Fast überall sind heute Kinder und auch Erwachsene zu finden, die sich hektisch und teilweise ungelenk in der Öffentlichkeit bewegen. Nicht selten kann jeder, der mit offenen Augen seine Umwelt beobachtet solche Eindrücke sammeln. Auch in der Schule gibt es immer mehr Kinder, die durch verschiedenste Verhaltensweisen auffallen.
Wenn man solche Beobachtungen macht, kann man sich nur fragen, was ist los mit diesen „besonderen“ Menschen unserer Gesellschaft. Um dies genauer zu ergründen und auch die damit verbundenen Probleme lösen zu können, schreibe ich diese Arbeit.
Sie soll dazu dienen, den Kindern als kompetenter Partner gegenüberstehen zu können und sie individuell und differenziert zu fordern und fördern. Das ist aber nur möglich, wenn man fundiertes Fachwissen aufweisen kann und weiß wie man es umsetzt.
Dazu benötigt man geeignete Methoden und eine Unterrichtstruktur, die den Kindern der gesamten Klasse entgegenkommt. Eine Auswahl von Methoden und Unterrichtstrukturen soll deshalb zum Bestandteil meiner Arbeit werden, dies ist notwendig um den, in verstärktem Maße, auftretenden Problem gerecht zu werden. Doch nicht nur in der Gegenwart auch in der Vergangenheit gab es ähnliche Beobachtungen.
Heinrich Hoffmann, als Arzt tätig, beschrieb zum Beispiel in seinem bekannten Struwwelpeter, Kinder mit ähnlichen Symptomen, die immer mehr auch in den Schulklassen der jetzigen Lehrer zu finden sind. Jedenfalls erkennt man in den „Unarten“ von Struwwelpeter, Paulinchen, und Zappelphilipp typische Verhaltensweisen wie ich sie oben kurz angedeutet habe und die auch beim Aufmerksamkeits- Defizit Syndrom zu finden sind.
Allein in den letzten fünf Jahren sind in Deutschland mehr als 60 Bücher über die Aufmerksamkeits- Defizit- Störung erschienen. Wenn man diesen Berg an Ratgebern und die Flut der dazugehörigen Berichte, Analysen und Reportagen in den Medien vor sich ausbreitet, bekommt man auch einen Schock: über das Ausmaß, das diese Verhaltensauffälligkeit in unserem Kulturkreis angenommen hat, über die Ratlosigkeit, die Eltern, Erzieher und Lehrer angesichts dieses Phänomens erfasst hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Störung des kindlichen Verhaltensmuster durch ADS
2.1. Was ist ADS
2.2. Ursachen von ADS
2.3. Erscheinungsformen von ADS Kinder
2.4. Das Erscheinungsbild der ADS Kinder
2.5. ADS und Teilleistungsstörungen
3. Hilfestellungen für ADS Kinder
3.1. Günstige Unterrichtsvoraussetzungen für ADS Kinder
3.2. Unterrichtsstrukturen und bewährte Methoden im Umgang mit ADS- Kindern
4. Pädagogische Bedeutung der ganzheitlichen Erfassung der Mit- und Umwelt
4.1. Ganzheitliche Methoden
4.2. Ganzheitliche Methoden im Umgang mit ADS Kindern im Heimat und Sachkundeunterricht
5. Konsequenzen
5.1. Schlussfolgerungen und Konsequenzen für den Umgang mit ADS Kindern
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS) bei Grundschulkindern und erörtert, wie diese Kinder mittels ganzheitlicher Methoden im Heimat- und Sachkundeunterricht erfolgreich integriert und gefördert werden können, um ihre Lernbedingungen und sozialen Teilhabemöglichkeiten nachhaltig zu verbessern.
- Klinische und pädagogische Einordnung des ADS-Syndroms
- Analyse der Ursachen von ADS und deren Auswirkungen auf das Lernverhalten
- Entwicklung von förderlichen Unterrichtsstrukturen und didaktischen Ansätzen
- Bedeutung ganzheitlicher Methoden für die schulische Inklusion von Kindern mit ADS
- Möglichkeiten der emotionalen Stärkung und sozialen Integration im Schulalltag
Auszug aus dem Buch
2.1. Was ist ADS?
Für das Krankheitsbild, das man unter ADS versteht gibt es eine ganze Reihe von Benennungen; nimmt man den englischen und deutschen Sprachraum zusammen, angeblich nicht weniger als 139.
Das ist nicht völlig bedeutungslos, denn Namen sind nicht neutral: Im Namen, den die Wissenschaft einer Krankheit gibt, verbirgt sich manchmal schon eine Vermutung über deren Ursache, die den Blick auf anderes verstellen kann. ADS ist in der Literatur unter vielen unterschiedlichen Namen zu finden. Aber um die Frage nach dem eigentlichen Namen beantworten zu können, müsste Klarheit darüber bestehen, was die so genannte „Hyperaktivität“ eigentlich ist.
Diese Klarheit gibt es aber noch nicht.
Es gibt weder Apparategestützte Untersuchungen noch Messwerte für Hyperaktivität. Jeder Arzt kann feststellen, ob ein Kind eine Mittelohrentzündung hat oder Masern. Hyperaktivität ist jedoch eine Krankheit, die sich in Wahrnehmung, Wahrnehmungsverarbeitung und letztlich im Verhalten auswirkt.
Wenn man nun dieses Krankheitsbild als Hyperaktivität bezeichnen würde, wäre dies nur das markanteste Symptom die aus der Störung herausgegriffen wurde. Insofern ist diese Bezeichnung sehr eng gefasst und sie verschweigt, dass noch einige Symptome mehr vorliegen müssen, bevor ein Arzt seriös die Diagnose ADS stellen kann.
Die Bezeichnung ADS hat sich mittlerweile eingebürgert und für sie spricht, dass sie auf die Vielgestaltigkeit der Erscheinungsformen der Krankheit hinweist. Doch ADS ist ein sehr schillernder Name, der sich gut für Verlegenheitsdiagnosen eines unerfahrenen Arztes eignet, und manchmal als zeitgemäßes Synonym für jeden möglichen Fall missbraucht wird, in dem sich ein Kind nicht so pflegeleicht verhält, wie es dem Idealbild der Eltern, Pädagogen und Ärzte entspricht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Die Autorin legt die Motivation für diese Arbeit dar und erläutert die Relevanz des Themas ADS im schulischen Kontext angesichts einer zunehmend komplexen Lebenswelt.
2. Störung des kindlichen Verhaltensmuster durch ADS: Dieses Kapitel definiert das ADS-Syndrom, beleuchtet verschiedene Ursachenhypothesen (neurobiologisch, allergisch, erblich) und klassifiziert die unterschiedlichen Erscheinungsformen bei Kindern.
3. Hilfestellungen für ADS Kinder: Hier werden konkrete Empfehlungen für den Schulalltag gegeben, wobei der Fokus auf günstigen Unterrichtsvoraussetzungen und der Etablierung strukturierter Lernmethoden liegt.
4. Pädagogische Bedeutung der ganzheitlichen Erfassung der Mit- und Umwelt: Dieses Kapitel stellt die theoretische Grundlage für ganzheitliche Methoden dar und illustriert deren praktische Anwendung durch spezifische Übungen im Heimat- und Sachkundeunterricht.
5. Konsequenzen: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion über die Notwendigkeit einer kooperativen Haltung aller Beteiligten und unterstreicht die Wichtigkeit, ADS nicht nur als Defizit, sondern als Herausforderung für ein ganzheitliches pädagogisches Handeln zu sehen.
Schlüsselwörter
ADS, Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom, Hyperaktivität, Impulsivität, Grundschule, Heimat- und Sachkundeunterricht, Ganzheitliche Methoden, Lernstörung, Teilleistungsstörungen, Inklusion, Pädagogik, Unterrichtsstrukturen, Erziehungsstil, Wahrnehmungsstörung, Selbstakzeptanz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit thematisiert das ADS-Syndrom bei Grundschulkindern, analysiert die damit verbundenen Herausforderungen im Bildungsalltag und zeigt Wege auf, wie diese Kinder durch spezifische pädagogische Methoden besser in den Unterricht integriert werden können.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Untersuchung ab?
Neben einer fundierten Definition von ADS und der Untersuchung seiner Ursachen stehen die pädagogischen Hilfestellungen im Vordergrund, insbesondere durch strukturierte Unterrichtsformen und die Förderung der Persönlichkeitsentwicklung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, Lehrkräften und Erziehenden ein fundiertes Verständnis für ADS zu vermitteln und praktische Werkzeuge an die Hand zu geben, um Kindern mit ADS durch ganzheitliche Methoden individuelle Unterstützung zu bieten.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung des aktuellen Forschungsstandes sowie der Darstellung praxisnaher didaktischer Methoden, die auf dem ganzheitlichen Lernansatz basieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Ursachenanalyse, eine detaillierte Differenzierung der Erscheinungsformen, eine Diskussion über Teilleistungsstörungen sowie eine praxisorientierte Zusammenstellung pädagogischer Maßnahmen und Fördermöglichkeiten im Schulunterricht.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Begriffe sind ADS, ganzheitliche Pädagogik, Lernstrukturen, Inklusion, Impulsivität und die Förderung der Selbstwahrnehmung bei Kindern.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der Ernährung und Allergien bei ADS?
Die Arbeit diskutiert die Allergiehypothese als einen von mehreren potenziellen Ursachenkomplexen und weist darauf hin, dass bestimmte Nahrungsmittel oder Zusatzstoffe bei betroffenen Kindern Symptome triggern können.
Welche Bedeutung kommt der "Rosenbuschfantasie" in dieser Arbeit zu?
Die Rosenbuschfantasie wird als spezifische ganzheitliche Methode eingeführt, um Kindern zu helfen, sich mittels Metaphern mit ihrer eigenen Persönlichkeit, ihren Stärken und ihrem Selbstwertgefühl auseinanderzusetzen.
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- Stefanie Heinrich (Author), 2003, Das ADS-Syndrom bei Grundschulkindern sowie deren Integration im Heimat- und Sachkundeunterricht mittels ganzheitlicher Methoden, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48332