Stadt im Bauernkrieg. Die Reformation am Beispiel von Memmingen


Seminararbeit, 2005

15 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkung

1. Die Stadt zu Beginn der Reformation
1.1 Der ökonomisch-rechtliche Faktor
1.2 Der kommunikative Faktor
1.3 Der bürgerlich-religiöse Faktor

2. Die Vorkommnisse in Memmingen
2.1 Die Bürger Memmingens als erste Kraft
2.2 Die Landschaft als zweite Kraft
2.3 Die Bauern der Christlichen Vereinigung als dritte Kraft

Schlußbemerkung

Literaturverzeichnis

Vorbemerkung

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, zu zeigen, daß die Städte nicht nur unbeteiligte Beobachter des Ereignisses, das in der Geschichtsforschung als Bauernkrieg eingegangen ist, unter neueren Gesichtpunkten aber als Revolution des Gemeinen Mannes bezeichnet wird, waren oder Rückzugsgebiete der Haufen, sondern durch ihre innerstädtische Situation, den gedanklichen Hintergrund ihrer Bürger und die Einstellung zur Religion im Ausgang des Mittelalters die Reformation und das Selbstbewußtsein, gegen Mißstände aufzubegehren, begünstigte. Zu diesem Zwecke erscheint es mir sinnvoll, die Situation der Stadt einführend, möglichst allgemeingültig, zu beleuchten. Hierbei bot die Arbeit von Sven Tode den Hintergrund meiner Ausführungen. Anhand des Beispiels Memmingen erörtere ich dann in den Kapiteln 2-3 exemplarisch den Verlauf des Bauernkrieges und zeige auf, wie sich gerade die städtische Situation in den Zwölf Artikeln, welche in Memmingen verfaßt wurden, wiederfindet.

Insbesondere der erste Teil meiner Arbeit kann keinesfalls einen allgemeingültigen Überblick über die Situation in den Städten bieten, weil die individuellen Faktoren zu zahlreich sind. Dieses Ziel kann also nur annäherungsweise erreicht werden. Der Teil über die Entwicklung der Reformation und Revolution in Memmingen erstreckt sich über den Zeitraum der ersten Autonomiebestrebungen des Memminger Rates im Bezug auf kirchliche Belange, bis hin zu der Ausarbeitung der Zwölf Artikel durch die Christliche Vereinigung. Insbesondere hier versuche ich zu verdeutlichen, wie sehr der Sonderweg Memmingens in der Revolution die Entstehung der Zwölf Artikel, die bekanntermaßen nicht auf Initiative der Memminger Bürger und Bauern entstanden sind, förderte. Spätere revolutionäre Bestrebungen und reformatorische Entwicklungen lasse ich außer acht, weil sie m. E. nicht direkt auf die städtische Situation im Ausgang des Mittelalters zurückzuführen sind, sondern vielmehr als Rückwirkung der Revolution auf die Situation in Memmingen gesehen werden müssen.

1. Die Stadt zu Beginn der Reformation

Der Stadtbegriff im 16. Jahrhundert ist nicht klar definiert, da sich die Strukturen, Funktionen und ökonomischen Rahmenbedingungen beim Vergleich der Städte untereinander so voneinander unterscheiden, daß die Merkmale einer Stadt nur bedingt verallgemeinert werden können.[1] Es läßt sich jedoch eine grobe Einteilung der Städte in Reichs- und Freie Städte, die nicht dem Landesfürsten, sondern unmittelbar dem Kaiser unterstanden, und den Landstädten, die dem Landesherren, in der Regel dem Fürsten, unterstanden, vornehmen. Wichtig für die Rahmenbedingungen und die Ausbreitung der Reformation sind die Reichsstädte.

Im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gab es ungefähr 4000 Städte.[2] Nur etwa 85 Städte waren Reichsstädte, die zudem nicht gleichmäßig über das gesamte Reich verteilt waren, sondern sich vielmehr in den ehemaligen stauferischen Stammlanden befanden.[3] So findet man eine Häufung der Reichsstädte am Rhein, in Schwaben und in Franken. Auch ist eine Stadt dieser Zeit nicht mit einer heutigen vergleichbar, da etwa 90%- 95% von ihnen weniger als 500 Einwohner hatten.[4] Man spricht hier von Ackerbürgerstädten.

Im 16. Jahrhundert kam es zu einer Veränderung des Stadt-Land-Verhältnisses, wodurch die Reformation erst ermöglicht und die Revolution des gemeinen Mannes begünstigt wurde.

Hierbei zeichnen sich drei Kräfte ab, die man grob in den ökonomisch-rechtlichen, den kommunikativen und den bürgerlich-religiösen Faktor einteilen kann. Im Folgenden soll näher auf diese Faktoren eingegangen werden.

1.1 Der ökonomisch-rechtliche Faktor

Eine große Veränderung im wirtschaftlichen Leben der Bauern entstand durch den Wegfall des Tauschhandels.[5] Die Bauern waren nun, um ihre Abgaben leisten zu können, gezwungen ihre Überproduktion dort anzubieten, wo das Kapital war, nämlich in den Städten, die das Recht hatten, Markt abzuhalten.[6] Sie hatten erstmals in der Geschichte dadurch wenigstens potentiell die Möglichkeit, gleichzeitig war es aber auch eine Notwendigkeit, über ihren Bedarf hinaus zu produzieren und dadurch Besitz zu schaffen.[7]

Gleichzeitig mit dem Drang der Bauern in die Städte, nahm auch der Einfluß des städtischen Herrschaftsbereiches auf dem Land zu. Immer mehr Bürger investierten in Landbesitz, den Hintersassen und Landpächter bewirtschafteten.[8] Es entstand eine Machtverschiebung, da durch bürgerlichen Besitz mittelbar städtische Herrschaft auf dem Land ausgeübt werden konnte. Die auf den ersten Blick günstige Möglichkeit, durch die Veräußerung auf dem Markt, Profit aus einer möglichen Überproduktion zu ziehen, stellt sich bei genauerer Betrachtung als Zwang für die Bauern dar, in den Städten Absatzmärkte aufzutun, um mit den dort erwobenen Geldmitteln die stetig steigenden finanziellen Belastungen ausgleichen zu können. Diese Belastungen ergaben sich aus den Feudalabgaben an den Landesherren, Donaten an die Kirche und gegebenenfalls Abgaben an ein Kloster oder den jeweiligen Grundbesitzer. In den seltensten Fällen war ein Bauer auch der Eigentümer des Landes, das er bewirtschaftete.

Neben dem Zwang in die Städte zu ziehen, standen die Bauern in Konkurrenz zu den Klöstern, die selbst produzierten, jedoch von Feudalabgaben ausgenommen waren und auch keiner Produktionspflicht unterlagen;[9] deshalb konnten sie wesentlich günstiger produzieren. Darüber hinaus wurden die Allmendenutzungsrechte eingeschränkt. Ebenso Fischerei-, Jagd- und Holzeinschlagsrechte. Der größte Teil des Abgabenaufkommens lag also bei einer der ohnehin ärmsten Schichten der Bevölkerung, den Bauern.

Aber nicht nur für die Bauern entstand plötzlich Konkurrenz, sondern auch für die Städte untereinander. Nach dem Zusammenbruch der Hanse[10] und der Verlagerung der Handelswege von Westen nach Osten drängten die ehemaligen Fernhandelsstädte mehr und mehr auf den regionalen Markt, der allerdings größtenteils schon von anderen Städten belegt war.

Ein weiterer Aspekt ist die politische Konkurrenz innerhalb der Stadt. Der Rat war in allen weltlichen Fragen der Souverän der Stadt.[11] Eingeschränkt wurde diese Souveränität durch die Sonderrechte der Kleriker.[12] So wurde beispielsweise das Pontifikatsrecht – also das Recht den Pfarrer zu bestimmen - zum Machtinstrument, da hier von außen massiv in die Stadtpolitik eingegriffen werden konnte. Der Pfarrer war in der städtischen Gemeinschaft immerhin ein Meinungsbildner, der gerade durch die Auslegung der Heiligen Schrift die Reformation begünstigen oder behindern konnte.

[...]


[1] Siehe dazu auch: Tode, Sven: Stadt im Bauernkrieg 1525. Strukturanalytische Untersuchungen zur Stadt im raum anhand der Beispiele Erfurt, Mühlhausen/Thür., Langensalza und Thamsbrück. Frankfurt a. M. 1994, S. 16.

[2] Tode, Sven: Stadt im Bauernkrieg 1525. S. 48.

[3] Nach Hamm hatte das überwiegend agrarische Deutschland um 1500 eine große Städtedichte im Süden, in der Mittelzone und im Westen des Reiches aufzuweisen. Dabei waren ca. 94,5 % Kleinstädte (mit bis zu 2000 Einwohnern). Memmingen zählte nach Hamm zu den Mittelstädten. Gerade diese seien es, die oft geistig-kulturelle Zentren mit Führungsanspruch ausbilden konnten. (S. 20-22).

[4] Tode legt hier andere Einstufungen und Berechnungen zugrunde als Hamm. Vergleiche: Hamm, Berndt: Bürgertum und Glaube. Konturen der städtischen Reformation. Göttingen 1996, S. 21

[5] Tode, Sven: Stadt im Bauernkrieg 1525. S. 64.

[6] Tode, Sven: Stadt im Bauernkrieg 1525. S. 64.

[7] Berndt Hamm betont, daß eben durch die veränderten Umstände spezifisch ethische Probleme entstanden, z. B. Wucher, Habgier und Geiz, die als Gegenreaktion ein neues typisch städtisches Armutsideal prägten (S. 31-36). Insgesamt verbreitete sich das Gefühl eines beschleunigten Lebensrhythmusses und Gedankenaustausches.

[8] Tode, Sven: Stadt im Bauernkrieg 1525. S. 66.

[9] Tode, Sven: Stadt im Bauernkrieg 1525. S. 70.

[10] Tode, Sven: Stadt im Bauernkrieg 1525. S. 69.

[11] Vergleiche: Tode, Sven: Stadt im Bauernkrieg 1525. S. 74.

[12] Vergleiche: Tode, Sven: Stadt im Bauernkrieg 1525. S. 74.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Stadt im Bauernkrieg. Die Reformation am Beispiel von Memmingen
Hochschule
Universität Trier
Veranstaltung
Europa im Zeitalter Karl V.
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
15
Katalognummer
V47561
ISBN (eBook)
9783638444835
ISBN (Buch)
9783656871606
Dateigröße
382 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stadt, Bauernkrieg, Reformation, Beispiel, Memmingen, Europa, Zeitalter, Karl
Arbeit zitieren
Patrick Mai (Autor), 2005, Stadt im Bauernkrieg. Die Reformation am Beispiel von Memmingen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47561

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