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Ist die Kontrastive Linguistik zu ihrem Ende gekommen?

Die Chancen und Herausforderungen aus ihrer historischen Entstehung

Titel: Ist die Kontrastive Linguistik zu ihrem Ende gekommen?

Bachelorarbeit , 2018 , 39 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Julien Dietrich (Autor:in)

Germanistik - Linguistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Das Ziel dieser Arbeit liegt im Auffinden der Chancen und Herausforderungen für die Kontrastive Linguistik, die sich seit ihrer Entstehung ergeben haben. Darauf aufbauend soll der Frage nachgegangen werden, ob die Kontrastive Linguistik nur ein vorübergehender Trend war, so dass gegenwärtig von einem Ende der Kontrastiven Linguistik gesprochen werden kann.

Kontrastive Untersuchungen, welche die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen zwei Sprachen herausstellten, reichen weit bis in die Vergangenheit zurück. Dabei wurde davon ausgegangen, dass das Wissen über die grammatischen Strukturen einer bereits erlernten Sprachen den Spracherwerb einer zweiten Sprache beeinflussen würde. Bis heute wird dabei der Frage nachgegangen, wie der Fremdsprachenunterricht anhand solcher Befunde effektiver gestaltet werden kann und welche Rolle dabei die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen der Erst- (L1) und Zweitsprache (L2) einnehmen.

Die Kontrastive Linguistik, die ihren Durchbruch zu Beginn der zweiten Hälfte des 20. Jhd. verzeichnete, versucht dabei die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Sprachen aufzuzeigen. Dabei ist die Kontrastive Linguistik seit ihrer Entstehung nicht nur auf Anerkennung gestoßen, sondern erfuhr auch zahlreiche Kritik, welche sie daraufhin in eine tiefe Krise stürzte und deren Auswirkungen bis heute noch zu verzeichnen sind.

Um die Fragestellung dieser Arbeit beantworten zu können, wird zunächst die Disziplin der vergleichenden Sprachwissenschaft beschrieben, um anschließend zu überprüfen, ob die Kontrastive Linguistik aufgrund ihrer Merkmale als Zweig der vergleichenden Sprachwissenschaft zugeordnet werden kann. Hierbei werden auch die anderen Teildisziplinen der vergleichenden Sprachwissenschaft herangezogen, um Überschneidungen ausfindig zu machen, die für oder gegen eine Zuordnung der Kontrastiven Linguistik als Zweig der vergleichenden Sprachwissenschaft sprechen.

Die Überschneidungen zwischen der Kontrastiven Linguistik und den anderen Teildisziplinen sind dabei besonders für zukünftige Arbeiten relevant. Im Anschluss daran wird für die Kontrastive Linguistik eine Begriffsbestimmung vorgenommen, um ihren Gegenstand und die damit verbundenen Ziele heraus-zuarbeiten zu können. Der nachfolgende historische Verlauf wird anschließend die wichtigsten Ereignisse der Kontrastiven Linguistik aufzählen, damit auch ihre gegenwärtige Bedeutung herausgestellt werden kann.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die vergleichende Sprachwissenschaft und ihre Teildisziplinen

2.1 Die Kontrastive Linguistik und ihr historische Verlauf

2.1.1 Begriffsbestimmung, Gegenstand und Ziele

2.1.2 Der Beginn der Kontrastiven Linguistik

2.1.3 Die 3 großen Spracherwerbshypothesen

2.1.3.1 Die Kontrastivhypothese

2.1.3.2 Die Identitätshypothese

2.1.3.3 Die Interlanguage-Hypothese

2.2 Historisch-vergleichende Sprachwissenschaft

2.3 Sprachtypologie

2.4 Areallinguistik

3. Das tertium comparationis

4. Die Rolle der KL im Fremdsprachenunterricht

5. Ausblick der Kontrastiven Linguistik

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Bachelorarbeit untersucht die historische Entwicklung, die theoretische Verortung sowie die methodischen Herausforderungen der Kontrastiven Linguistik. Das zentrale Ziel ist es, zu analysieren, ob sich die Disziplin als eigenständiger Zweig innerhalb der vergleichenden Sprachwissenschaft behaupten kann und ob ihr in der modernen Fremdsprachendidaktik nach wie vor ein praktischer Nutzen zukommt, statt von einem Ende der Disziplin zu sprechen.

  • Historische Einordnung der Kontrastiven Linguistik im Kontext der vergleichenden Sprachwissenschaft.
  • Kritische Auseinandersetzung mit den drei großen Spracherwerbshypothesen (Kontrastiv-, Identitäts- und Interlanguage-Hypothese).
  • Herausforderungen bei der Definition und Anwendung eines "tertium comparationis" für sprachliche Vergleiche.
  • Die Relevanz kontrastiver Analysen für die Gestaltung effektiven Fremdsprachenunterrichts.
  • Abgrenzung der Kontrastiven Linguistik zu benachbarten Disziplinen wie Areallinguistik und Sprachtypologie.

Auszug aus dem Buch

2.1.3 Die 3 großen Spracherwerbshypothesen

Mit der Etablierung der Kontrastiven Linguistik wurde eine Vielzahl von Spracherwerbshypothesen entwickelt, welche alle das Ziel verfolgten, die zentralen Mechanismen des Zweitspracherwerbs zu identifizieren. Bis heute existieren bereits über vierzig verschiedene Spracherwerbstheorien, welche unterschiedliche Annahmen über den Erst- und Zweitspracherwerb vertreten (vgl. Fekete 2016: 28).

Diese Arbeit konzentriert sich dabei auf die drei bedeutendsten Hypothesen, welche in der Forschung als die drei großen Hypothesen bezeichnet werden, da sie die wichtigsten Wendepunkte in der Geschichte der Kontrastiven Linguistik einleiteten. Hierzu zählen die Kontrastivhypothese, die Identitätshypothese und die Interlanguage-Hypothese. Einige andere Modelle zum Spracherwerb werden deshalb nur in bestimmten Zusammenhängen erwähnt, ohne dass diese in ihrer ganzen Tiefe herausgearbeitet werden können. Obwohl es gegenwärtig keinen Konsens über eine allgemeingültige Spracherwerbstheorie gibt, haben die einzelnen Theorien wichtige Erkenntnisse im Erst- und Zweitspracherwerb hervorgebracht, die für die Kontrastive Linguistik und ihren weiteren zukünftigen Forschungen eine essenzielle Bedeutung haben.

Hinsichtlich dieser unterschiedlichen Theorien war die Kontroverse über die richtige Spracherwerbstheorie der am häufigsten geführte Ausgangspunkt in der Literatur der Kontrastiven Linguistik (vgl. Rein 1983: 14). Sie zeigt retrospektiv, in welcher misslichen Lage sich die Kontrastive Linguistik gegenwärtig befindet. Denn bei einer so hohen Anzahl unterschiedlicher – und sich zum Teil – widersprechender Spracherwerbstheorien ist es schwer, eine umfassende Hypothese aufzustellen, welche alle bisher erforschten Faktoren mitberücksichtigt, die den Erst- und Zweitspracherwerb beeinflussen. Da häufig neuere Modelle nur als eine Modifikation bisheriger Theorien betrachtet werden können, ist es für die Kontrastive Linguistik zukünftig wichtig, eine allgemeine Spracherwerbstheorie zu entwickeln, die den Dualismus zwischen angeborenem Wissen und dem erworbenen Wissen durch die Umwelt aufbreche (vgl. Fekete 2016: 32f.).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die historische Bedeutung kontrastiver Sprachuntersuchungen und führt in die Fragestellung ein, ob die Disziplin der Kontrastiven Linguistik in einer Krise steckt oder weiterhin relevant ist.

2. Die vergleichende Sprachwissenschaft und ihre Teildisziplinen: Dieses Kapitel verortet die Kontrastive Linguistik innerhalb der vergleichenden Sprachwissenschaft und diskutiert ihre theoretischen Grundlagen anhand historischer Entwicklungen und bedeutender Spracherwerbshypothesen.

2.1 Die Kontrastive Linguistik und ihr historische Verlauf: Dieser Abschnitt widmet sich der Entwicklung der Kontrastiven Linguistik, ihren verschiedenen Begriffsdefinitionen und ihrer Standortbestimmung im wissenschaftlichen Kontext.

2.1.1 Begriffsbestimmung, Gegenstand und Ziele: Hier werden zentrale Definitionen kontrastiver Linguistik analysiert, wobei besonders auf den Wandel vom Fokus auf bloße Unterschiede hin zu einem ganzheitlichen Vergleich eingegangen wird.

2.1.2 Der Beginn der Kontrastiven Linguistik: Das Kapitel beleuchtet die Verknüpfung des frühen kontrastiven Ansatzes mit dem amerikanischen Strukturalismus und der behavioristischen Lerntheorie in den 1950er Jahren.

2.1.3 Die 3 großen Spracherwerbshypothesen: Dieser Abschnitt dient als theoretischer Rahmen, der die drei zentralen Wendepunkte der Kontrastiven Linguistik – die Kontrastiv-, Identitäts- und Interlanguage-Hypothese – systematisch einordnet.

2.1.3.1 Die Kontrastivhypothese: Fokus auf die starke und schwache Version der Kontrastivhypothese, die den Einfluss der Muttersprache und die Prognostizierbarkeit von Fehlern thematisiert.

2.1.3.2 Die Identitätshypothese: Diskussion der nativistischen Gegenposition, die den Spracherwerb als isomorphen Prozess betrachtet und die Bedeutung angeborener mentaler Fähigkeiten betont.

2.1.3.3 Die Interlanguage-Hypothese: Analyse der Lernersprache als dynamisches, separates System, das den Lerner nicht mehr nur als passives Subjekt, sondern als aktiven Hypothesenbildner betrachtet.

2.2 Historisch-vergleichende Sprachwissenschaft: Darstellung der historisch-diachronen Ausrichtung der Sprachwissenschaft als ältestem Zweig der Disziplin und Abgrenzung zur synchronen Arbeitsweise der Kontrastiven Linguistik.

2.3 Sprachtypologie: Analyse der typologischen Klassifikation von Sprachen und deren synchroner Ausrichtung im Vergleich zur Kontrastiven Linguistik.

2.4 Areallinguistik: Untersuchung der räumlich-geographischen Aspekte von Sprachkontakt und deren Relevanz für die Sprachklassifikation.

3. Das tertium comparationis: Dieses Kapitel thematisiert die methodische Herausforderung, eine geeignete Bezugsgröße für den Sprachvergleich zu finden, und beleuchtet die damit verbundenen Paradoxa.

4. Die Rolle der KL im Fremdsprachenunterricht: Bewertung des praktischen Nutzens kontrastiver Erkenntnisse für die Fremdsprachendidaktik und die moderne Lehrerbildung.

5. Ausblick der Kontrastiven Linguistik: Dieses Kapitel zieht ein Fazit zu den Möglichkeiten einer künftigen kontras-typologischen Ausrichtung der Disziplin.

6. Fazit: Die Schlussbetrachtung fasst die Entwicklung der Disziplin zusammen und widerspricht der Annahme eines Endes der Kontrastiven Linguistik.

Schlüsselwörter

Kontrastive Linguistik, Spracherwerbshypothesen, Kontrastivhypothese, Identitätshypothese, Interlanguage, Fremdsprachendidaktik, tertium comparationis, Sprachtypologie, historisch-vergleichende Sprachwissenschaft, Sprachkontakt, Fehleranalyse, Interferenz, Transfer, behavioristischer Ansatz, Nativismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die theoretische und historische Entwicklung der Kontrastiven Linguistik und bewertet ihren aktuellen Stellenwert für die Sprachwissenschaft und den Fremdsprachenunterricht.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Die Schwerpunkte liegen auf den Spracherwerbshypothesen, der methodischen Grundlagenforschung (insb. des tertium comparationis) und dem praktischen Anwendungsbezug für Lehrende.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die zentrale Frage ist, ob die Kontrastive Linguistik lediglich ein vorübergehender Trend war oder ob sie ihre Relevanz heute in einer modernisierten Form behalten hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor wendet eine komparative und historische Analyse an, um die Entwicklung der Disziplin nachzuvollziehen und sie von anderen Teildisziplinen wie der Areallinguistik oder Sprachtypologie abzugrenzen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die historischen Meilensteine, die drei großen Spracherwerbshypothesen sowie die theoretischen Herausforderungen beim Vergleich unterschiedlicher Sprachsysteme.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Kontrastive Linguistik, Spracherwerb, Interlanguage, Fehleranalyse, Fremdsprachendidaktik und tertium comparationis.

Warum spielt das "tertium comparationis" eine so zentrale Rolle für die Kontrastive Linguistik?

Es dient als essenzieller Bezugsrahmen für den Vergleich. Ohne eine fundierte Bezugsgröße wird die methodische Validität der Ergebnisse in Frage gestellt, was in der Geschichte der Disziplin oft zu berechtigter Kritik führte.

Wie verändert die "Interlanguage-Hypothese" den Blick auf den Sprachlerner?

Der Lerner wird hier nicht mehr als passives Wesen betrachtet, das nur durch Imitation lernt, sondern als aktiver Akteur, der ein eigenes, dynamisches Sprachsystem (die Interlanguage) entwickelt und ständig Sprachhypothesen überprüft.

Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur Zukunft der Kontrastiven Linguistik?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Disziplin keineswegs am Ende ist, sondern durch die "pragmatische Wende" und die stärkere Ausrichtung auf den praktischen Fremdsprachenunterricht einen neuen Aufschwung erlebt.

Ende der Leseprobe aus 39 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Ist die Kontrastive Linguistik zu ihrem Ende gekommen?
Untertitel
Die Chancen und Herausforderungen aus ihrer historischen Entstehung
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Institut für Deutsch als Zweit- und Fremdsprache)
Note
1,7
Autor
Julien Dietrich (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2018
Seiten
39
Katalognummer
V481992
ISBN (eBook)
9783668963603
ISBN (Buch)
9783668963610
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kontrastive Linguistik Spracherwerb Linguistik Nativismus Behaviorismus Kontrastivhypothese Interlanguage Interimssprache Intergenerative Grammatik Identitätshypothese Chomsky Skinner Sprachtypologie Areallinguistik tertium comparationis Fremdsprachenunterricht DaF DaZ Deutsch als Fremdsprache Deutsch als Zweitsprache Historisch-vergleichende Sprachwissenschaft Germanistik Deutsch Spracherwerbshypothesen Fremdsprachendidaktik Schlegel Saussure Weinreich Fremdsprachenerwerb Boas Sapir Bloomfield foreign language Ersprache Zweitsprache L1 L2 L1-Erwerb L2-Erwerb Tertiärsprache Transfer Fries Lado LAD Selinker Lernersprache back-sliding critical period Sanskrit Morphologie Language-Awareness Interferen Sprachunterricht Pragmatik
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Arbeit zitieren
Julien Dietrich (Autor:in), 2018, Ist die Kontrastive Linguistik zu ihrem Ende gekommen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/481992
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  39  Seiten
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