Bewegung im Musikunterricht. Eine Analyse ihrer unterstützenden Wirkung für den Lernprozess


Hausarbeit, 2018

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Prozess des Lernens
2.1 Allgemeine Modelle des Lernens
2.2 Musikalisches Lernen

3 Zusammenhang zwischen Lernen und Bewegung
3.1 Sensorisch / motorisch
3.2 Psychologische und soziale Aspekte

4 Anforderungen an die Unterrichtsgestaltung
4.1 Ziele des Musikunterrichts
4.2 Inhalte des Musikunterrichts
4.3 Methoden des Musikunterrichts

5 Vorstellung eines Unterrichtsentwurfs
5.1 Begründung und Wahl des Themas
5.2 Thematische Einbettung und Ziel der Unterrichtsreihe
5.3 Bedingungsanalyse
5.3.1 Aussagen zur pädagogischen Situation der Lerngruppe
5.3.2 Rahmenbedingungen
5.3.3 Lehrplan und Förderung von Kompetenzen
5.3.4 Arbeitsauftrag
5.4 Unterrichtsverlaufsplan

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Esklingt geradezu utopisch, aber die Praxis der Rhythmik beweist, dass Lernen mit Musik, Be wegung und Sprache lustvoll, befriedigend und erfolgreich sein kann. Ohne Erfolgsdruck und ohne Leistungszwang entwickeln sich Lernprozesse Schritt für Schritt in einem Tempo, in ihrer Dosierung und in einer Richtung, die die Lernenden großteils mitbestimmen.“

Ralph Illini (Musik-und Bewegungspädagoge an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien)

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der unterstützenden Wirkung von Bewegung für den musikalischen Lernprozess. Noch bis circa 1960 herrschte die Auffassung, der Vokalunterricht müsse im Musikunterricht eine Vorrangstellung haben. Das Singen als wichtigste Handlung des Musikunterrichts sollte die Auseinandersetzung mit verschiedenartigem Liedgut fördern. Die musikalische Umwelt war in dieser Zeit geprägt durch volkstümliche bzw. geistliche Lieder, welche vom Musiklehrer selbst vorgetragen wurden. Die Entwicklung der Aufnahme und Wiedergabetechnik und die Verbreitung von Musik durch Rundfunk und andere Medien hat die Lernsituation für Schülerinnen und Schüler (folgend: SuS) jedoch verändert. Die SuS sind nicht mehr davon abhängig das zu hören, was der Musiklehrer reproduziert. Ein so entstehendes, vielfältiges Musikangebot lässt sich nicht ausschließlich mit der vokalen Wiedergabe erschließen. Der Musikunterricht musste dementsprechend auf die Veränderungen mit angepassten Lernmethoden reagieren.1

Musik und Bewegung sind untrennbar miteinander verbunden. Kinder und junge Erwachsene bewegen sich beinahe automatisch, wenn sie Musik hören. Sie springen, tanzen, klatschen in die Hände, bewegen auf unterschiedliche Art und Weise ihren Körper. Auch Mimik und Gestik verändern sich bei der Aufnahme von Musik. Die Entwicklung eines Menschen erfolgt in wesentlichen Teilen durch Be wegung. Diese ist ein wichtiger Bestandteil von Lernprozessen. Gleichzeitig fördert Bewegung Kreati vität, Ausdauer und das Sozialverhalten. Geschick sowie Grobund Feinmotorik der Kinder werden in ihrer Entwicklung unterstützt. Dies sind genug Gründe, um die Transposition von Musik in Bewegung als Quelle allgemeiner und musikspezifischer Lernprozesse genauer zu betrachten.2

Der erste Teil dieser Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Prozess des (musikalischen) Lernens allgemein. Anschließend wird die Bedeutung der Bewegung für das musikalische Lernen dargestellt und die sich daraus ergebenen Anforderungen an die Unterrichtsgestaltung aufgezeigt. Den Schluss dieser Hausarbeit bildet dann eine ausgearbeitete Stundenplanung zum Thema „Bewegung im Musikun terricht“.

2 Prozess des Lernens

2.1 Allgemeine Modelle des Lernens

„Lernen ist jede auf Erfahrung und Informationsverarbeitung beruhende Verhaltensänderung.“ 3 Lernen ist ein Prozess, welcher die Handlungen, das Denken und das Empfinden des Lernenden verändert. Es passiert bewusst (beispielsweise in der Schule) und unbewusst (Erstspracherwerb) und ist lebenslang möglich. Für den Menschen bedeutet Lernen eine Lebensnotwendigkeit, einerseits, da er mit einer sehr schwachen Instinktausstattung geboren wird, andererseits, da sich seine Umwelt ständig verändert und er sich dementsprechend anpassen muss.

Zum Thema Lernen existieren in der aktuellen Lernpsychologie verschiedene Modelle. Das kognitivistische Lernmodell beruht dabei auf der Ansicht, dass Lernen durch Einsicht und Erkenntnis geschieht. Übersetzt bedeutet der Begriff Kognition „das Kennenlernen“. Der Lernende verarbeitet selbststän dig äußere Reize, wobei die kognitive Leistung des Gehirns darin besteht, Reize zu empfangen und daraus ein bestimmtes Verhalten zu generieren. Das behavioristische Lernmodell bezieht sich auf das Lernen durch Verstärkung. Diese Theorie sieht das menschliche Verhalten als naturwissenschaftlich untersuch und erklärbar an. Innerpsychologische Aspekte des Lernens und der Verhaltensänderung werden dabei nicht betrachtet. Das konstruktivistische Lernmodell beschreibt das Lernen als persönliche Erfahrung und Erlebnis und die daraus resultierenden Interpretationen des Lernenden. Welche Kenntnisse der Lernende erwirbt hängt also davon ab, welches Vorwissen er bereits hat und in welcher konkreten Lernsituation er sich befindet. Alle diese Theorien verfolgen somit unterschiedliche Ansätze. In der Praxis kommt es auf die richtige Mischung ihrer Anwendung an.4

Der amerikanische Lernpsychologe Jeromin Bruner unterscheidet zudem drei Stufen der Repräsentation von Wissen: die enaktive, die ikonische und die symbolische Repräsentation („E I S – Prinzip“). Enaktiv bedeutet die Darstellung durch konkrete Handlungen und ist vergleichbar mit der sensomotorischen Phase des Lernens, welche die Grundlage der menschlichen Entwicklung bildet. Der Lernende geht hier aktiv handelt mit der Umwelt um. Er greift beispielsweise nach Gegenständen, bewegt sich durch seine Umwelt, nimmt Geräusche wahr oder schmeckt Dinge. Bei der ikonischen Repräsentation werden Sachverhalte bildlich dargestellt, bei der symbolischen Repräsentation handelt es sich um die Darstellung des Wissens durch Zeichen und Sprache. Ohne grundlegende Erfahrungen auf der ersten, der enaktiven Stufe des Lernens, kommt es jedoch zu Lernschwierigkeiten bei den zwei folgenden Repräsentationsstufen, da diese aufeinander aufbauen.5

2.2 Musikalisches Lernen

Die Alltagsvorstellungen über das musikalische Lernen sind durch Vorstellungen des organisierten Lernens geprägt. Es wird also vorrangig von einer bewussten Anstrengung mit dem Ziel der Aneignung von musikalischen Kenntnissen ausgegangen. Musiktheorie lernen, Notenlesen und –schreiben, Instrumentalspiel, Rhythmen klatschen – all das sind Lernprozesse, welche sich unter Zunahme pädagogischer Einflüsse gezielt abspielen. Diese Vorstellung des musikalischen Lernens ist keineswegs falsch, tendiert aber sehr in Richtung des standardisierten, schulischen Lernens.

Musik wird aber auch „nebenbei“ gelernt. Musikalisches Lernen passiert von frühester Kindheit an, zum Teil sogar schon pränatal. Ungeborene hören den Herzschlag ihrer Mutter, nehmen dessen Rhythmus auf. Kinder lernen Kinderlieder ganz einfach, indem sie diese wiederholt hören. Die Lern psychologie spricht hier von spontanem Lernen, also dem Lernen ohne besondere Absicht und ohne Anstrengung. Diese Lernprozesse ähneln den menschlichen Entwicklungsprozessen und sind somit unter anderem beeinflusst vom Milieu der Lernenden („Matthäus Effekt“: Kinder in musikalischen Milieus lernen „leichter“ Musik als Kinder mit geringerer musikalischer Stimulation im Umfeld). Die Unterscheidung zwischen dem organisierten und dem spontanen Lernen sollte aber nicht zu kritisch gemacht werden, vielmehr ist ein fließender Übergang der Entwicklungs und Sozialisationsprozesse hin zum organisierten Lernen wünschenswert.6

Weist man dem Begriff des Lernens die Bedeutung zu, etwas „auf der Spur zu sein“, so bezieht sich das musikalische Lernen darauf, musikalisch etwas zu erfahren und zu begreifen. Diese Erfahrungen führen dann zu Änderungen der (musikalischen) Verhaltensmöglichkeiten. Der Aspekt der musikalischen Erfahrung zeigt dabei, dass es hier um Aktivität geht. Der Lernende hört Musik, lernt neue Musik kennen, erforscht sie. Amrhein unterscheidet in seiner Ausführung „Den Musikunterricht auf die Füße stellen“ vier Ebenen des musikalischen Lernens, die sogenannten Erlebnisdimensionen:

Die sensomotorischen Verhaltensmöglichkeiten werden erweitert, wenn der Lernende aktiv handelt, sich bewegt, singt, etc. . Diese Dimension hat die meisten Parallelen zur oben genannten enaktiven Stufe des Lernens. Die affektiven Verhaltensmöglichkeiten werden erweitert, wenn Musik ein Gefühl im Lernenden auslöst, ein persönlicher, musikalischer Ausdruck entwickelt wird und Vorlieben und Abneigungen des Lernenden immer deutlicher werden. Der Erweiterung der kognitiven Verhaltens möglichkeiten liegen theoretische Kenntnisse über Musik zugrunde. Soziale Verhaltensmöglichkeiten werden dann erweitert, wenn der Lernende durch die Musik sozial interagiert und kommuniziert, wie beispielsweise in einem Orchester.7 Werden diese vier Dimensionen ähnlich stark angesprochen, funktioniert das Lernen optimal. Die sensomotorische (enaktive) Dimension bildet dabei, wie oben erwähnt, die Grundlage für die weiteren Lerndimensionen. Musikalisches Lernen bedeutet also erst einmal, sie aktiv wahrzunehmen, sich zu bewegen und durch die Bewegung und Handlung Musik zu erfahren. Die Doppelseitigkeit des Lernens beschreibt Amrhein als eine zweite Grundbedingung des musikalischen Lernens. Der Lernende erwirbt einerseits Kenntnisse über etwas objektiv Vorhandendes (beispielsweise ein Musikstück) und eignet sich andererseits persönliche, musikalische Fähigkeiten (zum Beispiel singen, tanzen) an, mit welchen er die Musik dann wiedergeben kann.8

3 Zusammenhang zwischen Lernen und Bewegung

Bewegung ist nicht nur eine Veränderung des Körpers bezüglich Ort und Zeit. Sie ist eine motorische, gefühlsbezogene und soziale Ausprägungsform. Sie ist ein zentraler Aspekt der (kindlichen) Entwicklung. Kinder setzen sich durch Bewegung mit ihrer Umwelt auseinander. Aber was ist genau der Zusammenhang zwischen Bewegung und Bildung? In der psychomotorischen Forschung wird von einer Einheit des Denkens, Erlebens, Fühlens und Handelns ausgegangen. Bewegung wird als „Motor für die körperliche und geistige Entwicklung angesehen.“9 Inhalte werden besser aufgenommen und verstanden, wenn sie bewegungs und gegenstandsorientiert vermittelt werden. Alles, was in oder mit Bewegung gelernt wird, bleibt länger im Gedächtnis. Je mehr Sinne am Lernprozess beteiligt sind, desto besser ist das Gehirn in der Lage, Informationen zu verarbeiten. Zudem trägt die psychomotorische Gestaltung der Lernprozesse dazu bei, dass eingeschränkte Wahrnehmungs und Bewegungs möglichkeiten, wie sie aktuell noch häufig in Schulen vorzufinden sind, vermindert werden und damit größere Lernerfolge erzielt werden können.10

Die Sensomotorik beschreibt den Kreislauf von Wahrnehmung und Bewegung. Die sensomotorische Lebensphase sind die ersten Lebensjahre eines Menschen, in welcher er hauptsächlich durch Bewegung und Handlung seine Umwelt erkundet. Die sensomotorische Ebene ist am zugänglichsten und wirkt sich zudem positiv auf die kognitive Leistung eines Lernenden aus. Gerade beim Musizieren stehen das gleichzeitige Wahrnehmen und Bewegen im Vordergrund. 11

3.1 Sensorisch / motorisch

Bewegung ohne Wahrnehmung ist nicht möglich und Wahrnehmung ist abhängig von Bewegung. Im menschlichen Ohr befinden sich zwei Sinnesorgane, die miteinander verbunden sind: der Gleichge wichtsbzw. Körpersinn und der Gehörsinn. Das ist besonders für musikalische Wahrnehmung und Bewegung von großer Bedeutung. Alfred Tomatis konnte belegen, dass das vestibuläre System, welches das Gleichgewicht steuert, auch auf akustische Signale reagiert. Durch Musik wird somit ein Körpergefühl im Hörer ausgelöst. Akustische Signale durchlaufen zudem Gehirnregionen, die für Be wegungsempfindungen und Emotionen verantwortlich sind (limbisches System), womit das, was der Hörer im Gehirn als Musik wahrnimmt, bereits verbunden ist mit Bewegungs und Gefühlsanteilen. Auditive Wahrnehmung und Bewegung sind dementsprechend eng miteinander verknüpft, sodass sich musikalische Aktivitäten hauptsächlich auf der sensomotorischen Ebene abspielen. 12

[...]


1 vgl. Roghmann(2009), S.3.

2 vgl. Tetzlaff (2012), S.19.

3 Sinz (1979), S.18.

4 vgl. Göhlich, Zirfas (2007), S. 19 ff.

5 vgl. TU Kaiserslautern (2018), Internetquelle.

6 vgl. Spychiger (2006), S.1 ff.

7 vgl. Amrhein (2001), S.5 f. .

8 vgl. Amrhein (2001), S.6 f. .

9 Weiß, Vogelsinger, Stuppacher (2016), S.9.

10 vgl. Weiß, Vogelsinger, Stuppacher (2016), S.10

11 vgl. Amrhein (2001), S.10.

12 vgl. Amrhein (2001), S.10 ff.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Bewegung im Musikunterricht. Eine Analyse ihrer unterstützenden Wirkung für den Lernprozess
Hochschule
Universität Paderborn
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
14
Katalognummer
V484032
ISBN (eBook)
9783668967656
ISBN (Buch)
9783668967663
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bewegung, musikunterricht, eine, analyse, wirkung, lernprozess
Arbeit zitieren
Christin Vogt (Autor), 2018, Bewegung im Musikunterricht. Eine Analyse ihrer unterstützenden Wirkung für den Lernprozess, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/484032

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