Im Rahmen dieser Arbeit wird der Frage nachgegangen, welche Unterschiede zwischen der direkten und der repräsentativen Demokratie bestehen. Zudem wird erörtert, inwiefern die beiden Demokratieformen im Grundgesetz verwirklicht werden.
Hierbei werden die theoretischen, institutionellen und empirisch-prozessualen Unterschiede der beiden Verwirklichungsarten aufgezeigt. Im Zentrum des zweiten Kapitels steht dabei der empirisch-prozessuale Teil, der insbesondere die Unterschiede hinsichtlich der Handlungsfähigkeit, Rationalität und Kontrollierbarkeit der Staatsgewaltausübung darstellen soll.
Im dritten Teil der Arbeit wird erörtert, in welchem Umfang Elemente der direkten und der repräsentativen Demokratie in der gegenwärtigen Verfassungsordnung der BRD verwirklicht werden und in welchem Verhältnis sie zueinanderstehen. Um die Arbeit abzurunden wird dabei auf die Frage eingegangen, ob die Einführung von direktdemokratischen Elementen a posteriori möglich ist und ob sie im Wege der einfachen Gesetzgebung eingeführt werden können.
Darauf aufbauend wird im letzten Teil der Arbeit veranschaulicht, welche Unterschiede die Landesverfassungen zu der grundgesetzlichen Verwirklichung dieser beiden Demokratieformen aufweisen. Insbesondere wird untersucht, welche direktdemokratischen Elemente in den Landesverfassungen vorgesehen sind und in welcher Ausgestaltung sie umgesetzt werden. Abschließend wird umrisshaft der bisher kaum beantworteten Frage nachgegangen, ob eine andersartige Verwirklichung des Demokratieprinzips in den Landesverfassungen auf das Bundesrecht Auswirkungen haben kann.
Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung
B. Die Grundlagen der grundgesetzlichen Demokratie
I. Demokratiebegriff
a) Direkte Demokratie
b) Repräsentative Demokratie
II. Repräsentative und direkte Demokratie in der Athenischen Demokratie
III. Repräsentative und direkte Demokratie in der Weimarer RV
IV. Entstehung und Entwicklung der grundgesetzlichen Demokratie
C. Unterschiede zwischen repräsentativer und direkter Demokratie
I. Theoretische Unterschiede
II. Institutionelle Unterschiede
1. Staatsgewalt
2. Entscheidungsinstitution
a) Direkte Demokratie
aa) Volksgesetzgebung
bb) Volksabstimmung/Volksentscheid
cc) Direktwahlen
dd) Abberufung durch das Volk
b) Repräsentative Demokratie
aa) Repräsentativorgan
bb) Demokratische Legitimation
(1) Unmittelbare und mittelbare Legitimation
(2) Organisatorisch-personelle Legitimation
(3) Institutionell-funktionelle Legitimation
(4) Sachlich-inhaltliche Legitimation
3. Demokratische Rückkoppelung
III. Empirisch-prozessuale Unterschiede
1. Handlungsfähigkeit und Effizienz
2. Rationalität der Sachentscheidungen
a) Manipulierbarkeit
b) Ergebnisse der Pluralismustheorie
3. Kontrollierbarkeit der Staatsgewaltausübung
IV. Zwischenfazit
D. Elemente der direkten und repräsentativen Demokratie im GG
I. Elemente der repräsentativen Demokratie
1. Parlament als Repräsentationsorgan
a) Freies Mandat Art. 38 I S.2 GG
b) Aufgaben und Funktionen
aa) Gesetzgebungskompetenz
bb) Kreationsfunktion
cc) Mitwirkungs- und Zustimmungsfunktion
dd) Kontrollfunktion
ee) Öffentlichkeitsfunktion
2. Parteien
a) Begriff
b) Funktionen und Bedeutung für die repräsentative Demokratie
c) Freiheiten und Kontroversen zur Abgeordnetenfreiheit
3. Volkssouveränität
II. Wahlen
1. Einordnung der Wahlen
a) Parlamentswahlen als Element repräsentativer Demokratie
b) Parlamentswahlen als Element der direkten Demokratie
c) Die Parlamentswahl als Rechtsinstitut mit Doppelcharakter
2. Bedeutung der Wahlen
a) Bedeutung für die Verwirklichung repräsentativer Elemente
b) Bedeutung für die Verwirklichung direktdemokratischer Elemente
3. Verwirklichung und Ausgestaltung der Wahlen im GG
a) Periodizität der Wahlen
b) Wahlrechtsgrundsätze
III. Kommunikationsgrundrechte als demokratische Elemente
IV. Elemente der direkten Demokratie
1. Abstimmungen nach geltendem Verfassungsrecht
2. Gemeindeversammlung gem. Art. 28 I S. 4 GG
3. Möglichkeit der Einführung direktdemokratischer Elemente
a) Verfassungswidrigkeit der Einführung konsultativer Volksbefragung durch einfaches Gesetz
b) Möglichkeit der Einführung konsultativer Volksbefragung durch einfaches Gesetz
V. Zwischenfazit
E. Elemente der direkten und repräsentativen Demokratie in Landesverfassungen
I. Zulässigkeit der Einbeziehung direktdemokratischer Elemente auf Landesebene und Vorgaben des GG
II. Volksgesetzgebung
1. Einleitung der Volksgesetzgebung
a) Volksinitiative
b) Antrag auf ein Volksbegehren
2. Volksbegehren
3. Volksentscheid
4. Inhaltliche Beschränkungen der Volksgesetzgebung
III. Referenden
IV. Volksunmittelbare Parlamentsauflösung
V. Quoren
1. Verfassungsrechtliche Bedeutung
2. Verfassungspolitische Wirkung
VI. Auswirkungen direktdemokratischer Verfahren für den Bund
F. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die wesentlichen Unterschiede zwischen repräsentativer und direkter Demokratie und analysiert, inwieweit diese beiden Formen des demokratischen Prinzips in der Verfassungsordnung der Bundesrepublik Deutschland sowie in den Landesverfassungen (unter besonderer Berücksichtigung Bayerns) verwirklicht sind.
- Grundlagen des Demokratiebegriffs und historische Entwicklung der Demokratieformen.
- Theoretische, institutionelle und empirisch-prozessuale Unterscheidungsmerkmale.
- Stellenwert von Parlamenten, Parteien und Wahlen im repräsentativen System des Grundgesetzes.
- Rolle direktdemokratischer Verfahren und deren Einbettung in das föderale System.
- Verfassungsrechtliche Möglichkeiten zur Einführung weiterer direktdemokratischer Elemente.
Auszug aus dem Buch
C. Unterschiede zwischen repräsentativer und direkter Demokratie
Nachdem ein anschaulicher Überblick über die begrifflichen Grundlagen der direkten und repräsentativen Demokratie und deren historische Entwicklung hervorgebracht werden konnte, sollen im Folgenden die Unterschiede zwischen diesen beiden Arten der Verwirklichung des Demokratieprinzips erörtert werden. Damit eine übersichtliche Darstellung hergestellt werden kann, wird dieses Kapitel in theoretische, institutionelle und empirisch-prozessuale Unterschiede gegliedert.
I. Theoretische Unterschiede
Um die Unterschiede zwischen der direkten und der repräsentativen Demokratie vollumfänglichen zu erfassen, sind zunächst die politologischen Demokratietheorien zu berücksichtigen, die eine Systematisierung der offenkundig divergierenden Demokratieformen ermöglichen. Hierbei ist festzustellen, dass sich keine der beiden Demokratiemodelle in einer konkreten Demokratietheorie erschöpft. Vielmehr ergeben sie sich aus dem kumulativen Zusammenspiel mehrerer Demokratietheorien. Hierbei kann zwischen normativen und empirischen Demokratietheorien unterschieden werden. Im Hinblick auf die zu untersuchenden Unterschiede der Demokratiemodelle, erscheint es aufschlussreicher sich der Methode von Scharpf zu bedienen und die Demokratietheorien hinsichtlich ihrer output- bzw. input-Ausrichtung zu unterscheiden. Während die input-orientierten Theorien auf eine möglichst hohe Bürgerbeteiligung und der damit einhergehenden bürgerlichen Willensäußerung abzielen, steht bei den output-orientierten Theorien die Qualität und Effizienz der politischen Betätigung im Vordergrund. Anhand der bisherigen Ausführungen zu den beiden Demokratiemodellen ist lediglich erkennbar, dass der partizipatorische Charakter der direkten Demokratie den Vorstellungen der input-orientierten Theorien gerecht wird.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die Relevanz der Diskussion um direktdemokratische Verfahren angesichts aktueller Forderungen und skizziert den methodischen Aufbau der Arbeit.
B. Die Grundlagen der grundgesetzlichen Demokratie: Hier werden der Demokratiebegriff definiert sowie die historische Entwicklung und die ideengeschichtlichen Wurzeln der direkten und repräsentativen Demokratie dargelegt.
C. Unterschiede zwischen repräsentativer und direkter Demokratie: Dieses Kapitel arbeitet die theoretischen, institutionellen und empirischen Unterschiede der beiden Demokratiemodelle heraus, insbesondere im Hinblick auf Handlungsfähigkeit und Effizienz.
D. Elemente der direkten und repräsentativen Demokratie im GG: Es wird analysiert, wie das Grundgesetz die repräsentative Demokratie ausformt und inwieweit direktdemokratische Elemente darin bereits angelegt oder durch Verfassungsänderungen möglich sind.
E. Elemente der direkten und repräsentativen Demokratie in Landesverfassungen: Das Kapitel vergleicht die Verwirklichung direktdemokratischer Elemente in den Bundesländern mit der Bundesebene und behandelt spezifische Instrumente wie Volksgesetzgebung und Quoren.
F. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Erkenntnisse zur unterschiedlichen Partizipation des Volkes und bewertet die Praktikabilität direktdemokratischer Ergänzungen.
Schlüsselwörter
Demokratieprinzip, direkte Demokratie, repräsentative Demokratie, Grundgesetz, Volksgesetzgebung, Volksbegehren, Volksentscheid, Parlamentarismus, Staatsgewalt, Wahlrecht, Volkssouveränität, demokratische Legitimation, Landesverfassungen, Partizipation, Verfassungsrecht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen repräsentativer und direkter Demokratie innerhalb der deutschen Verfassungsordnung.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Fokus stehen die theoretischen Unterschiede der Demokratiemodelle, die Ausgestaltung der repräsentativen Demokratie im Grundgesetz sowie die Möglichkeiten und Grenzen direktdemokratischer Verfahren auf Bundes- und Landesebene.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Unterschiede in der Umsetzung des demokratischen Prinzips herauszuarbeiten und zu analysieren, inwiefern Elemente der direkten Demokratie in der Verfassungsordnung verwirklicht sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer juristischen und politologischen Analyse, die sowohl verfassungsrechtliche Grundlagen als auch empirische Befunde sowie die Literatur zu Demokratietheorien einbezieht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, einen detaillierten Vergleich der beiden Demokratieformen hinsichtlich ihrer Funktionsweise und eine Untersuchung der Elemente im Grundgesetz sowie in den Landesverfassungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Demokratieprinzip, Volksgesetzgebung, Repräsentation, Grundgesetz, direkte Demokratie und Staatsgewaltausübung.
Warum sind direktdemokratische Verfahren auf Bundesebene im Vergleich zu den Ländern schwach ausgeprägt?
Das Grundgesetz ist als parlamentarische Demokratie konzipiert, die das Parlament als zentrales Organ vorsieht; die Verfassungsgeber wollten eine Rückkehr zu den als instabil empfundenen Erfahrungen der Weimarer Republik vermeiden.
Welchen Einfluss haben Quoren auf direktdemokratische Verfahren?
Quoren dienen zwar der Absicherung des Mehrheitswillens, wirken in der Praxis jedoch oft prohibitiv und erschweren die erfolgreiche Durchführung direktdemokratischer Abstimmungen erheblich.
Können direktdemokratische Verfahren auf Landesebene die Bundespolitik beeinflussen?
Eine direkte Auswirkung ist aufgrund der Trennung der Kompetenzen kaum möglich; eine Einflussnahme erfolgt allenfalls indirekt über politische Empfehlungen der Länder an den Bundesrat, was jedoch von geringer praktischer Bedeutung ist.
- Arbeit zitieren
- Furkan Yilmaz (Autor:in), 2017, Repräsentative und direkte Demokratie. Welche Unterschiede gibt es?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/474865