Entwicklungspsychologie ist eine Teildisziplin der Psychologie.
Gegenstand der Entwicklungspsychologie sind intraindividuelle (=innerhalb eines Individuums ablaufende) Veränderungen des Erlebens und Verhaltens über die gesamte Lebensspanne sowie interindividuelle (zwischen Individuen ablaufende) Unterschiede bei den intraindividuellen Veränderungen. => psychologische Veränderungen von Personen
Entwicklung bezeichnet die relativ überdauernde intraindividuelle (=innerhalb eines Individuums ablaufende) Veränderung des Erlebens über die Zeit hinweg.
Aufgabe der Entwicklungspsychologie ist die Beschreibung, Erklärung, Diagnose, Prognose und gegebenenfalls die Intervention (bei Fehlentwicklungen) von Entwicklungsverläufen.
Geschichte der Psychologie:
- Antike: Bedeutung der Psychologie
- Mittelalter: Kinder als noch nicht ausgewachsene Erwachsene
- 17./18. Jahrhundert: Aufklärung ➢ John Locke: Empirismus (=Kind ist tabula rasa, kommt also ohne Angeborenes auf die Welt); Erziehung dient als Verhütung von Fehlentwicklungen ➢ Jean-Jacques Rousseau: Nativismus (=Kind bringt angeborene Ideen z.B. moralischer Natur mit=Naturphilosophie). Erziehung als negative Pädagogik (kein Eingriff erlaubt natürliche Entwicklung des Kindes) - Ab 1859: Darwin: Evolutionstheorie + Kindertagebuchmethode (= elterliche Beobachtung der Entwicklung der Kinder-> zunehmende Differenzierung von Beobachtungsdaten und daraus resultierende Fragen
- 19. Jahrhundert: Lebenstreppen (1. Lebenshälfte Wachstum, 2. Abbau-> keine bedeutsamen Lebensereignisse in 2. Lebenshälfte
Inhaltsverzeichnis
1. Begriffe und Grundkonzepte
2. Methoden und methodische Probleme in der Entwicklungspsychologie
3. Pränatale Entwicklung
4. Entwicklung im Säuglingsalter
5. Sprachentwicklung
6. Sozioemotionale Entwicklung in der Kindheit: Bindung
7. Kognitive Entwicklung in der Kindheit: Theory of Mind
8. Moralentwicklung
9. Kultur als Entwicklungskontext
10. Entwicklung im Jugendalter: Identitätsentwicklung (Stufe 5 Erikson-Modell)
11. Entwicklung sozialer Beziehungen
12. Entwicklung im Erwachsenenalter und hohen Alter
Zielsetzung & Themen
Dieses Dokument bietet einen strukturierten Überblick über zentrale Konzepte und Theorien der Entwicklungspsychologie über die gesamte Lebensspanne. Die Kernfrage befasst sich mit den intra- und interindividuellen Veränderungen des Erlebens und Verhaltens sowie den Bedingungen und Einflüssen, die diese Prozesse steuern.
- Grundlagen der Entwicklungspsychologie und historische Ansätze
- Methodische Ansätze in der entwicklungspsychologischen Forschung
- Pränatale Entwicklung und Entwicklung im Säuglingsalter
- Sprachentwicklung und kognitive Entwicklung (Theory of Mind)
- Identitätsentwicklung im Jugendalter und sozioemotionale Bindung
- Generativität und Entwicklung im Erwachsenenalter sowie im hohen Alter
Auszug aus dem Buch
Sozioemotionale Entwicklung in der Kindheit: Bindung
Vorläufer der Bindungstheorie ist die Attachment theory von Bowlby, welche besagt, dass jedes Kind Bindung entwickelt. Die Monotropie (Bowlbys) - die Annahme, dass das Kind sich nur an eine Person bindet - ist empirisch nicht haltbar, vielmehr binden sich Kinder an mehr als eine, aber nicht viele Bindungspersonen, und dies nicht allein an die Mutter.
Die Grundannahme ist, dass Bindung sichtbar wird in Bindungsverhalten, welches durch sogenannte Bindungssysteme ausgelöst wird. Das Sicherheitsregulationssystem sorgt dabei dafür, dass Bindungsverhalten zu Sicherheit führt. Zugleich liegt ein Explorationssystem vor. Der Explorationstrieb - das Bedürfnis, eigene Erfahrungen mit der Umwelt zu machen - führt zur neugierigen Erkundung der Umwelt und gleichzeitig zur Distanzierung von der Bezugsperson. Bindungssystem und Explorationssystem sind komplementär, das heißt ergänzend: Eine sichere Bindung erlaubt ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Sicherheit und Neugier.
Zur Erweiterung der Bindungstheorie dienen die Bindungsstile. Hierbei ist das Konzept der Feinfühligkeit zentral. Die Strange situation (fremde Situation) ermöglicht die Beobachtung der Mutter-Kind-Interaktion zur Feststellung der Bindungsqualität bei 1- bis 1,5-Jährigen. In einer fremden Umgebung kommt es zur Begegnung mit einer fremden Person und es erfolgt die Trennung von der Mutter. Dieses Geschehen ist in 8 Schritte eingeteilt und es wird die Mutter-Kind-Interaktion in den jeweiligen Wiedervereinigungsepisoden beobachtet. Daraus ergibt sich die Einteilung an Bindungsstilen wie die sichere Bindung, bei der Kinder die Mutter nach der Trennung freundlich grüßen, Nähe suchen und sich trösten lassen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Begriffe und Grundkonzepte: Definiert die zentralen Gegenstände der Entwicklungspsychologie und ordnet historische sowie theoretische Ansätze ein.
2. Methoden und methodische Probleme in der Entwicklungspsychologie: Erläutert statistische Grundkonzepte und verschiedene Untersuchungsdesigns wie Längs- und Querschnittsstudien.
3. Pränatale Entwicklung: Beschreibt die Prinzipien der Entwicklung im Mutterleib unter Berücksichtigung genetischer Faktoren und Umwelteinflüsse.
4. Entwicklung im Säuglingsalter: Fokus auf die Ausstattung des Neugeborenen sowie sensorische Fähigkeiten und frühkindliche Reflexe.
5. Sprachentwicklung: Detaillierte Darstellung des Spracherwerbs vom ersten Lallen bis zur Bildung von Zwei-Wort-Sätzen.
6. Sozioemotionale Entwicklung in der Kindheit: Bindung: Analysiert Bindungstheorien, Bindungssysteme und die Klassifikation verschiedener Bindungsstile.
7. Kognitive Entwicklung in der Kindheit: Theory of Mind: Behandelt die Entwicklung der Fähigkeit, anderen Personen mentale Zustände zuzuschreiben.
8. Moralentwicklung: Stellt die Stadien moralischen Denkens nach Piaget und Kohlberg gegenüber.
9. Kultur als Entwicklungskontext: Diskutiert den Einfluss kultureller Unterschiede auf Sozialisationsziele und elterliches Verhalten.
10. Entwicklung im Jugendalter: Identitätsentwicklung (Stufe 5 Erikson-Modell): Untersucht Identitätsfindungsprozesse und Übergangsphasen im Jugendalter.
11. Entwicklung sozialer Beziehungen: Beleuchtet Partnerwahlstrategien und die Dreieckstheorie der Liebe.
12. Entwicklung im Erwachsenenalter und hohen Alter: Thematisiert Konzepte wie Generativität, SOK-Modell und den Umgang mit dem Altern.
Schlüsselwörter
Entwicklungspsychologie, Sozialisation, Bindungstheorie, Theory of Mind, Moralentwicklung, Identitätsentwicklung, SOK-Modell, Generativität, Längsschnittstudie, Spracherwerb, Anlage-Umwelt-Debatte, Sensible Perioden, Kognitive Entwicklung, Partnerwahl, Resilienz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet einen wissenschaftlichen Überblick über die Entwicklungspsychologie und beleuchtet die Veränderungen des menschlichen Erlebens und Verhaltens über die gesamte Lebensspanne.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören unter anderem die pränatale Entwicklung, Spracherwerb, Bindungsstile in der Kindheit, Identitätsbildung im Jugendalter sowie die psychologischen Herausforderungen des Alterns.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Prozesse der menschlichen Entwicklung zu beschreiben, zu erklären und die verschiedenen methodischen sowie theoretischen Zugänge der Disziplin strukturiert darzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf etablierte entwicklungspsychologische Methoden wie Beobachtungsstudien, Befragungen, Längs- und Querschnittsdesigns sowie die theoretische Analyse psychologischer Modelle.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil deckt die chronologische und thematische Entwicklung von der Zeugung bis zum hohen Alter ab, inklusive moralischer, kognitiver und sozioemotionaler Entwicklungsprozesse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe wie Bindungstheorie, Identitätsentwicklung, SOK-Modell, Theory of Mind und Anlage-Umwelt-Debatte fassen den Kerninhalt zusammen.
Was besagt das SOK-Modell im Kontext des Alterns?
Das SOK-Modell (Selektive Optimierung mit Kompensation) beschreibt, wie ältere Menschen durch gezielte Auswahl von Zielen, Investition von Ressourcen und Kompensation von Verlusten ein funktionales Leistungsniveau aufrechterhalten können.
Warum ist die "fremde Situation" zur Bestimmung von Bindungsstilen wichtig?
Sie ermöglicht eine standardisierte Beobachtung der Mutter-Kind-Interaktion bei Trennung und Wiedervereinigung, um daraus den spezifischen Bindungsstil (sicher, unsicher-vermeidend, unsicher-ambivalent oder desorganisiert) abzuleiten.
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- Nana Schwind (Autor), 2018, Entwicklungspsychologie. Modulzusammenfassung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/478260