Die wichtigen Rollen in dem Roma "Krieg und Frieden" von Leo Tolstoj spielen die weiblichen Figuren, die sich, wie auch die anderen Gestalten in statische und in entwickelnde Figuren aufteilen. In Tolstojs Vorstellungen ist Mutterschaft die höchste Berufung und Position der Frau. In "Krieg und Frieden“ wird Natascha Rostowa das Ideal für Weiblichkeit. Der Beginn der vorliegenden Arbeit ist der ersten Begegnung des Lesers mit Natascha gewidmet. Es wird aufgezeigt, auf welche äußere und innerliche Eigenschaften Tolstoj uns aufmerksam macht. Im dritten Kapitel geht es darum, wie sich Nataschas Charakter entwickelt und um ihre Liebeswelt, in der Tolstoj für sie mehrere Prüfungen vorbereitet hat. Abschließend folgt die Schlussfolgerung und es werden die letzten Ausblicke gegeben.
Der historische Roman des russischen Schriftstellers Leo Tolstoj "Krieg und Frieden“ wurde in 1860er Jahren geschrieben, als es in der modernen Welt die Auseinandersetzungen nicht nur über die weitere Entwicklung Russlands, sondern auch über die Rolle der Frauen in der Familie und im sozialen Leben gab. Der Roman "Krieg und Frieden“ erstaunt uns sehr mit der Vielzahl und auch mit der Vielseitigkeit der Figuren. Aber was erstaunlich ist – alle Figuren des Romans sind lebendige Menschen. So lebendig, als ob ihre Stimmen hört, ihre Gesichter sieht, zu ihnen in die Seele eintaucht und ihre geheimen Gedanken erfährt. Ihnen gegenüber kann man nicht gleichgültig sein, entweder man liebt oder man verachtet sie.
Beim Lesen von "Krieg und Frieden“ bemerkt man immer die Beziehung des Autors zu den Menschen und Ereignissen. Das eröffnet sich in den Porträts der handelnden Personen, in den direkten Charaktereinschätzungen und auch in der schriftstellerischen Rezitation. In einem Bericht über Leo Tolstoj vermerkte N. Tschernyschewski eine typische Charaktereigenschaft vom damals noch jungen Schriftsteller – "Reinheit moralischen Sinnes“. Menschen und Ereignisse des privaten und historischen Lebens werden mit dem Kriterium der moralischen Grundlage, der Güte, Selbstlosigkeit, geistiger Klarheit und Einfachheit, spiritueller Verbindung mit den Menschen und der Gesellschaft eingeschätzt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bekanntschaft des Lesers mit Nataša
3. Das Erwachsenwerden von Nataša
3.1. Die Charakterentwicklung
3.2. Nataša und die Liebe
3.2.1 Andrej Bolkonskij und Anatol Kuragin
3.2.2. Pierre Besuhow
4. Schlussfolgerung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung der Figur Nataša Rostowa in Leo Tolstojs Roman „Krieg und Frieden“. Dabei wird analysiert, wie Tolstoj das Idealbild der Weiblichkeit durch Natašas Reifeprozess, ihre Wahrnehmung durch den Leser und ihre zentralen Liebesbeziehungen zu Andrej Bolkonskij und Pierre Besuhow formt und darstellt.
- Die erste Begegnung des Lesers mit der jungen Nataša.
- Die Charakterentwicklung der Protagonistin im Kontext ihrer Familie und Gesellschaft.
- Die Rolle der Liebe als zentrales Motiv im Leben der Heldin.
- Die Bedeutung von Natašas Beziehungen zu Andrej Bolkonskij, Anatol Kuragin und Pierre Besuhow.
- Nataša Rostowa als Sinnbild für das Ideal der Weiblichkeit bei Tolstoj.
Auszug aus dem Buch
3.2. Nataša und die Liebe
Das Wesentliche in Natašas Natur ist die Liebe. Dieses Gefühl ist unabtrennbar von der Protagonistin. Ihre Liebesgeschichten haben keinen Leser gleichgültig gelassen, denn Nataša liebt mit voller Leidenschaft. Zunächst wird ihre Beziehung mit dem Fürsten Andrej Bolkonskij präsentiert, die im Roman für die zentrale Liebeslinie steht. Zu erwähnen ist aber auch Anatol Kuragin, der Natašas Leben sein Gepräge geprägt hat.
Das aufrichtige Gefühl spürt sie zum ersten Mal beim ersten Treffen mit Fürst Andrej. Nataša Rostowa und Andrej Bolkonskij: die junge Gräfin und der dreißigjährige Fürst, der schon gekämpft hat, verwitwet ist, einen kleinen Sohn hat und nirgendwo dienen will. Ihr erstes Treffen findet im Landgut vom Grafen Rostow, Otradnoe statt. Zuerst sieht der Fürst ein seltsames schlankes Mädchen im gelben Kattunkleid, dann, als er im Rostow Haus zur Übernachtung bleibt, hört er ihre begeisterte Stimme, die über die Schönheit der Mondnacht spricht. Die Stimme dringt irgendwo von oben her, und der davon faszinierte Fürst Andrej schläft mit den Gedanken an junge Wünsche und Hoffnungen ein. Dem Fürsten steht noch ein Treffen mit der Eiche bevor, auf der das junge Laub aufgeblüht ist, und alle zusammen: Frühling, das Aufwachen der Natur, das die Mondnacht liebende Mädchen, - sagen dem Fürsten, dass das Leben mit 31 Jahren noch nicht abgeschlossen ist.
Das zweite Treffen war auf dem Ball eines Würdenträgers in Sankt Petersburg, in der Silverster-Nacht, welche im Kapitel 3.1. erwähnt wurde. Nicht ohne Grund eilt sich Nataša, während sie sich zu so einem wichtigen Ereignis vorbereitet, ihr steht doch das Treffen mit der brillanten Jugend von Sankt Petersburg bevor: „Пьер обещал быть на бале и представить ей кавалеров“ (L. Tolstoj, 1996: Band I, Teil II, Kapitel XV). Was den Fürsten Andrej angeht, ist es doch für ihn ein großes Erscheinen in der Öffentlichkeit nach langer Abwesenheit.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Werk „Krieg und Frieden“ ein und legt den Fokus auf die Bedeutung weiblicher Charaktere sowie das Ideal der Weiblichkeit, das Tolstoj in Nataša Rostowa personifiziert.
2. Bekanntschaft des Lesers mit Nataša: Dieses Kapitel analysiert die erste Vorstellung der jungen Nataša, wobei besonders ihre kindliche Natürlichkeit, Lebendigkeit und ihre Andersartigkeit gegenüber den anderen Rostow-Kindern hervorgehoben werden.
3. Das Erwachsenwerden von Nataša: Hier wird der Reifeprozess der Heldin thematisiert, wobei aufgezeigt wird, wie sich ihre Kindheitszüge in ein komplexeres Erwachsenenleben übertragen und weiterentwickeln.
3.1. Die Charakterentwicklung: Dieser Abschnitt beleuchtet, wie Nataša durch ihre familiäre Umgebung und ihre eigene emotionale Offenheit Einfluss auf ihre Mitmenschen nimmt und moralische Fragen durch ihr reines Dasein löst.
3.2. Nataša und die Liebe: Das Kapitel widmet sich der zentralen Bedeutung der Liebe für Nataša, die als treibende Kraft und Lebensinhalt für die Protagonistin dargestellt wird.
3.2.1. Andrej Bolkonskij und Anatol Kuragin: Hier werden die intensiven, aber unterschiedlichen Beziehungen zu Andrej Bolkonskij und Anatol Kuragin analysiert, die Natašas Leben maßgeblich prägen und sie vor existenzielle Prüfungen stellen.
3.2.2. Pierre Besuhow: Der letzte Teil befasst sich mit der Beziehung zu Pierre Besuhow, die Nataša schließlich den Frieden in Familie und Ehe finden lässt und ihr Leben vervollständigt.
4. Schlussfolgerung: Die Schlussfolgerung resümiert Nataša als zeitloses Ideal der russischen Seele, deren Werte wie Aufrichtigkeit und Güte über den Wandel der Zeit hinweg Bestand haben.
Schlüsselwörter
Nataša Rostowa, Krieg und Frieden, Leo Tolstoj, Romananalyse, Weiblichkeit, Charakterentwicklung, Liebe, Andrej Bolkonskij, Pierre Besuhow, russische Literatur, Moral, Natürlichkeit, Idealbild, Lebensfreude, Familienleben.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Figur Nataša Rostowa aus Leo Tolstojs Roman „Krieg und Frieden“ hinsichtlich ihrer Charakterentwicklung, ihrer moralischen Ideale und ihrer zentralen Liebesbeziehungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der Protagonistin vom Kind zum Erwachsenen, der Rolle der Liebe als Lebenssinn sowie der Darstellung von Weiblichkeit bei Tolstoj.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Tolstoj durch Nataša ein Ideal der Reinheit und moralischen Integrität schafft, das trotz ihrer menschlichen Fehler und Prüfungen als leuchtendes Vorbild fungiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse des Romans, gestützt auf Textstellen und sekundärliterarische Quellen zur Interpretation der Charaktereigenschaften.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die erste Begegnung mit Nataša, ihre Charakterentwicklung sowie ihre komplexen Liebesgeschichten zu Andrej Bolkonskij, Anatol Kuragin und Pierre Besuhow.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Nataša Rostowa, „Krieg und Frieden“, Charakterentwicklung, Weiblichkeitsideal und Liebe definiert.
Warum ist die Begegnung mit Andrej Bolkonskij für Nataša von so großer Bedeutung?
Die Beziehung zu Fürst Andrej stellt für Nataša die erste Begegnung mit wahrer, leidenschaftlicher Liebe dar, die sie nachhaltig prägt und sie durch die größte emotionale Prüfung ihres Lebens führt.
Welche Rolle spielt der Charakter Pierre Besuhow in Natašas Leben?
Pierre Besuhow fungiert als emotionaler Anker und wahrer Freund, der Nataša in schwierigen Zeiten versteht und ihr schließlich im Familienleben das ersehnte Glück und einen festen Halt bietet.
Warum wird Natašas „kindliche Naivität“ als Stärke und nicht als Schwäche dargestellt?
Ihre Naivität wird als Ausdruck von Echtheit und moralischer Reinheit interpretiert, die sie von den gesellschaftlichen Heucheleien und dem „allgemeinen weltlichen Stempel“ befreit.
- Arbeit zitieren
- Dariya Smirnova (Autor:in), 2013, Natascha Rostova im Roman "Krieg und Frieden" von Leo Tolstoj, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/476852