Erste Gedanken an Finnland mögen sich um Skandinavien im Allgemeinen, eine ausgeprägte Seenlandschaft sowie Elche und vielleicht noch berühmte Rennfahrer im Besonderen drehen. Doch das Land im hohen Norden hat weit mehr zu bieten. Allein seine geografische Lage zwischen Ost (Russland) und West (Schweden, Norwegen) eine gute Grundlage für eine interessante politische Diskussion. In der vorliegenden Arbeit werde ich besonders die regionalen und lokalen Politikstrukturen in Finnland aufzeigen und beschreiben. Es geht in erster Linie darum, einen Überblick über die Besonderheiten des finnischen Systems auf regionaler Ebene zu geben. Eine spezielle Berücksichtigung wird dabei die Regionalreform in den 1990er Jahren erfahren. Beginnen werde ich zum besseren Verständnis der folgenden Ausführungen mit einem kurzen Überblick über die historische Entwicklung Finnlands als Teil des schwedischen Königreiches, später als autonomer Staat im Russischen Reich und schließlich als souveräner, unabhängiger Staat in Europa. Weiter soll die Neu-Gliederung Finnlands in Regionen und Provinzen veranscha ulicht werden, wobei eine genaue Klärung des Begriffs „Provinz“ einen kleinen zusätzlichen Anhang darstellen wird.
Die Neugestaltung der Provinzen bzw. die Regionalreform der 1990er Jahre ist Gegenstand des dritten Teils der Arbeit und befasst sich mit der Planung der Reform, ihren Zielen, der Neugründung von Provinzen/Regionen und der dazugehörigen neuen Aufgabenverteilung. Die Darstellung der Eigenverantwortlichkeit der neugeschaffenen Provinzen/ Regionen soll vor dem Hintergrund folgender Fragestellungen geschehen: Welche Bereiche müssen und dürfen von den Provinzen selbst entschieden werden und wie weit zieht sich der Zentralstaat aus den Provinzangelegenheiten zurück? Abschließen wird die Arbeit die Probleme sowie mögliche Vor- und Nachteile der Regionalreform versuchen aufzuzeigen. Angesichts der Fülle der Informationen und der gewissen Besonderheit des oben genannten Themas kann für die vorliegende Arbeit keinesfalls ein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gesellschaftlicher und historischer Hintergrund
3. Die finnischen Provinzen
3.1 Historischer Abriss über die Entwicklung der Provinzen
3.2 Die finnischen Provinzen vor der Regionalreform
3.3 Gründe für die Regionalreform in Finnland
4. Die Regionalreform
4.1 Aufgaben der neuen Provinzialverbände
4.2 Der erneute Zusammenschluss der Provinzen
4.3 Probleme der neuen Regionen
5. Fazit/Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die lokalen und regionalen Politikstrukturen in Finnland mit einem besonderen Fokus auf die umfassende Regionalreform der 1990er Jahre, um die Funktionsweise des finnischen Systems auf intermediärer Ebene zu beleuchten.
- Historische Entwicklung des finnischen Staates und der Verwaltungsstrukturen
- Analyse der Beweggründe für die finnische Regionalreform
- Aufgaben und Kompetenzen der neuen Provinzialverbände und Wirtschaftsregionen
- Herausforderungen und Problematiken im Zuge des regionalen Umbaus
- Rolle der kommunalen Selbstverwaltung im finnischen Staatsaufbau
Auszug aus dem Buch
3.1 Historischer Abriss über die Entwicklung der Provinzen
Finnland kann auf eine insgesamt sehr lange Tradition lokaler Autonomie und starker kommunaler Selbstverwaltung zurückblicken. Autor Wendelin Ettmayer macht es mit folgendem Zitat deutlich: „Wenn ein Land wie Finnland mit 5,1 Millionen Einwohnern 561.000 öffentliche Bedienstete hat, dann zeugt das von einer großen Verwaltungstradition.“
Eine erstmalige Aufteilung Finnland in Provinzen geschieht im 17. Jahrhundert durch den schwedischen Kanzler Alex Oxenstierna. Im Laufe des 18. Jahrhunderts wird die Einteilung den bestehenden Strukturen im schwedischen Königreich angepasst. Zu Grunde liegt dieser Gliederung die schwedische Verfassung von 1634, entsprechende Artikel werden nach der Unabhängigkeit in die finnische Verfassung übernommen.
Die Eingliederung in das schwedische Königreich geschieht als gleichberechtigtes Volk, was zur Folge hat, dass die Freiheit der finnischen Bauern erhalten bleibt und der Feudalismus in Finnland keine derartigen Ausprägungen annimmt wie in anderen europäischen Ländern. Die dauerhafte Freiheit und Selbständigkeit der finnischen Landbevölkerung führt zu einer „bäuerlichen Demokratie“, deren Wurzeln in der spontanen Organisation regionaler Zusammenarbeit der autonomen Kirchenspiele/Gemeinden liegen. Im Mittelalter bereits entstehen so erste überregionale Vertretungen, die schließlich zur Bildung des finnischen Landtages führten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert den Gegenstand der Untersuchung und führt in die Besonderheiten des finnischen politischen Systems sowie die geplante Regionalreform ein.
2. Gesellschaftlicher und historischer Hintergrund: Dieses Kapitel erläutert die historische Entwicklung Finnlands vom schwedischen Königreich über die Zeit als russisches Großfürstentum bis hin zur souveränen Republik.
3. Die finnischen Provinzen: Hier werden die historischen Ursprünge der Provinzstrukturen sowie die Situation vor der Reform und die zentralen Auslöser für den regionalen Umbruch analysiert.
4. Die Regionalreform: Dieses Hauptkapitel behandelt die konkrete Umsetzung der Reform, die Aufgaben der neuen Verbände und die Problematik der neuen regionalen Identität und Verwaltung.
5. Fazit/Zusammenfassung: Das Fazit bewertet die erzielten Ergebnisse und reflektiert über die Zukunftsfähigkeit der partnerschaftlichen Verhältnisse zwischen Staat, Regionen und Kommunen.
Schlüsselwörter
Finnland, Regionalreform, Politikstrukturen, Provinzialverbände, Kommunale Selbstverwaltung, Regionalplanung, Wirtschaftsregionen, Verwaltungsstruktur, Zentralstaat, Bürgerrechtsreformen, Konsensdemokratie, Skandinavien, NUTS-Regionen, Dezentralisierung, Staatsaufbau.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den lokalen und regionalen Politikstrukturen in Finnland und analysiert deren Entwicklung sowie die tiefgreifenden Reformen der 1990er Jahre.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die historische Verwaltungstradition, der Übergang zu neuen Wirtschaftsregionen und das Spannungsfeld zwischen zentralstaatlicher Steuerung und kommunaler Autonomie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, einen Überblick über die Besonderheiten des finnischen Systems auf regionaler Ebene zu geben und die Auswirkungen der Neugestaltung der Provinzen zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven Analyse unter Einbeziehung historischer Kontexte, gesetzlicher Rahmenbedingungen und politikwissenschaftlicher Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Einordnung, die Beschreibung der Reformschritte, die Aufgabenverteilung der neuen Behörden sowie eine kritische Auseinandersetzung mit den Problemen der neuen Regionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Regionalreform, Provinzialverbände, Finnland, kommunale Selbstverwaltung und Verwaltungsmodernisierung charakterisiert.
Warum wurde die Anzahl der Provinzen im Jahr 1997 reduziert?
Die Reduzierung von zwölf auf sechs Provinzen diente dem Bürokratieabbau, der Vereinfachung des Regierungsapparates und der Anerkennung als NUTS-2-Regionen gemäß EU-Vorgaben.
Welche Rolle spielen die Aland-Inseln in diesem System?
Die Aland-Inseln genießen aufgrund ihrer Geschichte, Sprache und Kultur einen autonomen Status mit weitgehenden Legislativ- und Selbstverwaltungsrechten, der sie von anderen finnischen Regionen unterscheidet.
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- Magistra Artium Antje Kahle (Author), 2004, Die lokalen und regionalen Politikstrukturen in Finnland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47533