegs durch Wohlstandsfrustration und Amüsement zu Tode kommen, sondern aufgrund von Krieg, Folter, Armut oder organisier­ten Hungersnöten, kümmert westliche Kulturkritiker linker wie rechter Provenienz bis heute kaum. Demokratie, Diktatur - nur austauschbare Wörter? In Orwells Staat war es so: Krieg be­deutet Frieden /Freiheit ist Sklaverei / Unwissenheit ist Stärke.[39]

Alle Westdeutschen, die sich bei jedem Historikerstreit bemühen, stets auf der richtigen Seite zu stehen, meinen ausnahmslos, dass man keineswegs die Toten der innerdeutschen Grenze und die Opfer der SED-Justiz gegen die Toten des von Hitler entfesselten Krieges oder gar die Ho­locaust-Opfer aufrechnen dürfe. Als ob das der eigentliche Vergleichsmaßstab wäre! Verglei­chen heißt ja nie Gleichsetzung, sondern hilft Differenzen festzustellen und dient somit der Wahrheitsfindung. Vergleichbar sind demokratische Systeme mit totalitären, jedoch sind auch verschiedene totalitäre Staaten untereinander vergleichbar, so wie auch demokratische Gesell­schaftsordnungen selbstverständlich untereinander verglichen werden dürfen. Freilich treten dann nicht nur Unterschiede, sondern auch Gemeinsamkeiten zu Tage. Keine Andere als die in dieser Beziehung wohl unverdächtige jüdische Philosophin Hannah Arendt (1906-1975), er­kannte, dass totalitäre Elemente und Ambitionen, die latent in jedem Menschen wie in jeder Gesellschaft immer und überall vorhanden sind, besonders in den Demokratien der 30er und 40er Jahre verstärkt zum Vorschein kamen: Bereits während des 1. Weltkrieges wurde die In­ternierung von Angehörigen einer verfeindeten Nation als zeitlich befristete außergewöhnliche Maßnahme praktiziert. Während des 2. Weltkrieges griffen fast alle demokratischen Länder auf Internierungslager zurück. Aber diese unterschieden sich beachtlich von denen des vorange­gangenen Konflikts: Die Organisation und Methoden sowie die Selektion der internierten Per­sonen waren stark von den totalitären Lagern und von den Konzentrationslagern beeinflusst, die zwischen den beiden Kriegen in den demokratischen Ländern eingerichtet worden waren.[40] Am Beispiel des Kriegsgefangenen Hochschulpfarrers Hermann Kiefer in einem der amerikani­schen Rheinwiesenlager wurde die Thematik der Missachtung der Menschenrechte schon an­schaulich angedeutet. Aber auch die Errichtung von Dogmen, so zum Beispiel die sakrosankte Singularitätsthese oder die strafrechtliche Verfolgung von so genannten Geschichts-Revisionis­ten, verletzt grundsätzlich (siehe Artikel 5 des Grundgesetzes) die Freiheit der Meinung, Kunst und Wis­senschaft. Verbote, Tabuisierungen, Ausgrenzungen und Be­strafungen tragen am we­nigsten zur Wahrheitsfindung bei. Es gibt ebenso in der Geschichtsbetrachtung keine Perspek­tive, die als die alleingültige ausgegeben werden darf; ebenso wenig gibt es eine einzige zuläs­sige Interpretation von komplexen Geschehnissen. Jeder Versuch, etwas im Namen aller für alle Zeiten festschreiben zu wollen, zeugt nur von einer typisch marxistischen Anmaßung, die we­der zu einer Befreiung noch zu einer Befriedung führen kann. Das, was Martin Heidegger schon in den 50er Jahren erkannte, hat sich nun endlich zur Gewissheit ver­deutlicht: Wir werden von allen Seiten her mit Hilfe unserer Soziologie, Psychologie und Psy­chotherapie und mit noch ei­nigen anderen Mitteln dafür sorgen, dass demnächst alle Menschen auf die gleiche Weise in den gleichen Zustand des gleichen Glücks gestellt werden und die Gleichheit der Wohlfahrt al­ler sichergestellt wird. Nun wird sich der Anspruch auf gleiches Glück in der somit heraufbe­schworenen Krise bewähren dürfen. Das, was die Geisteswissen­schaften also vorbereitet haben, kann nun von den Exekutivorganen der europäischen Unions­bürokratie und unserem aus der nationalen Verankerung gerissenen Staat bald noch erbar­mungsloser umgesetzt werden. Aber dieser Erfindung des Glückes zum Trotz, so heißt es bei Heidegger weiter, werden die Men­schen von einem Weltkrieg in den nächsten gejagt. Man blin­zelt den Völkern zu, der Friede sei die Beseitigung des Krieges. Indessen könne allerdings der Friede, der den Krieg beseitigt, nur durch einen Krieg gesichert werden. Gegen diesen Kriegs­frieden wiederum wird aber eine Friedensoffensive eröffnet, deren Angriffe sich kaum als friedlich bezeichnen lassen. Der Krieg: die Sicherung des Friedens; aber der Friede: die Be­seitigung des Krieges. Wie soll der Friede durch das gesichert werden, was er beseitigt?[41] Das Paar „Frieden und Krieg“ lässt sich desglei­chen durch andere Verhältnisse variieren, zum Bei­spiel „Wahrheit und Lüge“ oder „Freiheit und Knechtschaft“. Mit dem zentralen Moralbegriff „Toleranz“ wird die Mehrheit von einer fortschrittlichen Minderheit in die Knechtschaft ge­führt. Toleranz bedeutet sicher, die Rechte aller Kulturen und Identitäten zu schützen, aber sicher nicht, die Kultur der Mehrheit auszugrenzen. Diese Kultur nicht zu beachten, läuft auf einen kulturellen Totalitarismus hin­aus.[42] Das ist das unauffällig Neue gegenüber den Terrormethoden der Stalinisten. Herbert Marcu­ses (1898-1979) Essay „Repressive Toleranz“ legte einst die Saat, die bei den 68ern fruchtete und ver­heerende Folgen zeitigte, denn damit wurde der „Weg zur Knechtschaft“[43] einge­schlagen, obwohl noch viele Westdeutsche diese 60er Jahre als „Aufbruchszeit“ erinnern wollen, in der sie ihre Eltern pauschal als Täter oder Helfershelfer anklagten, die Bundesrepu­blik als neofaschistischen Nachfolgestaat des Dritten Reiches denunzierten, sich selber allzu rasch auf das hohe Ross des Anklägers setzten…[44]

[...]


[1] Hermann Kiefer: Kriegsgefangen in der eigenen Heimat. In: Ankunft. Freier Deutscher Autorenverband Rhein­land-Pfalz, Mainz 1987, S. 95 (Alle kursiv gesetzten Texte sind Zitate.)

[2] Ebenda, S. 101

[3] In: Rohrmoser, S. 376 (nähere Angaben in der Literaturliste)

[4] Karl Schlögel: Europa ist nicht nur ein Wort. Zur Debatte um ein Zentrum gegen Vertreibungen, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, Heft 1 / 2003, S. 10

[5] Stedinger, S. 489. Gemeint sind die Brüder Lutz (geb. 1954) und Wolf Donnerhack (geb. 1952) aus Plauen.

[6] In: Profil, Nr. 27, Wien, 30. 06. 1997

[7] Überarbeitete Neuausgabe, Frankfurt/M. 2002, S. 715

[8] Siehe besonders seinen „Plan der Fortsetzung zum Aufbau der geschichtlichen Welt in den Geisteswissenschaf­ten“, erster Teil: „Erleben, Ausdruck, Verstehen“, ab S. 235.

[9] Spiegel-Streitgespräch: „Ich spiel doch nicht den Engels“, in: Der Spiegel, Nr. 36/2005, S.99

[10] Siehe besonders seine Bücher: Warum fasziniert der Marxismus? Eine systematische Untersuchung, Köln 1980; Marxismus. Quellenlexikon, 2. ergänzte Auflage, Köln 1985; Der Mythos Marx und seine Macher. Wie aus Ge­schichten Geschichte wird, München 1996; Das Rotbuch der kommunistischen Ideologie. Marx & Engels – Die Väter des Terrors, München 1999; Marx und Marxismus. Eine deutsche Schizophrenie, München 2001.

[11] Ulrich Schacht in seinem Vortrag anlässlich der Buchvorstellung des wieder aufgelegten Bandes „Hohenecker Pro­tokolle“ am 17. Juni 2004 in der „Berliner Gedenkbibliothek zu Ehren der Opfer des Stalinismus“.

[12] Ebenda

[13] „Andinos“ auf dem Weg zur Macht. Die Seilschaften einflussreicher Politiker – Parteien züchten Apparatschiks, in: Preußische Allgemeine Zeitung, 24.09.05, S. 4

[14] Karl Müller: 60 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg. Das Erinnern für Verstehen und Verständigung nutzen, in: „Zeit-Fragen“ Nr. 18, Zürich 02.05.05

[15] Martin Heidegger: Phänomenologie der Anschauung und des Ausdrucks. Theorie der philosophischen Begriffsbil­dung, GA, Band 59, Frankfurt/M. 1993, S. 50

[16] März: Die zweite gesamtdeutsche Demokratie, S. 77

[17] Siehe: Antonia Grunenberg (geb. 1944): Antifaschismus – ein deutscher Mythos. Reinbek 1993

[18] Interview: Freiheit statt Demokratie. Der libertäre Vordenker und bekennende „Antidemokrat“ Hans-Hermann Hoppe über seine provokanten Thesen, in: Junge Freiheit vom 24. Juni 2005, S. 3,

[19] Wie sein Mitschüler Günter Grass gehörte Röhl zu den Vertriebenen aus Danzig. Er war Herausgeber der füh­rende linken Zeitschrift KONKRET und Ex-Ehemann der Terroristin Ulrike Meinhof. Von einem Parteigänger der Kommunisten, von denen er sich 1964 trennte, entwickelte er sich neben seiner Tochter Bettina Röhl zu einem heftigen Kritiker der 68er und ihrer Nachwirkungen. Selbstverständlich ist dieses FDP-Mitglied auch im staatlich subventionierten „Lexikon Rechtsextremismus“ eingetragen.

[20] K. R. Röhl: „Moment mal!“. Achtundsechzig – und tschüs. Unkorrekte Anmerkungen zu Aufstieg und Fall des rot-grünen Macht-Projekts, in: Preußische Allgemeine Zeitung vom 25. Juni 2005

[21] Vergangenheit, die nicht vergehen will. In: Die Welt vom 16.04.05

[22] In: „Der Spiegel“ vom 9.1.1978

[23] Auch als Koautor des „Schwarzbuches des Kommunismus“ bekannt.

[24] Kotek, S. 667

[25] Ebenda

[26] Ebenda

[27] Rayfield, S. 14 (Vorwort)

[28] Günter Rohrmoser: Zäsur durch Volksentscheid - Schröder auch in Europa am Ende. Kurzkommentar vom 06.06.05, © Gesellschaft für Kulturwissenschaft e.V., Bietigheim/Baden

[29] Schacht, S. 7 f (Ulrich Schacht wurde 1951 im sächsischen Frauenzuchthaus Hoheneck geboren, wo seine Mut­ter als politische Gefangene einsaß. Später wurde er als Student der Theologie selber wegen angeblich „staats­feindli­cher Hetze“ zu sieben Jahren Freiheitsentzug verurteilt, 1976 in den Westen freigekauft; lange Zeit als Jour­nalist tätig, seit 1998 als Schriftsteller und Großkomtur eines Evangelischen Ordens in Schweden lebend.)

[30] In: „Der Spiegel“ vom 9.1.1978

[31] Hermann von Berg in einem Vortrag, gehalten auf Einladung der Gedenkbibliothek zu Ehren der Opfer des Stalinis­mus am 28.09.1995 im Tschechischen Zentrum Berlin.

[32] Ebenda

[33] Ernst R. Sandvoss: Geschichte der Philosophie. Von den Anfängen bis in die Gegenwart, Wiesbaden 2004, Vgl. S. 339-344

[34] Marx/Engels-Werke, Bd. 1, S. 378 ff

[35] siehe Heydemann / Oberreuter im Literaturverzeichnis

[36] Wippermann, S. 111 f

[37] Die erste Ausgabe erschien 1940 in London. Das Buch wurde den „Opfern der sogenannten Moskauer Prozesse“ gewidmet. Was die Anhänger der zusammengebrochenen stalinistischen Diktaturen hartnäckig verschweigen, hat Koestler am eigenen Beispiel bloßgelegt: die individualpsychologische Basis dieser Diktaturen; die mentalen Be­dürfnisse der Anhänger, die sie befriedigten und denen sie ihr langes Bestehen weit stärker verdanken als dem Ter­ror, den sie übten. (Aus dem Klappentext zu Koestlers Autobiografie „Frühe Empörung“)

[38] Neil Postman: Wir amüsieren uns zu Tode. Urteilsbildung im Zeitalter der Unterhaltungsindustrie, Frankfurt/M. 1985

[39] Die Welt vom 13. 3. 1999

[40] Hannah Arendt: La Nature de l’impérialisme. S. 172

[41] Heidegger: Was heißt Denken? Vorlesung Wintersemester 1951/52, Stuttgart 1992, S. 48

[42] Interview mit Giorgio Salina, Vizepräsident der Initiative „Christen für Europa“. Aus: Internationale Nachrichten­agentur ZENIT, Rom, 1. Juni 2005

[43] Buchtitel von Friedrich August von Hayek, London 1944, deutsch: München 1971

[44] Thamer, S. 19

Ende der Leseprobe aus 87 Seiten

Details

Titel
Wie die SBZ kommunistisch wurde und im Westen zur kommoden Diktatur geriet
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Institut für Politische Wissenschaft)
Veranstaltung
Seminar: Strukturelemente des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
87
Katalognummer
V47445
ISBN (eBook)
9783638443944
ISBN (Buch)
9783638708104
Dateigröße
1181 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Westen, Diktatur, Seminar, Strukturelemente, Systems, Bundesrepublik, Deutschland
Arbeit zitieren
Siegmar Faust (Autor), 2005, Wie die SBZ kommunistisch wurde und im Westen zur kommoden Diktatur geriet, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47445

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Wie die SBZ kommunistisch wurde und im Westen zur kommoden Diktatur geriet


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden