In dieser Arbeit werden Herbarts drei Hauptbegriffe der Erziehung: Regierung, Zucht und Unterricht, überblicksartig dargestellt und die Zusammenhänge aufgezeigt. Dies soll insbesondere zum Verständnis des Systems Herbarts beitragen und deutlich machen, dass eine isolierte Betrachtung der Begrifflichkeiten nicht sachgerecht ist. Im Weiteren wird der Terminus „erziehender Unterricht“ fokussiert und darauf aufbauend die Zeitmäßigkeit sowie die Übertragbarkeit auf den heutigen Schulunterricht untersucht.
1. Einleitung
2. Die „einheimischen Begriffe“
2.1 Regierung
2.2 Zucht
2.3 Unterricht
3. Erziehender Unterricht
4. Übertragbarkeit auf den heutigen Schulunterricht
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die pädagogische Konzeption des „erziehenden Unterrichts“ nach Johann Friedrich Herbart aus dem Jahr 1806. Ziel ist es zu analysieren, inwieweit das System der „einheimischen Begriffe“ (Regierung, Zucht, Unterricht) eine Einheit bildet und ob diese historische Idee in den modernen Schulalltag integrierbar ist oder als überholt betrachtet werden muss.
- Systematische Darstellung der Herbart’schen Hauptbegriffe der Erziehung.
- Analyse der untrennbaren Verbindung von Wissensvermittlung und Persönlichkeitsbildung.
- Untersuchung der strukturellen Differenzen zwischen Privatunterricht und staatlichen Massenschulen.
- Kritische Reflexion der Übertragbarkeit pädagogischer Ideale auf heutige institutionelle Rahmenbedingungen.
Auszug aus dem Buch
4. Übertragbarkeit auf den heutigen Schulunterricht
Wie dargestellt stellt der Zweck der Einheit von Unterricht und Erziehung, also des erziehenden Unterrichts nach Herbart, die Bildung einer individuellen Persönlichkeit des Zöglings dar. In Zusammenhang mit dem Erziehungsmittel der Zucht wird ein mündiger Mensch angestrebt, Herbart ist demnach ein Vertreter der allgemeinen Menschenbildung und positioniert sich klar gegen das Prinzip der Auslese: „Es ist Sache des Individuums, ob es danach seinen Beruf zu bestimmen wage; der Erzieher kann zugleich Rathgeber [sic] sein, aber die Erziehung arbeitet nicht für den Beruf!“
Staatliche Schulen vergleicht Herbart mit einer Fabrik, was deutlich seiner Vorstellung von Erziehung widerspricht, die sich an Individualität orientiert. Die Vermassung durch solche Schulen beispielsweise aufgrund von festgelegten Lernplänen, stellt nach seiner Auffassung eine Gefahr für die Individualität dar:
„Die eitelsten aller Lernpläne möchten wohl die Schulpläne sein, welche für ganze Länder und Provinzen entworfen werden […] ohne dass der Scholarch zuvor die Wünsche der Einzelnen vernommen, die Vorzüge und Schwächen eines jeden geprüft, ihre Privatverhältnisse unter einander erkundet, und dem gemäß die Beratschlagung vorbereitet hätte“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problemstellung ein und erläutert die untrennbare Verbindung von Unterricht und Erziehung als Kern von Herbarts Pädagogik.
2. Die „einheimischen Begriffe“: Das Kapitel definiert und differenziert die drei grundlegenden Erziehungsmittel Regierung, Zucht und Unterricht in ihrem funktionalen Zusammenspiel.
3. Erziehender Unterricht: Hier wird der zentrale Begriff des „erziehenden Unterrichts“ vertieft, der über die reine Wissensvermittlung hinaus die allgemeine Menschenbildung anstrebt.
4. Übertragbarkeit auf den heutigen Schulunterricht: Abschließend wird die Anwendbarkeit der historischen Theorie auf moderne, staatlich organisierte Schulen kritisch hinterfragt und die Grenzen der Umsetzung aufgezeigt.
Schlüsselwörter
Johann Friedrich Herbart, Erziehender Unterricht, Allgemeine Pädagogik, Erziehungslehre, Regierung, Zucht, Unterricht, Menschenbildung, Individualität, Schulunterricht, Lernpläne, Pädagogikgeschichte, Moralität, Charakterstärke, Schulpädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der pädagogischen Theorie Johann Friedrich Herbarts und der zentralen Frage, ob sein Konzept des „erziehenden Unterrichts“ noch heute für den modernen Schulunterricht relevant ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit fokussiert sich auf Herbarts „einheimische Begriffe“ – Regierung, Zucht und Unterricht – und deren gegenseitige Abhängigkeiten im Kontext einer ganzheitlichen Erziehung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu klären, ob die Idee der Einheit von Unterricht und Erziehung ein überholtes Relikt darstellt oder ob sie weiterhin als Leitlinie für schulische Bildung fungieren kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die auf dem Studium von Primärtexten Herbarts und relevanter Sekundärliteratur basiert, um systematische Zusammenhänge zu erschließen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die drei Kernbegriffe erläutert, anschließend das Prinzip des erziehenden Unterrichts vertieft und abschließend der Vergleich zum heutigen Schulsystem gezogen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind hierbei der erziehende Unterricht, die allgemeine Menschenbildung, das System der einheimischen Begriffe sowie die kritische Auseinandersetzung mit der heutigen Schulpraxis.
Warum vergleicht Herbart staatliche Schulen mit einer Fabrik?
Herbart kritisiert die staatlichen Schulen als Fabriken, da die dortige Vermassung und die starren, zentral entworfenen Lernpläne die individuelle Förderung und Berücksichtigung der persönlichen Bedürfnisse des einzelnen Zöglings erschweren.
Ist die Umsetzung des Konzepts heute noch möglich?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die direkte Umsetzung aufgrund der hohen Schülerzahlen und der straffen Lehrpläne in öffentlichen Schulen kaum möglich ist, das Ideal aber als pädagogische Leitlinie weiterhin Bestand hat.
- Arbeit zitieren
- Nana Schwind (Autor:in), 2018, Ist die Idee des "erziehenden Unterrichts" nach Johann Friedrich Herbart ein überholtes Relikt vergangener Tage oder eine noch zeitgemäße und auf den heutigen Schulunterricht übertragbare Komponente?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/478233