Ein Versuch der Definition des Begriffs Außenpolitik für das frühe römische Kaiserreich


Hausarbeit, 2017
20 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Gliederung:

1. Einleitung

2. Grundsätzliche Strukturen und Funktionen in der Politik römischer Kaiser, ausgehend von Neros Orientalpolitik im Vergleich zu Kaiser Claudius und Trajan Orientalpolitik
2.1 Neros Orientalpolitik
2.1.1 Historischer Kontext
2.1.1.1 Armenienkonflikt
2.1.1.2 Partherkrieg
2.1.2 Strukturen Neros Orientalpolitik
2.1.2.1 Zweckbündnisse und Klientelkönigreiche als politisches
Instrument
2.1.2.2 Repräsentation römischer Macht und Selbstinszenierung
2.1.3 Funktionen in Neros Orientalpolitik
2.1.3.1 Vorteilssicherung im Konflikt und regionale Stabilisierung
2.1.3.2 Legitimation des eigenen Machtanspruchs und dessem Roms

3.1 Strukturen und Funktionen im Vergleich zu Kaiser Claudius und Trajan
3.1.1 Vorteilssicherung und regionale Stabilisierung als grundsätzliche gemeinsame, politische Komponente
3.1.2 Legitimation und Selbstinszenierung

4. Schluss

1. Einleitung

In diesem Seminar „Außenpolitik in der römischen Kaiserzeit“ haben wir uns vorrangig mit der Frage beschäftigt, ob es den römischen Imperialismus wirklich gab und wie die einzelnen Kaiser nach außen gerichtete politische Probleme und Ziele umgesetzt haben. Dazu war es wichtig, den Begriff Außenpolitik, welcher natürlich ein neuzeitlicher Begriff ist, erst einmal mit antiken Maßstäben zu bemessen, was sich als Problem herausstellt. Denn wie kann man einen neuzeitlichen Begriff, welcher an moderne Forderungen geknüpft ist, für die Antike definieren? Zieht man eine moderne Definition von Außenpolitik, zum Beispiel die von Manfred Schmidt heran, welche besagt, „der Begriff Außenpolitik umfasst die Summe aller Handlungen, Absichten und Erklärungen eines Staates, deren Bestimmung es ist, die Beziehung des Staates zu anderen Staaten, Staatenbünden, Inter- oder Supranationalen, zu beeinflussen und zu regeln“1, steht man dem Problem gegenüber, dass man Begriffe wie Staat oder auch beispielsweise Grenze auf Rom nicht anwenden kann und sich allein schon die Frage stellt, wo die Beziehung zu anderen „Staaten“ anfängt, da doch Rom selbst aus Provinzen verschiedenster Verbundenheit zu Rom und Klientelkönigreichen besteht. Auch Definitionen wie die Drei Elemente Theorie von Georg Jellinek, welche eine Definition von Außenpolitik auf die Elemente Staatsgebiet, Staatsvolk und Staatsgewalt stützt2, stellt einen vor ähnliche Probleme. Die Grenzen des Reiches waren natürlich, im Gegensatz zur Moderne, nicht deutlich abgesteckt, sondern vermischten sich mit angrenzenden Gebieten. Aufgrund v on heterogenen Provinzen, die ihre Kultur und Religion, je nach Anpassungsgrad an Rom, weiter ausübten, keine gemeinsame Sprache hatten, aber dennoch römischer Verwaltung unterstanden, kann man kaum von einem Staatsvolk sprechen, außer man beschränkt sich auf Rom als Stadt und schließt damit den Großteil des Imperiums aus. Noch anzumerken ist, bei der Problematik des Begriffs Außenpolitik ist, dass die Römer selbst ihr Reich und die Grenzen natürlich schützten und so gut es ging kontrollieren wollten, aber dennoch als ohnehin unbegrenzt ansahen. Vergil schreibt: Diesen setzte ich weder eine Grenze ihrer Macht noch bestimmte Zeiten: Eine Herrschaft ohne ende habe ich ihnen vergönnt“3 Damit zeigt er, dass vielen Definitionen von Außenpolitik schon eine im Römischen fest verankerte Maxime entgegensteht, nämlich die der gottgegebenen Herrschaft über alle Gebiete. Damit unterteilt sich die Welt für die Römer in die schon eroberte und die, welche noch unterworfen wird. Wie man sieht, ist es schon eine schwierige Frage, Außenpolitik und damit einhergehend den römischen Imperialismus für kaiserzeitliche Maßstäbe zu definieren und so wird im Folgenden Außenpolitik als eine nach außen gerichtete Politik angesehen, welche sich durch Diplomatie und Krieg kennzeichnen konnte. Dabei stehen die politischen Strukturen und Funktionen in Neros Orientpolitik im Vordergrund, aus denen versucht wird, grundsätzliche Strukturen und Funktionen für römische Politik der Kaiserzeit bis Kaiser Trajan abzuleiten, indem diese mit denen von Kaiser Claudius und Trajan verglichen werden, um dadurch zu erarbeiten, wie einheitlich oder unterschiedlich verschiedene Kaiser Politik nach außen betrieben haben und ob man tatsächlich von imperialistischen Strukturen im Umgang mit anderen Völkern sprechen kann.

2. Grundsätzliche Strukturen und Funktionen in der Politik römischer Kaiser, ausgehend von Neros Orientalpolitik im Vergleich zu Kaiser Claudius und Trajan

2.1 Historischer Kontext

Der Armenienkrieg und der sich anschließende Partherkrieg war insgesamt ein zehn jähriger Konflikt, welcher einen Großteil der neronischen Regierung einnahm. Dieser bestand aus zwei Haupthandlungen, nämlich dem armenischen Krieg, gefolgt von einer Kampfpause und dem daraus resultierenden Krieg mit den Parthern. Armenien war seit dem ersten Kontakt der Römer zu den Parthern durch Pompeius, durch seine strategisch wichtige Lage in Ostasien immer wieder ein Konfliktgebiet gewesen in der römisch-parthsichen Diplomatie.4 Im Gegensatz zu anderen „Pufferstaaten“ zwischen Parthien und Rom, strebten im Falle von Armenien beide Parteien eindeutig eine Vormachtstellung an.5 Dieser Versuch einer Vormachtstellung war in der Kaiserzeit vor allem diplomatischer Natur, da der armenische Adel stark zerrüttet war und der armenische König oftmals nur schwer Rückhalt finden konnte. So bat der örtliche Adel im Ringen um die Herrschaft in Armenien oft um die Unterstützung der beiden anliegenden Großreiche, die in der strategischen Einflussnahme auf diesen einen eigenen Vorteil zu akquirieren versuchten, wie zum Beispiel den ihnen wohlgesinnteren König an die Macht bringen wollten oder im Falle Parthiens, aufgrund der kulturellen Nähe einen König aus dem eigenen askaidischen Königshauses.6

2.1.1 Armenienkrieg (54-59)

Als sich für den parthischen König Vologaeses die Möglichkeit ergab, den momentanen armenischen König zu vertreiben, welcher nicht nur von den Römern anerkannt war und auch aus einem iberischen Geschlecht römisch gesinnter Klientelkönige entstammte7, sondern aus der Sicht der Parther auch unrechtmäßig regierte, nutzte er die Gelegenheit, zog Truppen zusammen, fiel in Armenien ein und installierte seinen eigenen Bruder als König in Armenien.8

Nero, der seine Laufbahn als Kaiser gerade angetreten hatte, stand sich nun einem heiklen politischen Vorfall gegenüber, der einer Kriegserklärung gleich kam, da eindeutig römische Interessen verletzt wurden, als der Partherkönig seinem eigenen Bruder Tiridates das Amt des armenischen Königs übergab und damit das bis dato römische Klientelkönigreich zu einem eindeutig parthisch gesinnten Königreich werden ließ. Diese Tatsache konnte Nero nicht hinnehmen und begann, mit Zurhilfenahme seiner Berater, Gegenmaßnahme anzuordnen.9

Ein militärischer Konflikt schien unvermeidbar und so wurden die Legionen im Orient verstärkt, näher an Armenien verlegt, Klientelkönige in der Umgebung wurden in Bereitschaft gerufen und Brücken wurden über den Euphrat geschlagen, der bisherigen römisch- parthischen Grenze, um gegebenenfalls einen Angriff auf parthisches Gebiet vorzubereiten; sowie wurde der erfahrene Feldherr Corbulo mit dem Oberkommando vor Ort betraut.10 Die Parther mussten ihre Truppen aus Armenien abziehen, als der Sohn des Hyrkanerkönigs Vardens einen Aufstand in der parthischen Satrapie erprobte und Vologaeses seine Truppen dort benötigte.11 Corbulo nutzte den Rückzug der Parther, um Verhandlungen mit Vologaeses zu erzwingen, um die römische Oberhoheit in Armenien auch ohne offenem Krieg wiederherzustellen, aber dieser diplomatische Weg scheiterte.12 Corbulo hatte die Verzögerung durch die Verhandlungen aber genutzt, um eine Strafexpedition gegen Tiridates in Armenien vorzubereiten. Trotz der Verhandlungen plante Nero also schon im Voraus eine militärische Lösung des Problems. Armenien konnte 58 n. Chr. von Corbulo gesichert werden, Tiridates wurde vertrieben und ein von Nero anerkannter König wurde, zusammen mit einer Schutztruppe aus römischen Soldaten, installiert. Dabei wurde die Hauptstadt Armeniens Atraxata dem Erdboden gleich gemacht, da sie eine für die Römer zu abgeschnittene Position darstellte, die man nicht zu halten vermochte und so lieber zerstörte.13 Die römischen Truppen sicherten die logistisch besser zugängliche armenische Stadt Triganocerta nach ihrem Sieg über Tiridates, woraufhin dieser Armenien räumen musste.14

2.1.1.2 Kampfpause und Partherkrieg (59-63)

Als der von den Römern neu eingesetzte armenische König, vermutlich unter römischer Provokation, nach einer Kampfpause in die parthische Satrapie Adiabene einfiel, entschied sich König Vologaeses, den Verlust der umkämpften östlichen Satrapie Hyrakien hinzunehmen und den Krieg mit Rom und der Bemühung des Wiedereinsetzens seines Bruders Tiridates als armenischen König wieder aufzunehmen.15 Die Parther wehrten den armenischen Angriff ab und marschierten selbst in Armenien ein, bis ihr Angriff bei den römischen Truppen in Tigranocerta zum Erliegen kam und Corbulo drohte den Euphrat mit einem Heer zu überschreiten und in parthisches Gebiet einzufallen. Armenien befand sich zwar faktisch unter der Kontrolle des Tiridates, aber die parthischen Truppen, welche gerade die römischen Truppen bei Tigranocerta belagerten, mussten zum Euphrat hin abgezogen werden.16

Vologaeses sowie die Römer mussten sich bereit erklären, Verhandlungen aufzunehmen und sowohl die Parther als auch die Römer zogen ihre Truppen aus Armenien ab und der Euphrat wurde wieder zur Grenze.17 Die Niederlage des Paetus bei Rhandeia, die auf einem Rückeroberungsversuch Armeniens folgte, und der Einschluss seiner Truppen war für Nero ein politisches Desaster, da vor allem das Prestige seiner Herrschaft unter einen nun erzwungenem Waffenstillstand litt.18 Tiridates, welcher 63 n Chr. mit Rom über die Anerkennung seiner Königswürde in Verhandlung treten wollte und die ausgehandelten Abkommen des Waffenstillstands einforderte, stellte für Nero ein weiteres politisches Debakel dar, das er nicht hinnehmen konnte.19 Um die Niederlage bei Rhandeia zu kaschieren, kamen Corbulo und Tiridates 64 n. Chr. eben bei Rhandeia zusammen, nachdem durch umfangreiche Truppenverschiebungen römische Stärke so gut wie möglich demonstriert wurde, um einen für die Römer günstigeren Vertrag auszuhandeln und um ein politisches Fiasko zu vermeiden, welches Neros ganze Regentschaft bedroht hätte. Unter der Bedingung, dass Corbulo seine Truppen, die er wieder am Euphrat für einen Einmarsch in Parthien sammelte, zurückzog, einigte man sich auf eine Krönung des Tiridates zum König von Armenien und seine Anerkennung durch Rom, wenn Nero selbst ihn dafür in Rom krönen würde.20 Dort wurde versucht die Zeremonie zu Neros Gunsten auszuschlachten, um sich selbst nicht als Verlierer darstellen zu müssen.21 Tiridates aber wurde von Nero letztendlich zum König von Armenien gekrönt.

2.1.2 Strukturen Neros Orientalpolitik

2.1.2.1 Zweckbündnisse und Klientelkönigreiche als politisches Instrument

Die Eingliederung von Klientelkönigreichen, also Vasallenstaaten, hatte bereits lange römische Tradition. Der Herrscher eines Klientelkönigreichs war in seiner politischen Macht stark eingeschränkt und an Rom durch Verträge gebunden und kam vor allem dann in Frage, wenn eine direkte Kontrolle nicht erstrebenswert wart.22 Armenien war bis zur Machtübernahme des Tiridates 54 n. Chr. römisches Klientelkönigreich23, wie verschiedene weitere Königreiche im Orient.24 Als der Armenienkonflikt entbrannte und Nero gezwungen war zu reagieren, waren sowohl militärische als auch diplomatische Vorbereitungen zu treffen, welche auch über die Grenzen der römischen Provinzen hinausgingen. Nero wies die angrenzenden römischen Klientelkönigreichen an, Truppen für einen römischen Gegenschlag bereitzustellen, um sich vorzubereiten, sowohl Armenien als auch Parthien anzugreifen25 und übertrug ausgewählten Adeligen der Region verschiedene Königswürden, sodass die eroberten Gebiete nach Beilegung des Konflikts nicht ohne von Rom anerkannten Herrscher existieren müssten.26 Nach der Rückeroberung wurde Armenien regional umstrukturiert. Randgebiete Armeniens wurden an benachbarte Reiche vergeben, die unter der Kontrolle Roms standen und Tigranes, ein von Nero anerkannter König, wurde mit der Königswürde betraut, sodass Armenien faktisch wieder ein römisches Klientelkönigreich war.27 Aber nicht nur Klientelstaaten waren für Nero ein wichtiges politisches sowie militärisches Instrument, sondern auch Zweckbündnisse mit Königreichen auf die Rom keine direkte Macht ausüben konnte. Nachdem der Aufstand der Hyrkaner die parthischen Truppen band, sodass Corbulo Armenien ohne große Schwierigkeiten 58 n. Chr. wieder unter römische Kontrolle bringen konnte, erkannte auch Nero den Nutzen eines Bündnisses mit diesen28 und obwohl das Gebiet der Hyrkaner fernab jeglichen römischen Einflussgebiets lag, nämlich östlich des kaspischen Meeres, schloss man ein rein militärisches Bündnis, aus dem beide Parteien ihren Nutzen ziehen wollten, was beweist, dass strategisch günstige Zweckbündnisse eine Struktur in seiner Politik darstellten. Aber auch bei der Rückeroberung Armeniens 58 n. Chr. kann man sehen wie erzwungene Zweckbündnisse genutzt werden. Die armenischen Fürsten, welche widerstandslos aufgaben und Rom anerkannten, wurden verschont, wohingegen die anderen mit aller Härte bestraft wurden.29

[...]


1 Manfred Schmidt, Außenpolitik, in: Wörterbuch zur Politik, Stuttgart 2004, S. 60f.

2 Walter 1998, S. 20.

3 Verg. Aen. 1.278f, Übersetzung bei G. Fink, S. 25.

4 Linz 2009, S. 105.

5 Heil 1997, S. 14.

6 Linz 2009, S. 105-106.

7 Linz 2009, S. 107.

8 Tac. Ann. 12.50.

9 Ziegler 1996, S. 67.

10 Tac. Ann. 13.7.

11 Tac. Ann. 13.7.

12 Tac. Ann. 13.9.

13 Tac. Ann. 13.34-41.

14 Linz 2009, S. 114.

15 Linz 2009, S. 116.

16 Linz 2009, S. 116.

17 Tac. Ann. 15.14-17.

18 Krüger 2012, S. 191-192.

19 Linz 2009, S. 119.

20 Cass. Dio. 62.23.

21 Tac. Ann. 15.29.

22 Brodersen 1998, S. 76-77.

23 Linz 2009, S. 107.

24 Krüger 2012, S. 73.

25 Krüger 2012, S. 73.

26 Tac. Ann. 13.7.

27 Linz 2009, S. 115.

28 Tac. Ann. 14.25.

29 Tac. Ann. 14.23.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Ein Versuch der Definition des Begriffs Außenpolitik für das frühe römische Kaiserreich
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Note
2,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
20
Katalognummer
V484116
ISBN (eBook)
9783668967205
ISBN (Buch)
9783668967212
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Außenpolitik, Rom, Nero, Trajan, Claudius, Parther, Armenien, Kaiserreich
Arbeit zitieren
Adrian Karmann (Autor), 2017, Ein Versuch der Definition des Begriffs Außenpolitik für das frühe römische Kaiserreich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/484116

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