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Identität und Imagination. Zu einer Ästhetik des Politischen bei Rilke

Title: Identität und Imagination. Zu einer Ästhetik des Politischen bei Rilke

Term Paper (Advanced seminar) , 2002 , 20 Pages , Grade: 1

Autor:in: Mirko Mandic (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Rilkes Verhältnis zum Politischen scheint selbst ein Politikum zu sein. Hatte die Rilke-Forschung dieses Thema lange und gerne umgangen, und sich mit biografischen und zeitgeschichtlichen Hinweisen zufriedengegeben, sah sie sich spätestens in den 70er Jahren zunehmend bedrängt, Rilkes Vereinnahmung durch den Nationalsozialismus zu erklären und damit „das sphärische Bild [des Autors und seines Werks] mit Eklat zu sprengen“. Dies endete dann entweder in der bedingungslosen Ablehnung bestimmter Dichtungen als neokonservativ, jeden Bezug auf das Soziale ablehnend, oder aber in einer vehementen Rechtfertigung von Werk und Autor. Dass dieser Gegenstand keineswegs erschöpft ist, zeigt nicht zuletzt die Kritik, die der 1992 von Joachim Storck herausgegebene Band „Briefe zur Politik“ widerfuhr.
Allen Beiträgen gemeinsam ist die Behandlung des Themas als etwas Peripheres. Demnach wird meist strikt unterschieden zwischen einem poetischen und einem politischen Paradigma. Letzteres bleibt dabei stets randständig, nebensächlich, ersterem untergeordnet. Bezüglich des Nationalsozialismus’ herrscht der Grundtenor der Verlegenheit.
Demgegenüber will diese Arbeit das Politische als eine spezielle Kategorie eines allgemeineren Prinzips begreifen, was m.E. heißt , dass Rilkes Verständnis des Politischen als genuin ästhetisches zu bestimmen ist. Die Frage nach der Konstitution und Beschaffenheit des Politischen wäre dann nicht unabhängig von Rilkes poetischer Produktion und den daraus ableitbaren poetologischen Konsequenzen zu beantworten.
Die Aufgabenstellung muss es also sein, zu fragen, ob und wie in Rilkes Texten dem Charakter des Politischen eine ästhetische (vielleicht sogar poetische) Disposition zugrunde gelegt werden kann. In der Arbeit soll anhand einiger explizit politischer Stellungnahmen Rilkes zunächst versucht werden, die dort entwickelte Gründung und Figuration des Politischen nachzuzeichnen. Es wird dann nach den politischen, gesellschaftlichen (und nicht zuletzt ästhetischen) Prämissen und Konsequenzen zu fragen sein, mit denen ein solcher Entwurf einhergeht.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Rilke und die Politik

2. Hauptteil: Zur ästhetischen Struktur des Politischen

2.1 Suche nach einer Urform des Sozialen

2.2 Alles oder Nichts: Vom Unsagbaren zum Sagbaren

2.2.1 Der Status des Signifikanten und die Ermöglichung des Diskurses

2.2.1.1 Jacques Derrida: Die supplementäre Metapher

2.2.1.2 Ernesto Laclau: Der leere Signifikant

2.2.1.3 Rainer Maria Rilke: Das Ding

2.2.2 Erlebnis und Schicksal: ‚Die Frage nach dem Einzelnen‘

3. Schluss: Rilke und das Politische

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Diese Arbeit untersucht Rilkes Verhältnis zum Politischen mit dem Ziel, sein Verständnis des Politischen als genuin ästhetische Kategorie zu bestimmen. Die zentrale Forschungsfrage lautet, ob und wie in Rilkes Texten dem Charakter des Politischen eine ästhetische Disposition zugrunde gelegt werden kann und welche poetologischen Konsequenzen sich daraus ergeben.

  • Die Analyse von Rilkes Verständnis nationaler Identität und der "Idee" des Sozialen.
  • Untersuchung der semiotischen Beschaffenheit von Rilkes "Ding"-Begriff im Kontext politischer Identitätsstiftung.
  • Anwendung poststrukturalistischer Theorien (Derrida, Laclau, Blumenberg) auf Rilkes politisches Denken.
  • Die Rolle des Einzelnen und dessen Verhältnis zur Gemeinschaftsbildung.
  • Die Verknüpfung von ästhetischer Repräsentation und der Konstitution politischer Räume.

Auszug aus dem Buch

2.2 Alles oder Nichts: Vom Unsagbaren zum Sagbaren

Unter Bezugnahme auf geschichtliche Konstellationen im Europa nach dem 1. Weltkrieg macht Rilke das Konzept des politischen Bewusstseins als Idee anschaulich. Während er für Deutschland und Österreich aus verschiedenen Gründen die Durchsetzung ihrer nationalen Idee bestreitet, spricht er sie einem anderen Staat zu: „Ungarn müßte eine haben: denn sein Glauben an seine Krone, dieser stille, unbeirrliche Drang durch die Jahrhunderte hin, in einem ‚Ding‘ das Unbegreiflichste der Macht sich rein zu erhalten, kann nichts anderes sein, als eine große verschwiegene Idee; [...]“

Hier wird eine mögliche Bedingung für das Vorhandensein nationalen Bewusstseins artikuliert. Demzufolge scheint die Vorstellung einer Idee des Sozialen eng an die Existenz symbolischer Formen gekoppelt zu sein. Im Falle Ungarns ist es die Stephanskrone, die die Anwesenheit und Nachweisbarkeit transzendentaler politischer Gehalte garantieren soll.

In welcher Beziehung stehen nun aber ‚Idee‘ und ‚Ding‘? In welchem (politischen oder ästhetischen) Sinn kann eine solche Verknüpfung einerseits begriffen, andererseits als Erfordernis einer gewaltlosen Gesellschaftsordnung relevant werden? Rilke selbst äußert eine mögliche Form der Beziehung, indem er die Stephanskrone als den „Akkumulator dieser ins Unantastbare und Gemeinsame hinein gesparten Kraft; [...]“ kennzeichnet. Die Möglichkeiten des Dings bestehen dann lediglich im Anhäufen, Sammeln und Speichern einer bestimmten Geschichte ideellen Sinns.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Rilke und die Politik: Diese Einleitung reflektiert die bisherige Rilke-Forschung und legt den Grundstein für die These, dass Rilkes politisches Verständnis als eine spezifisch ästhetische Kategorie zu begreifen ist.

2. Hauptteil: Zur ästhetischen Struktur des Politischen: Dieser Teil analysiert theoretische Konzepte von Rilkes Zeitverständnis und der Entstehung sozialer Identität.

2.1 Suche nach einer Urform des Sozialen: Es wird untersucht, wie Rilke politische Identität durch nationale Wesenhaftigkeit und metaphysische Muster zu begründen sucht.

2.2 Alles oder Nichts: Vom Unsagbaren zum Sagbaren: Dieser Abschnitt thematisiert das Verhältnis zwischen symbolischen "Dingen" und politischen Ideen anhand des Beispiels der ungarischen Krone.

2.2.1 Der Status des Signifikanten und die Ermöglichung des Diskurses: Eine theoretische Fundierung der Begriffe Signifikant, Diskurs und Repräsentation.

2.2.1.1 Jacques Derrida: Die supplementäre Metapher: Analyse der Metapher als konstitutives Überschussverhältnis im Sinne Derridas.

2.2.1.2 Ernesto Laclau: Der leere Signifikant: Untersuchung, wie durch diskursive Prozesse soziale Identitäten stabilisiert werden.

2.2.1.3 Rainer Maria Rilke: Das Ding: Anwendung der zuvor erarbeiteten Theorien auf Rilkes literarisches "Ding"-Konzept.

2.2.2 Erlebnis und Schicksal: ‚Die Frage nach dem Einzelnen‘: Betrachtung der Rolle des Individuums im Spannungsfeld von Gemeinschaftsbildung und Schicksal.

3. Schluss: Rilke und das Politische: Zusammenfassung der Erkenntnisse, die das Politische und Ästhetische in Rilkes Werk als eine untrennbare Zone der Unentscheidbarkeit ausweisen.

Schlüsselwörter

Rainer Maria Rilke, Ästhetik des Politischen, Identität, Imagination, leerer Signifikant, Jacques Derrida, Ernesto Laclau, Stephanskrone, Diskurs, Metapher, Gemeinschaftsbildung, Politische Philosophie, Literarische Moderne, Absolute Metapher, Sozialtheorie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?

Die Arbeit untersucht Rilkes politisches Denken und argumentiert, dass dieses nicht als peripher, sondern als genuin ästhetisch zu verstehen ist.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Arbeit verknüpft Rilkes Äußerungen zu Politik, Identität und Geschichte mit poststrukturalistischen Theorien über Diskurse und Metaphern.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Rilkes poetische Produktion und seine politischen Stellungnahmen eine gemeinsame ästhetische Grundlage teilen.

Welche wissenschaftliche Methodik kommt zum Einsatz?

Es wird eine texttheoretische und semiotische Analyse durchgeführt, die Rilkes Texte in den Kontext von Denkern wie Jacques Derrida und Ernesto Laclau stellt.

Was steht im Hauptteil der Arbeit im Mittelpunkt?

Der Hauptteil analysiert die Verbindung von Sprache, Symbolen (wie dem "Ding") und der Konstitution politischer Gemeinschaft.

Welche Schlüsselbegriffe sind für die Arbeit entscheidend?

Wichtige Begriffe sind die "Idee" des Sozialen, der "leere Signifikant", "absolute Metapher" und die "Unentscheidbarkeit" zwischen Außen und Innen.

Wie deutet Rilke die "Judenfrage" in seiner Korrespondenz?

Rilke weitet diese spezifische Frage zu einer generellen Reflexion über die Möglichkeiten und Grenzen der Bildung einer Gemeinschaft aus.

Welche Rolle spielt die Stephanskrone in Rilkes politischem Entwurf?

Die Krone fungiert für Rilke als ein symbolischer "Akkumulator" oder "leerer Signifikant", der dazu dient, eine nationale Identität imaginativ zu stiften.

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Details

Title
Identität und Imagination. Zu einer Ästhetik des Politischen bei Rilke
College
University of Constance
Course
Rilke - George - Hofmannsthal
Grade
1
Author
Mirko Mandic (Author)
Publication Year
2002
Pages
20
Catalog Number
V48428
ISBN (eBook)
9783638451444
Language
German
Tags
Identität Imagination Politischen Rilke George Hofmannsthal
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Mirko Mandic (Author), 2002, Identität und Imagination. Zu einer Ästhetik des Politischen bei Rilke, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48428
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