Suizid in den Medien

Von Werther bis "13 Reasons Why"


Bachelorarbeit, 2019
48 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Gesellschaftliche Relevanz des Themas Suizid

2. Einführung zum Thema Suizid und Medien
2.1 Definition des Begriffes Suizid und Abgrenzung des Untersuchungs-Gebietes
2.2 Behandlung des Themas Suizid in verschiedenen Medien
2.2.1 Literatur
2.2.2 Presse und Tageszeitung
2.2.3 Film und Fernsehen
2.2.4 Neue Medien
2.3 Zusammenfassung der Behandlung des Themas Suizid in verschiedenen Medien

3. 13 Reasons Why
3.1 Grundinformationen zur Serie
3.2 Storyline & Inhalt
3.2.1 1. Staffel
3.2.2 2. Staffel
3.3 Darstellung des Suizids in der Serie
3.4 Kritik an der Serie

4. Fazit

5. Quellenverzeichnis
5.1 Literaturverzeichnis
5.2 Online-Quellen

1. Gesellschaftliche Relevanz des Themas Suizid

Suizid ist eine der häufigsten unnatürlichen Sterbeursachen in Deutschland. Die Suizidrate ist seit 1980 zwar insgesamt stark gesunken, stagniert aber seit einigen Jahren auf einem Niveau von etwa 10.000 Fällen jährlich und hatte ihren Tiefstand im Jahre 2007.1 Trotz der hohen Zahlen wird dem Thema Suizid, aufgrund der Angst vor Nachahmungstaten, sowohl gesellschaftlich als auch medial wenig Aufmerksamkeit geschenkt.

Dass es sich aber um ein relevantes Thema handelt, zeigt nicht zuletzt die aktuelle Diskussion um die (aktive) Sterbehilfe beziehungsweise den assistierten Suizid, der in anderen Ländern, wie beispielsweise der Schweiz, bereits praktiziert wird. Zentral ist hier die Fragestellung, ob es legal sein darf, dass ein Mensch entscheidet, sein Leben zu beenden und dabei Unterstützung erhält. Diese gesellschaftliche, ethische und politische Diskussion entfachte eine große Zahl an medialen Berichterstattungen und löste viele Gespräche sowie Forderungen nach Gesetzesänderungen aus. Durch das Aufgreifen dieses Sub-Themas könnte es also zu einem Umdenken und Veränderungen in der Gesellschaft kommen, weshalb folgende Ausführungen ihren Blick auf die allgemeine Behandlung des Themas Suizid in den Medien richten möchte.

Im Zuge dieser Arbeit soll der Begriff „Suizid“ zunächst definiert und von anderen Begrifflichkeiten abgegrenzt werden. Anschließend soll ein Überblick über die Verarbeitung des Themas Suizid in verschiedenen Medien gegeben werden. Als Abschluss der Arbeit wird ein Blick auf die Serie 13 Reasons Why geworfen, die jüngst den fiktiven Suizid einer Schülerin zum Leitthema hatte und große Diskussionen auslöste.

Es soll geklärt werden, was ein Suizid ist und wie er sich beispielsweise vom Selbstmordattentat, das eng mit den Medien in Verbindung gebracht wird, unterscheidet. Nachdem diese grundlegende Abgrenzung vollzogen wurde, wird das Thema Suizid im konkreten Kontext unterschiedlicher Medien betrachtet. In diesem Zusammenhang soll geklärt werden, in welcher Art und Weise Medien das Thema Suizid behandeln oder verarbeiten und welche möglichen positiven oder negativen Auswirkungen deren Rezeption haben kann. Weiterhin soll im Rahmen der Ausführungen die konkrete Umsetzung einer Suizid Thematik am Beispiel von 13 Reasons Why analysiert werden. Die Arbeit soll mit der Frage abschließen, ob und wie Suizid in den Medien dargestellt werden sollte und welche Maßnahmen oder Veränderungen von Nöten sind, um einen positiven Effekt bei den Rezipienten zu erzielen.

2. Einführung zum Thema Suizid und Medien

2.1 Definition des Begriffes Suizid und Abgrenzung des Untersuchungs-Gebietes

Für das Beenden des eigenen Lebens gibt es verschiedene Begrifflichkeiten zu denen Suizid, Freitod oder Selbstmord beziehungsweise Selbsttötung gehören. Alle diese unterscheiden sich in der sprachlichen Bedeutung, emotionalen Färbung und Wahrnehmung, doch soll diese Arbeit sich auf den vielleicht neutralsten der Begriffe, „Suizid“, beschränken. Bisher gibt es keine eindeutige Definition von „Suizid“, dieses Kapitel soll jedoch einen Überblick über zentrale Aspekte schaffen.

Eine von vielen Definitionen beschreibt Suizidalität als „die Summe aller Denk-, Verhaltens- und Erlebensweisen von Menschen, die in Gedanken, durch aktives Handeln oder passives Unterlassen oder durch Handelnlassen den eigenen Tod anstreben beziehungsweise als mögliches Ergebnis einer Handlung in Kauf nehmen.“2 Andere Versuche diesen Begriff zu definieren, nehmen Faktoren wie die Intention genauer in ihren Blick und unterscheiden durch sie zum Beispiel zwischen Suizidideen, Suizidversuchen, freiwilliger Selbstschädigung mit oder ohne tödlichem Ausgang, vollendeten Suizid oder Euthanasie. Weitere Faktoren sind hier der Aktivitätsgrad des Suizids, die Abgrenzung verschiedener Subtypen von Suiziden, Differenzierungen der medizinischen Letalität sowie weitere sozioepidemiologische Variablen wie Alter, Geschlecht, ethnische Herkunft, Methode, oder berufliche Situation.

„Suizide werden demnach als ein Akt der intentionalen Beendigung des eigenen Lebens definiert. Davon können nicht-letale, suizidale Verhaltensweisen abgegrenzt werden, die sich im Grad ihrer Intentionalität zu sterben unterscheiden. Suizidale Verhaltensweisen können weiter in Suizidgedanken, Suizidpläne und Suizidversuche unterteilt werden. Suizidgedanken beschreiben die Gedanken an ein suizidbezogenes Verhalten, das das Ziel hat, das eigene Leben zu beenden.“3

Weiterhin sei fest zu halten, dass „Suizide“ keine Krankheit sind, sondern „eine vielschichtige Begleiterscheinung von vor allem psychischen, insbesondere affektiven Störungen4.“5 „Die fehlende Einheitlichkeit bei der Verwendung von Begriffen und die fehlende einheitliche Definition von Suiziden führen dazu, dass die Befunde verschiedener Studien nur schwer aufeinander bezogen werden können.“6 Im Rahmen dieser Arbeit soll „Suizid“ allerdings ausnahmslos für eine intentionale Tat verwendet werden, die den eigenen Tod zur Folge hat.

Nach WHO-Angaben sterben jährlich etwa eine Million Menschen durch Suizid. Bis 2020 wird mit einer steigenden Tendenz von bis zu 1,5 Millionen gerechnet. Die Zahl der Suizidversuche wird sehr unterschiedlich, aber bei jährlich zwischen 15 und 50 Millionen Menschen, eingeschätzt.7 Grundsätzlich ist die Suizidrate unter Männern deutlich höher als unter Frauen. Neben dem Geschlecht, spielt auch das Alter eine wesentliche Rolle, was sich bei genauerer Betrachtung der Suizid-Raten in verschiedenen Altersklassen zeigt. In Deutschland und Österreich liegen Suizide bei Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren bei einer Quote von etwa 1:100.000. In diesem Stadium führen vor allem Probleme im Elternhaus, Vernachlässigung, Gewalt, sexuelle Gewalt, psychische Krankheit der Eltern und soziale Probleme im Elternhaus zu einer Selbsttötung. Bei den 16-20-jährigen ist das Risiko bereits 10mal so hoch und nach tödlichen Unfällen die zweithäufigste Todesursache dieser Altersklasse. Als mögliche Auslöser oder Motive werden hier zum Beispiel psychische Krankheit, Alkohol-, Drogen und Abhängigkeitsprobleme, Ablösungsprobleme sowie Probleme in Existenzgründung und -findung genannt. Bei alten Menschen ist das Risiko am höchsten, wobei Einsamkeit, Krankheit, Isolation, Unselbstständigkeit und vor allem nicht diagnostizierte und nicht behandelte Depression zu Suizid-Handlungen führen.8 Im Gegensatz zur steigenden Zahl an Suiziden, nimmt die Zahl der Suizidversuche mit voranschreitendem Alter im Verhältnis ab.9

Ein weiterer Begriff, der durch tragische Ereignisse wie 9/11 oft im Zusammenhang mit Medien und Suizid fällt, ist das Selbstmordattentat. Grundsätzlich besteht in unserer heutigen Gesellschaft ein Wirkungsverhältnis zwischen Suizid, Terror und medialen Inszenierungen.10 Deshalb sollen die beiden Begriffe im Folgenden voneinander abgegrenzt werden.

Betrachtet man das Selbstmordattentat in Bezug auf seine mediale Inszenierung, fällt auf, dass dieses zum einen vom Täter selbst und zum anderen von der betroffenen Gesellschaft präsentiert wird. Dabei ergeben sich klare Unterschiede, da es sich zum einem zum Beispiel um Videos handelt, die religiöse oder politische Motive erklären und zum anderen Berichterstattung über die Tat im Vordergrund stehen.11 "Die Wahrnehmung des Selbstmordattentats ist in hohem Maße standortgebunden und wird durch mediale Inszenierung gesteuert."12 Weshalb eine solche Tat für die Selbstthematisierung des Täters als Märtyreroperation gilt, wohingegen es westliche Medien als Selbstmordattentat bezeichnen.13

Konkret lassen sich Suizid und Selbstmordattentat durch fünf Punkte unterscheiden:

1. Ein Selbstmordattentat ist nicht irrational oder pathologisch.
2. Beim Selbstmordattentat steht nicht die Selbsttötung, sondern Tötung und Einschüchterung von Feinden im Mittelpunkt.
3. Anschläge zielen nicht auf den Tod, sondern auf das Leben: Das ewige Weiterleben des Märtyrers im Paradies und das säkuläre Weiterleben als Held im Gedächtnis seiner Angehörigen.
4. Der Suizid ist individuell, bei einem Attentat sind mehrere Menschen, zum Beispiel an Strategie oder Planung beteiligt.
5. Der Suizid im klassischen Sinne ist im Gegensatz zum Attentat keine "Waffe". Ein Attentat koppelt das eingesetzte Leben mit dem Einsatz modernster Techniken, wie beispielsweise der Luftwaffe oder der Medien als Waffe in einem asymmetrischen Konflikt.14

Da Suizid und Selbstmordattentat nun klar voneinander unterschieden worden sind, kann zweiteres in den weiteren Ausführungen außer Acht gelassen werden.

2.2 Behandlung des Themas Suizid in verschiedenen Medien

Um einen Überblick über die Verwendung und Behandlung des Motivs „Suizid“ in den Medien zu erlangen, soll dieses Kapitel verschiedene Medien auf eben dieses Thema untersuchen.

2.2.1 Literatur

Ein literarisches Werk, das unmittelbar mit Suizid in Verbindung gebracht wird, ist Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“, das seit jeher für das Wirkungspotenzial dieses Mediums steht. Zentral für den Werther-Mythos ist eine angebliche 'Epidemie von Selbstmorden' nach Veröffentlichung des Werkes. Einige dieser Selbstmorde konnten über die konkrete Ausführung oder Abschiedsbriefe direkt in Verbindung mit dem Werk gebracht und als Befolgung von Werthers Beispiel betrachtet werden, was die literarische Wirkung des Werkes unterstreicht.15 Nur wenige Fälle waren eindeutig zuzuordnen, doch "markieren Werther-Selbstmorde die radikalste Form der Medienwirkung überhaupt".16 Die Wirkung der Lektüre ist bis heute umstritten, da eine zu geringe Datendokumentation zu den möglichen Nachahmungstaten vorliegt. Aber auch wenige, erwiesenermaßen auf Werther basierende Selbstmorde zeigen das gefährliche Potenzial der Lektüre, deren Verkauf nach der Erscheinung in manchen Städten sogar verboten wurde.17

Literatur besitzt einen hohen suggestiven Charakter und lebt von bildhaften Beschreibungen, um den Leser in seinen Bann zu ziehen. Diese genauen Beschreibungen stehen – bei Betrachtung von suizidalen Thematiken – im Gegensatz zu den deutschen Presserichtlinien, auf welche in 2.2.2 noch genauer eingegangen wird.18 Reents stellt weiter die Frage, ob sich die Suggestionskraft von Literatur durch vorgeführte Eigenlegitimation erhöht und führt folgende These an:

"Dem (labilen) Leser werden nicht nur die Motivation (also Gefühlslage), der Entschluss (der Selbstmord), die Handlungsanweisung (was, wann, wie) vorgeführt, sondern er bekommt seine Legitimation zur Selbsttötung, wie auch der Held, durch entscheidende Lektüreerfahrung."19

Am Ende seiner Ausführungen stellt er sich allerdings klar gegen eine freiwillige Selbstkontrolle oder Zensur der Literatur, da ihr Kern auch das Leid beinhalte.20

In Suizid-Literatur erhält der Selbstmörder häufig "Legitimation" aus anderer Literatur - wie auch beim Protagonisten Werther, der Lessings Roman „Emilia Galotti“ aufgeschlagen hatte, dessen Hauptfigur sich aufgrund von Liebeskummer das Leben nahm.21 Der im Roman vorkommende Freitod der fiktionalen Figur „Werther“ ist also eine Imitatio22 auf den in „Emilia Galotti“ und beruht zudem auf einer wahren Begebenheit. Einige Leser des Werkes ahmten dies nach und platzierten Goethes Werk in unmittelbarer Nähe, bevor sie sich umbrachten.23 Imitatio-Taten waren auch bei anderen literarischen Werken, wie Schillers „Räuber“, zu beobachten. Diese literarischen Fälle legten eine Grundlage für die Diskussionen um die Gefahr "neuer Medien", weil sie zu den ersten gehörten, die einem breiten, öffentlichen Publikum zugänglich waren.24

Der Werther-Effekt

„Den Ausgangspunkt für die Erforschung von Nachahmungssuiziden bildet die vielbeachtete Studie von Phillips (1974), der retrospektiv für den Zeitraum von 1947 bis 1968 die Auswirkung von Suizidberichten auf der Titelseite US amerikanischer und britischer Tageszeitungen auf die absolute Anzahl von Suiziden im Erscheinungsmonat mit den zu erwartenden Suizidzahlen für diesen Monat (Mittelwert der Suizide des gleichen Monats im Vorjahr und im nachfolgenden Jahr) verglich und in der Mehrzahl der Monate einen deutlichen Anstieg der Suizide feststellen konnte.“25

"Heute ist der "Werther-Effekt" ein in die Psychiatrie eingegangener Begriff, der medial vermittelte Nachahmungs-Suizide kennzeichnet."26 Für die Kommunikationswissenschaft ist dabei vor allem von Relevanz, dass „Medienberichte zusätzliche Suizide auslösen können, die ohne diese Berichterstattung nicht stattgefunden hätten.“27 Entscheidend für diesen Effekt sind dabei auch Reichweite und Umfang der Berichterstattung, wobei es keine Rolle spielt, ob es sich um reale oder fiktionale Suizid(-darstellungen) handelt. "Umfangreiche Studien haben ergeben, dass die Berichterstattung über Selbstmorde deren Quote erhöht hatte.“28

Zu den formalen Kriterien, die einen Werther-Effekt begünstigen, zählen:

- Der Suizidbericht steht auf der Titelseite einer Zeitung.
- Der Begriff „Suizid“ kommt in der Überschrift vor.
- Es gibt ein Foto der Person, die sich das Leben genommen hat.
- Der Medienbeitrag heroisiert die Person, die sich das Leben genommen hat („musste in dieser Situation so handeln“).

Eigenschaften von Suizidberichten, die einen Werther-Effekt abschwächen oder verhindern können, sind:

- Alternative Handlungsmöglichkeiten zum Suizid werden genannt (zum Beispiel Anlaufstellen bei Suizidgedanken).
- Überwinden einer suizidalen Krise.
- Darstellung von Hintergrundinformationen zu Suizidalität im Allgemeinen (zum Beispiel Hilfestellungen zum Umgang mit suizidalen Personen).

Die Relevanz des Werther-Effekts zeigt sich auch in der Tatsache, dass entsprechende Medienguidelines erstellt wurden und in manchen Ländern Preise für vorbildliche Suizidberichterstattung vergeben werden, um Journalisten zur Einhaltung zu motivieren.29

Allerdings gibt es auch einen Gegenentwurf, den sogenannten „Papageno-Effekt“ welcher besagt, dass durch reduzierte beziehungsweise angemessene Medienberichterstattung die Zahl der Suizide gesenkt werden kann und somit eine suizidpräventive Wirkung von Medien möglich ist.30 „Die Frage nach der präventiven Wirkung von Medien ist deshalb noch immer umstritten, da Einstellungen von Menschen "komplex und vielseitig determiniert sind und daher vermutlich nicht durch kurzfristige Interventionen maßgeblich beeinflusst werden können."31

Seit Philipps wurden „mehr als 100 wissenschaftliche Studien zum Zusammenhang zwischen Medienberichten über Suizide oder Suiziddarstellungen in den Medien und deren Auswirkungen auf tatsächliche suizidale Verhaltensweisen publiziert.“32 Bei der Forschung am Werther-Effekt ergeben sich aber einige Probleme, zu denen unter anderem die alleinige Fokussierung auf tatsächliche Suizide und die Vernachlässigung von allgemein suizidalem Verhalten nach entsprechenden Medienberichten zählt. Wenn also nur ein Teil des Phänomens „Suizidalität“ untersucht wird, ist davon auszugehen, dass der tatsächliche Einfluss durch Mediendarstellungen noch viel größer ausfallen und zusätzlich Meinungen, Normvorstellungen und Wahrnehmungen verändern kann.33

Die Diskussion um Imitationstaten nach Medienberichten über Suizide ist nicht abgeschlossen und hat bisher drei Stadien durchlaufen. Als erstes wurden Hinweise auf Imitatio-Taten, wie beispielsweise durch die Studie von Phillips und seine Definition des Werther-Effekts erbracht. Somit war das Interesse an dieser Thematik geweckt und es folgten weitere Arbeiten, wie etwa die von Schimidke und Häfner, die modellnahe Imitationssuizide nach der Fernsehserie Tod eines Schülers bestätigen konnte. „Dies war besonders besorgniserregend, da diese Serie einen aufklärerischen Anspruch hatte, jedoch durch die offenbar zu suggestive Darstellung des Suizids eines jungen Mannes negative Auswirkungen hatte, die nach der Ausstrahlung jeder der sechs Folgen gefunden wurden."34 Als Reaktion auf diese wissenschaftlichen Erkenntnisse, wurden im zweiten Schritt erstmals Empfehlungen zur Berichterstattung über Suizidhandlungen in den Massenmedien gegeben. Ein Beispiel dafür stellen die Empfehlungen von Gernot Sonneck aufgrund vieler U-Bahn Suizide in Wien in den 80er-Jahren dar. Das dritte Stadium verzeichnete eine erfolgreiche Reduktion von Suiziden durch das Verändern von Medienberichten. Bezogen auf das Beispiel von Sonneck, konnte mit einer Studie nachgewiesen werden, dass U-Bahn Suizide durch die veränderte Berichterstattung um 80% zurück gingen. Dies gelang durch Sonnecks Kooperationen mit den Wiener Massenmedien und vor allem einer großen Boulevard-Zeitung, die seine Empfehlungen einhielten und beispielsweise nicht mehr dramatisch und reißerisch über Suizide berichteten.35

[...]


1 Vgl. Statista (2019).

2 Scherr (2016, S. 45).

3 Scherr (2016, S. 47).

4 Vgl. Affektive Störung (20. September 2018): Eine Gruppe von psychischen Störungen. Ihr gemeinsames verbindendes Merkmal ist vor allem eine klinisch bedeutsame Veränderung der Stimmungslage.

5 Scherr (2016, S. 43).

6 Scherr (2016, S. 45).

7 Vgl. Scherr (2016, S. 43).

8 Vgl. Sonneck (2008, S. 16).

9 Vgl. Scherr (2016, S. 44).

10 Vgl. Berthold (2008, S. 183).

11 Vgl. Berthold (2008, S. 184).

12 Berthold (2008, S. 192).

13 Vgl. Berthold (2008, S. 192).

14 Vgl. Berthold (2008, S. 185).

15 Vgl. Andree (2006, S. 9 f.).

16 Andree (2006, S. 16).

17 Vgl. Reents (2008, S. 137).

18 Vgl. Reents (2008, S. 138).

19 Reents (2008, S. 139).

20 Vgl. Reents (2008, S. 140 f.).

21 Vgl. Reents (2008, S. 138).

22 Imitatio (lateinisch imitatio) steht für Nachahmung (in diesem Falle einer Suizid-Vorlage).

23 Vgl. Andree (2006, S. 12 f.).

24 Vgl. Andree (2006, S. 16).

25 Scherr (2016, S. 16).

26 Reents (2008, S. 137).

27 Scherr (2016, S. 13).

28 Reents (2008, S. 137).

29 Scherr (2016, S. 27 f.).

30 Vgl. Scherr (2016, S. 14).

31 Etzersdorfer (2008, S. 213).

32 Vgl. Scherr (2016, S. 16).

33 Scherr (2016, S. 37 f.).

34 Etzerdorfer (2008, S. 209).

35 Vgl. Etzendorfer (2008, S. 209 f.).

Ende der Leseprobe aus 48 Seiten

Details

Titel
Suizid in den Medien
Untertitel
Von Werther bis "13 Reasons Why"
Hochschule
Universität Regensburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
48
Katalognummer
V480682
ISBN (eBook)
9783668958265
Sprache
Deutsch
Schlagworte
suizid, medien, werther, reasons
Arbeit zitieren
Sabrina Kaindl (Autor), 2019, Suizid in den Medien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/480682

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Suizid in den Medien


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden