Die Rechtsform der offenen Handelsgesellschaft (OHG) ist, nach der Einzelunternehmung und der Gesellschaft mit beschränkter Haftung, die am weitesten verbreitete Rechtsform der Unternehmungen in Deutschland. Im Jahre 2003 haben nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 260.046 Unternehmungen in der Rechtsform einer offenen Handelsgesellschaft (inkl. der Gesellschaft des bürgerlichen Rechts) Lieferungen und Leistungen in Höhe von 236.258 Millionen Euro erzielt. Die OHG ist eine Unternehmensrechtsform, die die Komponenten Arbeitseinsatz, Kapitaleinsatz und Kreditwürdigkeit kombiniert und gleichzeitig die Initiative und das Verantwortungsbewusstsein eines jeden Gesellschafters fordert und fördert. Während für die Gründung einer Kapitalgesellschaft ein bestimmtes Mindestkapital vorgeschrieben ist, kann eine Gesellschaft des bürgerlichen Rechts sowie eine Personengesellschaft, zu der die OHG zählt, ohne ein bestimmtes Mindestkapital gegründet werden. Dafür aber, dass kein Mindestkapital vorgeschrieben ist, ist der Haftungsumfang eines Gesellschafters wesentlich höher, als bei einer Kapitalgesellschaft und somit auch das mit der Unternehmensgründung verbundene Risiko.
Ein Unternehmer, der sich dazu entschließt eine OHG zu gründen, sollte deshalb u. a. die mit der Wahl der Rechtsform verbundenen Chancen und Risiken kennen. Eine wesentliche Bedeutung hierbei spielt der Punkt der Haftung, welcher im Rahmen dieser Seminararbeit ausführlich behandelt wird.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Einführung in die Thematik
1.2 Vorgehensweise und Ziel der Ausarbeitung
2 Allgemeine Merkmale der offenen Handelsgesellschaft
3 Die Haftung in der OHG
3.1 Die Haftung der Gesellschaft gegenüber den Gesellschaftsgläubigern
3.2 Haftung der Gesellschafter einer OHG gegenüber den Gesellschaftsgläubigern
3.2.1 Umfang der Haftung der Gesellschafter
3.2.2 Inhalt der Haftung der Gesellschafter
3.2.3 Einwendungen der Gesellschafter
3.2.4 Haftung neu eintretender Gesellschafter
4 Haftungsdauer der Gesellschafter einer OHG
4.1 Haftung der Gesellschafter nach der Auflösung
4.2 Haftungsdauer eines ausscheidenden OHG-Gesellschafters
5 Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die gesetzlichen Grundlagen sowie die Konsequenzen der Haftung und Haftungsdauer innerhalb einer offenen Handelsgesellschaft (OHG) und für deren Gesellschafter präzise darzustellen und zu erläutern.
- Rechtliche Rahmenbedingungen und Merkmale der OHG
- Umfang und Inhalt der persönlichen Haftung der Gesellschafter
- Einwendungsmöglichkeiten der Gesellschafter bei Haftungsinanspruchnahme
- Haftungsfolgen bei Eintritt neuer oder Austritt bestehender Gesellschafter
- Verjährungsfristen und Nachhaftungsregelungen nach Gesellschaftsauflösung
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Umfang der Haftung der Gesellschafter
Neben der Gesellschaft mit ihrem Gesellschaftsvermögen, haften gemäß § 128 S. 1 HGB alle Gesellschafter für die Verbindlichkeiten der OHG als Gesamtschuldner persönlich.
Die persönliche Haftung der Gesellschafter gegenüber den Gesellschaftsgläubigern umfasst folgende Merkmale:
- unmittelbar: Ein Gläubiger kann unmittelbar von jedem einzelnen Gesellschafter die Befriedigung seiner Forderung verlangen, ohne sich zuvor erfolglos an die Gesellschaft gewandt haben zu müssen.
- primär: Der Gesellschafter kann dem Gläubiger gegenüber keine Einrede der Vorausklage geltend machen. Er haftet dem Gläubiger primär also auch sofort an erster Stelle.
- unbeschränkt: Der Gesellschafter haftet dem Gläubiger gegenüber nicht nur mit der erbrachten Einlage, sondern auch mit seinem gesamten Privatvermögen.
- unbeschränkbar: Eine Vereinbarung, die die Haftung eines Gesellschafters nach außen hin einschränken soll, ist laut dem Wortlaut des § 128 S. 2 HGB, Dritten gegenüber grundsätzlich unwirksam. Jedoch besteht die Möglichkeit, dass die OHG mit dem Gläubiger vertraglich vereinbart, dass die persönliche Haftung aller oder einzelner Gesellschafter ausgeschlossen ist. Wird auf diesem Wege die persönliche Haftung aller Gesellschafter einzelvertraglich ausgeschlossen, so ist die Haftung auf das Gesellschaftsvermögen der OHG beschränkt. Eine im Innenverhältnis abweichende Haftungsregelung ist zulässig und steht der Vorschrift des § 128 S. 2 HGB nicht entgegen.
- gesamtschuldnerisch: Jeder einzelne Gesellschafter haftet dem Gläubiger gegenüber, unabhängig von der Höhe seines Anteils am Gesellschaftsvermögen, für die gesamte Verbindlichkeit der OHG. Der in Anspruch genommene und zahlende Gesellschafter hat jedoch gemäß § 426 Abs. 1 BGB den Mitgesellschaftern gegenüber einen Ausgleichsanspruch, der subsidiär zur Gesellschaft ist. Die Höhe des Ausgleichsanspruches richtet sich nach der Regelung zur Verlustbeteiligung.
- akzessorisch: Die Schuld der Gesellschafter ist identisch mit der Schuld der Gesellschaft. Kommt es zu einer rechtlichen Veränderung der Gesellschaftsverbindlichkeit, so wirkt sich diese Veränderung unmittelbar auf den Umfang der Gesellschafterhaftung aus.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Bedeutung der OHG als verbreitete Unternehmensform ein und definiert die Zielsetzung der Arbeit bezüglich der Haftungsthematik.
2 Allgemeine Merkmale der offenen Handelsgesellschaft: Hier werden die gesetzlichen Grundlagen und die kaufmännischen Voraussetzungen für die Entstehung einer OHG erläutert.
3 Die Haftung in der OHG: Dieses zentrale Kapitel behandelt detailliert die Haftung der Gesellschaft sowie die umfassende, persönliche Haftung der Gesellschafter gegenüber Gläubigern.
4 Haftungsdauer der Gesellschafter einer OHG: Dieses Kapitel erläutert die zeitlichen Grenzen der Haftung, insbesondere im Fall der Auflösung sowie beim Ausscheiden eines Gesellschafters.
5 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Betrachtung der Haftungsrisiken und betont die Notwendigkeit von Vertrauen unter den Gesellschaftern.
Schlüsselwörter
Offene Handelsgesellschaft, OHG, Haftung, Gesellschafterhaftung, HGB, Gesamtschuldner, Privatvermögen, Nachhaftung, Gesellschaftsgläubiger, Kaufmannseigenschaft, Personengesellschaft, Haftungsausschluss, Verjährungsfrist, Unternehmensrecht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit befasst sich mit dem rechtlichen Haftungsumfang und der zeitlichen Dauer der Haftung innerhalb einer offenen Handelsgesellschaft (OHG) in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der persönlichen und unbeschränkten Haftung der Gesellschafter, den Möglichkeiten zur Einwendung gegen Gläubigeransprüche sowie der Haftung bei Zu- und Abgängen von Gesellschaftern.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die gesetzlichen Vorschriften zur Haftung der OHG und ihrer Gesellschafter transparent darzustellen, um Unternehmern die Risiken dieser Rechtsform zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer rechtlichen Analyse einschlägiger HGB- und BGB-Vorschriften unter Einbeziehung relevanter juristischer Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl die Haftung der Gesellschaft als auch die vielfältigen Ausprägungen der Gesellschafterhaftung, inklusive der Haftung bei neu eintretenden Gesellschaftern, detailliert erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie OHG, persönliche Haftung, Gesamtschuldner, HGB, Nachhaftung und das damit verbundene unternehmerische Risiko charakterisiert.
Was passiert, wenn ein Gesellschafter aus der OHG ausscheidet?
Auch nach dem Ausscheiden aus der OHG besteht eine sogenannte Nachhaftung für alle bis zum Austritt begründeten Verbindlichkeiten, die jedoch gesetzlich auf fünf Jahre begrenzt ist.
Wie unterscheidet sich die Haftung bei neu eintretenden Gesellschaftern?
Nach § 130 HGB haftet ein neu eintretender Gesellschafter für alle bereits vor seinem Eintritt bestehenden Verbindlichkeiten der OHG in gleicher Weise wie die bisherigen Gesellschafter.
Warum ist die Wahl der OHG trotz der hohen Risiken beliebt?
Die OHG wird häufig gewählt, da sie kein Mindestkapital erfordert und für Kreditinstitute aufgrund der unbeschränkten Haftung eine hohe Kreditwürdigkeit darstellt.
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- Markus Paulinger (Author), 2005, Haftung und Haftungsdauer in der Offenen Handelsgesellschaft (OHG), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48183