Öffentliche Regulierung ermöglicht es bei offensichtlich vorliegenden Marktversagen aktiv in Marktprozesse und in das Wirtschaftsgeschehen einzugreifen.
Gestörte Marktstrukturen können beispielsweise vorliegen, wenn die gesamte Produktion eines Marktes durch ein einziges Unternehmen zu geringeren Kosten herstellbar ist, als durch zwei oder mehrere Unternehmen (natürliches Monopol).
Versorgungsunternehmen (Gas, Wasser, Strom, Fernwärme), Transportunternehmen (Eisenbahn, Spedition) sowie Post- und Telekommunikationsunternehmen sind klassische Bespiele für natürliche Monopolunternehmen.
Unternehmen mit natürlichen Monopolstrukturen haben keinen Anreiz wohlfahrtsmaximal zu produzieren, da sie durch das Setzen eines höheren Preises verbunden mit einer geringeren Ausbringungsmenge ihren Gewinn (sog. Monopolgewinn) maximieren können – im Vergleich zur Wettbewerbssituation, in der immer wohlfahrtsmaximal produziert wird, d.h. in der der Preis den Grenzkosten entspricht. Verlangt ein mit anderen Unternehmen direkt im Wettbewerb stehendes Unternehmen einen höheren Preis, so verliert es die Nachfrage und scheidet aus dem Markt aus.
Ziel der Regulierungsinstanzen ist es, das gewinnmaximale Verhalten des Monopolisten zu unterbinden und den daraus resultierenden Wohlfahrtsverlust zu minimieren. Nicht die Produzentenrente sondern die Maximierung der Konsumentenrente steht im Vordergrund der Regulierungstätigkeit.
Welche Möglichkeiten bestehen für die Regulierungsinstanz das angesprochene Ziel (Korrektur des Marktversagens) zu erreichen? Welche strategischen Verhaltensweisen der regulierten Unternehmen lassen sich dabei beobachten?
Für die Durchführung dieser Aufgabe stehen der Regulierungsinstanz diverse Regulierungsmethoden zur Verfügung.
Eine Möglichkeit der Regulierung ist der Einsatz kostenbasierter Regulierungsmethoden, wie zum Beispiel die in Amerika übliche Rentabilitätsregulierung. Der Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit liegt auf der ihrer Wirkungen. Insbesondere werden die strategischen Verhaltensanreize, die sich für das regulierte Unternehmen ergeben, untersucht.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischen Grundlagen
2.1 Natürliches Monopol
2.2 Preisbildung im natürlichen Monopol
2.3 Regulierung
2.3.1 Begriffsdefinition
2.3.2 Regulierungsziele und -methoden
3 Methoden der kostenbasierten Regulierung
3.1 Einführung
3.2 Rentabilitätsregulierung
3.3 Kostenzuschlagsregulierung
3.4 Weitere ausgewählte Methoden
4 Wirkung der Rentabilitätsregulierung – Averch-Johnson-Modell
4.1 Einführung
4.2 Auswirkung unterschiedlicher erlaubter Renditen auf das Verhalten regulierter Unternehmen
4.3 kritische Betrachtung sowie Erweiterungsansätze
5 Ergebnisse
5.1 Strategische Verhaltensanreize für regulierte Unternehmen
5.2 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Effektivität kostenbasierter Regulierungsmethoden bei natürlichen Monopolen. Ziel ist es, die strategischen Anreize zu analysieren, die sich für Unternehmen unter Rentabilitätsregulierung ergeben, und dabei insbesondere den durch das Averch-Johnson-Modell beschriebenen ineffizienten Input-Einsatz zu bewerten.
- Analyse natürlicher Monopolstrukturen und deren Preisbildung.
- Untersuchung klassischer kostenbasierter Regulierungsansätze wie Rentabilitäts- und Kostenzuschlagsregulierung.
- Anwendung des Averch-Johnson-Modells zur Erklärung des Unternehmensverhaltens unter Renditebeschränkung.
- Diskussion von Innovationsanreizen und Quersubventionierung bei regulierten Unternehmen.
- Ausblick auf alternative Regulierungsmechanismen wie die Price-Cap-Regulierung.
Auszug aus dem Buch
4 Wirkung der Rentabilitätsregulierung – Averch-Johnson-Modell
Mit Hilfe des Averch-Johnson-Modells wird das Verhalten eines Monopolisten analysiert, der einer Rentabilitätsregulierung unterliegt.
Als Ergebnis des Averch-Johnson-Modells lässt sich festhalten, dass die Ertragsbeschränkung zu einem ineffizienten Inputmix, genauer zu einer Überkapitalisierung seitens des regulierten Unternehmens führt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Marktversagens bei natürlichen Monopolen ein und skizziert die Notwendigkeit sowie die Zielsetzung der Regulierungstätigkeit.
2 Theoretischen Grundlagen: Hier werden die Begriffe natürliches Monopol und Regulierung definiert und die Preisbildung unregulierter Monopolisten hergeleitet.
3 Methoden der kostenbasierten Regulierung: Dieses Kapitel stellt klassische Verfahren wie die Rentabilitäts- und Kostenzuschlagsregulierung vor und diskutiert deren statische Natur.
4 Wirkung der Rentabilitätsregulierung – Averch-Johnson-Modell: Der Fokus liegt auf der Analyse der Anreizstrukturen für regulierte Unternehmen, wobei insbesondere die Überkapitalisierung thematisiert wird.
5 Ergebnisse: Abschließend werden die strategischen Verhaltensanreize, wie Innovationshemmung und Quersubventionierung, bewertet und ein Ausblick auf modernere Ansätze gegeben.
Schlüsselwörter
Regulierung, natürliches Monopol, Rentabilitätsregulierung, Averch-Johnson-Modell, Kostenfunktion, Wohlfahrtsverlust, Inputmix, Überkapitalisierung, First-Best, Second-Best, Innovationsanreize, Quersubventionierung, Preisbildung, Markteintrittsbarrieren, Regulatory Lag.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den theoretischen Grundlagen und praktischen Auswirkungen kostenbasierter Regulierungsmechanismen, insbesondere bei natürlichen Monopolen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Preisbildung in Monopolen, die Funktionsweise der Rentabilitätsregulierung sowie das daraus resultierende strategische Verhalten der regulierten Unternehmen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu analysieren, wie Regulierungsinstanzen Anreize setzen können, um Marktversagen zu korrigieren, und welche unbeabsichtigten negativen Konsequenzen dabei entstehen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und nutzt insbesondere das Averch-Johnson-Modell zur modelltheoretischen Erklärung der Auswirkungen einer Renditebeschränkung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Methoden, die detaillierte Analyse der Rentabilitätsregulierung mittels des Averch-Johnson-Modells sowie die kritische Betrachtung strategischer Anreize.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Regulierung, natürliches Monopol, Rentabilitätsregulierung, Averch-Johnson-Modell und Wohlfahrtsverlust sind die definierenden Begriffe.
Warum führt die Rentabilitätsregulierung zu einem ineffizienten Inputmix?
Unternehmen haben den Anreiz, ihre Kapitalbasis künstlich aufzublähen, um bei einer festen erlaubten Rendite den absoluten Gewinn zu maximieren, was zu Überkapitalisierung führt.
Welche Rolle spielt die Informationsasymmetrie bei der Regulierung?
Da die Regulierungsinstanz oft nicht vollständig über die tatsächliche Kostenstruktur des Unternehmens informiert ist, kann sie keine optimalen, wohlfahrtsmaximierenden Anreize setzen.
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- Thorben Wicht (Author), 2004, Regulierungsmechanismen - kostenbasierte Regulierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47637