Der Beginn der Inventarisation in Bayern


Seminararbeit, 2005

22 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Beginn der Inventarisation in Bayern
2.1 Die ersten Landbeschreibungen

3.2 Die Inventarisation rückt ans Licht
3.3 Georg Hager und seine Grundsätze der Inventarisation
3.4 Beispiele für die Inventarisation nach der Zeit Hagers

4. Zusammenfassung

5. Literaturverzeichnis

6. Abbildungen

7. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Das Aufnehmen eines Bestandes, womit die Inventarisation am Einfachsten übersetzt werden kann, ist uns heute in seinen frühen Formen schon seit dem zweiten Jahrhundert vor Christus bekannt. Auch wenn das Verständnis für eine Inventarisation, so wie wir den Begriff heute verwenden und verstehen, nicht genau übereinstimmend mit damals ist, so wussten doch einige wenige Menschen um ihre Kultur und deren Erhaltungswert für die Nachwelt. Der Historiker Pausanias beschreibt in seinem Führer über Griechenland[1] vor allem die Kunstwerke des Landes und ihrer damit verbundenen Mythologien.

Eine Weiterentwicklung erfährt diese Art der Inventarisation durch den visuellen Beitrag von Zeichnungen und Kupferstichen, in denen die Repräsentation des eigenen Hab und Gutes im Vordergrund stand und die selbst aber heute schon wieder als Inventare gelten, da sie uns tiefere Einblicke geben können, als wofür sie damals geschaffen wurden.

Nun inventarisieren wir Objekte um deren Existenz, ihren Erhaltungszustand und unsere eigene damit verbundene Kultur und Geschichte zu dokumentieren.

2. Der Beginn der Inventarisation in Bayern

2.1 Die ersten Landbeschreibungen

Die ersten Hinweise zu den Anfängen der Inventarisation können wir in den Bildtafeln von Philipp Apians aus der Mitte des 16. Jahrhunderts finden, die er im Auftrag des Herzogs Albrecht V. fertigte[2]. Der Grund für diese Arbeiten lag aber nicht in der Inventarisation der sich im Königreich befindlichen Denkmäler, vielmehr sollten die Tafeln die Reichsbesitzungen des Herzogs darstellen. Somit galt es als eine Landbeschreibung, welche die wichtigsten Baudenkmäler enthielt, in dem die Landkarten nicht die wesentliche Rolle spielten und nur den beigefügten Text besser veranschaulichen sollte. Des Weiteren sind zu nennen die gemalten bayrischen Städtebilder von Hans Thonauer, des ausgehenden 16. Jahrhunderts, die sich heute im Antiquarium der Residenz in München befinden[3], sowie die Kupferstiche des Matthäus Merian d. Ä. (1593-1650) (Abb.1).

Ein geschlossenes Werk von Abbildungen und dazugehörigen Text bildet der Churbayrische Atlas aus den Jahren von 1687 bis 1705 von Anton Wilhelm Ertl, auf den ich im folgenden etwas näher eingehen möchte, auch wenn er von Georg Lill selbst weniger beachtet und als nicht allzu bedeutend bezeichnet wurde[4]. Bei beiden Beispielen, sowohl Rosenheim, als auch Schrobenhausen, legt er in Aufzählungen und einfachen Sätzen dar, in welcher Region des Königreiches Bayerns sich der genannte Ort befindet, wie er sich dem Betrachter zeigt und aufgebaut ist und welche Gebäude zu den Ländereien gehören. So beschreibt er Rosenheim (Abb.2) mit den Worten: „ Ist ein stattlicher Marckt an dem Innstrom/ und hat ein Schloß auf einer Höhe. Ligt in Ober Bayern/ Bistthum Freising/ Rent-Amt München. Hat ein eigenes Churfürstliches Pfleggericht/ worinn 2. Schlösser/ 7. Adeliche Sitz/ 2. Hofmarckt/ samt viel anderen Dörfern und Gütern begriffen seyn. Es gibt allhier ein feines Capuciner-Kloster. Die Burgerschafft ist wol bey Mittlen/ und gibt es mit Wein grosses Gewerb allhier. Ist allhier gesund und lustig wohnen.[5]. Ertl hält in allen seinen Beschreibungen den gleichen Ablauf an Aufführungen ein. An einem weiteren ausgewählten Beispiel von Schrobenhausen (Abb.3), welches auch für andere Orte durchaus zutrifft, spiegelt sich trotz der kurz gehaltenen Abrisse auch die „blumige“ Sprache des Verfassers wieder: „ Ist ein hübsches Städtlein in Ober Bayern/ Bistthum Augspurg/ Rent-Amt München. Hat ein eigenes Pfleggericht/ worin 4. Schlösser/ 3. Adeliche Sitz/ 10. Hofmärkt/ und viel Dörfer und Güter begriffen seyn. Hat ein schöne Pfarrkirchen zu Sanct Jacob/ in welcher im Jahr 1629. zehn große Altäre gestanden. Es gibt in der Gegend herum viel Adeliche Schlösser. Das Land ist fruchtbar. Die Franciscaner haben ausser der Stadt ein sehr lustiges Klösterlein. Es gibt in der Stadt viel schöne Häuser und Gärten. Scheinet auch ein nahrsames Ort zu seyn: von dessen Alter nichts erfragen können.[6].

Nicht unerwähnt bleiben darf an dieser Stelle die Historicotopographica Descriptio von Michael Wening (1645-1718) aus dem ersten Dritten des 18. Jahrhunderts, deren Inhalt aber hauptsächlich die Sitze von Adel und Klöstern in den vier Rentämtern Kurbayerns aufzeigt[7] (Abb.4-6).

3.2 Die Inventarisation rückt ans Licht

Mit der Unterstützung von Seiten des Kurfürsten Maximilian Emanuel (reg. 1679-1726) wurde die Arbeit an einer Inventarisation der Baudenkmale zu einer öffentlichen Arbeit, die bald auch finanziell gefördert wurde. Die geschah mittels Fragebögen, die von den zuständigen Betreuern des Kurfürstentums, bezüglich vorhandener sakraler und öffentlicher Bauten bearbeitet werden sollten.

Erst unter Ludwig I.[8] setzten neue Bestrebungen zur Anlegung einer planmäßig handschriftlichen Topographie ein, womit das Königreich Bayern eine Verordnung vom 12. Januar des Jahres 1826 über den „Schutz der Befestigung alter Städte, deren Form nicht geändert werden sollten“[9] erhielt. Einen Zusatz erfolgte im November des gleichen Jahres über „Erhaltung öffentlicher unbeweglicher Einzelkunstwerke“[10]. Da diese Bemühungen zur Inventarisation nur mit wenigen Mitteln unterstützt und auch nur nebenamtlich von den Außenstellen betreut wurden, scheiterte die konkrete Durchführung recht bald.

Ab 1832 betreute Leo von Klenze[11] das Amt in der Obersten Baubehörde, welches sich ausschließlich um die Inventarisation zu kümmern hatte.

Im Folgenden soll nur ein kurzer Einblick in das Wirken von Leo von Klenze (1784-1864)gegeben werden. Klenze gilt heute als einer der bedeutendsten Architekten des Klassizismus und tat sich außerdem als Schriftsteller und Maler hervor. Zu seinen Werken als Hofarchitekt von König Ludwig I. von Bayern zählen die Glyptothek, die Alte Pinakothek, die Ruhmeshalle, sowie weitere Gebäude, welche er im Zuge der klassizistischen Umgestaltung Münchens erbaute. Ebenso zu erwähnen sind ist die Walhalla bei Regensburg, die Befreiungshalle bei Kelheim und die Neue Eremitage in St. Petersburg. Bei der Gesamtheit seines Werkes im Streben nach der modernen Renaissance griechischer Architektur blieb er nicht unumstritten.

In seinem schon erwähnten neuen Amt, schien er sich der Bedeutung über Denkmalsinventarisation nicht allzu bewusst zu sein. Er schaffte es erst drei lange Jahre nach seinem Amtsantritt eine Generalinspektion für plastische Denkmale des Mittelalters einzurichten, zu dessen Leiter er Johann Sulpiz Melchior Dominikus Boisserée ernannte. Dieser Architekt, dessen besonderer Augenmerk auf der Vollendung des Kölner Doms gerichtet war und als dessen Förderer er galt, lebte zwischen 1783 und 1854. Verantwortlich war er für „ein vollständiges, durch Pläne und Zeichnungen belegtes Verzeichnis aller plastischen Denkwürdigkeiten des Reiches herzustellen“[12], sowie für deren Erhaltung, was ihn nicht daran hinderte, mögliche zu bewegende Güter in Museen schaffen zu lassen. Dies spiegelte sich besonders in seiner eigenen lokalen Sammlung sakraler Kunstgegenstände wider. Sie umfasste fast 200 Werke, wurde 1827 an König Ludwig I. verkauft und nach fast 10 Jahren in der Alten Pinakothek in München ausgestellt.

Die Nachfolge des Leo von Klenze tritt der nicht minder umstrittene Friedrich von Gärtner im Jahre 1837 an. Dieser Friedrich Wilhelm Ritter von Gärtner lebte zwischen 1792 und 1847 und gilt als deutscher Architekt neben Leo von Klenze als bedeutendster Baumeister im Königreich Bayern unter der Herrschaft von Ludwig I..Als Sohn eines Architekten studierte er ebenfalls Architektur in Paris, München und Karlsruhe. Durch seine Studienreisen in Italien lernte er König kennen. Gärtner bekleidete zahlreiche hohe Ämter, wie das schon erwähnte, des Generalinspektors der historischen Bau- und Kunstdenkmale in Bayern, aber auch das des Direktors der Münchner Kunstakademie. In ersterer Funktion restaurierte er zahlreiche Bauwerke, wie die Dome zu Bamberg, Speyer und Regensburg.

1848, nach dem Regierungsende von Ludwig I., zog man in Betracht, die Generalinspektion für Inventarisation dem Ministerium für Kirchen- und Schulangelegenheiten anzugliedern. Woraufhin Stimmen laut wurden, die eine zentrale Aufsichtsbehörde forderten, sowie eine Verbindung der Volkskunde und der Inventarisation von Kunstdenkmälern.[13] Ungeachtet der Unterstützung von König Maximilian II. Joseph (reg. 1848-1864), der sich bekannter Weise nicht allzu sehr den politischem Geschäft widmete, sondern sich vielmehr auf die Förderung kultureller Projekte konzentrierte und München weiter zu einem Zentrum von Wissenschaft und Kunst ausbaute, fanden diese Ideen bei entsprechenden Ämtern keinen Zuspruch. Maximilian wiederum versuchte neue Ideen bezüglich der Inventarisation zu finden, indem er das Bayrische Nationalmuseum gründete. Daran knüpfte er die klaren Aufgaben der wissenschaftlichen Erforschung von Denkmälern, und nicht vergessen werden darf, der immer wieder unternommene Versuch die Fragebögen von Ortsansässigen und Fachunwissenden ausfüllen zulassen. Diese Aktionen ziehen sich bis in die 80er Jahre des 19. Jahrhunderts, in denen auch der tatsächliche Beginn der bayrischen Inventarisation liegt – was wir heute darunter verstehen.

Dem „Verein der Bayrischen Architekten und Ingenieure“ gelang es 1881 dem Staatsministerium den Vorschlag zu unterbreiten, selbst eine Inventarisation vorhandener Baudenkmäler durchzuführen, in tabellarischer Form, welche an die Gemeindeverwaltungen zu schicken waren, und vom Verein später dann ausgewertet werden sollten. Darunter waren auch Georg Friedrich Seidel und Gustav von Bezold, die anlässlich der großen Resonanz ausgefüllter Formulare, die Denkschrift „Ueber die Inventarisation der Baudenkmäler Bayerns“[14] verfassten, worin sie sich um dem Versuch bemühten, Grundsätze zur Konkretisierung von Inventarisationen zusammenzustellen.

[...]


[1] Perigesis tas Hellados

[2] Wolfram Lübbeke, Georg Hager. Zur Geschichte der Inventarisation und ihrer Grundsätze. In: Tilmann Breuer, Denkmalinventarisation in Bayern. Anfänge und Perspektiven, Arbeitsheft 9, Bayrisches Landesamt für Denkmalpflege, München 1981, S. 13

[3] Die zwischen 1588 und 1600 entstandenen Werke fasste er in den Topographia Bavaria zusammen. Georg Lill, Die Geschichte der Inventarisation der Kunstdenkmale in Bayern. In: Deutsche Kunst und Denkmalpflege 11 (1937), S. 191

[4] ders., S. 191

[5] Anton Wilhelm Ertl, Churbayrischer Atlas, Nürnberg 1687, S. 154

[6] Anton Wilhelm Ertl, Churbayrischer Atlas, Nürnberg 1687, S. 160

[7] Wolfram Lübbeke, Georg Hager. Zur Geschichte der bayrischen Inventarisation und ihrer Grundsätze. In: Tilmann Breuer, Denkmalinventarisation in Bayern. Anfänge und Perspektiven, Arbeitsheft 9, Bayrischen Landesamt für Denkmalpflege, München 1981, S. 13

[8] Ludwig I. von Bayern lebte vom 25. August 1786 – 29. Februar 1868 und regierte zwischen 1825 und 1848. Unter seiner Regentschaft wird München zu einer auch im Ausland angesehenen Stadt der Künste. Indem er bauliche Umgestaltungen vornehmen ließ, erschien München fortan in einem klassizistischen Gewand. Siehe: wikipedia

[9] Wolfram Lübbeke, Georg Hager. Zur Geschichte der Inventarisation und ihrer Grundsätze. In: Tilmann Breuer, Denkmalinventarisation in Bayern. Anfänge und Perspektiven, Arbeitsheft 9, Bayrisches Landesamt für Denkmalpflege, München 1981, S. 14

[10] ders., S. 14

[11] sein Geburtsname ist: Franz Karl Leopold von Klenze

[12] Wolfram Lübbeke, Georg Hager. Zur Geschichte der Inventarisation und ihrer Grundsätze. In: Tilmann Breuer, Denkmalinventarisation in Bayern. Anfänge und Perspektiven, Arbeitsheft 9, Bayrisches Landesamt für Denkmalpflege, München 1981, S. 15

[13] Wolfram Lübbeke, Georg Hager. Zur Geschichte der bayrischen Inventarisation und ihrer Grundsätze. In: Tilmann Breuer, Denkmalinventarisation in Bayern. Anfänge und Perspektiven, Arbeitsheft 9, Bayrisches Landesamt für Denkmalpflege, München 1981, S. 15

[14] Wolfram Lübbeke, Georg Hager. Zur Geschichte der bayrischen Inventarisation und ihrer Grundsätze. In: Tilmann Breuer, Denkmalinventarisation in Bayern. Anfänge und Perspektiven, Arbeitsheft 9, Bayrisches Landesamt für Denkmalpflege, München 1981, S.19

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Details

Titel
Der Beginn der Inventarisation in Bayern
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg  (Institut für Archäologie, Bauforschung und Denkmalpflege)
Veranstaltung
PS Die Geschichte der Inventarisation in der Denkmalpflege
Note
2,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
22
Katalognummer
V47551
ISBN (eBook)
9783638444743
Dateigröße
7705 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
12 Seiten Hausarbeit plus Anhang
Schlagworte
Beginn, Inventarisation, Bayern, Geschichte, Inventarisation, Denkmalpflege
Arbeit zitieren
Susanne Weiß (Autor:in), 2005, Der Beginn der Inventarisation in Bayern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47551

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