Literarische Sprachspiele als Mittel des Fremdsprachenerwerbs


Seminararbeit, 2012
14 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffserklärung: „Mnemotechnik“, „konkrete Poesie“, „Sprachlernspiel“

3. Beziehung zwischen Sprache und Spiel

4. Sprachspiel im Rahmen des Fremdspracheunterrichts
4.1. Die Entwicklung bedarfsgerechter Lernspiele für den Fremdsprachenunterricht
4.2. Funktionen des Sprachlernspiels im kommunikativen Fremdspracheunterricht
4.3. Spielen und Lernen im didaktisch-methodischen Diskurs

5. Literatur als Spiel im Rahmen des Fremdsprachenunterrichts
5.1. Kreativer Umgang mit literarischen Texten konkreter Poesie
5.2. Literatur als Sprechanlass: zur Förderung der Sprechfertigkeit im Fremdsprachenunterricht

6. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

„Während des Spiels stellen sich Ideen von selbst ein und bringen weitere Ideen hervor“, sagte Edward de Bono. Was im gegebenen Zitat gemeint wird, kennt zweifelsohne jeder aus seiner eigenen Erfahrung. Beim Spielen wird man unwillkürlich kreativer, wodurch man sich entfaltet und auf neue Gedanken kommt. Es ist manchmal kaum vorstellbar, welche kognitiven Fähigkeiten ein leichtes lockeres Spiel in einem Menschen entwickeln kann. Aber lässt sich das Spiel mit dem Lernprozess verbinden? Natürlich klingt das widersprüchlich: das Wort „spielen“ löst Heiterkeit und Interesse aus, wobei man ein Spiel mit Spaß, Unterhaltung und Vergnügen assoziiert; wenn man aber das Wort „lernen“ hört, denkt man gleich ganz im Gegensatz an Langeweile, Anstrengung und Fleiß. Verknüpft man die beiden Prozesse miteinander, so kommt man zum Begriff „Lernspiel“. Aber was heißt eigentlich „Lernspiel“? Welche Funktionen haben Sprachspiele? Kann so ein Spiel die Sprechfertigkeit im Rahmen des Fremdsprachenunterrichts fördern? Und auf welche Weise kann dabei Literatur angewendet werden? Über diese Fragen wurde oftmals diskutiert, aber sie bleiben immer noch aktuell. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, einen Zusammenhang zwischen verschiedenen Sichtweisen auf oben gestellte Fragen herzustellen und zu untersuchen, welche methodischen Grundsätze im Fremdsprachenunterricht aufgegriffen werden müssen, damit literarische Sprachspiele eine sinnvolle Lernfunktion ergeben.

Zu Beginn der vorliegenden Arbeit werden die Begriffe erläutert, die bei der Auseinandersetzung mit dem Thema „literarische Sprachspiele als Mittel des Fremdsprachenerwerbs“ besonders wichtig sind, und zwar „Mnemotechnik“, „konkrete Poesie“ und „Sprachlernspiel“.

Besondere Aufmerksamkeit widme ich der Beziehung zwischen Sprache und Spiel, welche im nächstfolgenden Punkt 3 aufgezeigt wird. Dabei werden die Theorien von Wittgenstein und Andresen/ Januschek analysiert, die die zwei Begriffe gegenüberstellen. Anschließend wird im vierten Punkt der Arbeit das Sprachspiel im Rahmen des Fremdsprachenunterrichts untersucht. Es folgt dabei ein Überblick über die Entwicklung und Funktionen der Sprachspiele, außerdem präsentiere ich in dem Kapitel den didaktisch-methodischen Aspekt des Lernspiels. Im Folgenden wird aufgezeigt, wie Literatur im Fremdsprachenunterricht anzuwenden ist, und zwar befasse ich mich damit, wie man kreativ mit literarischen Texten konkreter Poesie umgeht und wie die Sprechfertigkeit dabei gefördert wird. Abschließend folgt die Zusammenfassung der vorliegenden Arbeit und es werden die letzten Ausblicke gegeben.

2. Begriffserklärung „Mnemotechnik“, „konkrete Poesie“, „Sprachlernspiel“

Bevor die Untersuchung des eigentlichen Themas der Arbeit „literarische Spiele als Mittel des Fremdsprachenerwerbs“ beginnt, ist hier die Verdeutlichung einiger Begriffe nötig, die der genauen Inhaltsvorstellung dient.

Zur Bestimmung des Begriffs „Mnemotechnik“ wird hierbei die Definition von Zerche (2006: S. 11) hinzugezogen: die Mnemotechnik (<griech.> mneme: Erinnerung, Gedächtnis) ist eine Methode, die das natürliche Gedächtnis als Alternative zum reinen Auswendiglernen unterstützt. Diese Methode wird oftmals im Fremdsprachenunterricht angewandt, damit die Lernenden neue Wörter besser behalten können.

Der Begriff „konkrete Poesie“ ist auch sehr wichtig zu definieren. In der Inaugural- Dissertation von Lenz (1975: S. 1) wird auf die Formulierung von Gomringer (1972: S. 83) hingewiesen:

„Die neue Dichtung1 versteht sich als eine Sprachpoesie, die die Anpassung der Sprache an die Bedingungen und Erfordernisse der Gegenwart bewirken soll. Voraussetzung und Grund für die Sprachbezogenheit der Dichtung ist „die Auflösung des subjektiven Bezugspunkts“.

Die in den fünfziger Jahren entstandene „konkrete Poesie“ versucht also, „neue Verwendungsmöglichkeiten der Sprache zu entwerfen, die nicht nur Indiz der neuen Wahrnehmung der Sprache, sondern auch eines neuen Denkens sind“ (Lenz 1975, S. 2).

Um den Begriff „Sprachlernspiel“ zu erläutern, wird auf die Betrachtungsweise von Kilp (2010: S. 94) hingewiesen. Nach Kilp (2010: S.94) stellt sich das Spielen im Fremdsprachenunterricht als Lernhilfe dar, als eine mögliche Aktivität in der Methodenauswahl. Der Autor schlägt zum besseren Verstehen des Begriffs die folgende Grafik vor:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: „Spiel als eine Form der Übung“ von Segermann (1992)

In der Abbildung 1 „Spiel als eine Form der Übung“ wird deutlich, dass Lernen aus zwei Schritten besteht: Verstehen und Üben. Die zwei Prozesse hängen so miteinander zusammen, dass ein Verstehen durch das Üben erreicht wird. „Das Üben, der zweite Schritt des Lernens, besteht aus dem Einschleifen, dem Wiederholen und dem Festigen von Sprachmaterial“. (Kilp 2010, S. 94). Das Spiel kann von Kindern und Erwachsenen unterschiedlich verstanden werden. Deswegen ist der Grundsatz der dargestellten Skalierung der Freiheitsgrad, da die Übergänge von Drill zum Sprachlernspiel sehr flexibel sind (vgl. Kilp 2010: S. 94).

Im folgenden Kapitel wird näher auf die Beziehung zwischen Sprache und Spiel eingegangen.

3. Beziehung zwischen Sprache und Spiel

Sprache und Spiel lassen sich in mehrfacher Hinsicht kombinieren. Bei einem Sprachspiel geht es nicht nur darum, wie man es im Unterricht einsetzt, sondern es existiert eine sinnvolle Beziehung zwischen den zwei Phänomenen. In der Tat, eine Sprache beherrscht man von Geburt und lernt als Kind bestimmte Redewendungen und Kollokationen. „Verwenden wir einen sprachlichen Ausdruck nicht so, wie es die Sprechergemeinschaft fordert, werden wir sanktioniert“ (Reichel 2010, S. 90). Wittgenstein (Reichel 2010, S. 90-91) verknüpft das Tätigsein mit dem Sprechen und weist darauf hin, dass das Sprachspiel durch die Reaktion der Menschen entsteht. Die Sprache spiegelt also unser Verhalten wieder, indem man sich mit Hilfe bestimmter individueller Aussagen äußert. Während der Kommunikation verwendet man oft die Sprache, um andere in die Irre zu führen, ein fiktives Bild von etwas zu schaffen (vgl. Andresen/ Januschek 2007: S. 7), - und auf diese Weise erfolgt das Spiel mit der Sprache.

Es ist aber gewiss, dass ein Spiel auch paradox ist, weil es nur dann funktioniert, wenn es sich vom Nicht-Spiel unterscheidet und die Spielenden sich dieser Unterscheidung bewusst sind, dennoch macht es erst dann Spaß, wenn sie ihr Tun ernst nehmen. So berichten Andresen/ Januschek (2007: S. 8), dass „der spielerische Gebrauch von Sprache – als Scherz, Witz oder Humor – dem ernsthaften Gebrauch gegenübergestellt wird […]“. Dieser Wechsel von Spiel und Ernst gilt nicht nur für Kinder, denen oftmals schon ein Spielzeug reicht, um sich in eine fiktionale Welt zu versetzen, sondern auch für Erwachsene, die z.B. literarische Rollenspiele der wirklichen Welt gegenüberstellen (vgl. Andresen/ Januschek 2007: S. 8). Demzufolge kann eine Sprache als Spielinstrument funktionieren, das man in jeder Lebenssituation aufgreifen kann.

Ob Sprache und Spiel auch im Fremdsprachenunterricht zu finden sind, ist die Frage, die im Hauptteil dieser Arbeit zu beantworten ist. Im nächsten Kapitel werden die wichtigsten Punkte bei der Untersuchung des Sprachspiels im Rahmen des Fremdsprachenunterrichts erläutert.

4. Sprachspiel im Rahmen des Fremdsprachenunterrichts

Es wurde lange untersucht, ob das Sprachspiel im Fremdsprachenunterricht einbezogen werden soll und welche Rolle es für die Lernenden spielt. Obwohl einige Nachteile des Spieleinsatzes im Unterricht offenbart wurden (vgl. Kleppin, 1980: S. 20), werden im Unterricht immer mehr Spiele unterschiedlicher Art angewandt. Folglich werden auf weitere Fragen Antworten gesucht:

1. Wie wird ein bedarfsgerechtes Lernspiel für den Fremdsprachenunterricht entwickelt? (s. Abschnitt 4.1)
2. Welche Funktionen haben Sprachlernspiele im kommunikativen Fremdsprachenunterricht? (s. Abschnitt 4.2)
3. Wie wird das Sprachlernspiel im didaktisch-methodischen Diskurs dargestellt? (s. Abschnitt 4.3)

4.1. Die Entwicklung bedarfsgerechter Lernspiele für den Fremdsprachenunterricht

Damit ein Lernspiel im Fremdsprachenunterricht richtig durchgeführt wird, ist ein Plan bzw. eine Vorgehensweise nötig. Kilp (2010: S. 113-115) schlägt zur erfolgreichen Erstellung eines Lernspiels drei Phasen vor:

- Phase I: Bestimmung der Anforderungen an das Sprachlernspiel
- Phase II: Ermittlung relevanter Sprachlernspiele
- Phase III: Die Lösung auswählen

Die erste Phase besteht in der Aufgabenstellung, die in das Analysieren, das Strukturieren und das Formulieren der Aufgabe aufgeteilt wird. Bei der Analyse ist es wichtig, was und zu welchem Zweck bewirkt wird, auf welche Weise ein Lernspiel erfolgt und welche Einflussfaktoren berücksichtigt werden müssen. Die Zielgruppe spielt dabei auch eine sehr wichtige Rolle, denn man muss wissen, wie alt die Gruppenteilnehmer sind, ob sie Vorkenntnisse haben usw. Außerdem muss das Lernziel/ der Lerneffekt bestimmt werden: welche Lerninhalte vermittelt werden sollen, was die Lernenden nach dem Spiel können sollen, in welcher Lernphase das jeweilige Spiel eingesetzt wird und weiteres. Dadurch wird die Aufgabe auch strukturiert. Um eine Aufgabe zu formulieren, muss man auch das Sprachniveau der Lernenden beachten, damit keine Missverständnisse entstehen. Bei der Analyse, Strukturierung und Formulierung einer Aufgabe ist es von großer Bedeutung, dass jede Lerngruppe individuell behandelt wird (vgl. Kilp 2010: S. 113)

[...]


1 „Die neue Dichtung“ wird hier als Synonym zur „konkreten Poesie“ verstanden.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Literarische Sprachspiele als Mittel des Fremdsprachenerwerbs
Hochschule
Universität Leipzig
Note
2,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
14
Katalognummer
V476856
ISBN (eBook)
9783668953680
Sprache
Deutsch
Schlagworte
literarische, sprachspiele, mittel, fremdsprachenerwerbs
Arbeit zitieren
Dariya Smirnova (Autor), 2012, Literarische Sprachspiele als Mittel des Fremdsprachenerwerbs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/476856

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Literarische Sprachspiele als Mittel des Fremdsprachenerwerbs


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden