Lernbehinderte Jugendliche haben es vom Übergang von der Schule in die Arbeitswelt schwerer als Gleichaltrige nichtbehinderte Jugendliche. Zum einen liegt das an der allgemein schlechten Lage auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt. Lernbehinderte Menschen haben außerdem oft mit Vorurteilen zu kämpfen und verfügen zudem nicht selten über unzureichende persönliche Kompetenzen, die ihre Situation noch verschlimmern. Ich arbeite seit über zehn Jahren als Sozialpädagogin in der Benachteiligtenförderung. Erstmals in diesem Jahr betreue ich Jugendliche in der beruflichen Rehabilitation. Meine persönliche Motivation ist es, diesen jungen Menschen das notwendige Handwerkszeug für den Übergang in die Arbeitswelt, der so genannten großen Schwelle, zu geben, um gut darauf vorbereitet zu sein. In der folgenden Diplomarbeit möchte ich mich mit dem Begriff der Lernbehinderung, deren Formen und möglichen Ursachen auseinander setzen. Ich werde mich mit der Jugendphase, den Entwicklungsaufgaben und insbesondere der Bedeutung von Arbeit und Beruf beschäftigen. Dabei ist es erforderlich, den derzeitigen Arbeitsmarkt zu beleuchten und die Besonderheiten der lernbehinderten Jugendlichen auch zukünftig im Auge zu behalten. Spielen Schlüsselkompetenzen eine größere Rolle als fachliche Kenntnisse und Fertigkeiten? Mein Ziel ist es zu untersuchen, welchen Beitrag professionelle Hilfe und Beratung beim Übergang ins Arbeitsleben leisten kann. Ich stelle eine überbetriebliche Bildungseinrichtung vor. Außerdem mache ich den Leser mit den Aufgabengebieten in der reha-spezifischen Ausbildung und den besonderen Aufgaben und Methoden der sozialpädagogischen Begleitung bekannt. Dabei werden sich, begründet in meiner beruflichen Tätigkeit, meine Untersuchungen vorwiegend auf lernbehinderte Jugendliche beim Übergang von der Ausbildung in den Arbeitsmarkt beziehen. Ich möchte anhand von Interviews untersuchen, inwieweit sich lernbehinderte Jugendliche auf den Übergang in ihre berufliche Laufbahn ausreichend vorbereitet und unterstützt fühlen. Lässt sich aus den Antworten der Auszubildenden eventuell etwas ableiten, wie der Übergang besser gestaltet werden kann? Abschließend möchte ich Möglichkeiten und Grenzen der sozialpädagogischen Begleitung innerhalb einer reha-spezifischen Ausbildung aufzeigen, die den Übergang in die Arbeitswelt unterstützen oder hemmen können. Die Namen der interviewten Auszubildenden wurden im Text und in der Transkription, die sich im Anhang befindet, geändert. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zur Problematik der Lernbehinderung
2.1 Der Begriff Lernbehinderung
2.2 Mögliche Ursachen und Formen von Lernbehinderung
2.3 Lernbehinderung als administrativer Begriff für die Regelung von Ansprüchen
3. Jugend und Beruf
3.1 Entwicklungsaufgaben im Jugendalter
3.2 Bedeutung von Ausbildung und Beschäftigung für Jugendliche
3.3 Jugendarbeitslosigkeit
4. Berufliche Eingliederung lernbehinderter Jugendlicher
4.1 Allgemeine Situation auf dem Arbeitsmarkt
4.2 Gegenwärtige Probleme und zukünftige Entwicklungen für Lernbehinderte auf dem Arbeitsmarkt
4.3 Schlüsselqualifikationen und ihre Bedeutung für lernbehinderte Jugendliche
4.4 Die Rolle der Motivation für die Berufswahl
5. Empirische Untersuchung
5.1 Rahmenbedingungen
5.2 Untersuchungsinstrument: Interview
5.3 Fallbeschreibungen
5.3.1 Susi
5.3.2 Anja
5.3.3 Manu
5.3.4 Rico
5.3.5 Sören
5.4 Auswertung der Interviews
6. Sozialpädagogische Hilfen für Lernbehinderte an der Schwelle in die Arbeitswelt am Praxisbeispiel
6.1 Vorstellung einer gemeinnützigen Bildungs GmbH
6.2 Pädagogische Aufgabengebiete in der reha-spezifischen Ausbildung
6.3 Aufgaben und Methoden der sozialpädagogischen Arbeit
6.4 Fazit Möglichkeiten und Grenzen der sozialpädagogischen Begleitung
7. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die Möglichkeiten und Grenzen sozialpädagogischer Unterstützung beim Übergang lernbehinderter Jugendlicher von der schulischen bzw. berufsvorbereitenden Ausbildung in den ersten Arbeitsmarkt zu untersuchen. Hierbei liegt ein besonderer Fokus auf der Forschungsfrage, inwieweit diese jungen Menschen sich auf ihren Berufsweg vorbereitet fühlen und wie eine professionelle Begleitung zur Bewältigung dieses entscheidenden Lebensabschnitts beitragen kann.
- Der Begriff der Lernbehinderung sowie deren sozio-ökonomische Ursachen.
- Die spezifischen Herausforderungen von Jugendlichen in der Berufswahlphase.
- Die Bedeutung von Schlüsselqualifikationen auf einem sich wandelnden Arbeitsmarkt.
- Die Rolle professioneller sozialpädagogischer Begleitung in der beruflichen Rehabilitation.
- Die empirische Analyse der subjektiven Wahrnehmung von Auszubildenden hinsichtlich ihrer Berufswege.
Auszug aus dem Buch
3.1 Entwicklungsaufgaben im Jugendalter
Die Lebensphase Jugend wird heute als eigenständiger Abschnitt im Lebenslauf verstanden. Es kann von einer Untergliederung in drei Abschnitte ausgegangen werden:
• frühe Jugendphase: die 12–17-Jährigen in der pubertären Phase
• mittlere Jugendphase: die 18–21-Jährigen in der nachpubertären Phase
• späte Jugendphase: die 22–27-Jährigen in der Übergangszeit zur Erwachsenenrolle (Hurrelmann 2004).
Im Unterschied zur Kindheit wird in der Jugendzeit eine Bewältigung der Aufgaben und Anforderungen nur dadurch möglich, dass sich der Jugendliche von den zentralen Bezugspersonen, meist Vater und Mutter, innerlich ablöst und eine Autonomie der Persönlichkeitsorganisation aufbaut.
Die Bewältigung von Entwicklungsaufgaben steht im Jugendalter im Vordergrund. „Unter einer Entwicklungsaufgabe werden die psychisch und sozial vorgegebenen Erwartungen und Anforderungen verstanden, die an Personen in einem bestimmten Lebensabschnitt gestellt werden. Die Entwicklungsaufgaben definieren für jedes Individuum die vorgegebenen Anpassungs- und Bewältigungsschritte, denen es sich bei der Auseinandersetzung mit den inneren und äußeren Anforderungen stellen muss.“ (Havighurst 1956, 1982, in: Hurrelmann 2004, S. 27).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die erschwerten Übergangsbedingungen lernbehinderter Jugendlicher in den Arbeitsmarkt und stellt das Ziel der Diplomarbeit vor, die professionelle Hilfe und Beratung in diesem Prozess zu beleuchten.
2. Zur Problematik der Lernbehinderung: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Lernbehinderung, diskutiert mögliche Ursachen und ordnet den Begriff administrativ sowie rechtlich ein.
3. Jugend und Beruf: Es werden die Entwicklungsaufgaben im Jugendalter sowie die gesellschaftliche Bedeutung von Ausbildung und die Problematik der Jugendarbeitslosigkeit analysiert.
4. Berufliche Eingliederung lernbehinderter Jugendlicher: Das Kapitel beleuchtet die Marktsituation für Lernbehinderte, die Notwendigkeit von Schlüsselqualifikationen und die Rolle der Motivation bei der Berufswahl.
5. Empirische Untersuchung: Hier werden die durchgeführten Experteninterviews mit fünf Jugendlichen vorgestellt, fallweise beschrieben und in einer Gesamtschau ausgewertet.
6. Sozialpädagogische Hilfen für Lernbehinderte an der Schwelle in die Arbeitswelt am Praxisbeispiel: Vorstellung einer Bildungseinrichtung und Darstellung der Methoden der sozialpädagogischen Arbeit sowie deren Potenziale und Grenzen bei der Begleitung.
7. Zusammenfassung: Dieses Kapitel rekapituliert die wesentlichen Erkenntnisse der vorangegangenen Untersuchungen und zieht ein Fazit über die Wirksamkeit der beruflichen Rehabilitation.
Schlüsselwörter
Lernbehinderung, Berufliche Rehabilitation, Jugend, Übergang Schule-Beruf, Sozialpädagogik, Schlüsselqualifikationen, Berufswahl, Arbeitsmarkt, Motivationsförderung, Integrationshilfe, Berufsausbildung, Fallstudien, Bildungseinrichtung, Qualifizierung, Persönlichkeitsentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit den Möglichkeiten und Grenzen der sozialpädagogischen Unterstützung für lernbehinderte Jugendliche beim Übergang in die berufliche Ausbildung und den Arbeitsmarkt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Problematik der Lernbehinderung, die Entwicklungsphasen im Jugendalter, Anforderungen des Arbeitsmarktes, die Rolle von Schlüsselqualifikationen sowie die praktische sozialpädagogische Begleitung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie professionelle Beratung und Unterstützung dazu beitragen können, lernbehinderten Jugendlichen einen erfolgreichen Einstieg in das Arbeitsleben zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie einer empirischen Untersuchung in Form von narrativen und problemzentrierten Interviews mit fünf Jugendlichen, die eine Ausbildung zum Holzbearbeiter absolvieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden theoretische Grundlagen zur Lernbehinderung und Jugendphase, Analysen zur Arbeitsmarktsituation, die Relevanz von Schlüsselkompetenzen sowie die konkrete pädagogische Arbeit in einer Bildungseinrichtung dargestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Lernbehinderung, berufliche Rehabilitation, Sozialpädagogik, Schlüsselqualifikationen, Berufswahl und Motivation.
Warum haben die interviewten Jugendlichen keinen Einfluss auf ihren Wunschberuf?
Die Befragungen ergaben, dass aufgrund begrenzter Ausbildungsplatzangebote und der Einstufung durch den psychologischen Dienst oft nur bestimmte „theoriegeminderte“ Ausbildungen wie der Holzbearbeiter für die Betroffenen zur Verfügung stehen.
Was sind die größten Hindernisse für den Erfolg im Beruf nach Einschätzung der Autorin?
Neben persönlichen Schwierigkeiten der Jugendlichen werden strukturelle Probleme, wie die mangelnde Kontinuität bei den Ansprechpartnern der Agentur für Arbeit und die unzureichende Vorbereitung durch die Schule, als kritische Hemmnisse identifiziert.
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- Ramona Berlin (Author), 2005, Arbeit mit lernbehinderten Jugendlichen in der beruflichen Ausbildung. Möglichkeiten und Grenzen sozialpädagogischer Unterstützung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48366