Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob die im Modell nach Holmström (1982) entwickelten optimalen Team-Anreizsysteme in das Modell von Kvaløy/Olsen (2006) so übertragen werden können, dass diese Anreizsysteme dort ebenfalls optimal sind. Diese Frage wird mithilfe eines theoretischen Vergleichs der beiden Multi-Agenten-Modelle beantwortet. Zu Beginn dieser Arbeit wird ein Überblick über Aufbau und Literatur des Prinzipal-Agenten-Modells mit einem Prinzipal und mehreren Agenten gegeben. Die Konzepte der individuellen, gemeinschaftlichen sowie relativen Leistungsentlohnung werden dabei als verschiedene Ansätze zur teamorientierten Anreizgestaltung vorgestellt und voneinander abgegrenzt. In einem weiteren Schritt werden Voraussetzungen und Eigenschaften der optimalen Team-Anreizsysteme des Modells nach Holmström (1982) entwickelt und kritisch betrachtet. Schwerpunkt liegt dabei auf den Ansätzen der relativen und gemeinschaftlichen Leistungsmessung. Selbiges gilt für das Modell von Kvaløy/Olsen (2006). In einem letzten Schritt werden die optimalen Lösungen des einperiodigen Modells auf Übertragbarkeit und Optimalität im mehrperiodigen Kontext geprüft. Ein Anreizsystem wird als übertragbar angenommen, wenn die Eigenschaften des Systems vollständig abgebildet werden können und die Modellannahmen nach Kvaløy/Olsen (2006) dessen Anwendbarkeit zulassen. Dieses Anreizsystem gilt als optimal, wenn sich der Gewinn des Prinzipals durch Anwendung des Systems im Vergleich zum optimalen Ausgangsvertrag nicht verschlechtert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Anreizsysteme im Multi-Agenten-Fall
2.1. Grundlagen der Prinzipal-Agenten-Theorie
2.2. Der Team-Begriff und resultierende Probleme
2.3. Ansätze für Anreizsysteme im Team-Kontext
3. Beschreibung des einperiodigen Modells anhand von Holmström (1982)
3.1. Aufbau des Grundmodells
3.2. JPE in Abhängigkeit von Gruppenbestrafungen und Gruppenboni
3.3. RPE in Abhängigkeit von Unsicherheits- und Risikofaktoren
4. Beschreibung des mehrperiodigen Modells anhand von Kvaløy/Olsen (2006)
4.1. Aufbau des Grundmodells und grundlegender Überblick
4.2. JPE und der Peer-Monitoring-Vorteil
4.3. RPE und der Commitment-Vorteil
5. Prüfung auf Übertragbarkeit und Optimalität
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Übertragbarkeit und Optimalität von Team-Anreizsystemen aus dem einperiodigen Modell von Holmström (1982) auf das mehrperiodige Modell von Kvaløy/Olsen (2006) mittels eines theoretischen Vergleichs.
- Grundlagen der Prinzipal-Agenten-Theorie und Definition von Team-Produktion.
- Analyse der Anreizsysteme JPE (gemeinschaftliche Leistungsentlohnung), RPE (relative Leistungsentlohnung) und IPE (individuelle Leistungsentlohnung).
- Untersuchung von Modellparametern wie Diskontfaktoren, Produktivität und Unsicherheitsfaktoren.
- Kritische Prüfung, ob optimale Anreizlösungen modellübergreifend gültig sind.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Im Grundmodell der Prinzipal-Agenten-Theorie wird angenommen, dass eine Organisation lediglich aus zwei Akteuren, dem Prinzipal und dem Agenten, besteht. Der Prinzipal kann beispielsweise als Leitung eines Unternehmens angenommen werden. Diese delegiert eine Aufgabe per Vertrag an den Agenten. Der Agent, als Bereichsmanager des Unternehmens angenommen, soll diese Aufgabe für den Prinzipal gewinnmaximierend erfüllen. Organisationen wie Unternehmen können jedoch aus mehr als nur zwei Akteuren und einer Aufgabe bestehen. In hierarchischen Unternehmen mit mehreren Aufgaben muss die Unternehmensleitung deshalb entscheiden, welche Aufgaben und speziell in welcher Form diese Aufgaben delegiert werden sollen. Führt die Unternehmensleitung keine Delegation durch, können Überlastungseffekte bei der Aufgabenbearbeitung auftreten. Werden Aufgaben hingegen delegiert, können Informations- und Spezialisierungsvorteile der Agenten auf Kosten des Risikos von opportunistischem Verhalten genutzt werden. Bei Delegation an mehrere Agenten stellt sich zudem die Frage, ob relative Leistungsentlohnung oder Teamentlohnung zu optimalem Arbeitseinsatz führt.
In den resultierenden Multi-Agenten-Modellen existiert das Problem strategischer Interaktionen wie Kollusion und Free Riding zwischen den eigennutzenmaximierenden Agenten. Für die Vermeidung dieser Interaktionen müssen, im Gegensatz zum Grundmodell mit zwei Akteuren, die Vor- und Nachteile von teambezogenen Anreizsystemen wie relativer Leistungsentlohnung und Teamentlohnung abgewogen werden. Für diese Anreizsysteme existieren in Abhängigkeit des betrachteten Modells eine Vielzahl an Gestaltungsmöglichkeiten. Während beispielsweise in Holmström (1982, S. 329 f.) die gemeinschaftliche Leistungsentlohnung auch prinzipalfinanzierte Gruppenboni umfasst, sind in Kvaløy/Olsen (2006, S. 162) gruppeninterne Sanktionen ein entscheidender Faktor dieser Teamentlohnung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik von Multi-Agenten-Modellen innerhalb der Prinzipal-Agenten-Theorie ein und skizziert die Zielsetzung der Arbeit, die Optimalität von Anreizsystemen theoretisch zu vergleichen.
2. Anreizsysteme im Multi-Agenten-Fall: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Prinzipal-Agenten-Theorie dargelegt und der Team-Begriff sowie die damit verbundenen Herausforderungen wie Moral Hazard, Free Riding und Kollusion erläutert.
3. Beschreibung des einperiodigen Modells anhand von Holmström (1982): Dieses Kapitel analysiert die Bedingungen für optimale JPE- und RPE-Anreizsysteme in einem einperiodigen Kontext unter Berücksichtigung von Gruppenboni, Strafen und Unsicherheitsfaktoren.
4. Beschreibung des mehrperiodigen Modells anhand von Kvaløy/Olsen (2006): Der Fokus liegt auf der Analyse von Anreizsystemen in einem mehrperiodigen Modell, insbesondere der Bedeutung von Diskontfaktoren, dem Peer-Monitoring-Vorteil und dem Commitment-Vorteil.
5. Prüfung auf Übertragbarkeit und Optimalität: Abschließend wird evaluiert, ob die aus dem einperiodigen Modell abgeleiteten Anreizsysteme in den mehrperiodigen Kontext übertragbar und dort weiterhin optimal sind.
Schlüsselwörter
Prinzipal-Agenten-Theorie, Anreizgestaltung, Team-Produktion, Multi-Agenten-Modell, Joint Performance Evaluation, Relative Performance Evaluation, Individual Performance Evaluation, Moral Hazard, Free Riding, Kollusion, Diskontfaktor, Optimalität, Übertragbarkeit, Holmström, Kvaløy/Olsen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Bachelorarbeit beschäftigt sich mit der Gestaltung von Anreizsystemen für Teams innerhalb der Prinzipal-Agenten-Theorie und vergleicht dabei theoretische Modelle aus einperiodigen und mehrperiodigen Kontexten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Methoden der gemeinschaftlichen (JPE), relativen (RPE) und individuellen (IPE) Leistungsentlohnung sowie der Umgang mit strategischen Problemen wie Free Riding und Kollusion.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist zu untersuchen, ob optimale Anreizsysteme, die für ein einperiodiges Modell (Holmström, 1982) entwickelt wurden, direkt auf ein mehrperiodiges Modell (Kvaløy/Olsen, 2006) übertragen werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin/der Autor nutzt einen theoretischen Vergleich der mathematischen Modelle und analysiert die Bedingungen der Anreizkompatibilität und Optimalität in beiden Modellwelten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Beschreibung der einperiodigen und mehrperiodigen Anreizmodelle sowie die anschließende Prüfung auf Übertragbarkeit und Optimalität der jeweiligen Lösungskonzepte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Prinzipal-Agenten-Theorie, Team-Produktion, Moral Hazard, Joint Performance Evaluation und die spezifischen Forschungsarbeiten von Holmström sowie Kvaløy/Olsen charakterisieren.
Wie unterscheidet sich die Anreizstruktur bei JPE und RPE?
Bei JPE werden Agenten auf Basis des gemeinschaftlichen Outputs vergütet, während bei RPE die individuelle Leistung im Vergleich zu anderen Gruppenmitgliedern oder einem gewichteten Mittelwert ausschlaggebend ist.
Warum ist das Problem der Übertragbarkeit zwischen den Modellen so relevant?
Die Übertragbarkeit ist zentral, da die Heterogenität der Modellannahmen – wie etwa die Annahme diskreter Größen oder das Vorhandensein von idiosynkratrischem Risiko – dazu führt, dass optimale Lösungen meist nur innerhalb eines spezifischen Forschungsstroms gültig sind.
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- Marvin Deka (Author), 2016, Anreizgestaltung in Teams im Kontext der Prinzipal-Agenten-Theorie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/476899