Die Bedeutung von Facebook im Kommunikationshandeln von Studenten

Domestizierungsansatz und Mediatisierung in der der Medienforschung am Beispiel von Facebook


Akademische Arbeit, 2012
79 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. TheoretischerRahmen
2.1. Die Diffusion von Medien in den Alltag: Domestizierungsansatz und Mediatisierung
2.2. Das webbasierte soziale Netzwerk Facebook: ein mediatisierter Kommunikations- raum

3. Methodisches Vorgehen
3.1. Die Auswahl der Falle und theoretische Voruberlegungen
3.2. Die Methode des Medientagebuchs
3.3. Offene qualitative Interviews

4. Auswertung der Ergebnisse
4.1. Portraits von Laura und Claudia
4.1.1. Portrait von Laura
4.1.2. Portrait von Claudia
4.2. Grunde fur die Wahl des Mediums Facebook
4.3. Unabhangigkeit von raumlicher und zeitlicher Nutzung
4.4. Nutzungscharakteristika und Nutzungsgrunde von Facebook
4.5. Integration von Facebook in den studentischen Medienalltag
4.6. Substituierung klassischer Kommunikationsmedien durch Facebook
4.7. Uberbelastung durch Kommunikationszwang

5. Resumee

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang

„The media are an integral part of the way the everyday is conducted." (Bausinger, 1984: 349)

1. Einleitung

Webbasierte soziale Netzwerke gehoren mittlerweile zu den gefragtesten Anwendungen im Internet. Taglich werden vier Milliarden Nachrichten uber Facebook (vgl. Frickel, 2010) ver- schickt und das soziale Netzwerk verzeichnet jeden Tag bis zu 483 Millionen aktive Nutzer (vgl. Pitzke, 2012). Auf der Basis eines solch hohen Nutzen- und Nutzervorkommens in webbasierten sozialen Netzwerken kann Kommunikationshandeln im World Wide Web als eine mediatisierte Kommunikation beschrieben werden (vgl. Berg/Duvel, 2012). Hier ruckt vor allem die Alltagskommunikation uber virtuelle soziale Netzwerke immer weiter in den Mittelpunkt. Wie der deutsche Kulturwissenschaftler Hermann Bausinger in dem vorange- stellten Zitat bereits 1984 formuliert, wird das Alltagliche uber Medien abgewickelt. Mediale Kommunikation entwickelt sich dabei zu einem festen Bestandteil, wie Menschen ihre Welt konstituieren. Medienhandeln ist somit eng verknupft mit „nicht-medialen Alltagshandeln, sozialer Interaktion und personaler Kommunikation" (Roser, 2007: 19). Neue Medien und Technik werden in den Alltag integriert, mit Folgen fur den Menschen, aber auch dessen Kultur und der Form zwischenmenschlicher Kommunikation (vgl. Krotz, 2007: 12). Mit einer fortschreitenden Mediatisierung haben mediale Kommunikationsformen neben der Face-to- Face-Kommunikation im Alltag erheblich an Bedeutung gewonnen (vgl. Hepp, 2011: 14). Webbasierte soziale Netzwerke, wie Facebook, verandern demnach alltagliche Kommunika- tionspraktiken und soziale Strukturen. Es stellt sich daher nicht nur die Frage nach der Art des Kommunikationshandelns uber Facebook im studentischen Alltag, sondern auch die Frage nach dem Gebrauch der vielen verschiedenen Kommunikationstools, die der Inter- netanbieter seinen Nutzern zur Verfugung stellt. In der vorliegenden Forschungsarbeit wollen wir die These vertreten, dass soziale Netzwerke kommunikatives Handeln im Alltag von Stu- denten nachhaltig verandern. Dabei basiert die These auf dem Zitat Bausingers, der mediale Kommunikation und den menschlichen Alltag im Zusammenhang betrachtet. Im Zentrum der These stehen dabei die Fragen, welche Kommunikationstools am Haufigsten, zu welcher Tageszeit und wie lange genutzt werden.

Im Rahmen der folgenden exemplarischen Untersuchung soll daher einerseits der Einfluss Facebooks auf die Kommunikationspraktiken im studentischen Alltag und andererseits das kommunikative Handeln innerhalb des sozialen Netzwerkes untersucht werden. Mittels eines qualitativen Medientagebuchs und parallel dazu gefuhrten qualitativen Kurzinterviews sollen Nutzungs- und Kommunikationshandeln, als auch die Motivation fur den Gebrauch von Fa­cebook im studentischen Alltag analysiert werden. So kann einerseits gezeigt werden, wel- che Rolle Facebook in der sozialen Kommunikation im studentischen Alltag spielt und wie andererseits jenes Kommunikationsmedium in das Alltagshandeln der Studenten integriert wird. Dabei sollen fur die Fragestellung relevante klassische Kommunikationsmedien, wie beispielsweise das Festnetztelefon, Handy, SMS und E-Mail eine Rolle spielen und mit dem Kommunikationshandeln uber das soziale Netzwerk Facebook verglichen werden.1 Andere klassische Medien, wie beispielsweise das Fernsehen oder Print, werden in der nachfolgen- den Analyse ausgeschlossen, da sie nicht auf der Interaktion, Kommunikation und der Bil- dung von Netzwerken aufbauen und somit fur die Beantwortung der Fragestellung ungeeig- net erscheinen. Um die Diffusion von Kommunikationsmedien in den Alltag zu beschreiben, eignen sich besonders die Theorien des Domestizierungsansatzes und der Mediatisierung, die eine methodologische Grundlage fur die vorliegende Arbeit bilden sollen. Die Frage da- nach, welche Bedeutung die Nutzer Facebook in ihrem Alltag zuschreiben, war bei der fol- genden Untersuchung ebenfalls von Relevanz. Diese Thematik soll durch zwei exemplari- sche Medientagebucher und erganzend mit Hilfe qualitativer Interviews auf mikrosozialer Ebene analysiert und diskutiert werden. Dabei wird im Folgenden der theoretische Rahmen vorgestellt und das methodische Vorgehen der beiden Autorinnen beschrieben werden. Die letzten beiden Abschnitte sind der Auswertung der gewonnenen Ergebnisse und einem ab- schlieBenden Resumee gewidmet.

2. Theoretischer Rahmen

Im Folgenden soll die Theorie des Domestizierungsansatzes und der Mediatisierung naher erlautert werden. Innerhalb des Kapitels der Ergebnisauswertung und dem darauf folgenden Resumee, sollen diese Theorien nochmals aufgegriffen und vor dem Hintergrund der ge­wonnenen Ergebnisse analysiert werden. AnschlieBend soll das fur diese Arbeit relevante soziale Netzwerk Facebook naher vorgestellt und hinleitend zur Forschungsfrage charakteri- siert werden. Vor allem die Fragen nach der Bedeutung und der Rolle von Facebook in der heutigen Gesellschaft sollen reflektiert werden. Dies lasst sich einerseits an wirtschaftlichen Kennzahlen festmachen, andererseits an verschiedenen Mediadaten und Studien, bei­spielsweise der ZDF und ARD Online Studie 2011, als auch der Relevanz von Facebook im gesellschaftlichen Diskurs.

2.1 Die Diffusion von Medien in den Alltag: Domestizierungsansatz und Media- tisierung

Durch die bereits in der Einleitung beschriebene Entwicklung von webbasierten sozialen Netzwerken und den damit verbundenen Kommunikationsmoglichkeiten wird auch der Kommunikationsprozess immer mehr durch Technik gepragt und ist damit zunehmend Ent- grenzungs- und Integrationsprozessen unterworfen.2 Doch verandert die zunehmende medi- ale Kommunikation nicht nur die Kultur, sondern auch menschliche Beziehungsnetzwerke sowie den menschlichen Alltag und lasst Erfahrungen zunehmend in einem mediatisierten virtuellen Handlungsraum stattfinden (vgl. Krotz/Roser, 2007:31). Da vermutlich mediale Kommunikationsformen immer weiter an Bedeutung gewinnen, sollten sie empirisch immer genauer untersucht werden. Je ausdifferenzierter die mediale Kommunikation, umso kom- plexer werden damit auch kommunikativ konstruierte Wirklichkeiten des Alltags (vgl. Krotz, 2003: 328).

Um den Gebrauch von Facebook im Alltag zu verdeutlichen, werden der Domestizierungs­ansatz und die durch Krotz beschriebene Mediatisierung (vgl. hierzu auch Krotz, 2007) als Grundlage dienen, um Handlungsfelder im sozialen Alltag zu beschreiben. Vor dem Hinter- grund der Domestizierung wurden die von uns gewonnenen Daten gelesen und ausgewertet (vgl. Hartmann, 2008: 412). Der Domestizierungsansatz muss somit als „ein konzeptioneller Entwurf [...] verstanden [werden], der darauf abzielt, zu beschreiben und zu rekonstruieren, wie sich Menschen Medien in ihren Haushalten, Lebensformen und Alltagen zu eigen ma- chen" (Krotz/Roser, 2007: 31). Hierbei geht es vor allem um die Offnung einer sozialen und kulturellen Perspektive auf die Alltagspraktiken der Menschen (vgl. Krotz/Roser, 2007: 32). Der Domestizierungsansatz dient dabei „zur Beschreibung und Theoretisierung von Diffusi- onsprozessen neuer Medien- und Kommunikationstechnologien" (Roser/Peil, 2010: 483). Diese Entwicklung ist keineswegs linear, sondern besteht aus verschiedensten Prozessen, die „in einem sehr komplexen Zusammenhang gesehen werden [mussen], in dem sich Kommunikationspotenziale, Beziehungen, Formen der Vergemeinschaftung oder Vergesell- schaftung andern" (Krotz/Roser, 2007: 33). Medienhandeln wird als eine Handlungspraxis des Alltags verstanden und ist in dem sozialen und kulturellen Selbstverstandnis des Men­schen lokalisiert. Alltagspraxen interagieren dabei mit technologischen, gesellschaftlichen und okonomischen Faktoren (vgl. Roser, 2007: 23). Der Domestizierungsansatz orientiert sich somit an dem Rezipienten und seinen Medienhandlungen im Alltag und ist daher eine Analyseperspektive, die den Einfluss von Facebook auf den studentischen Alltag zu analy- sieren vermag. Besonders die Alltagspraxis der Studenten und ihr alltaglicher Umgang mit dem sozialen Netzwerk kommt in der vorliegenden Arbeit eine Schlusselrolle zu (vgl. Roser, 2007: 23). Der Domestizierungsansatz soll an dieser Stelle jedoch nicht als eine ausschlieB- liche Mediennutzung im hauslichen Umfeld gesehen werden, sondern sich auf die mediale Aneignung von sozialen Netzwerken im studentischen Alltag konzentrieren.3 Der Wandel von Medien und Kommunikation im Alltag von Mensch und Gesellschaft, geht ebenfalls mit einer „Individualisierung" (Krotz, 2007: 28) einher, die auf der zunehmenden Unabhangigkeit von Ort und Zeit beruht. Durch die zunehmende Vernetzung ist das Individuum nicht mehr an Zeit und Ort gebunden. Es kann daher von einer nahezu allumfassenden Erreichbarkeit durch die fortschreitende Mediatisierung gesprochen werden (vgl. ebd.). Durch den Prozess der „Entgrenzung" (ebd.: 34) wird das Internet heute nicht mehr an einem festen Computer- arbeitsplatz benutzt, sondern hat sich vor allem durch die Entwicklung des Smartphones weiter von Ort und Zeit losgelost (vgl. Gieseking, 2010: 6-7). Dies ist auch fur webbasierte soziale Netzwerke, wie Facebook, zutreffend, die durch verschiedene Anwendungspro- gramme auch mobil auf speziellen Endgeraten mit Zugang zum Internet genutzt werden konnen.

Vergleichbar zum Aufkommen von Facebook im Jahre 2004 (vgl. Boyd/Ellison, 2008: 212) entstehen eine groBe Anzahl neuer Medien, wie zum Beispiel das Smartphone, die das Kommunikationsverhalten nachhaltig verandern. Durch neue Medien und damit verbundenen neuen Kommunikationsmoglichkeiten entstehen „neue Zwecke, Kontexte und Sinnzusam- menhange, warum Menschen Medien benutzen" (Krotz, 2007: 32). Dieser Prozess ist eben­falls am Beispiel Facebook zu beobachten. War Facebook bei dessen Grundung lediglich ein Netzwerk zur internen Kommunikation unter Harvard-Studenten, ist es heute ein multimedia- les Kommunikationsmittel, welches verschiedenste Medien, wie beispielsweise die Kommu­nikation durch Schrift oder Video, vereint. Menschen nutzen diese neuen Medien und bezie- hen diese in ihren Alltag mit ein. Bereits vorhandene Medien verandern durch die neue Nut- zung und eine neue Kontextualisierung ihre Eigenschaften und erweitern oder verandern diese. Das Medium Video ist nun nicht mehr an das Endgerat der Videokassette bzw. dem Videorekorder gebunden, sondern kann, auch durch die Entwicklung von Facebook, schnell im Internet verbreitet werden und sogar virtuell „gefallen". Damit gerat das Medium in neue „situative und soziale Kontexte, in denen bzw. fur die sie bisher nicht genutzt worden waren, und verandern dadurch beispielsweise ihren Charakter" (ebd.: 33). Mediatisierung beschreibt somit gleichzeitig einen Prozess der Diffusion von verschiedenen Medien, hin zu einem „elektronisch mediatisierten Kommunikationsraum"4. Aus dieser Perspektive heraus be- schreibt der Prozess der Mediatisierung, dass neue Medien alte nicht verdrangen, jedoch- neue Kommunikationspotenziale fur den Menschen entfalten. Aus diesem Grundrahmen des Domestizierungsansatzes und der Mediatisierung ordnen wir die von uns durchgefuhrte Un- tersuchung zur Bedeutung von Facebook im alltaglichen Kommunikationshandeln von Stu- denten ein. Das Internet und innerhalb dessen die sozialen Netzwerke, haben spezifische Folgen fur die soziale Interaktion und das Kommunikationsverhalten innerhalb einer Gesell- schaft. Diese Folgen geht es einzufugen in die materiellen Grundlagen sozialer Interaktion und eines kommunikativen Raums (vgl. Castells, 2005: 138). Die bereits aufgefuhrten Ansat- ze aufgreifend, verstehen wir diese als Moglichkeit, um uber das Kommunikationspotenzial und die Motivation fur den Gebrauch von Facebook im studentischen Alltag ein besseres Verstandnis zu erlangen.

2.2 Das webbasierte soziale Netzwerk Facebook: ein elektronisch mediatisier- ter Kommunikationsraum

Als „Plattform" werden Websites im Internet bezeichnet, die „einer Vielzahl von Nutzern eine gemeinsame Infrastruktur zur Kommunikation und Interaktion bieten (...)" (Schmidt, 2011: 25). In so genannten „Netzwerkplattformen" konnen die Mitglieder innerhalb eines durch Re- gistrierung geschlossenen Raumes untereinander navigieren und interagieren und sich ein soziales Netzwerk aus Freunden und Bekannten aufbauen, ganz im Sinne der Mission des Facebook-Grunders Mark Zuckerberg: „(...) to give people the power to share and make the world more open and connected.“ (Offizielle Facebook Mission, o.V., o.D.). Ein wichtiges Charakteristikum fur das Web 2.0 ist dabei, dass Nutzer selbst Inhalte anbieten und somit keine Differenzierung mehr zwischen Anbietern und Nutzern von Inhalten, wie beispielsweise bei Zeitung und Leser, besteht. Des Weiteren verschwimmen die Grenzen zwischen inter- personaler Kommunikation und massenmedialer Kommunikation (vgl. Paus- Hasebrink/Schmidt/Hasebrink, 2009: 13). Gegrundet und entwickelt von dem Harvard Stu- denten Zuckerberg 2004, war Facebook ursprunglich ausschlieftlich fur die interne Kommu­nikation auf dem Campus gedacht (vgl. Kneidinger, 2010: 59). Im Jahre 2006 wurde das Netzwerk auch fur die Offentlichkeit zuganglich gemacht und avancierte innerhalb kurzester Zeit zu einer unverzichtbaren Kommunikationsplattform fur eine breite Bevolkerung. Heute stellt Facebook nach eigenen Angaben mit ca. 845 Millionen aktiven Nutzern monatlich und durchschnittlich 483 Millionen taglichen Nutzern die meistbesuchte Seite der Welt dar. Mo- natlich greifen 425 Millionen von ihnen uber mobile Endgerate auf Facebook zu.5 Erheblich gewachsen ist in den letzten Jahren insbesondere die Kategorie „Inhalte teilen". Im Juli 2009 wurden pro Woche 1 Milliarde Inhalte auf Facebook geteilt, im Marz 2010 waren es schon 5 Milliarden (vgl. Holzapfel/Holzapfel, 2011: 24). Diese Zahlen verdeutlichen die Vision Face- books, mehr Informationen untereinander zu teilen und zu verbreiten. Auch im gesellschaftli- chen Diskurs spielt Facebook eine immer bedeutungsvollere Rolle, beispielsweise um die immer wieder aufflammende Diskussion des Datenschutzes und potenzieller Vor- und Nach- teile des sozialen Netzwerkes (vgl. Hargittai, 2011: 276). Der Trend zeigt einen weiteren Auf- stieg des Social Networks durch den Auf- und Ausbau eigener Dienste mit dem es konkurrie- rende Internetgiganten wie Google weit hinter sich lasst (vgl. Porschen, 2010).6

Im Facebook-Netzwerk kann sich jeder kostenlos anmelden und eine eigene Profilseite er- stellen, auf der er Informationen uber seine Person, Fotos und Videos, aber auch sprachliche Statusmeldungen uber das aktuelle Befinden, Aktivitaten und Aufenthaltsorte preisgeben kann. In den Sicherheitseinstellungen kann der Nutzer sein Profil fur andere einschranken und selbst bestimmen, fur welche anderen Nutzer (Freunde, Freunde von Freunden, Frem- de) es einsehbar sein soll (vgl. Boyd/Ellison, 2008: 213). Durch besondere Tools, wie den „Gefallt mir"-Button, die „Share“- und die „Kommentarfunktion" wird die Interaktion zwischen den Nutzern gefordert. Zusatzlich bietet die Plattform weitere nicht-offentliche Kommunikati- onswege an, wie etwa einen netzwerkinternen Chat sowie die Moglichkeit, private Nachrich- ten an Facebook-Freunde zu versenden. Erganzt wird das Angebot durch Unterhaltungska- nale wie kleine Spiele, Apps oder Tests, welche die Nutzer teilweise selbst entwickeln und untereinander austauschen konnen (vgl. Kneidinger, 2010: 60).

Die Netzwerk Mitgliedschaft besteht nicht mehr ausschlieftlich aus Studenten, fur die Face- book ursprunglich erfunden wurde, sondern umfasst alle Altersklassen. Nach den neuesten Studien der ARD und ZDF besuchen 36 % der deutschen Bevolkerung mindestens einmal wochentlich Online- Communities (vgl. ARD/ZDF Online Studie, 2011a). Diese starke Veran- derung der anfanglichen Zielgruppe spiegelt die enorme Breitenwirkung dieses Kommunika- tionstools wider. Facebook dehnt sich immer weiter in Bevolkerungsschichten aus und lasst damit eine Tendenz erkennen, die dafur spricht, dass sich die Nutzungsformen und damit die Auswirkungen auf bestehende Sozialbeziehungen in der breiten Bevolkerung zunehmend ausdifferenzieren werden (vgl. Kneidinger, 2010: 60).

Dennoch sind die meisten Facebook-Nutzer 18 bis 34 Jahre alt. Der Anteil dieser Alters- gruppe an allen Nutzern in Deutschland lag im Dezember 2011 bei uber 50 Prozent (vgl. Statista Online, 2012). Die jungste ARD und ZDF Studie besagt, dass die 14 bis 29 Jahrigen taglich 168 Minuten im Netz verweilen. Im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg von durch- schnittlich 11 Minuten pro Tag (vgl. ARD/ZDF Online Studie, 2011a). Diese Zahlen verdeutli- chen die Rolle Facebooks als fester Bestandteil des Alltags. Insbesondere die Unter-30- Nutzer sehen in Facebook eine Plattform fur Kommunikation, die es Ihnen ermoglicht, unab- hangig von Ort und Zeit mit Freunden und Bekannten in Kontakt zu bleiben (vgl. Ellison, 2007). In unserem qualitativen Forschungsprojekt beziehen wir uns auf diese Zielgruppe und beschaftigen uns mit den Nutzungsformen und Auswirkungen innerhalb dieser Altersklasse. Theorien, wie, das uber Netzwerkplattformen wie Facebook bestimmte kommunikative Prob- leme und Vorhaben besser gelost werden als mit herkommlichen Medien, werden wir dabei uberprufen (vgl. Kneidinger, 2010: 59).

3. Methodisches Vorgehen

Im Folgenden sollen die Auswahl der Falle naher erlautert und theoretische Grunduberle- gungen erortert werden, die fur die Auswahl der Methoden in der vorliegenden Arbeit maB- geblich waren. AnschlieBend werden die zwei angewendeten Methoden naher erlautert und in einen Zusammenhang gestellt. Ziel ist es, eine theoretische Grundlage fur die nachfolgen- de Auswertung der Ergebnisse in Kapitel vier zu schaffen.

3.1 Auswahl der Falle und theoretische Grunduberlegungen

Zur Bearbeitung der bereits in der Einleitung erwahnten Forschungsziele, wurden zwei Falle zum Fuhren des Medientagebuchs und erganzend als Interviewpartner ausgewahlt. Hierbei ging es nicht primar um statistische Wahrscheinlichkeiten, sondern um eine Stichprobe, die nach theoretischen Voruberlegungen und Kriterien bestimmt ist. Dabei ist die Auswahl der Stichprobe nicht reprasentativ. Dies war jedoch auch nicht das Ziel der nachfolgenden Ana­lyse. Im Vordergrund der qualitativen Analyse steht dabei nicht die quantitative Erfassung von Fallen, sondern eine fur die Fragestellung typische Stichprobe zu erschlieBen. Hierbei stand die exemplarische Analyse der Einbindung von Facebook in den studentischen Alltag im Vordergrund. Facebook wurde vor allem fur junge Studenten und spater High School Ab- solventen entwickelt (vgl. Hargittai, 2008: 279). Daher gehoren Studenten zu einer idealen Untersuchungsgruppe, um den Einfluss von Facebook auf tagliches Kommunikationshandeln und die Integration in den Alltag zu untersuchen.

Bei der Auswahl lagen dabei drei wichtigen Kriterien zu Grunde: Erstens sollte es sich um Studenten handeln, die schon langer in das studentische Leben eingebunden sind. Zweitens war ein barrierefreier Zugang zum Internet und die Mitgliedschaft bzw. das Besitzen eines Facebook-Profils Voraussetzung zur Auswahl der zwei Personen und drittens sollte eine Person zusatzlich ein Smartphone besitzen und die andere lediglich ein regulares Handy, mit dem kein mobiler Zugang zum Internet moglich ist. Dies ist von besonderer Bedeutung, da wir einen Unterschied im Nutzungsverhalten mit und ohne Smartphone vermuteten. Eine fortfuhrende Analyse der Stichprobe erfolgt in Kapitel 3.2.

Grundlegend fur unsere Forschung war dabei die Medienethnografie, die die Integration von Medien in den Alltag berucksichtigt und Medien im Kontext alltaglicher sozialer Situationen einbettet (vgl. Bachmann/Wittel, 2006: 187). Im Vordergrund der Medienethnografien stehen dabei die Menschen, die Medien „nutzen, konsumieren, distribuieren oder produzieren" (ebd.), jedoch nicht zwangslaufig das Medium selbst. Im Vordergrund steht demnach keine langfristig angelegte ethnografische Feldforschung. Medienethnografie kann somit entspre- chend als eine „Ethnografie uber Menschen, die Medien nutzen [...]" (Bachmann/Wittel, 2006: 183) verstanden werden. Medien werden in der Medienethnografie dabei als Informa­tions- und Kommunikationstechnologien verstanden, welche die unterschiedlichen Bereiche der Information und Kommunikation verschmelzen lassen. So beinhaltet das webbasierte soziale Netzwerk Facebook nicht nur die Funktion des Schreibens einer E-Mail, sondern auch die Pflege eines Fotoalbums oder das Nutzen der Chat-Funktion. Inhalt und Kommuni­kation konnen im Internet nicht voneinander getrennt werden und die Trennung von Produk- tion und Rezeption ist, vor allem durch die Interaktivitat von webbasierten sozialen Netzwer- ken, aufgehoben. Diese Schnittstelle und die „Interaktion von Menschen und Medien uber verschiedene Interfaces" (ebd.: 214) wird von der Medienethnografie ebenfalls berucksich­tigt. Die Medienethnografie scheint deshalb fur unsere Studie zielfuhrend, da sie die Diffusi­on von Produzenten und Rezipienten berucksichtigt.

3.2 Die Methode des Medientagebuchs

In dem eingangs genannten Rahmen der Medienethnografie ordnen wir die durchgefuhrte Analyse der Medientagebucher und offenen qualitativen Interviews ein. Im Fokus der Unter- suchung steht, im Sinne der Medienethnografie, der relationale Umgang mit Medien im all- taglichen Kontext. Dabei ist es vor allem von Vorteil, dass die Methode des Medientage­buchs in Bezug auf Zeit und Ort eine mobile Ethnographie darstellt, die durch die Mitnahme den Nutzer so flexibel in seinem Gebrauch werden lasst. Durch die Aufzeichnung der Daten kann so ein relativ genaues Bild des Medienkonsums des Probanden bestimmt werden. Ein weiterer Vorteil ist die groBe zeitliche Nahe, die das sofortige Aufzeichnen der Mediennut- zung ermoglicht (vgl. Berg/Duvel, 2012). Es mussen keine Alltagspraktiken, beispielsweise in Interviews, rekapituliert werden. Eintrage sind so direkt mit der Mediennutzung im Alltag ver- bunden. Die fehlende Anwesenheit des Forschers und die Selbststandigkeit und Selbstrefle- xion des Tagebuchschreibens rufen eine naturliche Situation hervor, die unmittelbar in den Medienalltag eingebettet ist. Erst durch die Einbettung in den Alltagsroutinen lasst sich das Nutzungsverhalten erschlieBen (vgl. Gotz/Wittel, 2006: 211). Die Nutzung von Facebook ist eine lesende Tatigkeit, die schwer zu beobachten ist. Daher bot die Methode des Medienta- gebuchs eine ideale Moglichkeit, um den Nutzer durch dessen Aufzeichnungen hinweg zu „beobachten" und dessen Mediennutzungsverhalten zu analysieren. Es konnen so Einsich- ten in den Medienaneignungsprozess auf einer alltagspraktischen Handlungsbasis gewon- nen werden (vgl. Berg/Duvel, 2012).

Es wurden insgesamt vier Studenten und Studentinnen aus dem engeren Umkreis der Auto- rinnen gebeten, ein Medientagebuch zu fuhren. Insgesamt erklarten sich zwei weibliche von vier angefragten Personen dazu bereit, ein Medientagebuch zu fuhren und anschlieBend fur ein Kurzinterview zur Verfugung zu stehen. Die geringe Stichprobe von 50% der eingangs Befragten, ist vordergrundig auf den hohen Aufwand zuruckzufuhren, der mit dem Anfertigen des Medientagebuches verbunden war. Es handelt sich bei den Teilnehmerinnen demnach um eine kleine ausgewahlte Stichprobe, daher ist bei der vorliegenden Untersuchung der explorative Charakter zu betonen. Beide Teilnehmerinnen sind weiblich und studieren einen geisteswissenschaftlichen Studiengang an einer deutschen Universitat. Bei den Probandinen handelt es sich aufgrund des Studienfaches um eine am Untersuchungsthema auBeror- dentlich interessierte und medienkritische Stichprobe. Daher belief sich die Rucklaufquote, aufgrund des vorhandenen Interesses, dem hohen Bildungsgrad der Probandinnen7 und der geringen Anzahl der Stichprobe, auf 100%. Das Alter ist aufgrund der eingangs festgelegten Fragestellung nach dem studentischen Alltag zwangslaufig eng gestreut und belauft sich auf 20 und 21 Jahre.

Der Untersuchungsbeginn war von den Probandinnen frei wahlbar, der Untersuchungszeit- raum musste jedoch genau sieben Tage betragen. Die Probandinnen konnten zwischen ei­ner digitalisierten Form des Medientagebuchs und einer Papierform wahlen. Beide haben sich fur eine digitale Form entschieden, mit der ubereinstimmenden Begrundung, dieses besser in ihren Alltag integrieren zu konnen. Die Probandinnen haben dazu, ein im Vorfeld geringfugig vorstrukturiertes digitales Medientagebuch in Form einer Tabelle als E-Mail er- halten (vgl. Berg/Duvel, 2012). In jener E-Mail wurden nochmals die Zielsetzung und der Zweck des Medientagebuchs verdeutlicht, als auch ein Anwendungsbeispiel gegeben. Beim Fuhren der Medientagebucher baten wir die Probandinnen, bei jeder Nutzung eines webba- sierten sozialen Netzwerkes einen Eintrag vorzunehmen. Das Endgerat fur die Nutzung so- zialer Netzwerke war den Teilnehmerinnen dabei freigestellt. Da beide Probandinnen jeweils nur in dem sozialen Netzwerk Facebook als Nutzer registriert waren und keine anderen webbasierten sozialen Netzwerke nutzten, wurde so ausschlieBlich die Kommunikation uber Facebook erfasst. Wie bereits in Kapitel 2.2. beschrieben, hat sich Facebook zu einem der wichtigsten soziale Netzwerke etabliert. Daher stellte die autonome Nutzung von nur einem sozialen Netzwerk kein Hindernis fur die vorliegende explorative Untersuchung dar.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Vorstrukturierte Medientagebuchseite (digital)

Die eingangs formulierte Forschungsfrage lieB eine Einschrankung auf die Aktivitat in sozia­len Netzwerken zu. Ein reflektierender Vergleich zu anderen Kommunikationsmedien erfolgte innerhalb der problemzentrierten Interviews. Pro Eintrag wurden Datum, Uhrzeit, der Ort, der Kommunikationspartner, das benutzte Endgerat, beispielsweise ein Laptop, und der Grund fur die Aktivitat innerhalb sozialer Netzwerke benotigt und mussten fortlaufend notiert wer- den. Der Umfang der Medientagbucher war den Teilnehmerinnen freigestellt, jedoch wurde dieser zwangslaufig durch die Beschrankung auf soziale Netzwerke in ihrer Datenmenge verhaltnismaBig reduziert, was von den Autorinnen der vorliegenden Arbeit ferner bezweckt wurde. Da sich die Frage nach der Quantitat und dem Zweck der Facebook-Nutzung und dessen Bedeutung im Alltag stellt, schien uns die Anfertigung eines Medientagebuches uber einen weiteren Mediengebrauch als unschlussig, da hier fur die Interpretation unnotige Daten erhoben worden waren. AuBerdem reduzierte die Einschrankung den zeitlichen Aufwand fur die Probandinnen, da sich beide Probandinnen in einer arbeitsintensiven Phase befanden.

Die gewonnen Daten wurden von uns, bedeutungsgleich mit den durchgefuhrten problem­zentrierten Interviews, anhand der qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet, die im nachfol- genden Kapitel beschrieben wird. Ziel war es, uber das gesamte Material hinweg zu einer Theorieentwicklung zu gelangen und diese mit einem ubergeordneten Kategoriensystem zu erfassen (vgl. Hepp/Berg/Roitsch, 2011). Anhand des Codierens des schriftlichen Materials sollten Codes und Begriffe fur bestimmte Verhaltensmuster gefunden werden. Nachdem Randnotizen und Bemerkungen beim Durchsehen der rucklaufigen Tagebucher verschrift- licht worden sind, wurden diese anhand einer Tabelle8 weiter systematisiert und Charakteris- tika herausgearbeitet. Diese wurden abschlieftend mit den Ergebnissen der problemzentrier- ten Interviews verglichen, um daraus einheitliche Muster in der Bedeutung des Kommunika- tionshandeln von Facebook im studentischen Alltag entwickeln zu konnen.

3.3 Offene qualitative Interviews

Erganzend zur Methode der Medientagebucher wurden mit den zwei Probandinnen qualitati­ve Interviews gefuhrt, um tiefergreifende Informationen uber das Facebook- Nutzungsverhalten zu erhalten (vgl. Lamnek, 1995: 255). Die Wahl fur diese Methode lag darin begrundet, dass qualitative Interviews gegenuber anderen Methoden den Vorteil bie- ten, relativ genaue Informationen uber die Bedurfnisse und Sichtweisen der Probanden be- zuglich ihres Facebook Konsums zu erhalten.

Qualitative Befragungen dienen der Hypothesengenerierung und basieren auf offenen Fra- gen (vgl. Keunecke, 2005: 255). Eingeschrankte Ja-, Nein-Fragen sollten konsequent ver- mieden werden, da die interviewten Personen als Experten fungieren und ausreichend Frei- raum erhalten sollten, um ihre „eigenen Deutungs- und Handlungsmuster" zu explizieren (vgl. Lamnek, 1995: 24). Die geforderte Offenheit darf jedoch nicht mit dem Verzicht auf ein planvolles Vorgehen verwechselt werden. Qualitative Interviews zeichnen sich zwar durch relativ wenig Steuerungselemente aus, verlaufen dennoch nicht ganzlich ungesteuert, son- dern erfordern eine strukturierte Vorbereitung des Gesprachs (vgl. Keunecke, 2005: 256).

Im Rahmen der qualitativen Forschung beruhte unsere Untersuchungsmethode auf dem Aufbau des problemzentrierten Interviews. Diese basieren auf einer „Kombination aus Induk- tion und Deduktion" (vgl. Lamnek, 1995: 28). Aufgrund der gewonnenen Daten aus den Me- dientagbuchern, bestanden bereits Deutungsansatze bezuglich der studentischen Nutzung von Facebook im Alltag. Dennoch hielten wir uns fur neue unerwartete Aspekte, die durch die Interviews zu Tage gefordert werden konnten offen (vgl. Keunecke, 2005: 261). Das problemzentrierte Interview lasst sich als eine Kompromissform zwischen leitfadenorientier- ter und narrativer Gesprachsform beschreiben (vgl. ebd.). Wir fuhrten die Gesprache dem- nach nach einem vorher entwickelten Leitfragenkatalog durch, lieften den Gesprachspart- nern jedoch genug Spielraum, um ihre eigenen Handlungsmotive und subjektive Deutungen ausfuhrlich zu erklaren, um gegebenenfalls auf bestimmte Aspekte intensiver einzugehen. Diese Methode wird auch als unstandardisiertes Interview bezeichnet, im Gegensatz zu ei- nem standardisierten Verfahren, bei dem die Fragen genau festgelegt waren (vgl. Mayring, 2010: 66). Durch vorher festgelegte Schlusselfragen, die notwendig sind, um die Aussagen mit denen anderer Probanden zu vergleichen, kann der Gesprachsverlauf immer wieder in eine bestimmte Richtung gelenkt werden, falls ein Abdriften von den relevanten Forschungs- aspekten droht (vgl. Keunecke, 2005: 260). Weitere Fragen des Leitfadens, die nicht zwin- gend gefragt werden mussen, werden als Eventualfragen bezeichnet. Im Interview gilt die Faustregel „dass der Blickwinkel zunachst weit ist, aber im Verlauf der Untersuchung fort- schreitend zugespitzt wird." (Lamnek, 1995: 28). Der Leitfaden gewahrleistet somit die Funk- tion einer Checkliste, um sicherzustellen, dass die gleichen Aspekte abgefragt werden und der Forschungsfokus nicht aus den Augen verloren wird.

Die qualitativen Interviews beruhen auf einer aktiven Kommunikation zwischen Forscher und Befragten, die suggeriert, dass sich der Forscher soweit wie moglich der Realitat des Pro­banden annahern kann, um seine Handlungsmotive besser verstehen zu konnen. Eine ver- trauensvolle Gesprachsatmosphare ist daher notwendige Voraussetzung fur jedes qualitative Interview. AuBerdem muss der Forscher uber ausreichendes Einfuhlungsvermogen verfu- gen, genau zuhoren, zwischen den Zeilen lesen konnen sowie eine gesunde Balance zwi­schen einem „Push- und einem Pull-Prinzip" finden konnen (vgl. Keunecke, 2005: 260).

Die Bedeutung von Angaben variiert insbesondere mit dem lebensweltlichen bzw. kulturellen Hintergrund und Erfahrungen der Befragten, daher erwies es sich als sinnvoll, zu Beginn des Interviews Einstiegsfragen uber die sozialen Hintergrunde der Befragten zu stellen. Diese Fragen dienten zunachst dafur, die Gesprachsatmosphare aufzulockern und auBerdem um Informationen uber die Befragten zu sammeln. Dies war wichtig fur die spatere Auswertung und den Vergleich der unterschiedlichen Personen, da der individuelle Facebook-Konsum in Abhangigkeit vom gesellschaftlichen und sozialen Umfeld steht. Der zweite Fragenkatalog zielte darauf ab, eine umfassende Einschatzung des individuellen Kommunikationsverhal- tens innerhalb webbasierter sozialer Netzwerken erstellen zu konnen. Die Fragen bezogen sich auf die Quantitat und den Zweck der Facebook-Nutzung sowie dessen Bedeutung im Alltag. Es war uns wichtig herauszufinden, fur welche Dimensionen Facebook genutzt wird und eventuell anderen Kommunikationsmedien vorgezogen wird. Dieser gesamte Fragenka­talog gab uns die Moglichkeit, das individuelle Konsummuster zu analysieren und unterei- nander zu vergleichen.

Fur die Auswertung des Materials wurde die qualitative Inhaltsanalyse, die sich durch quali- tativ-interpretative Techniken auszeichnet herangezogen (vgl. Mayring, 2002: 66). Zunachst wurden die Interviews transkribiert und die Aussagen ubergeordneten Forschungsfragen zugeordnet. Im zweiten Schritt bildeten wir Kategorien, nach denen die Aussagen eingeord- net werden konnten. Dadurch hatten wir einen homogenen Kriterienkatalog, nach denen wir die verschiedenen Aspekte unter den zwei Probandinnen genau vergleichen und analysieren konnten. In qualitativen Interviews ist es wichtig, die Nachrichten auch zwischen den Zeilen zu lesen, da dort oft latent wichtige Aussagen versteckt sind.

Die Methode der qualitativen Interviews ist nicht immer unumstritten, denn die so gewonnen Daten stellen nur eine Interpretation der Befragten dar und spiegeln somit nur eine indirekte Wirklichkeit wider (vgl. Aufenanger, 2006: 98). Doch im Zusammenhang mit der Methode der Medientagebucher bieten die problemzentrierten Interviews eine gute Erganzung, um einen umfassenden Einblick in die Nutzung und Motivation von Facebook zu erlangen. Die gewon- nenen Erkenntnisse sind aufgrund ihrer Konzentration auf die Individualitat der Befragungs- personen nicht allgemeingultig. Die vorliegende Untersuchung hat jedoch, wie bereits in Ka- pitel 3.1. erlautert, keinen reprasentativen Anspruch; sie hat vielmehr eine explorative Erfor- schung des vorher erlauterten Erkenntnisinteresses zum Ziel.

4. Auswertung der Ergebnisse

Um die Bedeutung des sozialen Netzwerkes Facebook im studentischen Alltag anhand der gewonnenen Daten naher betrachten und die zwei erhobenen Falle miteinander vergleichen zu konnen, muss zunachst bestimmt werden, in welcher Intensitat die beiden Probandinnen Claudia und Laura Facebook nutzen und welchem Nutzertyp sie dabei angehoren. Hierbei liegt eine im Interview gemachte Selbsteinschatzung der zwei Probandinnen hinsichtlich der Nutzungszeit und Zuwendung zu Facebook innerhalb einer Woche, als auch eine Analyse der Haufigkeiten in den Medientagebuchern zugrunde. Kneidinger unterscheidet drei unter- schiedliche Nutzertypen, den Wenig-, Normal-, und Intensivnutzer, die auch fur die vorlie­gende Arbeit maftgebend sein sollen. Ihren Ergebnissen liegen ebenfalls Selbsteinschatzun- gen der Probanden zugrunde. Der Wenignutzer ist taglich bis zu 30 Minuten, der Normalnut- zer taglich ab 30 Minuten bis zu zwei Stunden, und der Intensivnutzer mehr als zwei Stunden bei Facebook online (vgl. Kneidinger, 2010: 118, vgl. hier auch: Bonfadelli, 2004: 19). Beide Probandinnen zahlen zu der Gruppe der Normalnutzer. Claudia gibt an, innerhalb einer Wo­che vier bis funf Stunden auf ihrem Facebook Profil zu verbringen. Wird dies in ein Verhaltnis zu einer Woche gesetzt, kommt Claudia auf eine tagliche Nutzungsintensitat von 50 - 60 Minuten am Tag. Hierbei betont sie jedoch auch, dass dies stark nach Arbeitspensum variie- ren kann. Dies beweist auch Claudias Medientagebuch, das an Wochentagen eine hohe Nutzungsintensitat aufweist, am Wochenende jedoch annahrend gar keine. Somit ist die Nutzungsintensitat auch immer vor dem Hintergrund der personlichen momentanen Lebens- lage zu betrachten. Auch Laura weist mehrfach darauf hin, dass ihr Facebook-Konsum ext- rem von ihren Aktivitaten im Alltag abhangt, was ebenfalls die Auswertung des Medientage- buchs bestatigte. Im Interview gibt sie zunachst eine Zahl von 15 Stunden an, die zwar mit ihren Angaben aus dem Medientagebuch ungefahr ubereinstimmt, doch aktiv ist sie in dieser Zeit nur etwa 4 Stunden. Lauras Nutzungsintensitat liegt damit zwischen 50 - 60 aktiven Minuten und 120 passiven Minuten pro Tag. Mit dieser Intensitat bleibt sie genau im Rahmen der Normalnutzer. Da sich beide der gleichen Nutzergruppe zuordnen lieften, eigneten sich die beiden Falle fur einen direkten Vergleich im alltaglichen Kommunikationshandeln. Die Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse der Interviews und Medientagbucher erfolgt auf der Basis von im Folgenden erlauterten Portraits von Laura und Claudia. Die Ein- zelerkenntnisse daraus wurden verglichen, Uberschneidungen und Unterschiedlichkeiten herausgearbeitet und schlussendlich die Ergebnisse differenziert betrachtet. Einzelne rele- vante Aspekte sollen im folgenden Rahmen vertieft, diskutiert und ferner Widerspruchlichkei- ten als auch Uberschneidungen verdeutlicht werden. Fur die anschlieftende Darstellung und Zusammenfassung der Ergebnisse fungierten sechs anhand des Analysematerials gebildete Kategorien als Gliederungsschema.

4.1 Portraits von Laura und Claudia

Im Folgenden werden die zwei Probandinnen Laura und Claudia vorgestellt und hinsichtlich der Forschungsfrage in ihrer Mediennutzung und ihres Kommunikationshandeln innerhalb des sozialen Netzwerkes Facebook charakterisiert.

4.1.1 Portrait von Laura

Laura ist 20 Jahre alt und seit Oktober 2010 Studentin der Geisteswissenschaften an einer deutschen Universitat. Sie wohnt mit einem Freund zusammen in einer Wohngemeinschaft, in der sie uber einen Internetanschluss sowie ein Festnetztelefon verfugt. Neben ihrem Lap­top hat Laura aufterdem die Moglichkeit, uber ihr Smartphone auf das Internet zuzugreifen. Sie bestimmt selbststandig die Zeiten, in den sie online geht und ist in ihrem Medienhandeln autonom. 2008/09 meldete sich Laura bei Facebook an und seitdem ist es fur sie eine viel- benutzte Plattform, die sie hauptsachlich als Kommunikationsmedium und nicht als Unterhal- tungsmedium nutzt. Die Informationen, die sie dort uber andere erfahrt, findet sie nur ma&ig spannend, denn sie Jnteressiert es (...) auch nicht so richtig, was die Anderen (...) alle ma- chen". Fur Laura ist vielmehr der direkte Kontakt mit Freunden und Kommilitonen von Wich- tigkeit. Sie tauscht taglich Nachrichten mit Facebook-Freunden aus und chattet gelegentlich, meistens abends, wenn sie nebenbei nichts anderes zu tun hat (vgl. Medientagebuch Laura). Laura ist tagsuber oft stundenlang auf Facebook online, ist jedoch nicht aktiv. Daher kann

Laura als „routinierter Nutzertyp" bezeichnet werden. Sie hat die Plattform „oft nebenbei noch mit an" wenn sie sowieso am Laptop sitzt und beispielweise Hausarbeiten schreibt. Durch ihr Smartphone checkt sie ihr Facebook-Profil oft zusatzlich zwischendurch, verweilt dann aber nicht lange auf der App. Facebook spielt fur Laura in ihrer taglichen Kommunikation nicht die Hauptrolle. Fur sie sind Telefon und E-Mail von groBerer Bedeutung, um personlichere Kon- takte zu ihren guten Freunden, Kommilitonen und auch Dozenten zu halten. Grundsatzlich ist Lauras Facebook-Nutzungsintensitat sehr von ihrem Alltag abhangig und variiert je nach Arbeitspensum.

4.1.2 Portrait von Claudia

Claudia ist 21 Jahre alt und seit Oktober 2010 Studentin der Geisteswissenschaften an einer deutschen Universitat. Sie wohnt zusammen mit einer Freundin in einer Wohngemeinschaft, in der sie, genau wie Laura, uber einen Internetanschluss und ein Festnetztelefon verfugt. Wahrend sie ihren Laptop aufgrund der GroBe und des Gewichts nur zu Hause benutzt, be- sitzt sie auBerdem ein handlicheres Netbook, welches sie fast taglich mit in die Uni nimmt, um online zu sein. Im Gegensatz zu Laura besitzt Claudia ein nicht-internetfahiges Handy. Sie ist seit 2008 bei Facebook registriert und nutzt das soziale Netzwerk nahezu taglich um zu kommunizieren (vgl. Medientagebuch Claudia). Dabei benutzt sie besonders haufig die Chat- und Nachrichtenfunktion. Daher nutzt Claudia ebenfalls das soziale Netzwerk, um hauptsachlich mit Freunden und Kommilitonen zu kommunizieren. Ferner ist es fur sie be­sonders wichtig, dass alle ihre „wichtigen Freunde" ebenfalls ein Facebook Profil besitzen und sie so „alle auf einem Haufen zusammen" hat. Facebook spielt fur Claudia eine wichtige Rolle in ihrem Leben und ist fur sie sogar wichtiger als das Telefonieren oder das Versenden von SMS. Fur sie ersetzt Facebook teilweise das personliche Treffen (vgl. C:63). Ihr Medien- handeln auf Facebook verlauft sehr habitualisiert und die Kommunikation mit bestimmten Gruppen ihres sozialen Umfeldes ist nach Tageszeit strukturiert. Claudia kann somit als „ha- bitualisierter Nutzertyp" bezeichnet werden. Dabei versucht sie am Wochenende bewusst weniger aktiv auf ihrem Facebook-Profil zu sein, kann sich jedoch einen einwochigen Ver- zicht auf Facebook wahrend der Vorlesungszeit nur schwer vorstellen.

4.2 Grunde fur die Wahl des Mediums Facebook in der Alltagskommunikation

Die Netzwerkplattform Facebook spielt eine groBe Rolle in der sozialen Interaktion der bei- den Probandinnen. Ein GroBteil der Studenten ist uber Facebook zu erreichen. Nach der aktuellen ARD/ZDF-Onlinestudie nutzen 70% der 20-29 Jahrigen private Netzwerkplattfor- men (vgl. Busemann/ Gescheidle, 2009). Dieser hohe Anteil von jungen Nutzern in virtuellen Gemeinschaften unterstutzt die Wahl von Facebook als Kommunikationsmedium, da die

Plattform eine leichte Erreichbarkeit von Kommilitonen ermoglicht, denn „es hat ja jeder Fa- cebook“ (C:33/34). Dabei spielen vor allem prazise Kriterien eine Rolle, die fur die Wahl ei- nes Kommunikationsmediums ubertragbar sind. Die schnelle und kostengunstige Erreich­barkeit von Kontaktpersonen ist dabei von grower Bedeutung. Flexibilitat, Effizienz und Ubiquitat in der Kommunikation werden im heutigen Kommunikationszeitalter immer wichti- ger und konnen beispielsweise auch auf die Entwicklung vom Festnetztelefon zum mobilen Handy ubertragen werden.

Claudia schatzt eben diese Vorteile der Schnelligkeit und Kostengunstigkeit in der Kommuni­kation mit Facebook, denn man kann „(...) schnell mit den verschiedensten Leuten (...) und gunstig (...) kommunizieren“ (C:20/21). Sie lobt die Flexibilitat und Simultanitat in der Kom­munikation, die es in Gruppenarbeiten ermoglicht, mit mehreren Gruppenmitgliedern gleich- zeitig zu kommunizieren, Beitrage Anderer zu kommentieren oder neue Aspekte zu verfas- sen. Claudia beschreibt die Kommunikation uber Facebook als einen „Onlinedialog“ (C:52), der wie eine Diskussion aufgebaut ist. Diese Form des studentischen Informationsaus- tauschs ist bei beiden Probandinnen die bevorzugte Art der Gruppenarbeit „(...) weil es ein- fach sehr ubersichtlich ist, im Vergleich jetzt zu E-Mails (...)“ (L:97). In der Gegenuberstel- lung zu klassischen E-Mails hat Facebook den Vorteil, schnell mit Personen in Kontakt treten zu konnen, ohne die private E-Mailadressen auszutauschen. Die visuelle Darstellung einer Gruppendiskussion erleichtert die Ubersichtlichkeit uber den Kommunikationsprozess. Au- Berdem ermoglicht Facebook die schnelle Einbindung von externen Informationen uber die „Share- Funktion". Das soziale Netzwerk verfugt damit uber eine Vielzahl von Tools, die ei­nen Austausch mit mehreren Personen effizient und unkompliziert gestalten.

4.3 Unabhangigkeit von raumlicher und zeitlicher Nutzung

Massenmedien haben sich vorwiegend in eine Richtung gewandelt. Die Diffusion des Inter­nets in den Alltag, hat dies geandert und die zuvor einseitige Kommunikation in eine interak- tive Kommunikation gewandelt. Heute ist die Wahl des Kommunikationsmediums weitaus praziser. Nachrichten werden von vielen an viele in Echtzeit gesendet, der Weg, aber auch der Ankunftszeitpunkt dieser kann frei gewahlt werden. Kommunikationsvorgange haben sich von der Mobilitat anderer Personen losgelost. Interpersonale Kommunikation, Massen- kommunikation und die Kommunikation eines Individuums mit der Masse losen sich nicht mehr gegenseitig ab, sondern koexistieren nebeneinander (vgl. Castells, 2009: 55). Diese Funktion nimmt Facebook ebenfalls im studentischen Alltag ein. Claudia befurwortet den Vorteil der Entgrenzung, da sie bestimmt, wann sie Nachrichten empfangt oder sie an ande- re Adressaten selbst sendet: „(...) wenn es zwei Uhr Nachts ist, dann kann man trotzdem auf

Facebook posten und die Anderen konnen halt antworten wann sie mochten“ (C:160-162). Dies macht sie in ihrer alltaglichen Kommunikation unabhangig und weitestgehend autonom. Lauras Nutzungsverhalten ist aufgrund des Besitzes eines Smartphone bereits in einem fort- geschrittenen Stadium. Sie ist nicht mehr wie Claudia auf eine ortsgebundene Internetver- bindung angewiesen, sondern kann jederzeit mobil auf das Internet zugreifen - vorausge- setzt, sie verfugt uber eine Internetflatrate. Diese mobile Unabhangigkeit ermoglicht es Lau­ra, sich oft zwischendurch unterwegs in ihren Account einzuloggen und „ofters noch mal kurz so guckt“ (L:37), ob es Neuigkeiten gibt. Laut der Facebook-Unternehmensseite greifen mehr als die Halfte aller monatlich aktiven Nutzer auf Facebook mobil zu. Angeblich sind die Leu- te, die Facebook auf ihren mobilen Geraten nutzen, doppelt so aktiv, wie die „nicht-mobilen" Mitglieder (vgl. Holzapfel/Holzapfel, 2011: 24). Es ist demnach nicht das Internet, welches eine kommunikative Basis bildet, sondern dessen Entwicklung und insbesondere der techni- sche Fortschritt der Endgerate, der fur die sich entwickelnden sozialen Netzwerke als vor- herrschende „Form von Soziabilitat" eine Grundlage bildet (vgl. Castells, 2005: 144).

4.4 Nutzungscharakteristika und Nutzungsgrunde von Facebook

Anhand der Medientagebucher und Interviews ist zu erkennen, dass Claudia und Laura die soziale Plattform sowohl fur private, als auch fur die berufliche (studentische) Kommunikation nutzen. In erster Linie stellt Facebook fur sie eine Kommunikationsplattform dar, um mit Freunden und Bekannten in Verbindung zu bleiben, insbesondere mit denen, die weiter ent- fernt wohnen, wie zum Beispiel Lauras Schwester, die gerade in Kanada ist. Doch auch „auf universitarer Ebene, also um Referate zu planen (...) und Projektarbeiten zu machen“ (L:16/17) dient die Onlinecommunity dem aktiven Austausch mit Kommilitonen. Das Netz- werk erleichtert die Vernetzung und simultane Kommunikation mit verschiedenen Personen. Obwohl Facebook heute eine „All-in-One-Anwendung" (Busemann/Gescheidle, 2009: 367) darstellt, sind zusatzliche Unterhaltungsfunktionen, wie Spiele oder Apps, fur die beiden Stu- dentinnen irrrelevant. Ihre meistgenutzten Tools sind die Nachrichten- und die Chatfunktion, die „Klassiker" unter den Kommunikationsfunktionen innerhalb Facebooks. Insbesondere bei Claudia ist ein habitualisiertes Kommunikationshandeln zu erkennen. Oft besteht ihre erste Medienhandlung am Tag darin, beim Fruhstuck „kurz nebenbei mal [zu]checken" (C:83), ob es bei Facebook Neuigkeiten gibt. Ihr Handeln unterliegt oftmals der Kontinuitat und Ge- wohnheit, da sie, wenn Sie am Laptop oder Notebook sitzt, haufig kurz online geht, „(...) um zu sehen, was es Neues gibt (...) und auch um zu uberprufen, ob ich neue Nachrichten von Anderen bekommen habe (...)“ (C:105-107). Claudia trennt ihr Kommunikationsverhalten mit verschiedenen Adressatengruppen auf Facebook nach der Tageszeit (vgl. Auswertung Me- dientagbuch Claudia).

[...]


1 Hierbei orientieren wir uns an der Einteilung klassischer Kommunikationsmedien des Bundesverband Digitate Wirtschaft, der beispielsweise Festnetztelefon, E-Mails und SMS als klassische Kommunikationsmittel in einer 2011 durchgefuhrten Studie bezeichnet: vgl. Bundesverband Digitale Wirtschaft. o.V, 2011.

2 Dies ist durch die Untersteiiung gepragt, dass Kommunikation heutzutage vor allem durch Technik zustande kommt.

3 Dieses Problem des Domestizierungsansatzes wird ebenfalls von Maren Hartmann diskutiert. Sie erkennt ein Problem in der Anwendung des Domestizierungsansatzes auf die neuen Medien und das Problem der Mobili- tat, welches diese mit sich bringen. Hartmann schlussfolgert, dass der Domestizierungsansatz auf die mediale Aneignung begrenzt werden muss, um neuen medialen Prozessen gerecht zu werden. Vgl. Hartmann, 2008: 413.

4 Das Internet wird durch Krotz bereits 1995 als elektronisch mediatisierter Kommunikationsraum bezeichnet. Da Facebook, genau wie das Internet, verschiedenste Kommunikationsmoglichkeiten vereint, soil es an dieser Stelle ebenfalls als ein mediatisierter Kommunikationsraum bezeichnet werden. Vgl. Krotz, 1995: 446.

5 Dies sind aktuelle Daten aus dem Facebook Newsroom (Pressebereich). Diese Daten sind jedoch vorsichtig zu verwenden, da sie von Unternehmensseite stammen und diese oft fur das Unternehmen positiv ausgelegt worden sind. Facebook gibt z.B. keine Angaben uber die jahrlichen Nutzer, die ihr Profil aus dem Netzwerk wieder loschen. Vgl. Facebook Newsroom, o.V., o.D.

6 Derzeit plant Facebook einen integrierten Kommunikationsdienst, der alle Nachrichten von E-Mail bis SMS integriert, vgl. Frickel, 2010.

7 An dieser Steiie wird untersteiit, dass die schriftiiche Dokumentation fur die zwei Probandinnen aufgrund ihres hohen Biidungsgrades gut zu bewaitigen war und die Methode kein zu hohes Anforderungsniveau an die Probanden gesteiit hat. Aufgrund des schon vorhandenen Vertrauensverhaitnisses zwischen den Autorinnen und den Probandinnen, existierte eine hohe Bereitschaft, auch sensibie Daten beim Fuhren des Tagebuches preiszugeben.

8 siehe Tabeiien der Auswertung der Medientagbucher auf den Seiten 33 und 55 im Anhang.

Ende der Leseprobe aus 79 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung von Facebook im Kommunikationshandeln von Studenten
Untertitel
Domestizierungsansatz und Mediatisierung in der der Medienforschung am Beispiel von Facebook
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg  (Kulturwissenschaften)
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
79
Katalognummer
V475290
ISBN (eBook)
9783668968684
ISBN (Buch)
9783668968691
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Qualitative Methoden, Medienforschung, Kommunikationsnetzwerke, Hepp, Domestizierung, Mediatisierung, Krotz, Qualitative Inhaltsanalyse, Qualitatives Interview
Arbeit zitieren
Juliane Wilson (Autor), 2012, Die Bedeutung von Facebook im Kommunikationshandeln von Studenten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/475290

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