Die Zeit hat sehr viele Facetten. Wie diese bei der Preissetzung genutzt werden können, um eine Wirkung auf die Preiswahrnehmung zu erzielen, wird in dieser Arbeit aus einer theoretischen Perspektive aufgezeigt. Dabei ist die Vorgehensweise dergestalt, dass die einzelnen Möglichkeiten jeweils dargestellt und mögliche Ursachen betrachtet werden. Auf die praktischen Anwendungsmöglichkeiten wird dabei kurz eingegangen. Neben den bekannten Phänomenen des Payment depreciations und des Pennies-a-day- Effektes werden die zeitlichen Umfelder der Preissetzung – Eigenzeit und Zeitdruck – näher beleuchtet.
Hierbei ist ein zentrales Ergebnis, dass der Wert der Eigenzeit nicht konstant, sondern von der Situation abhängig und subjektiv ist. Die Eigenzeitwahrnehmung unterscheidet sich von der Preiswahrnehmung. Zeitgewinne oder - verluste können nicht eingelöst und übertragen werden. Die Risikofreude, die bei der Wahrnehmung von monetären Verlusten gilt, ist bei Zeitverlusten nicht gegeben. Daher ist es wichtig, z.B. Wartezeiten so zu gestalten, dass sie subjektiv als kürzer empfunden werden. Zeitdruck hat zur Folge, dass Heuristiken angewendet werden, um den Entscheidungsprozess zu beschleunigen. Bei einem hohen Preisniveau wird der Preis unter Zeitdruck eher als Qualitätsindikator angesehen, bei einem niedrigen Preisniveau eher als monetäres Opfer. Wenn von Zeitdruck ausgegangen werden kann, sollte dieser Zusammenhang bei der Preissetzung beachtet werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Payment depreciation
2.1 Darstellung des Phänomens
2.2 Mögliche Ursachen des Phänomens
3 Der Pennies-a-day-Effekt
3.1 Darstellung des Phänomens
3.2 Mögliche Ursachen des Phänomens
4 Umfelder, die über den Faktor Zeit Einfluss auf die Preiswahrnehmung ausüben
4.1 Eigenzeit
4.1.1 Wahrnehmung der Eigenzeit
4.1.2 Wert der Eigenzeit und Gestaltungsmöglichkeiten
4.1.3 Quantifizierung zeitbezogener Bedürfnisse
4.1.4 Wahrnehmung der Eigenzeit im Vergleich zur Preiswahrnehmung
4.2 Zeitdruck
4.2.1 Mögliche Ursachen für einen empfundenen Zeitdruck
4.2.2 Preiswahrnehmung unter Zeitdruck
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht aus theoretischer Perspektive, wie der Faktor Zeit als Gestaltungsparameter bei der Preissetzung genutzt werden kann, um die Preiswahrnehmung von Konsumenten gezielt zu beeinflussen.
- Psychologische Wirkungsweise von Payment depreciation
- Anwendung und Grenzen des Pennies-a-day-Effektes
- Subjektive Wahrnehmung und Bewertung von Eigenzeit
- Einfluss von Zeitdruck auf heuristische Preisentscheidungen
Auszug aus dem Buch
2.1 Darstellung des Phänomens
Eine mögliche zeitliche Gestaltung ist die Zahlung vor dem Konsum. Diese Abfolge findet sich beispielsweise häufig bei Theater- oder Kinovorstellungen. Es besteht die Möglichkeit, die Eintrittskarten weit im voraus zu kaufen. Hat der Konsument den Preis bereits bezahlt, kommt es zu einer gedanklichen Abschreibung dieses Preises über die Zeit. Gourville und Soman nennen diesen Prozess Payment depreciation. Je weiter der Zahlungszeitpunkt zurückliegt, umso weiter ist der Preis abgeschrieben. Wenn der Konsument dann doch irgendwann das Bezahlte konsumiert, empfindet er diesen Konsum fast bzw. vollständig wie kostenlos, je nachdem, wie weit die gedankliche Diskontierung schon fortgeschritten ist. Die einmal getätigte Ausgabe ist wenig bedeutsam für die Gegenwart geworden. Es kommt zu einer sinkenden Konsumwahrscheinlichkeit.
In der deutschsprachigen Literatur ist für das hier beschriebene Phänomen der Begriff „Entwertungseffekt“ zu finden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert den abstrakten Begriff der Zeit und skizziert die Fragestellung, wie Anbieter den Zeitfaktor strategisch zur Beeinflussung der Preiswahrnehmung einsetzen können.
2 Payment depreciation: Dieses Kapitel erläutert den Prozess der gedanklichen Preisabschreibung bei zeitlichem Abstand zwischen Zahlung und Konsum und zeigt dessen Auswirkung auf das Konsumverhalten.
3 Der Pennies-a-day-Effekt: Hier wird untersucht, wie eine disaggregierte Preisdarstellung, z.B. als tägliche Kleinausgabe, die Kaufwahrscheinlichkeit durch Vergleiche mit trivialen Ausgaben erhöhen kann.
4 Umfelder, die über den Faktor Zeit Einfluss auf die Preiswahrnehmung ausüben: Dieses Hauptkapitel analysiert die subjektive Wahrnehmung der Eigenzeit und den Einfluss von Zeitdruck als externe oder interne Faktoren auf Entscheidungsprozesse.
5 Fazit: Das Fazit fasst die theoretischen Erkenntnisse zusammen und identifiziert weiteren Forschungsbedarf hinsichtlich der Individualität von Wendepunkten bei Preisstrategien.
Schlüsselwörter
Zeit, Preissetzung, Preiswahrnehmung, Payment depreciation, Entwertungseffekt, Pennies-a-day-Effekt, Eigenzeit, Zeitdruck, Prospect Theory, Mental Accounting, Konsumwahrscheinlichkeit, heuristische Verarbeitung, Zeitknappheit, Dienstleistungsmarketing, Preis-Qualitäts-Heuristik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie Unternehmen den Faktor Zeit bei der Preisgestaltung nutzen können, um die Wahrnehmung und das Kaufverhalten der Kunden zu beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Im Zentrum stehen die Phänomene Payment depreciation und Pennies-a-day-Effekt sowie die Auswirkungen von Eigenzeitwahrnehmung und Zeitdruck auf die Preisentscheidung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aus einer theoretischen Perspektive aufzuzeigen, welche psychologischen Mechanismen die Zeit als Gestaltungsparameter bei der Preissetzung nutzbar machen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Theorieanalyse, die relevante verhaltensökonomische Konzepte wie die Prospect Theory und das Mental Accounting integriert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung zeitbezogener Preisphänomene (Abschnitt 2 und 3) sowie eine Untersuchung zeitlicher Umfelder wie Eigenzeit und Zeitdruck (Abschnitt 4).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Preiswahrnehmung, Payment depreciation, Pennies-a-day-Effekt, Zeitdruck und heuristische Verarbeitung.
Wie unterscheidet sich die Wahrnehmung von Zeit von der Wahrnehmung von Geld?
Der Hauptunterschied besteht darin, dass Zeitgewinne oder -verluste nicht wie monetäre Beträge übertragen oder eingelöst werden können, was zu einer erhöhten Risikoaversion bei Zeitunsicherheiten führt.
Welche Rolle spielt der Zeitdruck bei der Preiswahrnehmung?
Unter Zeitdruck neigen Konsumenten dazu, den Preis vermehrt als Qualitätsindikator zu verarbeiten (Heuristik), statt eine umfassende Preis-Leistungs-Analyse durchzuführen.
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- Cosima Lütge (Author), 2005, Die Zeit als Gestaltungsparameter bei der Preissetzung aus theoretischer Perspektive, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47944