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Der Begriff der Freundschaft bei Aristoteles (Nikomachische Ethik, Buch VIII und IX)

Title: Der Begriff der Freundschaft bei Aristoteles (Nikomachische Ethik, Buch VIII und IX)

Term Paper , 2004 , 17 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Vera Ohlendorf (Author)

Philosophy - Philosophy of the Ancient World
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Die Nikomachische Ethik gilt als der wichtigste Text der aristotelischen Ethikkonzeption. Im Gegensatz zur fragmentarisch überlieferten Eudemischen Ethik und zur Magna Moralia, deren Authentizität umstritten ist, handelt es sich hierbei um ein in sich kohärentes, abgeschlossenes Buch mit systematisch-logischem Aufbau. Das inhaltlich dichte und komplexe Werk beeinflusste signifikant die Philosophiegeschichte des Abendlandes und scheint bis heute kaum an Aktualität eingebüßt zu haben. Zunächst definiert Aristoteles das Endziel des Strebens nach einem guten Leben als Glück (eudaimonia) und schließt daran eine ausführliche Untersuchung der ethischen und dianoethischen Tugenden an. Die Untersuchung der Freundschaft (Buch VIII und IX) bildet den Höhepunkt gegen Ende des Buches, da hier Bedingung und Konsequenz des moralisch- glücklichen Lebens (das Zusammenleben in der Gemeinschaft) aufgezeigt werden. Auffällig ist, dass der aristotelische Freundschaftsbegriff ein weiteres Feld menschlicher Beziehungen umfasst als die Freundschaft in der (post-)postmodernen Welt und darüber hinaus auch von politischer Relevanz ist, ohne dabei den Privatmenschen und seine Bedürfnisse auszuklammern.

Die heute selbstverständliche und tiefgreifende Unterscheidung zwischen privatem und öffentlichem/politischen Leben war zur Zeit der hellenistischen Monarchien geradezu unbekannt. Für Aristoteles ist ein glückliches und gelungenes Leben untrennbar mit politischer Aktivität als Polisbürger verbunden. Dabei spielt Freundschaft (philia) eine besondere Rolle, deren Bedeutung weit über privates, innerliches Glücksgefühl (oder die sinnliche Liebe- aphrodisia) hinausreicht. Im Folgenden werde ich die verschiedenen Aspekte der Freundschaft (ihre Erscheinungsformen, verschiedene Beziehungen zu den Mitmenschen, Selbstliebe und die Konsequenzen für das Polisleben) darstellen und in einen Zusammenhang bringen, der zeigt, dass Aristoteles vor ca. 2300 Jahren (unabhängig von christlichem Einfluss) eine Theorie des ganzen Menschen entwarf, in der alle Seelenteile1 und Aspekte des Lebens von Vernunft und Selbstbeherrschung vereint und integriert werden, um so ein glückliches Leben anstreben und verwirklichen zu können.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Nutzen und Erscheinungsformen der Freundschaft

1.1.Freundschaft als Tugend der Gemeinschaft

1.2.Drei Arten der Freundschaft

2.Individuelle/ private Freundschaftsbeziehungen und ihr Verhältnis zum öffentlichen Gemeinwesen

2.1.Freundschaft und Recht

2.2.Staatsformen und gleichartige familiäre Beziehungen

2.3.Die Einheit von privater Beziehung und öffentlicher Institution am Beispiel der Ehe

3.Freundschaft mit sich selbst

3.1.Das Selbst und seine Verdoppelung im Anderen

3.2.Selbstopferung und das Paradoxon des Glücklichen

3.3.Das tätige Leben als wertvolles Gut an sich

Schluss

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht den aristotelischen Freundschaftsbegriff, wie er in den Büchern VIII und IX der Nikomachischen Ethik dargelegt wird. Das primäre Ziel besteht darin, die enge Verknüpfung zwischen privater Freundschaft, tugendhaftem Handeln und dem öffentlichen Leben im antiken Stadtstaat (Polis) aufzuzeigen und zu analysieren, wie Aristoteles das Individuum als gesellschaftliches Wesen begreift.

  • Systematik der verschiedenen Freundschaftsarten
  • Die Funktion der Freundschaft für den Zusammenhalt der Polis
  • Das Verhältnis zwischen Recht, Gerechtigkeit und privater Bindung
  • Die Bedeutung der Ehe als politische und soziale Institution
  • Die Konzeption der Selbstliebe und der Freundschaft mit sich selbst

Auszug aus dem Buch

3.1.Das Selbst und seine Verdoppelung im Anderen

„Das freundschaftliche Verhalten zu Menschen, die uns nahestehen, und die bekannten Wesensmerkmale der Freundschaft stammen [...] aus dem Verhältnis des Menschen zu sich selbst.“ Die Prinzipien, die erfüllt sein müssen, damit eine tiefe, vollkommene Freundschaft entstehen kann, beweisen die enge Nähe die sowohl äußerlich als auch innerlich zwischen den Partnern herrscht und betonen ihre charakterliche Gleichheit: der Freund wünscht das Gute um der Person des Freundes willen, er begehrt das Leben des Anderen um dessen Dasein willen, die Freunde verbringen ihr Leben miteinander, entscheiden sich für dieselben Dinge und teilen Freud und Leid miteinander.

Das Verhältnis des (trefflichen) Menschen zu sich selbst wird auf ganz ähnliche Weise charakterisiert: er ist mit sich selbst im Einklang, da alle Teile der Seele unter der Herrschaft der Vernunft nach den selben Zielen streben, er wünscht sich selbst ebenfalls das Gute, bzw. Dauer und Erhaltung des eigenen Lebens. Das eigene Ich erweitert sich in der Freundschaft, in der der Partner ein zweites Ich darstellt. Somit bildet auch das eigene Glück mit dem Glück des Anderen eine Einheit.

Moralisch minderwertige Personen können dagegen nicht in Freundschaft mit sich selbst leben, da sie sich aufgrund innerer Zerrissenheit über ihre eigenen Ziele uneinig sind, oft des Lebens überdrüssig werden und es eigenhändig beenden und die Gemeinschaft zu Anderen suchen, da sie nicht mit sich alleine sein können (weil sie dann über ihre ethischen Unzulänglichkeiten nachdenken müssten). Dadurch ist es ihnen auch unmöglich, die höchste Form der Freundschaft zu erreichen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Nutzen und Erscheinungsformen der Freundschaft: Aristoteles verortet Freundschaft im Bereich der Tugenden und unterscheidet drei Arten, wobei er die vollkommene Charakterfreundschaft als höchste und dauerhafteste Form hervorhebt.

2.Individuelle/ private Freundschaftsbeziehungen und ihr Verhältnis zum öffentlichen Gemeinwesen: Dieses Kapitel erläutert die Bedeutung von Freundschaften für die Rechtssprechung und das staatliche Zusammenleben, wobei private Bindungen wie die Ehe als Grundbausteine des Gemeinwesens betrachtet werden.

3.Freundschaft mit sich selbst: Der Autor zeigt auf, dass vollkommene Freundschaft auf dem gesunden Verhältnis des Menschen zu sich selbst basiert und dass die Selbstliebe die Grundlage für das Verständnis des Anderen als „zweites Ich“ bildet.

Schlüsselwörter

Aristoteles, Nikomachische Ethik, Freundschaft, Philia, Tugend, Polis, Eudaimonia, Charakterfreundschaft, Gerechtigkeit, Selbstliebe, Gemeinwesen, Ethik, Politische Philosophie, Menschliches Zusammenleben, Vernunft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert das Verständnis von Freundschaft bei Aristoteles, speziell in den Büchern VIII und IX seiner Nikomachischen Ethik, und beleuchtet deren Relevanz für das soziale und politische Gefüge der antiken Polis.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen umfassen die Systematik der Freundschaftstypen, die Interdependenz von privater Bindung und öffentlichem Recht sowie die philosophische Verknüpfung von Selbstliebe und dem Leben in einer Gemeinschaft.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie Aristoteles eine Theorie des „ganzen Menschen“ entwickelte, in der Vernunft, Selbstbeherrschung und Freundschaft dazu beitragen, ein glückliches und tugendhaftes Leben innerhalb der Gesellschaft zu verwirklichen.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?

Die Arbeit orientiert sich methodisch an Aristoteles' eigener Vorgehensweise, den sogenannten „endoxa“, bei denen zunächst verbreitete Ansichten gesammelt und anschließend systematisch in die philosophische Konzeption integriert werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Arten der Freundschaft, das Verhältnis von privaten Beziehungen zum öffentlichen Gemeinwesen (unter besonderer Berücksichtigung der Ehe) und die theoretische Fundierung der Freundschaft mit sich selbst.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren den Text?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Aristoteles, Philia, Eudaimonia, Polis und Tugendetik bestimmt.

Warum spielt die Ehe für Aristoteles eine besondere politische Rolle?

Aristoteles betrachtet die Ehe als eine vorpolitische Institution, die als „selbst geführtes Reich“ die soziale Stabilität der Polis stützt und als Urform staatlicher Organisation gilt.

Inwiefern unterscheidet sich die aristotelische Freundschaft vom modernen Verständnis?

Im Gegensatz zum modernen, oft stark gefühlsbetonten Freundschaftsbegriff, betont Aristoteles die rationale Charakterkomponente, das Streben nach dem Guten und die politische Nützlichkeit der Bindungen.

Warum ist laut Aristoteles das Alleinsein für den ethisch hochstehenden Menschen schwierig?

Weil das Glück als dynamischer Prozess des Tätigseins verstanden wird, der sich durch den Freund als „zweites Ich“ reflektieren und bestätigen lässt, was dem Menschen ein höheres Bewusstsein seiner eigenen Tugend verleiht.

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Details

Title
Der Begriff der Freundschaft bei Aristoteles (Nikomachische Ethik, Buch VIII und IX)
College
University of Leipzig
Grade
2,3
Author
Vera Ohlendorf (Author)
Publication Year
2004
Pages
17
Catalog Number
V47768
ISBN (eBook)
9783638446433
ISBN (Book)
9783640237999
Language
German
Tags
Begriff Freundschaft Aristoteles Ethik Buch VIII
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Vera Ohlendorf (Author), 2004, Der Begriff der Freundschaft bei Aristoteles (Nikomachische Ethik, Buch VIII und IX), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47768
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