Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, auf der Grundlage der Artusromane Erec und Iwein von Hartmann von Aue die Figur des Ritters Gawein als idealisierte Ritterfigur herauszustellen. Dazu halte ich es für notwendig, zunächst auf die Entstehung des Rittertums im 10. Jahrhundert und seine Weiterentwicklung zum Träger eines umfassenden idealisierten Wertesystem im 12. - 13. Jahrhundert einzugehen und in die Wertevorstellungen dieser Zeit einzuführen, um klären zu können, was einen idealen Ritter ausmacht und inwieweit diese Eigenschaften sich in der Figur des Gawein widerspiegeln.
Darüber hinaus möchte ich in meinem letzten Punkt die Funktion Gaweins für den Verlauf der Handlung in den beiden Romanen Erec und Iwein beschreiben.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die Anfänge des Rittertums
2. Die Typen des Rittertums
2.1. Der religiöse Typus
2.2. Der „romantische“ Typus
2.3. Der feudale Typus
3. Die Figur des Ritters Gawein bei Hartmann von Aue
3.1. Gawein im Erec
3.2. Gawein im Iwein
Schluß
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, die literarische Figur des Ritters Gawein in Hartmann von Aues Artusromanen Erec und Iwein als Exponenten eines idealisierten Rittertums zu analysieren und seine spezifische Funktion für die Handlungsentwicklung der Protagonisten aufzuzeigen.
- Historische Herleitung des Rittertums im 10. Jahrhundert
- Differenzierung der ritterlichen Idealtypen (religiös, romantisch, feudal) nach Sidney Painter
- Untersuchung der statischen Charakterzüge Gaweins als Tugend-Platzhalter
- Analyse der Rolle Gaweins im Erec als Maßstab für ritterliches Verhalten
- Funktion Gaweins im Iwein als aktiver Handlungsträger und Mahner
Auszug aus dem Buch
3.1. Gawein im Erec
Es ist anzunehmen, daß Hartmann von Aue in seinem verschollenen Anfang des Erec, wie auch im Iwein in den Personenkreis des Artushofs einführte. Trotz dieser fehlenden Einführung, läßt sich über Gawein sagen, daß er vor allem ein Ritter des feudalen Typs ist, wie in den weiteren Ausführungen zu sehen sein wird. Es lassen sich aber auch Merkmale der beiden anderen Typen bei ihm finden. Im Erec beschränken sich allerdings die tugendhaften Verhaltensweisen auf das grundlegende Ideal des feudalen Rittertums: Loyalität.
Seine Loyalität zeigt sich besonders, als ihm von Artus aufgetragen wird, Erec zu suchen. Er trifft ihn an, aber als Erec von der Bitte des Königs, zu Hofe zu reiten erfährt, lehnt er ab. Da Gawein aber seinen Auftrag erledigen muß, wendet er eine List an, die es ihm erlaubt, sich Artus und Erec gegenüber ehrenhaft zu verhalten.
„heiz inz rûmen von dan dâ er lît in dem walde, und daz er sich balde vür mach? ûf den wec dâ der ritter Êrec jenhalp ûz rîtten sol. die wîle kann ich wol ûf dem wege mit listen gesûmen und gevristen daz er niht vür enkumt.“
Er akzeptiert scheinbar die Entscheidung Erecs, den König nicht zu treffen, Artus aber bringt er auf einen Weg, auf dem er zwangsläufig Erec begegnen muß. Diese List ermöglicht es ihm, seinen Auftrag auszuführen und sich damit loyal gegenüber seinem Herrn zu verhalten. Er stellt seinen Auftrag über seine Freundschaft, aber ohne diese zu verraten.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Definition des Ziels, die Figur Gawein als idealisierten Ritter in Hartmanns Romanen anhand der historischen Entwicklung des Rittertums zu untersuchen.
1. Die Anfänge des Rittertums: Darstellung der historischen Entstehung des Rittertums im 10. Jahrhundert als elitäre Gruppe, basierend auf Grundbesitz und Lehnsrecht.
2. Die Typen des Rittertums: Theoretische Kategorisierung in einen religiösen, einen romantischen und einen feudalen Typus zur besseren literaturwissenschaftlichen Einordnung.
2.1. Der religiöse Typus: Fokus auf den Dienst für Gott und den Schutz der Schwachen, maßgeblich geprägt durch die Kreuzzüge.
2.2. Der „romantische“ Typus: Beschreibung des Ideals der höfischen Liebe und der prägenden Rolle der Frauen bei der Entwicklung ritterlicher Tugenden.
2.3. Der feudale Typus: Untersuchung des Ritter-Ideals als perfekter Vasall, dessen primäre Tugenden Loyalität, Stärke und Kühnheit sind.
3. Die Figur des Ritters Gawein bei Hartmann von Aue: Einführung Gaweins als statische, in fast jedem Artusroman präsente Exponent der Ritterwürde ohne individuelle Entwicklung.
3.1. Gawein im Erec: Analyse von Gaweins Funktion als loyaler „Maßstab“ für andere Ritter, der seine Pflichten durch List erfüllt.
3.2. Gawein im Iwein: Untersuchung der aktiven Teilnahme Gaweins am Geschehen und seine Rolle als Mahner, der Iwein vor ritterlichem Versagen bewahren will.
Schluß: Fazit über die geringe Forschungsliteratur zu Gawein in Hartmanns Werken und der Wunsch nach zukünftiger spezifischerer Analyse.
Schlüsselwörter
Gawein, Hartmann von Aue, Erec, Iwein, Artusroman, Rittertum, Feudalismus, Höfische Liebe, Tugendkatalog, Loyalität, Mittelalter, Literaturwissenschaft, Idealbild, Vasallentum, Aventiure
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der literarischen Figur des Ritters Gawein in den beiden Romanen „Erec“ und „Iwein“ von Hartmann von Aue.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die historische Entstehung des Rittertums, die Differenzierung verschiedener ritterlicher Idealtypen und deren Anwendung auf die literarische Darstellung des Gawein.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Untersuchung zielt darauf ab herauszufinden, was einen idealen Ritter nach damaligem Verständnis ausmacht und inwieweit diese Eigenschaften durch die Figur des Gawein verkörpert werden.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Untersuchung, die historische Kontextualisierung mit einer Textanalyse der Artusromane kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Herleitung, die Typologie des Rittertums nach Sidney Painter und die spezifische Analyse von Gaweins Charakter und Handeln in „Erec“ und „Iwein“.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Rittertum, Feudalismus, Tugendkatalog, Minnedienst, Loyalität und die literarische Funktion der Figur.
Warum wird Gawein im Erec als „statische Gestalt“ bezeichnet?
Gawein zeigt keine charakterliche Weiterentwicklung im Roman; er fungiert eher als fester Platzhalter für ritterliche Ideale, an denen andere Helden gemessen werden können.
Welche Rolle spielt die „List“ bei Gaweins Handeln im Erec?
Gawein wendet eine List an, um seinen Auftrag von Artus zu erfüllen und gleichzeitig gegenüber Erec loyal zu bleiben, ohne einen Konflikt oder Verrat an der Freundschaft zu riskieren.
Warum kritisiert der Autor Hartmanns Darstellung im Iwein-Kontext?
Der Autor hinterfragt, warum Hartmann eine bisher untadelige Figur wie Gawein in eine moralisch zweifelhafte Situation – den Kampf gegen Iwein – bringt, und diskutiert dies als bewusste Handlungsführung.
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- Patrick Mai (Author), 2004, Gawein, der ideale Ritter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47562