Geschichte im Fernsehen


Seminararbeit, 2002

14 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhalt

1. Voraussetzungen
1.1. Fernsehen und Wissenschaft
1.2. Objektivität

2. TV-Dokumentationen
2.1. Grundsätzliches
2.2. Merkmale einer Dokumentation
2.3. Zeitzeugen – ein Kapitel für sich

3. Zum Beispiel…
3.1. „Kohle, Chaos und Kartoffeln“
3.2. „Die eigene Geschichte“

4. Resümee
4.1. Fernsehen – ein geeignetes Medium zu Geschichtsvermittlung?
4.2. Was nun also?

Anhang: Literaturverzeichnis

1. Voraussetzungen

1.1. Fernsehen und Wissenschaft

Das Geschichtsbewusstsein des Durchschnittsbürgers ist nicht ausschließlich durch das Fernsehen geprägt – aber doch zu einem sehr großen Teil.[1] Dem allgegenwärtigen Medium entkommt fast niemand. Dass geschichtsthematische Programmbeiträge relativ viele Zuschauer erreichen, liegt aber nur zum Teil am allgemeinen Interesse der Deutschen an der Vergangenheit. Medienforschungen zufolge gibt es neben dem Publikum, das sozusagen von Haus aus an Geschichte interessiert ist, auch eine Zuschauergruppe, „deren Neugier auf ‚Historisches’ von fernsehspezifischen Vermittlungsformen geweckt wurde“.[2] Überspitzt gesagt gibt es also sowohl die, die fernsehen, weil sie sich über Geschichte informieren möchten, als auch die, die sich über Geschichte informieren, weil sie fernsehen möchten.

Die der Verfasserin zugänglichen Quellen verschweigen leider, welche dieser Gruppen die größere ist. Ich wage jedoch zu behaupten, dass letztere eine nicht unbedeutende Rolle spielt und vermutlich in den Planungen der Programmmacher eine fest eingeplante Größe ist. Geschichte im Fernsehen soll daher auch immer unterhalten und publikumswirksam sein. Verfasser fachspezifischer Veröffentlichungen zu historischen Detailfragen mögen damit zufrieden sein, einem zahlenmäßig sehr beschränkten Rezipientenkreis zu dienen. Eine Dokumentation im Fernsehen aber hat ein anderes Selbstverständnis. Sie will zwar einerseits historische Wirklichkeit abbilden – bei allen Abstrichen, die im weiteren Verlauf der Arbeit beleuchtet werden –, sie ist jedoch auch immer auf Quotenfang und auf ein breites Publikum ausgelegt. Fernsehen kennt keine Fußnoten und Literaturverzeichnisse. Um es mit den Worten Rainer C.M. Wagners zu sagen: „Fernsehtürme sind aus Beton und Stahl (…), Fernsehtürme sind nie aus Elfenbein.“[3]

1.2. Objektivität

Der Fernseh-Praktiker Dieter Franck sagt: „Das Beunruhigende an der historischen Dokumentation ist, daß manche glauben, es gebe sie wirklich.“[4] Er bezieht sich damit auf die Unmöglichkeit einer reinen Objektivität in einem Dokumentationsfilm, welche das Genre seiner Auffassung nach beanspruchen müsste. Ein Film ist der Natur der Sache entsprechend immer eine Darstellung, und eine Darstellung, argumentiert Franck, kann niemals objektiv sein.[5] Dokumentarfilme besitzen „Standpunkt und Perspektive, Handlungsverlauf und Spannungsbogen, Bedeutungsstiftung und Sinnauslegung“[6], analysiert Bodo von Borries. Auch wenn ein Filmemacher sich noch so sehr um uneingeschränkte Sachlichkeit bemüht und lediglich unkommentierte Quellen bündelt, kann das Ergebnis nicht völlig objektiv sein. Die getroffene Auswahl, Gliederung und Aufbau und nicht zuletzt der ausgewählte Titel der Quellensammlung geben am Ende doch Hinweise auf eine Intention des Filmemachers, sogar, wenn er selbst sich dessen gar nicht bewusst sein sollte.[7]

Ebenfalls wichtig im Blick zu behalten ist die Tatsache, dass jedes historische Filmdokument an sich bereits eine Wertung darstellt. Festgehalten wurde nur, was das Filmmaterial wert war, was spektakulär genug war, um vom Publikum nachgefragt zu werden. „Die Entstehung der historischen Film-‚Dokumente’ zeigt, wie zufällig der jeweilige Ausschnitt aus der damaligen Wirklichkeit ist, wie manipulativ die Eigenarten des Mediums (…). Der Filmreporter eilte dorthin, wo etwas los war: ein großes Ereignis, eine Katastrophe, ein Krieg.“[8] Aus dem so eingefangenen winzigen Stück Wirklichkeit wurde im Schneideraum noch das Interessanteste herausgeholt, und oft genug verlieh man der Geschichte durch geschickte Schnitte eine mitunter fragliche Wertigkeit.[9] Nur wenige Zuschauer sind informiert genug, um diese Gepflogenheiten zu durchschauen, und nur wenige kennen die „wahre Geschichte“ gut genug, um den Wert einer Dokumentation richtig einschätzen zu können.

2. TV-Dokumentationen

2.1. Grundsätzliches

Im Bereich der geschichtlichen Darstellungen im Fernsehen gibt es zwei Arten von Filmemachern. Quandt unterscheidet die „Dokumentaristen“[10] auf der einen Seite, die sich im größtmöglichen Einklang mit der Geschichtswissenschaft befinden und hauptsächlich Dokumentationen, Diskussionen und Interviews produzieren, und auf der anderen Seite die „Filmemacher“[11], denen die Kunst höher steht als die wissenschaftliche Wahrheit, die eher die „poetische Wahrheit“[12] suchen und sich zumeist auf historisches Spiel konzentrieren. Der Dokumentarfilm-Pionier Joris Ivans nannte dies das Prinzip der „Sucher“ und der „Finder“.

Die Darstellung der Zeitgeschichte im Fernsehen ist dank einiger technischer Voraussetzungen erheblich vielfältiger darzustellen als Darstellungen vergangener Epochen. Während letztere auf statische Dokumente – Schriftstücke, Kunstwerke, Gebäude(reste), Münzen, Landschaften etc. – zurückgreifen muss und dem Publikum häufig nur durch historisches Spiel richtig nahe kommen kann, sind bei Dokumentationen der neueren Zeit meist umfangreiche zeitgenössische Filmquellen vorhanden und – soweit es die unmittelbare Vergangenheit betrifft – Zeitzeugen verfügbar.

2.1. Merkmale einer TV-Dokumentation

Guido Knopp, dem aller berechtigten Kritik zum Trotz eine bemerkenswerte Steigerung der Einschaltquoten bei Geschichtssendungen zu verdanken ist, hält bei einer Dokumentation vier Merkmale für wichtig: Aktualität, Kontinuität, Vielfalt und Nähe.[13]

Bei aller Historie gibt es für eine Dokumentation mehrere Möglichkeiten, aktuell – und damit publikumswirksam – zu sein. In der Realität ist wohl der häufigste – und eigentlich fragwürdigste – Anlass der Jahrestag, das Jubiläum eines geschichtlichen Ereignisses. Ein Datum wie etwa beispielsweise den 200. Todestag Friedrich Schillers wird kein Sender, der seinen Bildungsauftrag ernst nimmt, ungewürdigt verstreichen lassen.

[...]


[1] Vgl. Quandt, Siegfried: Geschichte im Fernsehen. Perspektiven der Wissenschaft. In: Knopp, Guido und Quandt, Siegfried (Hrsgs.): Geschichte im Fernsehen. Ein Handbuch. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1988. S. 10

[2] Stolte, Dieter: Geschichte als Programmauftrag. In: Knopp, Guido und Quandt, Siegfried (Hrsgs.): Geschichte im Fernsehen. Ein Handbuch. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1988. S. 22

[3] Wagner, Rainer C.M.: Zwischenbereiche des Alltagslebens. In: Weiterbildung und Medien, Ausgabe 2/1988. S. 28

[4] Franck, Dieter: Die historische Dokumentation. In: Knopp, Guido und Quandt, Siegfried (Hrsgs.): Geschichte im Fernsehen. Ein Handbuch. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1988. S. 49

[5] vgl. ebd.

[6] Borries, Bodo von: Geschichte im Spiel- und Dokumentarfilm. Fach- und mediendidaktische Überlegungen. In: Medien und Kommunikation als Lernfeld. Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung, Band 236. Franz Spiegel Buch GmbH, Ulm 1986. S. 214

[7] vlg. Borries S. 215

[8] Franck, S. 49f

[9] vgl. Franck S. 50

[10] Quandt, S. 18

[11] ebd.

[12] ebd.

[13] Knopp, S. 3

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Geschichte im Fernsehen
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Seminar (Deutsche Nachkriegszeit in TV-Dokumentationen)
Note
2
Autor
Jahr
2002
Seiten
14
Katalognummer
V48182
ISBN (eBook)
9783638449588
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Mündlich hat mir der Dozent hier auch ein "sehr gut" bescheinigt. Als ich später den Schein abholen kam, konnte er sich schon nicht mehr an die Arbeit erinnern, und da ich den gleich mitnehmen wollte, haben wir uns auf "gut" geeinigt, weil die Note für mein Studium irrelevant war.
Schlagworte
Geschichte, Fernsehen, Seminar, Nachkriegszeit, TV-Dokumentationen)
Arbeit zitieren
Lena Marie Hahn (Autor), 2002, Geschichte im Fernsehen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48182

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