Dekonstruktion - am Beispiel von Mulholland Drive


Hausarbeit, 2005

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Begriff der Dekonstruktion
2.1 Das Zeichen nach de Saussure
2.2 Différence / Différance

3 Dekonstruktion und David Lynch
3.1 Mulholland Drive

4 Schlussbetrachtung

5 Literatur / Film

1 Einleitung

Im Rahmen des Seminars „Normalität und Exzess“ möchte ich mich mit dem Thema Dekonstruktion auseinandersetzen und den Film „Mulholland Drive“ aus der dekonstruktivistischen Perspektive beleuchten. Der Film vom Regisseur David Lynch eignet sich besonders dafür, da bewusst mit den Erwartungen und voreingestellten Deutungsverhalten der Zuschauer gespielt wird und die Vorstellung einer hegemonialen Bedeutungshoheit kritisch hinterfragt wird.

Natürlich kann in dieser Seminararbeit keine vollständige Abarbeitung zum Begriff der Dekonstruktion geleistet werden. Daher beschränke ich mich auf Kernaspekte der Zeichentheorie von de Saussure und daran anschließend die Theorie der différance von Derrida. Unter der abstrakten und schwierigen Theorie Derridas konnte ich mir zunächst nicht erklären, wie die différance praktisch arbeitet. Da David Lynch im Allgemeinen als ein Vertreter des postmodernen Films gilt und diesem das Modell der Dekonstruktion zugeschrieben wird, mit dem dieses Genre arbeitet, habe ich das Werk Lynchs unter dem Blickwinkel der différance beleuchtet und im Speziellen den Film „Mulholland Drive“ näher untersucht. Mir ist aufgefallen, dass zwar im Zusammenhang mit den Filmen von Lynch häufiger der Begriff der Dekonstruktion verwendet, aber selten im Einzelnen genauer erörtert wird. Der Zusammenhang zur Dekonstruktion wurde eher global und abstrakt erklärt. Da das Werk Lynchs sehr umfangreich ist und „Mulholland Drive“ ein sehr vielschichtiger Film ist, bin ich in dieser Arbeit eher skizzenhaft vorgegangen und habe mir einzelne Aspekte herausgesucht. Diese Arbeit kann insofern nur als Einladung zur näheren Untersuchung verstanden werden.

2 Begriff der Dekonstruktion

Die Idee der Dekonstruktion im Bereich des Textes entwickelte sich vornehmlich im französischen Diskurs in den Arbeiten von Jacques Derrida, Jean-Francois Lyotard und Gilles Deleuze/Félix Guattari. Im Zusammenhang mit dem Diskurs um eine Neubewertung der strukturalistischen Thesen u.a. von dem Schweizer Sprachwissenschaftler Ferdinand de Saussure entwickelte sich die Theorie des Poststrukturalismus, in dem der Begriff der Dekonstruktion in der Literaturkritik aufgebaut wurde.

De kon struktion soll nach Derrida den kreativen Charakter verdeutlichen, indem hegemoniale Darstellungsweisen verneint werden (also das destruktive Moment) und eine enthierachisierende Perspektive gegenüber dem Text als konstruktives Moment eingenommen wird. Dekonstruktion bezeichnet nicht nur die Auflösung von bestehenden Ordnungen und Strukturen, sondern sie erschafft diese neu und „bindet“ Elemente in neue Kontexte ein, dennoch bleibt diese „Bindung“ nicht stabil, denn „sie treibt [...] ein willkürliches Spiel mit Texten und Traditionen.“[1] Es geht bei der De kon struktion demnach nicht um die différence, die Differenzierung, das nach de Saussure die Sprache prägt, also eines Widerspruchs, eines entweder/oder-Kräfteverhältnis, sondern um die différance nach Derrida, das Unentscheidbare.

2.1 Das Zeichen nach de Saussure

Im Werk „Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft“ (Cours de linguistique générale) beschreibt Ferdinand de Saussure die Beziehung zwischen Signifikant und Signifikat. Die Beziehung ist psychischer Natur, denn das „sprachliche Zeichen vereinigt in sich nicht einen Namen und eine Sache, sondern eine Vorstellung und ein Lautbild“[2]. Das Zeichen ist nicht der Stellvertreter einer Sache, sondern die Repräsentantenfunktion ist im Zeichen selbst angelegt, daher definiert Saussure die Vorstellung als das Bezeichnete, also das Signifikat und das Lautbild als Signifikant. Die Vorstellung verweist dann wiederum auf das Materielle in der Wirklichkeit. Im Zusammenhang mit dem Zeichen stellt er zwei Grundsätze fest: die Beliebigkeit des Zeichens und der lineare Charakter des Zeichens.

Die Beliebigkeit des Zeichens ergibt sich aus der beliebigen Beziehung zwischen Vorstellung und Lautbild. Daher kann von einer willkürlichen Zuordnung von Signifikat und Signifikant gesprochen werden, die das Zeichen als Arbiträres setzt. Es kann nicht von einem natürlichen Zusammenhang von Bezeichnetem und Bezeichnung gesprochen werden. Den linearen Charakter des Zeichens macht de Saussure am Sprechakt fest, der das Zeichen ausdehnt zu einer zeitlichen Linie. Die Schrift bildet den linearen Aspekt durch die graphische Darstellung in der räumlichen Ausdehnung wieder.

Zur Beeinflussung des Zeichens zieht Saussure zweierlei Schlussfolgerungen: Zum Einen ist das Zeichen gegenüber einzelner Individuen unempfindlich denn die Masse steht dem Gebrauch des Wortes beharrlich dem des Einzelnen gegenüber, daraus resultiert die Unveränderlichkeit des Zeichens. Zum Anderen verändert sich das Zeichen hinsichtlich der Zeit, „weil es sich ununterbrochen in der Zeit fortpflanzt“[3]. Saussure nimmt demnach eine evolutionäre Perspektive ein, die eine Weiterentwicklung und „Verschiebung des Verhältnisses zwischen dem Bezeichneten und der Bezeichnung“[4] des Ursprungs bedeutet.

Die Sprache lebt von den Differenzen der Zeichen zueinander. Das Zeichen grenzt sich mit seinen Lautbildern und Vorstellungen vom anderen ab, aber nicht „daß eines anders ist als das andere, ist wesentlich, sondern daß es neben allen andern und ihnen gegenüber steht“[5]. Für Saussure ist nicht so sehr die Tatsache des Anderen entscheidend, sondern die Beziehung des Zeichens zum Anderen, denn nur dadurch kann sich das Zeichen selbst konstituieren.

2.2 Différence / Différance

Auf den Grundlagen der sprachwissenschaftlichen Auseinandersetzung von Saussure mit dem Zeichen fußt die Theorie von Derrida. Während Saussure von einer Differenzierung (différence) der Sprache ausgeht, wird die Theorie erweitert durch das „Modell“ der différance. Derrida analysiert die klassische Semiologie, in der das Zeichen sekundär und vorläufig sei, d. h. „sekundär nach einer ursprünglichen und verlorenen Präsenz, aus der sich das Zeichen abgeleitet hat; vorläufig zu jener endgültigen und fehlenden Präsenz, angesichts derer das Zeichen sich in einer vermittelnden Bewegung befände.“[7] Das Zeichen stellt sich diesem Modell nach als eine reine Repräsentantenfunktion des Abwesenden dar, das zwischen dem Realen und Nicht-Präsentem vermittelt (auch wenn Vorstellung und Lautbild sich im Zeichen selbst befinden).[6]

[...]


[1] Bertram, Georg W.: Die Dekonstruktion der Normen und die Normen der Dekonstruktion (2002), S. 289

[2] Saussure, Ferdinand de: „Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft“ (1916), S. 77

[3] ebd., S. 87

[4] ebd., S. 88

[5] ebd., S. 145

[6] Derrida, Jacques: "Die différance" (1968)

[7] ebd., S. 35

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Dekonstruktion - am Beispiel von Mulholland Drive
Hochschule
Universität Paderborn  (Medienwissenschaft)
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
18
Katalognummer
V48165
ISBN (eBook)
9783638449427
ISBN (Buch)
9783638750974
Dateigröße
557 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dekonstruktion, Beispiel, Mulholland, Drive
Arbeit zitieren
Björn Vieth (Autor), 2005, Dekonstruktion - am Beispiel von Mulholland Drive, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48165

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