Im Zuge des Heranwachsens erfahren alle Kinder und Jugendlichen Hindernisse oder durchlaufen widrige Lebensumstände, welche sie nachhaltig prägen und ihre Entwicklung beeinflussen. Pflegekinder haben diese im erhöhten Maße erlebt in zweierlei Hinsicht zum einen durch die Trennung von ihren leiblichen Eltern unabhängig ob dies auf Zeit oder Dauer geschieht, zum anderen durch die Ursachen der Inpflegegabe. Dies macht die Pflegefamilie somit zu einem „Kompensator misslungener familiärer Sozialisation […, mit] familienähnilchen Strukturen [als] pädagogisches Medium“. Das Gebiet der Resilienzforschung befasst sich mit der Fragestellung, nach eben jenen allgemeinen Erfahren widriger Umstände und Hindernissen sowie deren Überwindung und der daraus folgenden emotionalen Stärkung.
Aus diesen Hintergrund ergibt sich die Fragestellung dieser Hausarbeit: „Welche Hürden existieren bei der Entwicklung von Resilienz bei Pflegekindern und wie kann Resilienz in der Institution Pflegefamilie gefördert werden?“
Da der Bereich der Pflegekindschaft sehr umfassend ist, wird in dieser Hausarbeit lediglich der allgemeine Rahmen der Pflegekindschaft, ohne gesonderte Betrachtung von etwaigen traumatischen Vorerfahrungen, und deren Bedeutung für die Resilienzförderung vorrangig betrachtet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Pflegekind und Pflegefamilie
2.1 Rechtlicher Rahmen
2.2 Das Konstrukt der Pflegefamilie im Unterschied zur Herkunftsfamilie
2.3 Geschwisterkonstellationen
2.3.1 Pflegekinder in Pflegefamilien mit leiblichen Kindern
2.3.2 Pflegekinder und ihre leiblichen Geschwister
2.4 Kontakt mit der Herkunftsfamilie
2.5 Pflegekindspezifische Entwicklungsaufgaben
3 Resilienz
3.1 Resilienz – eine Definition
3.2 Resilienzfaktoren
3.2.1 Innere Resilienzfaktoren
3.2.2 Äußere Resilienzfaktoren
4 Zusammenführung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Hürden bei der Entwicklung von Resilienz bei Pflegekindern sowie Möglichkeiten zur Förderung dieser psychischen Widerstandskraft innerhalb des Systems Pflegefamilie.
- Rechtlicher Rahmen und soziologische Definition der Pflegefamilie
- Herausforderungen durch Geschwisterkonstellationen
- Entwicklungsaufgaben bei Identitätsbildung und Loyalitätskonflikten
- Wissenschaftliche Grundlagen der Resilienz und Resilienzfaktoren
- Rolle der Bindungsqualität und pädagogischer Ansätze in der Pflege
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Innere Resilienzfaktoren
Aus den Ergebnissen vorliegender Studien leiteten mehrere Autoren unter anderem Jutta Heller oder Monika Gruhl „sieben Säulen der Resilienz“ ab, welche durch andere Autoren ergänzt bzw. anders benannt werden.
- Akzeptanz:
Hierbei handelt es sich um das Akzeptieren der gegebenen Situation, da man den aktuellen Ist-Zustand nicht mehr ändern kann. Um die Gegenwart jedoch zukünftig zu gestalten ist ein Verharren in etwaig möglichen anderen Ausgangssituationen hinderlich. Aus dieser Akzeptanz sowohl der Situation, als auch der dahinterstehenden emotionalen Prägung erfolgt für die Person die Möglichkeit sich seiner selbst bewusster zu werden und damit sein Selbstbild zu stärken. Diese Stärkung bringt positive Auswirkungen auf weitere Resilienzfaktoren mit sich, da man sich seiner Selbst bewusster und reflektierter gegenübersteht.
- Optimismus:
Grotberg verortet diesen Optimismus im Bereich der Kategorie „ICH BIN voller Hoffnung, Glauben und Vertrauen.“ und beschreibt damit nicht einen kontextlosen, unrealistischen Optimismus, sondern Optimismus als Glauben und Vertrauen an seinen Beitrag zur Gerechtigkeit und dem daraus resultierenden Selbstantrieb.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle statistische Relevanz der Vollzeitpflege in Deutschland und führt in die Fragestellung nach der Resilienzförderung bei Pflegekindern ein.
2 Pflegekind und Pflegefamilie: Dieses Kapitel erörtert die rechtlichen Grundlagen sowie die soziologische Konstruktion der Pflegefamilie, inklusive der komplexen Geschwisterbeziehungen und Identitätsfragen.
3 Resilienz: Hier werden der Begriff der Resilienz definiert sowie die wissenschaftlich identifizierten internen und externen Schutzfaktoren dargestellt.
4 Zusammenführung und Fazit: Das Fazit fasst die Belastungssituationen zusammen und leitet Empfehlungen für eine netzwerkorientierte Resilienzförderung in Pflegschaften ab.
Schlüsselwörter
Resilienz, Pflegekinder, Pflegefamilie, Resilienzförderung, Identitätsbildung, Bindung, Loyalitätskonflikt, Sozialisation, Selbstwirksamkeit, Inpflegegabe, Hilfen zur Erziehung, Schutzfaktoren, Bindungsentschlossenheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Bedingungen, unter denen Pflegekinder trotz belastender Lebensumstände Resilienz entwickeln können, und wie das System Pflegefamilie dabei unterstützend wirken kann.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die rechtliche Stellung der Pflegefamilie, die speziellen Entwicklungsaufgaben von Pflegekindern sowie wissenschaftliche Resilienzkonzepte.
Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit fragt nach den existierenden Hürden bei der Entwicklung von Resilienz bei Pflegekindern und nach Wegen, wie Resilienz in der Institution Pflegefamilie gezielt gefördert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode liegt zugrunde?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die auf der Analyse bestehender Resilienzstudien und sozialpädagogischer Fachliteratur basiert.
Was ist der Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der familiären Rahmenbedingungen, der Herausforderungen bei Geschwisterkonstellationen und der theoretischen Herleitung von Resilienzfaktoren.
Welche Schlagworte charakterisieren das Dokument?
Die zentralen Begriffe sind Resilienz, Pflegefamilie, Identitätsbildung, Schutzfaktoren und netzwerkorientierte Förderung.
Warum ist das Drei-Eltern-Modell für die Praxis relevant?
Es hilft dem Pflegekind, die unterschiedlichen Rollen der leiblichen, sorgenden und gesetzlichen Eltern zu verstehen und Loyalitätskonflikte besser zu bewältigen.
Welche Bedeutung haben Geschwister für die Resilienz?
Geschwister fungieren als stabiles Subsystem, das Halt bietet, aber auch durch Rollenkonflikte oder Trennungserfahrungen eine zusätzliche emotionale Herausforderung darstellen kann.
- Arbeit zitieren
- Alexander Przyborowski (Autor:in), 2018, Resilienzförderung bei Pflegekindern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/476858