Was ist, wenn das Vergessen zum Alltag wird? Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Anwendung des Marte Meo Konzeptes in der Betreuung von Menschen mit Demenz. Diese Krankheit verändert das Leben der Betroffenen sowie der Angehörigen massiv. Das Marte Meo Konzept ist ein Arbeitsmodell, mit dem weltweit, gegenwärtig in über 40 Ländern- in verschiedensten Projekten mit Erfolg gearbeitet wird und das zunehmend auch wissenschaftlich evaluiert wird. Der Sitz des internationalen Netzwerks ist Eindhoven, Niederlande.
Sie gehört zu den bekanntesten videobasierten Beratungs- und Coachingmethoden und wird seit mehreren Jahren auch in der Betreuung und Pflege von demenzerkrankten Menschen genutzt. Bei der Marte-Meo-Arbeit werden Alltagssituationen gefilmt, in denen Probleme zum Beispiel mit einem Menschen mit Demenz erwartet werden oder auftauchen. Damit rücken konkrete Alltagssituationen in das gemeinsame Blickfeld. Diese bilden die Grundlage der Beratung- und Coachingarbeit mit Marte Meo.
Das Marte Meo Konzept zeichnet sich durch Vermittlung von Informationen über Videobilder mit einfachen Worten aus und dem daran anschließenden handlungsorientiertes Umsetzen von "Übungsschritten" im Beratungsprozess. Marte Meo ist ein Video-Beratungs-Konzept und versteht sich als ressourcenorientiertes Programm zur Entwicklungsunterstützung mit der Methode der Videointeraktionsanalyse. Der Schwerpunkt liegt auf der Einübung von natürlichem kommunikativem Verhalten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Vorstellung des Marte Meo Konzeptes
2. Zielsetzung
3. Methodisches Vorgehen
4. Demenz aus medizinischer Sicht
4.1. Pflege von Menschen mit Demenz
5. Umsetzung von Marte Meo und Betreuung von Demenz Patienten
5.1 Salutogenese: eine Orientierung für unterstützende Hilfen
5.2 Fallbeispiel
6. Evaluation
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, das Marte Meo Konzept im Kontext der Betreuung von Menschen mit Demenz vorzustellen und die Möglichkeiten einer systematischen, ressourcenorientierten Unterstützung in der Pflege aufzuzeigen. Dabei wird insbesondere die Forschungsfrage untersucht, inwiefern Marte Meo einen sinnvollen Beitrag zur Bewältigung des Pflegealltags leisten und das Wohlbefinden der Betroffenen sowie die Arbeitszufriedenheit des Pflegepersonals steigern kann.
- Grundlagen des Marte Meo Konzepts und der Videointeraktionsanalyse
- Medizinische und pflegerische Aspekte der Demenzerkrankung
- Anwendung des "Folgens" und "Leitens" in der Betreuung
- Integration der Salutogenese als Leitperspektive
- Praktische Fallanalyse zur Mobilisation von Patienten
- Wissenschaftliche Evaluation der Wirksamkeit
Auszug aus dem Buch
5.2. Fallbeispiel
Die nachstehende Fallberichtet gibt ein Einblick der Arbeit mit demenzbetroffenen Patienten. Die Grundlage diese Bericht aus der praktischen Arbeit mit Marte Meo ist zumeist Arbeiten, die anlässlich der Zertifizierung zum Marte Meo Therapist bzw. Marte Meo Colleguetrainer 2 vorgelegt wurde. Aus Gründe der Anonymisierung, dass die Arbeitsweise, die Erfahrungen der Beteiligten und die Effekte der Marte Meo Arbeit nach wie vor zur Darstellung kommen. Alle Informationen, die Rückschlüsse auf die beteiligten Personen erlauben, wurden geändert.
Eine Pflegende leidet an starken Rückenschmerzen. Wegen einer Grippewelle will sie ihr Team nicht im Stich lassen und arbeitet trotz Schmerzen. Sie ist bei Herrn K. eingeteilt und soll ihn mobilisieren. Er leidet an einer zunehmenden Demenz. Die letzten Tage waren sehr anstrengend: obwohl er körperlich „rüstig“ ist, konnte sie ihn nicht rückenschonend unterstützen beim Aufstehen. Schon fast sitzend ließ er sich plötzlich wieder nach hinten fallen. Dies erforderte von ihr ein schnelles Handeln, damit er sich den Kopf nicht an der Wand aufschlug, leider mit ruckartigen und für sie schmerzhaften Bewegungen. Diese Mobilisation bei Herrn K. war alleine kaum mehr zu bewältigen – wegen der angespannten Personalsituation holte sie sich aber keine personelle Unterstützung, weil dies zu einer zusätzlichen Belastung des Teams führen würde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Vorstellung des Marte Meo Konzeptes: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein, beleuchtet das Erleben von Menschen mit Demenz und stellt das Marte Meo Konzept als weltweit anerkanntes ressourcenorientiertes Arbeitsmodell vor.
2. Zielsetzung: Hier werden die Aufgaben der Hausarbeit definiert, die darin bestehen, das Marte Meo Konzept für die Demenzbetreuung zu verbreiten und seine Hilfsmöglichkeiten systematisch darzulegen.
3. Methodisches Vorgehen: Das Kapitel erläutert die methodische Grundlage der Arbeit, welche sich auf eine Literaturrecherche sowie die Auswertung von Videobeobachtungen stützt.
4. Demenz aus medizinischer Sicht: Es wird der medizinische Hintergrund von Demenz als neuronale Störung sowie die verschiedenen Formen und Stadien der Erkrankung erläutert.
4.1. Pflege von Menschen mit Demenz: Dieser Unterpunkt thematisiert die Herausforderungen in der stationären und ambulanten Pflege sowie die Auswirkungen des Pflegenotstands auf die Beziehungsgestaltung.
5. Umsetzung von Marte Meo und Betreuung von Demenz Patienten: Das Kapitel beschreibt, wie das natürliche Entwicklungsunterstützungsmodell durch die Methode auf den Umgang mit Menschen mit Demenz übertragen wird.
5.1 Salutogenese: eine Orientierung für unterstützende Hilfen: Hier wird der Bezug zum Salutogenesekonzept von Antonovsky hergestellt, um eine defizitakzeptierende und ressourcenorientierte Sichtweise zu begründen.
5.2 Fallbeispiel: Anhand eines konkreten Praxisbeispiels wird der Einsatz von Marte Meo Elementen bei der Mobilisation eines Patienten mit Demenz anschaulich dargestellt.
6. Evaluation: Dieses Kapitel fasst wissenschaftliche Forschungsergebnisse zur Wirksamkeit der Methode zusammen und beleuchtet deren Einfluss auf Wohlbefinden und Arbeitszufriedenheit.
7. Fazit: Das Fazit resümiert den Nutzen von Marte Meo als systemisches Werkzeug zur Stärkung der Interaktionsqualität und plädiert für Investitionen in Lernprozesse des Personals.
Schlüsselwörter
Marte Meo, Demenz, Videointeraktionsanalyse, Pflege, Betreuung, Ressourcenorientierung, Salutogenese, Kommunikation, Kohärenzgefühl, Alltagsgestaltung, Pflegenotstand, Selbstwertgefühl, Mobilisation, Beziehungsgestaltung, Systemische Beratung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung des Marte Meo Konzepts in der stationären und ambulanten Betreuung von Menschen mit Demenz, um deren Alltag durch ressourcenorientierte Kommunikation zu verbessern.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die medizinischen Grundlagen der Demenz, die Herausforderungen in der Pflege, das Modell der Videointeraktionsanalyse nach Marte Meo sowie die gesundheitsfördernde Perspektive der Salutogenese.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Pflegekräfte durch Marte Meo die individuellen Fähigkeiten von Menschen mit Demenz besser wahrnehmen und fördern können, um eine angenehmere und würdevollere Alltagssituation zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturrecherche und der Analyse von videobasierten Beratungsansätzen, die im Rahmen der Marte Meo Methode zur Reflexion von Pflegeinteraktionen genutzt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit inhaltlich behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die medizinische Sicht auf Demenz, die theoretische Fundierung von Marte Meo, die Einbindung des Salutogenese-Konzepts sowie eine praktische Fallanalyse zur Unterstützung bei Pflegetätigkeiten.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Marte Meo, Demenzbetreuung, Ressourcenorientierung, Videointeraktionsanalyse und Kohärenzgefühl geprägt.
Welche Rolle spielt die Salutogenese in Bezug auf das Marte Meo Konzept?
Die Salutogenese dient als theoretischer Rahmen, der den Fokus weg von einer reinen Defizitorientierung hin zur Stärkung des Kohärenzgefühls der Betroffenen (Verstehbarkeit, Handhabbarkeit, Sinnhaftigkeit) lenkt.
Was verdeutlicht das Fallbeispiel über die Wirksamkeit der Methode?
Das Fallbeispiel zeigt konkret, dass durch bewusstes "Folgen" und Schritt-für-Schritt-Anleitungen die Kooperation des Patienten verbessert, ruckartige Bewegungen vermieden und sogar verschwundene verbale Ausdrucksmöglichkeiten reaktiviert werden können.
Wie verändert Marte Meo die Arbeit des Pflegepersonals?
Die Methode führt zu einer höheren Arbeitszufriedenheit, da Mitarbeiter ihre eigenen Stärken besser erkennen, fachliche Kommunikation im Team professionalisieren und mehr Sicherheit im Umgang mit herausforderndem Verhalten gewinnen.
Welche Bedeutung hat das "Folgen" für die Kommunikation mit Demenzkranken?
Das "Folgen" ist eine zentrale Haltung, bei der die Betreuungsperson Zeit investiert, um die Aufmerksamkeit des Patienten zu erfassen und zu bestätigen, was dem Patienten Sicherheit vermittelt und sein Selbstwertgefühl stärkt.
- Arbeit zitieren
- Jessica Hernandez Almanza (Autor:in), 2019, Eine pflegewissenschaftliche Untersuchung zum "Marte Meo Konzept", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/476728