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'Horace' - Wie Corneille anhand der Figur der Camille in einem Richelieu gewidmeten Theaterstück Staatskritik üben konnte

Title: 'Horace' - Wie Corneille anhand der Figur der Camille in einem Richelieu gewidmeten Theaterstück Staatskritik üben konnte

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 35 Pages , Grade: 1

Autor:in: Katharina Krings (Author)

French Studies - Literature
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Summary Excerpt Details

Ab 1635 bezog Corneille die Politik in seine Stücke mit ein. Während er im „Cid“ noch den nur an seinem Glück interessierten und aufsässigen Rodrique das vom König - und wie auch im wahren Leben von Richelieu - nicht erwünschte Duell abhalten ließ, schien „Horace“ vier Jahre später die Allmacht des Staates und die damit einhergehende absolute Sich-Unterwerfung dieser Macht zu zelebrieren.
Es ist aus heutiger Sicht erstaunlich, dass „Horace“, mit der darin von Camille nicht gerade sparsam geäußerten Staatskritik, Richelieu nicht nur gewidmet, sondern von diesem die Aufführung auch genehmigt wurde. Die für den Leser unserer Zeit logische Denk- und Handlungsweise der Camille wird nämlich kaum vom Freispruch für Horace am Ende des Stückes anders gewertet als zu Beginn. Versetzt man sich allerdings in die Entstehungszeit des Stückes und betrachtet man die politischen sowie gesellschaftlichen Tugenden und Richtlinien vor dem geschichtlichen Hintergrund, so ist es gut möglich, dass eine abschreckende Schlussszene Camilles Wortgewalt zunichte macht. Nach eingehender Beschäftigung mit „Horace“ wird aber deutlich, dass sich Corneille anhand der Figur der Camille durchaus ein kritisches Sprachrohr geschaffen hat, das auch auf entsprechendes Gehör stoßen konnte. Dazu ist es besonders wichtig, nicht nur die historischen und politischen Hintergründe zu erforschen, sondern auch die Zuschauerperspektive zu definieren.
Ein Blick in die Forschungsliteratur zeigt, dass die Meinungen über die Aussage des Stückes gespalten sind. So sieht Jaques Maurens in Corneille einen getreuen Ideologen Richelieus und dessen Staatsidee. Dementgegen stufen Werner Krauss und Bernard Dort Corneille als einen Vertreter des Bürgertums ein, da er deren politische Wünsche und Vorstellungen in seinen Stücken thematisiert. Nach Serge Doubrovsky schreibt Corneille ein théâtre réactionnaire. Zwar lassen sich für jeden der genannten Interpretationsansätze geeignete Textstellen finden, jedoch soll auf denen von Wolfgang Iser aufgebaut werden, wo festgehalten wird, dass in Corneilles Stücken von einem Zusammenhang zwischen Fiktion und Wirklichkeit auszugehen sei.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Le XVIIème siècle - Zeitliche Situierung

2.1. Das politische Geschehen um 1640

2.2. Die Auswirkungen der Politik auf die französische Literatur

2.3. Die doctrine classique

2.4. Das politische Geschehen in „Horace“ in einem vergleichenden Bezug zur Realität

3. Der Begriff der Staatsräson im Vergleich zu „Horace“

4. Zum Begriff des Stoizismus

4.1. Im Allgemeinen

4.2. Der Stoizismus zu Corneilles Zeit

5. „Horace“ - Ein Resumée

6. Ist diese Tragödie wirklich tragisch?

7. Die Position der Camille

7.1. Ein Überblick

7.2. Camilles Taktik

7.3. Die Fortschrittlichkeit von Camilles Denkweise

8. Zur Rezeptionsperspektive

9. Schlussfolgerungen

9.1. Wie konnte die Staatskritik verschleiert werden?

Zielsetzung & Forschungsfrage

Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern Pierre Corneilles Theaterstück „Horace“ trotz seiner Widmung an Kardinal Richelieu und der vordergründigen Feier des Absolutismus als ein kritisches Werk gelesen werden kann, das die destruktiven Konsequenzen totalitärer Staatsräson auf das Individuum thematisiert.

  • Historische Kontextualisierung von Politik und Literatur im 17. Jahrhundert.
  • Analyse des Staatsbegriffs der Staatsräson und des Stoizismus in Bezug auf den Helden Horace.
  • Untersuchung der Figur der Camille als Gegenpol zum absolutistischen Staatsprinzip.
  • Erforschung der Rezeptionsperspektive und der Möglichkeiten einer staatskritischen Lesart.

Auszug aus dem Buch

7.1. Ein Überblick

In „Horace“ wird ein Staat präsentiert, der in sich abgeschlossen ist und dem alles untergeordnet werden muss. Dies kann und will Camille aber nicht akzeptieren. Die von ihr an den Vater gestellte rhetorische Frage: „Ne préfère-t-il point l´Etat à sa famille?“101, deren Bejahung nicht ihrem Weltbild entspricht, deutet an, dass sich das Geschehen bis zum Ende des Stückes zuspitzen wird - und zwar dergestalt, dass Camille letztendlich Rom und ihren Bruder verfluchen wird. Betrachtet man die Charaktere des Stückes mit Konzentration auf deren Position zum totalitären Staat, so wird man erkennen, dass Corneille das Stück so konzipiert hat, dass es in der Verfluchung des Vaterlandes gipfeln muss.

Horace und Camille werden als Personen gleicher Willensstärke präsentiert, beide sind somit der Ehre des Heldentums würdig. „Und wenn [Corneille] das staatliche Ideal des Bruders über das private der Schwester stellt [da diese aufgrund ihrer Ideale am Ende sterben muss] so hebt er wiederum Camille durch ein größeres Maß an klarer Folgerichtigkeit über Horace hinaus“102, der einer weder helden- noch ehrenhaften Tat der Leidenschaft erliegt, nämlich dem im Affekt begangenen Schwestermord. Camille wird von ihren passions geleitet, Horace von der devoir - es findet also eine Unterscheidung zwischen der natürlichen und der heroischen Leidenschaft statt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in das Thema, die Fragestellung und den historischen Hintergrund von Corneilles „Horace“.

2. Le XVIIème siècle - Zeitliche Situierung: Analyse des politischen Umfelds um 1640 sowie der Literaturtheorie und -politik unter Richelieu.

3. Der Begriff der Staatsräson im Vergleich zu „Horace“: Erörterung der theoretischen Grundlagen der Staatsräson und deren Auswirkung auf den Souveränitätsbegriff im Stück.

4. Zum Begriff des Stoizismus: Darstellung der stoischen Philosophie als Mittel der Disziplinierung und Herrschaftslegitimation.

5. „Horace“ - Ein Resumée: Zusammenfassung der Handlung des Theaterstücks und Einordnung in den dramaturgischen Kontext.

6. Ist diese Tragödie wirklich tragisch?: Untersuchung der Frage, ob Horace eine klassische Tragödie darstellt oder ob das absolutistische System das tragische Potenzial unterdrückt.

7. Die Position der Camille: Analyse der Rolle Camilles als Repräsentantin des Individuums gegen die Staatsmacht.

8. Zur Rezeptionsperspektive: Untersuchung der Wirkung des Stückes auf den Zuschauer und die Identifikationsmöglichkeiten mit den Figuren.

9. Schlussfolgerungen: Fazit zur staatskritischen Lesart des Stückes und zur Verschleierung dieser Kritik durch den Autor.

Schlüsselwörter

Corneille, Horace, Staatsräson, Absolutismus, Stoizismus, Camille, Staatskritik, Richelieu, Tragödie, Individuum, Machtpolitik, Literaturgeschichte, Rezeptionsperspektive, 17. Jahrhundert, Theater

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Pierre Corneilles Drama „Horace“ im Hinblick auf eine mögliche staatskritische Dimension, die trotz der offiziellen Widmung an Kardinal Richelieu im Text verborgen liegt.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Zentrum stehen die Konzepte der Staatsräson, des Stoizismus, die Rolle des Individuums gegenüber der totalitären Staatsgewalt sowie die dramaturgische Funktion der Rezeptionsperspektive.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist herauszuarbeiten, wie Corneille anhand der Figur der Camille und der Konfliktsituation zwischen Privatleben und Staatsdienst Kritik an absolutistischen Strukturen übt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die historische Kontexte mit philosophischen Theorien der Zeit (z.B. Staatsräson, Neostoizismus) kombiniert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Situierung, die theoretische Fundierung des Staatsbegriffs, eine inhaltliche Zusammenfassung, die Untersuchung der Tragik sowie eine vertiefte Analyse der Figur der Camille.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen neben dem Werktitel insbesondere „Staatsräson“, „Absolutismus“, „Stoizismus“ und die „Rezeptionsperspektive“.

Wie schafft es Camille, als tragische Figur zu bestehen?

Camille opponiert gegen die totalitäre Unterwerfung unter das Vaterland und vertritt eine menschlich-individuelle Moral, was sie zur einzigen „echt“ tragischen Figur des Stückes macht.

Warum konnte Corneille trotz der versteckten Staatskritik das Werk Richelieu widmen?

Das Stück operiert auf mehreren Ebenen; die vordergründige patriotische Botschaft und der gewidmete Widmungsbrief boten einen Schutzschirm, während die inhaltliche Zuspitzung durch Camille eine kritische Lesart ermöglichte.

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Details

Title
'Horace' - Wie Corneille anhand der Figur der Camille in einem Richelieu gewidmeten Theaterstück Staatskritik üben konnte
College
Ruhr-University of Bochum  (Romanisches Institut)
Course
Tragödie und Macht im französischen 17. und 18. Jahrhundert
Grade
1
Author
Katharina Krings (Author)
Publication Year
2004
Pages
35
Catalog Number
V48122
ISBN (eBook)
9783638449113
ISBN (Book)
9783638681872
Language
German
Tags
Horace Corneille Figur Camille Richelieu Theaterstück Staatskritik Tragödie Macht Jahrhundert
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Katharina Krings (Author), 2004, 'Horace' - Wie Corneille anhand der Figur der Camille in einem Richelieu gewidmeten Theaterstück Staatskritik üben konnte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48122
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