Diese Arbeit untersucht den Roman "Il barone rampante" des italienischen Schriftstellers Italo Calvino. Im Jahre 1957 wird "Il barone rampante" im Rahmen einer Romantrilogie, "I nostri antenanti", von Italo Calvino publiziert. Der Roman handelt von der Geschichte eines jungen Barons des 18. Jahrhunderts, welcher nach einem Streit mit seiner traditionsbehafteten Familie dem Leben auf der Erde entsagt und fortan auf den Bäumen lebt.
Nach einer ausführlicheren Inhaltsangabe wird der Roman kurz auf seine historisch-geographische Situierung hin analysiert, also seinen geschichtlich-zeitlichen Referenzrahmen und örtliche Bestimmung. Danach folgt eine Betrachtung im Hinblick auf die Vielzahl der gattungsspezifischen Elemente, die beim Barone von einer beachtlichen strukturellen Komplexität gekennzeichnet sind. Die Parallelen zu anderen wichtigen literarischen Werken sind dabei evident. Unter welchen Gesichtspunkten (Entwicklungsroman, historischem Roman, Bildungsroman, Kinderbuch etc.) kann gelesen werden und warum spielt Calvino mit diesen Überschneidungen?
Der Hauptteil dieser Arbeit beschäftigt sich dann mit dem Wechselspiel von Geschichte und Geschichten. Dabei werden die Parallelen zwischen Calvinos Lebenslauf und seine Auffassung vom aufgeklärten Menschen und dem abenteuerlichen Leben Cosimos in Bezug auf die Rezeption der Handlungsgeschichte deutlich. Verschwinden Distanz und eine idealistische Grundeinstellung nicht letztendlich in eine utopische Verklärungswelt, die zwar zu einem glücklichen Leben führen können, aber doch im Fluss der Zeit negiert werden? Und was geschieht mit diesen Idealen, wenn seine Umwelt eine Rolle rückwärts macht und sich gegen Fortschritt und Aufklärung entscheidet? Eine Reflexion der wichtigsten Aussagen schließt diese Arbeit ab und versucht, die Ansichten Cavinos in zusammenfassender Form darzustellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Romanbeschreibung
3. Historisch-geographische Situierung des Barone
4. Gattungstypologische Analyse
5. Il barone rampante als Kinderbuch
6. Mit Geschichte(n) spielen- Calvinos (utopische) Aufklärung des modernen Italiens
7. Fazit
8. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Roman "Il barone rampante" von Italo Calvino im Kontext seiner historisch-geographischen Verortung sowie seiner gattungsspezifischen Vielfalt. Ziel ist es, das Wechselspiel zwischen Geschichte, Utopie und der gesellschaftlichen Aufklärung im modernen Italien der fünfziger Jahre anhand der Figur des Cosimo zu analysieren und aufzuzeigen, wie persönliche Ideale an der Realität der Zeit scheitern können.
- Strukturelle und gattungstypologische Analyse des Romans
- Die Figur des Cosimo als Allegorie auf den modernen Intellektuellen
- Historisch-geographische Einordnung des fiktiven Schauplatzes Ombrosa
- Das Spannungsfeld zwischen Aufklärung, Utopie und historischer Restauration
- Die Funktion des Werkes als Kinderbuch und die Rolle von "Tonio Cavilla"
Auszug aus dem Buch
3. Historisch‐geographische Situierung des Barone
Die zeitliche und örtliche Einordnung von Cosimos bewegtem Leben lässt sich genau bestimmen: Die Romanhandlung spielt hauptsächlich in dem kleinen Ort Ombrosa, der zwar fiktiv ist, aber aufgrund einer Reihe von historischen und geographischen Angaben Anhaltspunkte gibt, wo der Roman anzusiedeln ist. Ombrosa befindet sich demnach in unmittelbarer Küstennähe in der Region Ligurien. Da Calvino immer wieder auf den Einfluss einer See- und Handelsmacht auf die Ombrosaner Gesellschaft und ihren Handel verweist, lässt sich schließen, dass sich der Ort nicht weit weg von der wichtigsten Stadt Liguriens, nämlich Genua, befindet.
Sehr genau wird mit dem ersten Satz, aufgrund der Angabe eines Datums, der zeitliche Ausgangspunkt festgelegt. Am 15. Juni 1767 beginnt das Romangeschehen um den jungen Baron Cosimo, welcher zu diesem Zeitpunkt 12 Jahre alt ist und seinen achtjährigen Bruder, der als Erzähler fungiert. Auch im weiteren Verlauf des Romans werden systematisch bestimmte Jahreszahlen und zeitliche Abschnitte genannt, die dem Kontext des Buches einen sehr genauen zeitlichen Rahmen geben und natürlich eine gewollte Anspielung auf gesellschaftlich- verändernde Ereignisse sein sollen: So werden das Erdbeben von Lissabon, die Französische Revolution, die Napoleonische Ära mit seinen militärischen Folgen und die Krönung Napoleons zum König Italiens, aber auch die einsetzende Restauration in die Handlung des Lebens Cosimos integriert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Romans im Kontext der Trilogie "I nostri antenati" und Erläuterung des Forschungsinteresses an der Verbindung von Geschichte, Utopie und Biografie.
2. Romanbeschreibung: Detaillierte Inhaltsangabe über Cosimos Entscheidung, ein Leben auf den Bäumen zu führen, sowie seine Entwicklung vom jungen Rebellen zum engagierten Mitbürger.
3. Historisch-geographische Situierung des Barone: Analyse des fiktiven Ortes Ombrosa und des präzisen zeitlichen Rahmens, der historische Ereignisse wie das Erdbeben von Lissabon und die Französische Revolution integriert.
4. Gattungstypologische Analyse: Untersuchung der strukturellen Komplexität des Romans durch die Zuordnung zu Genres wie Abenteuerroman, Bildungsroman und Biografie.
5. Il barone rampante als Kinderbuch: Erörterung der pädagogischen Bearbeitung des Stoffes für die Schullektüre und der Rolle des fiktiven Herausgebers Tonio Cavilla als Interpretationshilfe.
6. Mit Geschichte(n) spielen- Calvinos (utopische) Aufklärung des modernen Italiens: Allegorische Deutung der Romanhandlung im Hinblick auf das Italien der fünfziger Jahre und Calvinos ambivalente Haltung zur kommunistischen Partei.
7. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Utopie des Protagonisten, die trotz individueller moralischer Stärke letztlich an der unerbittlich fortschreitenden Zeit und gesellschaftlichen Restauration scheitert.
8. Literatur: Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
Schlüsselwörter
Italo Calvino, Il barone rampante, Aufklärung, Utopie, Geschichte, Literaturwissenschaft, Bildungsroman, Restauration, Gesellschaftskritik, Intellektueller, Intertextualität, Italienische Literatur, Cosimo, Romantrilogie, Moderne.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in diesem Werk?
Die Arbeit analysiert Italo Calvinos Roman "Il barone rampante" und untersucht, wie der Autor Geschichte, utopische Ideale und die Rolle des Intellektuellen miteinander verknüpft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Gattungstypologie des Romans, seiner historischen Einordnung, der kindgerechten Bearbeitung sowie der allegorischen Bedeutung von Cosimos Baumleben für das moderne Italien.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, die strukturelle Komplexität des Romans aufzudecken und zu zeigen, wie das "Baumleben" des Protagonisten als Reflexion über moralisches Engagement und gesellschaftliche Veränderungsprozesse dient.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Roman im Kontext historischer, politischer und literarischer Referenzrahmen untersucht und durch Sekundärliteratur stützt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der intertextuellen Einbettung, der Analyse der Gattungsvielfalt sowie der Übertragung von Cosimos Idealen auf die politische Situation Italiens in den fünfziger Jahren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Aufklärung, Utopie, Geschichte, Intellektuellen-Rolle, Intertextualität und gesellschaftliche Restauration.
Welche Rolle spielt der Erzähler Biagio für die Deutung?
Biagio fungiert als erzählende Instanz, die einerseits die Handlungen des Bruders bewundert, andererseits dessen utopische Träume aus einer realistischen und altersbedingten Distanz betrachtet und kommentiert.
Warum scheitert Cosimos Utopie laut der Analyse?
Cosimos Utopie scheitert letztlich an der unaufhaltsamen Zeit und der gesellschaftlichen Entwicklung in Richtung Restauration, die seine idealistischen Konzepte zur Überholung bringen.
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- Anonym (Autor:in), 2012, Der Roman "Il barone rampante" von Italo Calvino zwischen Geschichte, Utopie und Gegenwart, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/476798