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Sigmund Freud: Die Zukunft einer Illusion

Titel: Sigmund Freud: Die Zukunft einer Illusion

Seminararbeit , 2004 , 17 Seiten , Note: 1

Autor:in: Siegmar Faust (Autor:in)

Theologie - Sonstiges
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Religionskritiken, sowohl gegen ihre ideellen als auch praktischen Grundlagen, werden so alt sein wie die schriftlich fixierten Religionen. Sigmund Freud dürfte sowohl die subtile Kritik Ludwig Feuerbachs, die zersetzende von Karl Marx, aber auch die verzweifelte seines Zeitgenossen Friedrich Nietzsche studiert haben, denn er beruft sich auf „bessere Männer“, die „vollständiger, kraftvoller und eindrucksvoller“ als er Kritik an der Religion geübt hätten. Er „habe bloß“ wie er bekennt, „der Kritik“ seiner „großen Vorgänger etwas psychologische Begründung hinzugefügt“. Die besseren Männer zählt er nicht auf, denn „es soll nicht der Anschein geweckt werden“, dass er sich „in ihre Reihe stellen will“. “Freud setzt voll auf den „Primat des Intellekts“, dessen alles erlösender Herrschaft dann „die Menschenliebe und die Einschränkung des Leidens“ herbeiführen wird. Auch wenn die „ersten Versuche misslingen“, aber das Fallenlassen der Religion sei nicht aufzuhalten, denn „auf die Dauer kann der Vernunft und der Erfahrung nichts widerstehen“. Wer sich von der Leibeigenschaft der Religion befreit, ist auch bereit, „auf ein gutes Stück unserer infantilen Wünsche zu verzichten“, so dass man es auch erträgt, „wenn sich einige unserer Erwartungen als Illusionen herausstellen“. Obwohl Freud von seiner hochgeschätzten Wissenschaft wusste, „dass sie heute als Gesetz verkündet, was die nächste Generation als Irrtum erkennt und durch ein neues Gesetz von ebenso kurzer Geltungsdauer ablöst“, verteidigte er sie vorbehaltlos: „Die Wandlungen der wissenschaftlichen Meinungen sind Entwicklung, Fortschritt und nicht Umsturz.“ „Nein“, sagt er abschließend, „unsere Wissenschaft ist keine Illusion. Eine Illusion aber wäre es zu glauben, dass wir anderswoher bekommen könnten, was sie uns nicht geben kann.“
Ist es nicht erstaunlich, dass sich nach den schrecklichen Erfahrungen des 20. Jahrhunderts, die ja Sigmund Freud selber nicht nur zu großem Ruhm kommen ließen, sondern ihn auch ins Exil trieben, noch immer Fortschrittsglauben, Machbarkeitswahn und Atheismus so ungeniert ausbreiten können, also jene Attribute, die sowohl das rote als auch das braune Terrorregime deutlich charakterisierten?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I

II

III

IV

V

VI

VII

VIII

IX

X

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit analysiert Sigmund Freuds religionskritische Schrift „Die Zukunft einer Illusion“ und untersucht dessen psychoanalytische Argumentation, die Religion als kollektive Wunschillusion aufgrund frühkindlicher Vatersehnsucht und kultureller Überforderung deutet.

  • Kritische Aufarbeitung von Freuds Religionsbegriff und seinen psychoanalytischen Wurzeln.
  • Untersuchung der Funktion von Religion als Trostmittel angesichts der Übermacht der Natur.
  • Darstellung der Rolle des Über-Ichs und der kulturellen Triebverzicht-Mechanismen.
  • Dialogische Auseinandersetzung mit Freuds "fiktivem Gegner" und der Kritik an seiner Position.
  • Reflexion über das Verhältnis von Vernunft, Wissenschaft und dem Bedürfnis nach religiöser Sinnstiftung.

Auszug aus dem Buch

Die Bedeutung der religiösen Vorstellungen

Erneut wird die Frage nach der psychologischen „Bedeutung der religiösen Vorstellungen“ aufgeworfen und festgestellt, dass sie „nicht leicht zu beantworten“ sei. Freud wagte dennoch eine Formulierung: „Es sind Lehrsätze, Aussagen über Tatsachen und Verhältnisse der äußeren (oder inneren) Realität, die etwas mitteilen, was man selbst nicht gefunden hat, und die beanspruchen, dass man ihnen Glauben schenkt“. Wer solches in sein Wissen aufgenommen habe, dürfe „sich für sehr bereichert halten“. Wer dennoch die Frage aufwirft, „worauf sich ihr Anspruch gründet, geglaubt zu werden“, erhält drei Antworten, „die merkwürdig schlecht zusammenstimmen“:

1.) Sie „verdienen Glauben, weil schon unsere Urväter sie geglaubt haben“

2.) Wir besitzen „Beweise, die uns aus eben dieser Vorzeit überliefert sind“

3.) Es ist verboten, „die Frage nach dieser Beglaubigung auszuwerfen“.

Das Verbot erweckt in jedem sich aufgeklärt wähnenden Menschen nur Misstrauen, so dass es Freud ein leichtes war, Gegenargumente vorzubringen. Die aus der Vorzeit überlieferten Beweise tragen „alle Charaktere der Unzuverlässigkeit an sich“, sie seien also „widerspruchsvoll, überarbeitet, verfälscht; wo sie von tatsächlichen Beglaubigungen berichten, selbst unbeglaubigt“.

Zusammenfassung der Kapitel

I: Freud untersucht die Kultur als ein System, das einer widerstrebenden Mehrheit von einer Minderheit auferlegt wird, wobei Triebverzicht im Zentrum steht.

II: Jede Kultur basiert laut Freud auf Arbeitszwang und Triebverzicht; äußere Zwänge werden durch das Über-Ich verinnerlicht.

III: Religion entsteht aus der Hilflosigkeit des Menschen gegenüber der Natur und der Sehnsucht nach einem väterlichen Schutz.

IV: Das Verhältnis zum Vater wird als ambivalent charakterisiert, wobei der Wunsch nach einem Schutzherrn die Religionsbildung prägt.

V: Freud hinterfragt den Anspruch religiöser Lehrsätze auf Wahrheit und konstatiert mangelnde Beglaubigung.

VI: Religiöse Vorstellungen werden als unbeweisbare Illusionen entlarvt, die Wünsche der Menschheit erfüllen.

VII: Trotz der Kritik räumt Freud ein, dass Religion eine ordnungsstiftende Funktion für die Gesellschaft besitzt.

VIII: Es wird eine Kosten-Nutzen-Rechnung aufgestellt, ob die Gesellschaft durch den Wegfall der Religion gewinnen würde.

IX: Freud diskutiert das Scheitern rationalistischer Religionsersatz-Versuche und plädiert für eine Erziehung zur Realität.

X: Abschließend wird der Vorwurf entkräftet, Wissenschaft sei selbst eine Illusion, indem Freud den Primat des Intellekts betont.

Schlüsselwörter

Sigmund Freud, Die Zukunft einer Illusion, Psychoanalyse, Religionskritik, Triebverzicht, Vaterkomplex, Illusion, Kulturtheorie, Über-Ich, Anthropologie, Vernunft, Naturgewalt, Sinnsuche, Projektion, Atheismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Sigmund Freuds Schrift „Die Zukunft einer Illusion“ und beleuchtet seine psychologische Deutung der Religion.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind das Verhältnis zwischen Individuum und Kultur, die Entstehung religiöser Bedürfnisse und die psychoanalytische Kritik am Gottesglauben.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, Freuds Argumentation nachzuzeichnen, warum Religion für ihn ein menschliches Bedürfnis nach Trost und Illusion darstellt.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Die Arbeit nutzt eine exegese-basierte Analyse von Freuds Text sowie eine kritische Einordnung in philosophische und theologische Kontexte.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich kapitelweise in die Argumentationsstränge von Freud, von der Kulturtheorie bis hin zur Verteidigung des Primats der Wissenschaft.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist durch Begriffe wie Psychoanalyse, Illusion, Triebverzicht und kulturelle Ordnung geprägt.

Wie bewertet Freud das Verhältnis zwischen Religion und Kultur?

Freud sieht in der Religion einerseits ein notwendiges Instrument für den kulturellen Zusammenhalt, andererseits ein Hindernis für eine reife, vernunftbasierte Realitätserfahrung.

Welche Rolle spielt der Vaterkomplex bei Freud?

Der Vaterkomplex dient Freud als psychologische Erklärung für die Entstehung von Götterbildern, da der Mensch das Kindheitserleben von Schutz und Furcht auf die Naturkräfte überträgt.

Was antwortet der Autor auf Freuds Schlussfolgerung zur Wissenschaft?

Der Autor hinterfragt Freuds Fortschrittsglauben und verweist unter anderem auf Hans Küng, der betont, dass psychologische Erklärungen nicht automatisch die Existenz eines Objekts widerlegen.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Sigmund Freud: Die Zukunft einer Illusion
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Lehrstuhl für Evangelische Theologie II)
Veranstaltung
Seminar
Note
1
Autor
Siegmar Faust (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2004
Seiten
17
Katalognummer
V47446
ISBN (eBook)
9783638443951
ISBN (Buch)
9783638782265
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sigmund Freud Zukunft Illusion Seminar
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Siegmar Faust (Autor:in), 2004, Sigmund Freud: Die Zukunft einer Illusion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47446
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Leseprobe aus  17  Seiten
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