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Kohlbergs Stufenmodell der moralischen Entwicklung - Welche Rolle spielen Emotionen beim Stufenübergang?

Title: Kohlbergs Stufenmodell der moralischen Entwicklung - Welche Rolle spielen Emotionen beim Stufenübergang?

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 19 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Antje Adams (Author)

Pedagogy - Job Education, Further Education
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Die Psychologie der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts war geprägt von der Dominanz der Vernunft über die Emotion und Emotionen galten als die Kraft, die moralisches Verhalten verhindert. Den Erkenntnissen der neueren moral- und entwicklungspsychologischen Forschung indessen kann diese Sichtweise nicht mehr standhalten. Lind z. B. macht in seinem Beitrag zur bioethischen Diskussion deutlich, dass gerade die Integration von Vernunft und Emotionen als ideales Endziel einer tiefgreifenden, strukturellen Entwicklung einer Person zu sehen ist. Sie sei die Voraussetzung für Kohlbergs höchste Stufe der prinzipiengeleiteten Moral, die bestimmt ist von einer universellen und konsistenten Orientierung des eigenen Handelns an den Prinzipien der Gerechtigkeit und der Achtung vor der Würde des anderen (vgl. Lind 2001, 26).
Lawrence Kohlberg hat in einem Modell unterschiedliche Moralstufen, die der Mensch in seiner Entwicklungsgeschichte erreichen kann, identifiziert und ihre strukturellen Eigenschaften beschrieben. Dieses Themas wird sich Kapitel 2 dieser Arbeit annehmen, das zunächst die für das Verständnis von Kohlbergs Stufenmodell wichtigen Erkenntnisse von Dewey und Piaget behandelt, sowie die grundlegenden Aspekte in Kohlbergs Modell, Interaktion, Gerechtigkeit und Konfliktsituationen. Daran schließt die Beschreibung des Modells selbst an mit der Darstellung der einzelnen Stufen. In der vorliegenden Arbeit wird besonderes Augenmerk auf den Stufenübergang gelegt und sich in diesem Zusammenhang auch mit der kognitiven Entwicklung als solcher befassen. Mittelpunkt von Kapitel 3 sind die Emotionen beim Stufenübergang. Da Kohlbergs Modell vornehmlich die Entwicklung kognitiver Strukturen behandelt, wird der Zusammenhang zwischen Emotionen und kognitiven Prozessen aufgezeigen. Die Bedeutung von Emotionen für kognitive Prozesse findet in verschiedenen theoretischen Ansätzen unterschiedlich Erklärungen. Es wird auf den indikativen und den konstitutiven Charakter von Emotionen eingegangen und der direkte Bezug zwischen dem Moralstufenübergang als Veränderung kognitiver Strukturen und moralischen Emotionen dargestellt, wobei zuerst auf die moralischen Emotionen Schuld, Scham und Empathie eingegangen wird. Letztendlich wird deren kognitive Bedeutung für die strukturelle Veränderung moralischen Urteilens anhand der unterschiedlichen Ansätze von indikativer und konstitutiver Funktion bewertet und abschließend relativiert.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Problemstellung

2 Kohlbergs Modell der 6 Moralstufen

2.1 Bedeutung von Deweys und Piagets Erkenntnissen

2.2 Weitere Grundannahmen zu Kohlbergs Theorie

2.3 Die Stufen moralischer Urteile

2.4 Entwicklung und Stufenübergang

3 Emotionen beim Stufenübergang

3.1 Der Zusammenhang zwischen Emotionen und kognitiven Prozessen

3.2 Funktion von moralischen Emotionen

3.3 Der Zusammenhang zwischen dem Stufenübergang und moralischen Emotionen

3.3.1 Moralische Emotionen

3.3.2 Die kognitive Relevanz moralischer Emotionen für den Stufenübergang

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Rolle von Emotionen bei Übergängen zwischen den Stufen der moralischen Entwicklung nach Lawrence Kohlberg. Dabei wird analysiert, wie emotionale Prozesse mit kognitiven Strukturen interagieren und inwiefern sie den Fortschritt in der moralischen Urteilsfähigkeit beeinflussen.

  • Stufenmodell der moralischen Entwicklung nach Kohlberg
  • Verbindung von kognitiven Prozessen und emotionalen Zuständen
  • Indikative und konstitutive Funktionen von Emotionen
  • Die Bedeutung von Schuld, Scham und Empathie für den Stufenübergang
  • Interaktion von Individuum und Umwelt als Entwicklungstreiber

Auszug aus dem Buch

3.1 Der Zusammenhang zwischen Emotionen und kognitiven Prozessen

In der Literatur herrscht inzwischen Konsens über die Verquickung von Gefühlen und kognitiven Prozessen und zwar dergestalt, dass Gefühle als integraler Bestandteil rationalen Urteilens und Handelns erachtet werden (vgl. Döring 2002, 15). Bei seiner Darstellung dieses Zusammenhangs erklärt Piaget, dass Denkvorgänge, bis zu dem Augenblick, wo auf einer hohen Stufe Metakognition möglich wird, völlig unbewusst bleiben, d. h. das Denken des Individuums wird durch Strukturen geleitet, von deren Existenz es in der Regel nichts weiß. Dementsprechend geschieht auch das Herausbilden neuer Strukturen (und in Verbindung damit der Stufenübergang) unbewusst und kann folglich vom Individuum nicht erklärt werden (vgl. Piaget 1993, 32 – 34).

Nicht ganz so einhellig sind die Meinungen in der Literatur darüber, welche Rolle Emotionen bei kognitiven Prozessen oder beim Herausbilden neuer Strukturen spielen. Laut Goschke und Bolte spielt, bei der Beantwortung der Frage, ob Emotionen den kognitiven Prozessen vor- oder nachgelagert seien, zunächst einmal die begriffliche Definition von Emotion und Kognition eine Rolle. So könnten emotionale Reaktionen definiert werden als jegliche Art unbewusster, automatischer Reizbewertung, als Wahrnehmung eigener körperlicher oder mimischer Reaktionen oder als bewusste Interpretation einer Situation. Der Kognitionsbegriff könne einerseits die Gesamtheit der elementaren unbewussten Vorgänge der Informationsverarbeitung erfassen, andererseits lediglich die höheren, bewussten Denk- und Schlussfolgerungsprozessen meinen (vgl. 2002, 42/43).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Problemstellung: Dieses Kapitel führt in die historische Sichtweise der Vernunftdominanz ein und begründet die Notwendigkeit, Emotionen als integralen Bestandteil der moralischen Entwicklung nach Kohlberg zu betrachten.

2 Kohlbergs Modell der 6 Moralstufen: Es werden die theoretischen Grundlagen von Dewey und Piaget sowie die Struktur und das Dilemma-Modell von Kohlbergs Moralstufen detailliert erläutert.

3 Emotionen beim Stufenübergang: Dieser Hauptteil beleuchtet die komplexe Interaktion zwischen Kognition und Emotion, differenziert zwischen verschiedenen Funktionen von Emotionen und analysiert deren spezifische Rolle für den Übergang zwischen Moralstufen.

Schlüsselwörter

Kohlberg, Moralische Entwicklung, Moralstufen, Stufenübergang, Kognition, Emotionen, Gerechtigkeitsdenken, Schuld, Scham, Empathie, Konstruktivismus, Interaktionismus, Äquilibration, Moralische Urteilsfähigkeit, Affektivität

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, welchen Einfluss Emotionen auf die moralische Entwicklung des Menschen haben, insbesondere im Kontext von Kohlbergs Stufenmodell der moralischen Entwicklung.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Verknüpfung von kognitiven Prozessen und Gefühlen, die Analyse von Stufenübergängen sowie die moralisch relevanten Emotionen Schuld, Scham und Empathie.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es zu klären, welche Rolle Emotionen bei der Veränderung moralischer Strukturen spielen und ob sie den Stufenübergang in der Moralentwicklung aktiv beeinflussen können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse entwicklungspsychologischer Ansätze (insb. Piaget, Kohlberg, Dewey) basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Kohlbergschen Moralstufen und eine detaillierte Auseinandersetzung mit der funktionalen Rolle von Emotionen in kognitiven Prozessen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Moralstufen, Kohlberg, Stufenübergang, Kognition, Emotionen, Schuld, Scham und Empathie.

Wie unterscheidet die Arbeit zwischen indikativer und konstitutiver Funktion von Emotionen?

Emotionen mit indikativer Funktion dienen als Indikatoren für Gefahr oder Normverletzungen, während solche mit konstitutiver Funktion aktiv an der Bildung von Werten und moralischen Urteilen beteiligt sind.

Welche Bedeutung haben Schuld und Scham für den Stufenübergang?

Diese Emotionen werden als Indikatoren für das Bewusstsein einer Normverletzung gesehen; ihre kognitive Verarbeitung ist eine Voraussetzung für die Internalisierung moralischer Werte und damit für den Stufenübergang.

Kann man laut Arbeit von einem Endpunkt der moralischen Entwicklung sprechen?

Nein, Kohlbergs Modell impliziert keinen absoluten Endpunkt, da die Entwicklung moralischen Urteilens ein kontinuierlicher Prozess in Interaktion mit der sozialen Umwelt ist.

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Details

Title
Kohlbergs Stufenmodell der moralischen Entwicklung - Welche Rolle spielen Emotionen beim Stufenübergang?
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Wirtschaftspädagogik Prof. Beck)
Course
Theorie und Praxis einer berufsmoralischen Qualifizierung kaufmännischer Auszubildender
Grade
1,7
Author
Antje Adams (Author)
Publication Year
2005
Pages
19
Catalog Number
V48248
ISBN (eBook)
9783638450072
ISBN (Book)
9783638773003
Language
German
Tags
Kohlbergs Stufenmodell Entwicklung Welche Rolle Emotionen Stufenübergang Theorie Praxis Qualifizierung Auszubildender
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Antje Adams (Author), 2005, Kohlbergs Stufenmodell der moralischen Entwicklung - Welche Rolle spielen Emotionen beim Stufenübergang?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48248
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